Nostalgisches zum Thema “Euro” aus dem Jahr 1998 – eine Zeitungsschau

 

ich habe Ihnen ja schon früher Kostproben aus meinem Zeitungsarchiv zum Thema Euro gegeben. Heute – der Grexit und der totale Crash des Euro lungern vor der Haustüre herum – sind die alten Zeitungsartikel aktueller denn je.

Erinnern Sie sich noch an das Jahr 1998?

Ich schon. Im Jahr 1998 wurde offiziell die Mark abgeschafft.

Hier eine Schlagzeile aus dem Münchener Merkur vom 24. November 1998.

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Im Bundesrat war nur das Bundesland Sachsen gegen die Einführung des Euro, in Form von Ministerpräsident Biedenkopf, siehe hier im Münchener Merkur vom 25./26. April 1998:

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Nur wenige Tage zuvor haben sich einige wenige CSU-Mitglieder in der Gaststätte Leuchtenberg getroffen, heute die etwas modernere Gaststätte Luka:

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Um es kurz zu machen, es war damals eine traurige Veranstaltung.

Hier der Bericht dazu, im Münchener Merkur vom 9./10. April 1998:
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Man konnte damals schon alles in der Zeitung lesen, was heute allen schwer im Magen liegt.

Beispielsweise hier die Meinung aus der Schweiz, im Münchener Merkur vom 19. Juni 1998:

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Man konnte solche Kritik nicht so einfach abtun, denn auch im Inland waren Fachleute aus guten Gründen dagegen, hier aus der SZ-Finanz vom 07. Juli 1998:

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Und hier der Bund der Deutschen Steuerzahler im Münchener Merkur vom 13. März 1998, also noch vor (!) der Abstimmung im Bundesrat:

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Das Handelsblatt vom 19. Februar 1998 weist schon früh darauf hin, wo der Hase im Pfeffer liegt: einige der Euro-Staaten in Lauerstellung erfüllten die Stabilitätskriterien nicht. Das wird sich noch als Problem herausstellen:

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Ein scharfsinniger Kommentar dazu aus dem Münchener Merkur vom 4./5. Juli 1998. Must read:

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Der obige Kommentar findet klare Worte, die damals überall in der Presse zu lesen waren:

Insgesamt führt die Entwicklung wohl ohnehin zu einer sogenannten Transfer-Union, in der die reicheren Länder für die schwächeren Länder Ausgleichszahlungen leisten. Die Frage dürfte lediglich sein, in welcher Höhe.

Man konnte damals sogar offen von Betrug bei der Erlangung der Einstiegsvoraussetzungen in der Zeitung lesen:

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Griechenland wurde schon damals – neben Italien und Belgien – besonders bedacht. Hier in der Börsenzeitung vom 28. Februar 1998:

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Natürlich gab es damals schon Propaganda, die man allerdings schnell als solche entlarven konnte, siehe z.B. hier in der SZ-Finanz vom 28. Februar 1998:

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Hier der Münchener Merkur vom selben Tag zum selben Thema:

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Der IWF warnte schon früh vor den mangelnden Voraussetzungen der Mitglieds-Länder für den Euro, hier in der SZ-Finanz vom 14. April 1998:

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Am 10. Februar 1998 wurde sogar öffentlich vor dem Euro gewarnt, hier im Münchener Merkur:

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Und hier einige Daten zu den Beitrittsvoraussetzungen der Euro-Mitgliedsländer, aus dem Münchener Merkur vom 04. Juli 2001:

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Die schlechten Zahlen Griechenlands waren aber kein Problem, wie man in dem folgenden Artikel aus dem Jahr 2000 nachlesen konnte:

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Aus dem Artikel:

Unheimlich sind vielen Kritikern einer frühen Euro-Mitgliedschaft Griechenlands die rasanten Fortschritte der Regierung Kostas Simitis bei der Sanierung der öffentlichen Finanzen.

Heute weiß jeder, daß diese Zahlen gefälscht waren.

Damit soll es für heute genug sein. Mein Zeitungsarchiv hat noch zahlreiche weitere Artikel zu diesem Thema, vielleicht stelle ich mehr davon zu einem späteren Zeitpunkt online.

