Wir können uns noch gut an den Anschlag auf Charlie Hebdo im Januar 2015 erinnern. Zwei Attentäter drangen in die Redaktionsräume der Zeitschrift ein, töteten elf Personen, verletzten mehrere Anwesende und brachten auf ihrer Flucht einen weiteren Polizisten um, heisst es. Der Anschlag soll als Rache wegen Karikaturen gewesen sein, die Mohammed beleidigen. Angela Merkel äusserte stellvertretend für viele andere, die Tat sei nicht nur ein Angriff auf das Leben der französischen Bürger und die innere Sicherheit Frankreichs, sondern stelle auch einen “Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit dar, ein Kernelement unserer freiheitlich-demokratischen Kultur, der durch nichts zu rechtfertigen ist“.

Die zwei Turteltauben USA und Iran “scheissen” auf Netanjahu

Meinungsfreiheit mit Karikaturen zu äussern ist aber relativ. Es kommt immer darauf an, wen die Karikatur zeigt. Christen und Moslems darf man beleidigen, so wie Charlie Hebdo es am übelsten gemacht hat, aber Juden nicht. Das hat jetzt Giulio Haas erlebt, der Botschafter der Schweiz in Teheran. Weil er bei einem Vortrag vergangene Woche in Zürich eine Karikatur mit Benjamin Netanjahu zeigte, hätte er Israel beleidigt und bekam einen Anschiss vom Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA).

Das EDA betrachtet die Verwendung der Karikatur als geschmacklos und bedauert, dass das Bild verwendet worden ist“, teilt das Departement mit. Das EDA entschuldigte sich für Haas und versichert: “Der Schweizer Botschafter im Iran wollte mit der Karikatur niemanden kränken. Sollte dies doch der Fall sein, bedauert er dies und entschuldigt sich bei den Personen, die sich durch die Verwendung des Bildes verletzt fühlen.

Bundesbern, das noch im Januar das Veröffentlichen von Karikaturen als Recht auf Meinungsfreiheit verteidigte, egal ob sich jemand unter dem Moslems oder Christen dadurch gekränkt oder verletzt fühlt, hat jetzt sofort den Schwanz eingezogen und sich entschuldigt, weil der Anführer des israelischen Regimes darauf erscheint. Was für rückgradlose Heuchler!

Ist ja klar, den Kriegsverbrecher Netanjahu in einer Karikatur zu zeigen, geht mal gar nicht. Er hat ja nur vor einem Jahr die Bombardierung von Gaza befohlen, bei der über 2’000 wehrlose Zivilisten, davon 500 Kinder, durch Luftangriffe und Artilleriebeschuss der IDF ermordet wurden. So ein Massenmörder, der die Atomvereinbarung von Wien mit allen Mitteln verhindern will, der den Iran militärisch angreifen will, darf man nicht in einer Karikatur darstellen. Das ist dann keine Zensur und Angriff auf die Meinungsfreiheit.

Ich war am vergangenen Donnerstag den 27. August übrigens bei der Veranstaltung im Marriott Hotel Zürich dabei, wo Botschafter Haas seinen Vortrag hielt. Der Veranstalter Switzerland Global Enterprise hatte Geschäftsleute eingeladen, die sich nach dem Nuklear-Abkommen zwischen den USA, EU und dem Iran, wegen der baldigen Aufhebung der Sanktionen, für Wirtschaftsbeziehungen mit dem Iran interessieren. Ich beobachtete als Journalist, wie der Saal übervoll mit Geschäftsleuten war, welche die anstehende wirtschaftliche Öffnung des Irans gegenüber ausländischen Unternehmen begrüssen.

Es wurde den Zuhörern von verschiedenen Experten, wie vom Wirtschaftsdepartment (SECO), von der Handelskammer Schweiz-Iran, und von Unternehmer, die im Iran schon länger tätig sind, die Möglichkeiten, aber auch Risiken, des grossen iranischen Marktes vorgestellt. Dabei hat auch Botschafter Giulio Haas gesprochen, der sagte, der Iran stellt “einen Pol der Stabilität dar, in einer sehr, sehr unsicheren Region“. Er empfahl den anwesenden Geschäftsleuten, nicht zu lange mit ihren Unternehmungen im Iran zu warten, ein lukrativer Markt mit fast 80 Millionen Menschen.

Haas wollte mit der Karikatur in seiner Präsentation am Schluss darauf hinweisen, es gibt aber einflussreiche Kräfte, welche die Ratifizierung und Implementierung der Atomvereinbarung, und die damit verbundene Aufhebung der Sanktionen, gefährden können, wie eben Netanjahu und die Pro-Israel-Lobby in Washington. Er hat das humorvoll damit sagen wollen, aber die Zionisten verstehen absolut keinen Spass, wenn es um Kritik geht.

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