In der Stadt Madison/Wisconsin, ein nördlicher US-Staat am Michigan-See, haben 100.000 Menschen für Gewerkschaftsrechte demonstriert. Gewerkschafter organisierten landesweite Proteste von New York bis Los Angeles und erklärten sich mit Wisconsin solidarisch, wo der republikanische Gouverneur Scott Walker versucht, per Gesetz die Rechte der Gewerkschaften faktisch zu beseitigen.

Nach dem die Gewerkschaften in den Privatindustrie systematisch in den letzten Jahrzehnten zu zahlosen Tigern degradiert wurden und man praktisch zerstört hat, kommt das Rechte der Beamten und Angestellten Tarifabschlüsse auszuhandeln im öffentlichen Dienst dran.

Tausende öffentliche Angestellte haben in Madison den 12. Tag hintereinander demonstriert und protestiert Trotz kalten Wetters und Schnee kamen mehr als 70.000 Menschen am Samstag zusammen. Am Wisconsin-Capitol wurde ein Camp errichtet wie am Tahrir-Platz in Kairo. Hunderte schlugen auf Trommeln und riefen Parolen durch Bullhörner. Einige haben sogar im Wisconsin-Capitol übernachtet.

Der Schauspieler Bradley Whitford (‘The West Wing’, TV-Serie), der die Kundgebungsteilnehmer begrüsste, sagte:

Dieser Gourverneur (gemeint der Republikaner Scott Walker, der auf Plakaten mit einem Hitlerbart verziert wurde und neben Mubarak-Bildern zu sehen war) muss wissen, dass Wisconsin ein sturer Wahlkreis ist. Wir angeln durch das Eis hindurch!” Menschen trugen Schilder, auf denen zu lesen war, dass Walker ein ‘Parasit‘ und ein ‘Diktator‘ sei und verlangten, dass die Wähler ihn abberufen sollten.

Der republikanische Gourverneur Scott Walker hat eine Gesetzesvorlage eingebracht, wonach fast alle Angestellten im öffentlichen Dienst das Recht verlieren sollen, sich über ihre Gewerkschaft an Verhandlungen zu Arbeitsbedingungen und Prämien zu beteiligen. Walker meint, dass die Vorlage dazu beitrage, dass das 3,6 Milliarden Dollar grosse Loch im Haushalt geschlossen werden kann und dass die Entbindung regionaler Regierungen von Verhandlungen mit den Gewerkschaften ihnen grössere Flexibilität angesichts starke Einschnitte im Haushalt geben werde. Soweit Walker.

Das Gesetz hat die Gewerkschaften in Rage gebracht. Sie betrachten es als ein Herumtrampeln auf Arbeiterrechten.

Auch im Bundesstaat Ohio ist ein ähnliches Gesetz geplant. In Columbus versammelten sich einige tausend Demonstranten und protestierten gegen diese Pläne.

Zahlreiche Lehrer, Feuerwehrleute und öffentliche Angestellte beteiligten sich an Kundgebungen, hielten US-Flaggen hoch, trugen Gewerkschaftsoutfit und zeigten Plakate.

In Los Angeles konnte man auf Schildern den Spruch lesen: “Wir sind alle Wisconsiner!

Eliot Seide, ein Gewerkschaftsführer, vor einer Menschenmenge in St. Paul/Minnesota: “Das Recht von Tarifverhandlungen ist ein amerikanisches Recht. Man kann keine amerikanische Demokratie haben ohne eine starke Gewerkschaftsbewegung!

Die allgemeine Finanzkrise und Rezession in den USA führt also nicht nur zur Verarmung ganzer Bundesstaaten, die wie Wisconsin angeblich pleite sind, sondern auch zur Abschaffung elementarer demokratischer Rechte, sodass von der amerikanischen Demokratie nur noch die äussere Hülle und die Phrase übrig bleibt, die man dann aus dem Hut zieht, wenn es darum geht, Ländern wie China oder dem Iran ‘Menschenrechtsverletzungen’ vorzuwerfen.

Überigens, die grossen TV-Medien berichten nichts über die Protestaktionen. Weder Fox News, MSNBC oder CNN zeigen etwas darüber. Ausserdem, ein Polizeistaat wie die USA braucht keine Gewerkschaftsrechte.

Sogar Schnee konnte die 100’000 Demonstranten in Wisconsin nicht von ihrem Protest abhalten:

Auch die Polizeigewerkschaft solidarisiert sich mit den Besetzern des Capitols in Wisconsin:

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