Es soll hier nur gezeigt werden, daß man die sich heute abzeichnende Katastrophe schon damals in den öffentlichen Medien absehen konnte.

Siebzehn (17) Jahre habe ich gewartet, bis die sich schon damals abzeichnenden Konsequenzen eintreten. Jetzt ist es soweit.

Griechenland wird weder die schon vorher und seither zusätzlich angesammelten Schulden noch die Zinsen darauf zurückzahlen, es sei denn, irgendjemand leiht Griechenland das Geld dafür.

Die Troika aus EU, EZB und IWF verhält sich wie eine Bank, die einem Schuldner zuviel Geld ohne Hingabe geeigneter Sicherheiten geliehen hat. Der Schuldner Griechenland führt die Troika nach Belieben mit einem Ring durch die Nase herum, wie der Knecht an Kirchweih einen Pfingstochsen. Die Troika wiederum stellt Ultimatum über Ultimatum, um alle Welt zu zeigen, daß sie die Situation unter Kontrolle hat. Hat sie aber nicht.

Ein drittes Rettungspaket für Griechenland ist den Wählern in Deutschland nicht vermittelbar. Wenn der ESM statt dessen einspringt, dann stehen die Länder Italien, Spanien, Portugal und Irland schon auf der Matte nach einer Gleichbehandlung: keine Sparmaßnahmen mehr und statt dessen Hilfe vom ESM.

Das sind nur zwei der vielen Aspekte bei der Rettung Griechenlands, an der sich zeigen wird, wohin die Reise für den Euro gehen wird.

Ich selbst bin nach wie vor skeptisch. Das wird nicht gut gehen können.

Was ich besonders schade an dem Euro-Experiment finde ist, daß es im Ergebnis die europäische Einigung in Frage stellt. Wie schön ist ein Europa mit freiem Handel und ohne Grenzkontrollen. Warum mußte man das für eine offensichtlich unbrauchbare Währung aufs Spiel setzen?

Eher fließt Wasser bergauf als daß der Euro funktioniert.

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1 Response » to “Nostalgisches zum Thema “Euro” aus dem Jahr 1998 – eine Zeitungsschau”

  1. Adebar says:

    Mahlers Zustand weiter sehr ernst – In medizinische Fachabteilung verlegt

    Nach dem Erscheinen erster Presseberichte über die Erkrankung Horst Mahlers veranlasste die Anstaltsleitung der JVA Brandenburg am gestrigen Dienstag eine erste Erleichterung des Haftregimes: Mahler wurde aus dem überhitzten, unklimatisierten Krankenzimmer, in das er eingeschlossen war, in ein größeres, etwas besser ausgestattetes Zimmer verlegt. Auch das rigide Besuchsverbot wurde dahingehend gelockert, daß seiner Ehefrau das Recht auf mehrmaligen Besuch während der Woche eingeräumt wurde.

    Mahler leidet u.a. an den Folgen einer akuten Sepsis, die möglicherweise von einer Wundrose (Erysipel) herrührt, die sein linkes Bein befallen hat. Ursache der Erkrankung ist ein unzureichend behandelter Diabetes.

    Wegen des nach wie vor besorgniserregenden Zustands wurde Mahler am heutigen Mittwoch aus der Haftabteilung des städtischen Klinikums Brandenburg in eine medizinische Fachabteilung verlegt, die nicht zur JVA Brandenburg gehört. Dort haben Familienangehörige nahezu normale Besuchsmöglichkeiten, wie sie in Krankenhäusern üblich sind.

    Die Infektion des linken Beins ist nach Einschätzung der Ärzte zwar nicht unmittelbar lebensgefährlich, jedoch ist das Erysipel augenscheinlich fortschreitend, so dass die Gesamtsituation weiterhin sehr ernst ist und einen tödlichen Ausgang möglich erscheinen lässt.

    https://derfallhorstmahler.wordpress.com/2015/07/08/mahlers-zustand-weiter-sehr-ernst-in-medizinische-fachabteilung-verlegt/

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