Eine Auschwitzer Hochzeitsanzeige und die Folge

Mein lieber Rudi,
att00039wir sollten uns nicht leid tun, eher versuchen zu verstehen, was der andere sagen will.
Ich kann mir Deine Schlußfolgerung aus dem Hochzeitsbild – ich würde solches in Konzentrationslagern als alltäglich behaupten  – nun wirklich nicht erklären, nachvollziehen. Schon weil die Geschlechter zumeist getrennt untergebracht waren, jedenfalls nach den diversen Erzählungen, war es sicher nicht so häufig. Als Ausgleich gab es ja die Puffs, nachgewiesenermaßen.
In einem hast Du allerdings – sicher unvermutet –  recht: bezüglich der massenhaften Entbindungen. Ich hatte im Netz gelesen, daß sich die Krankenschwestern (dächte um die 300) des Krankenhauses Auschwitz/Birkenau (in dem die Mutter des späteren österr. Kanzlers Kreisky nach dessen biograf. Angaben “bei bester Pflege im hohen Alter von 86 Jahren eingeschlafen ist”) bei ihren jährlichen Treffen bis Ende der 80-er Jahre gerühmt haben über “mehrere Tausend gesunder Geburten” daselbst; welche wohl kaum dann – wie Eli Wiesel schrieb – hinterher an den Füßchen gepackt und in die Flammengruben geworfen wurden.
Merkste, worum es mir geht?
Wir haben einen psychischen Knacks anerzogen bekommen mit der Holokeule und suchen darum bei jedem Argument, das gegen die Lügen und Verteufelung spricht, sofort erst mal die gedanklichen Rettungsanker oder Behauptungen, die unsre Vorfahren trotzdem zu Verbrechern machen. Damit wir unser Weltbild nicht ändern müssen?
Versuch doch mal, diesen Gedankengang nachzuvollziehen, am eigenen Reagieren auf Plausibilität zu überprüfen. Das Faktum – des psychischen Identitäts-Defektes – ist empirisch an Tausenden Deutschen nachgewiesen worden gegenüber unseren Nachbarvölkern, in diversen Studien.
Und daß in deutschen Kl-s Verbrechen stattgefunden haben – wäre verwunderlich? Wieviele Verbrechen haben in den tausenden KL-s in aller Welt während des Krieges und danach an Deutschen, Italienern und Japanern stattgefunden, ohne daß jemand ein Wort heute darüber verliert oder gar einen Schuldkomplex hätte???
Allerdings wurden mindestens vier Lagerleiter in Deutschland von SS-Gerichten belangt, zwei sogar gehenkt wegen festgestellter Verbrechen. Kennst Du solche Korrektheit von irgend einem der Kriegsgegner?
Bitte mal beide letzte Fragen beantworten, Rudi!
Wieviel Verbrechen geschehen in heutigen Lagern und Gefängnissen, Rudi? Wieviele wichtige Zeugen haben sich da schon in letzter Minute selbstgemordet (siehe aktuell Leipzig)?
att00036Wen stört es, Rudi? Bzw. kämen wir auf die Idee, deshalb allgemeine und dauerhafte Schuldgefühle zu entwickeln?
Oder gar etwa nach Aufklärung verlangen würden?
Ich will Wahrhaftigkeit, damit wenigstens meine Freunde und Familienangehörigen ihren Knacks und Schuldkomplex ablegen zugunsten des aufrechten Ganges, eines freien Denkens und anständigen Verhaltens gegenüber unsren Vorfahren und ihres Tuns und Lassen. Unseres muß ich leider mehrheitlich als erbärmlich und feige feststellen.
Das alles auch in Verantwortung für unsre Nachkommen, damit sie eine Überlebenschance behalten.
Lies Dir doch mal die Kommandanturbefehle von Auschwitz durch (Internet). Sind schon 2002 erschienen vom IFZ München; für 120 € – vermutlich damits keiner liest.
Solche anständigen Vorschriften wirste in keinem anderen Lager der Welt wiederfinden. Es waren Arbeitslager, in denen auch Hundertausende Kriminelle eine Resozialisierung erfuhren und deren Arbeitskraft dringendst benötigt und schon allein deshalb gesund erhalten wurde.
Und natürlich macht nur Arbeit den Menschen frei und zum Menschen – das kannste heute an Millionen Abgehängter gegenteilig erleben; schau Dich nur um.
Ich kann mich noch gut an Bemerkungen meiner Mutter erinnern, daß sie ab 1933 viel unbeschwerter plötzlich ihren täglichen Weg nach Leipzig zur Schule erlebte, nunmehr ohne Angst früh und abends im Dunkeln zum Weißenfelser Bahnhof ging und zurück. Das Gelichter war plötzlich bei – noch dazu – gesellschaft wertvoller Arbeit. Hat das Weißenfelser Stadion, das Sommerbad in Lützen gebaut oder die Elbdeiche errichtet.
Wir sind ja heute längst wieder so weit, was die Sicherheit angeht, oder?
Übrigens sollen nach authentischen Nachkriegsrecherchen die kommunistischen Kapos, weil durchorganisiert und brutal, die Schlimmsten bspw. in Buchenwald gewesen sein.
Und natürlich wurde zum Kriegsende das Sterben in den Lagern schlimm, weil Lebensmittel-, Medikamenten- und sonstige Versorgung zusammenbrach; nichts mehr gegen Verhungern und Sterben durch Ruhr, Typhus und Fleck- oder Gelbfieber getan werden konnte. Was meinste – warum nicht?
Warum hat wohl das IRK Genf schon 1944 die Alliierten aufgefordert, das Bombardieren der Städte und das Beschießen von Transporten und Zivilisten einzustellen?
– Vergeblich!!!
Wollten die Alliierten absichtlich das Verrecken der Lagerinsassen, um hinterher nicht so viele Überlebende durchfüttern zu müssen und den Deutschen um so mehr Sterben anlasten zu können?
– Was ja auch geschah!
Nur eben – kein gebückt Gehender denkt solches, geschweige denn traut sich darüber zu sprechen; und in der Folge gibt es noch mehr auf den Buckel – bis zum Zusammenbruch…
Ich will unseren Zusammenbruch verhindern – das isses, Rudi!
Grüße Hans

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