Ein weiterer Bericht von Valerie K. aus Kiew: Eine echte Opposition muss in meinen Augen eine konstruktive bzw. berechtigte Kritik gegenüber der jetzigen Regierung darstellen. Außerdem wäre es für Oppositionelle aus meiner Sicht angebracht, gar nichts mit bestehenden Vorgangsweisen und Praktiken zu tun zu haben. Stattdessen Alternativen anbieten und diese konsequent umsetzen. Es wäre für Oppositionelle genauso wünschenswert, mit dem Team der amtierenden Regierung auch nichts Gemeinsames zu haben, etwa mit ihnen die Posten im Kabinett zu teilen. Umso mehr, wenn es bei der „Regierung“ um nichts als eine korrupte Verbrecherbande geht, mit der man nicht zusammenarbeiten darf. Eine echte Opposition soll stattdessen die Interesse des Volkes vertreten und den Volksaufstand gegen verbrecherische Blutsauger anführen. Die Leute die nach außen vorgeben Oppositionelle zu sein, nur weil sie in der Öffentlichkeit die Regierung beschimpfen, nach innen aber dicke Freunde der Regierenden sind, stellen eine Pseudoopposition dar. Was wenige wissen, die echte Opposition wird in der Ukraine unterdrückt, ja sogar massiv verfolgt.

Petro Poroschenko an der Münchner Sicherheitskonferenz 2010.
Noch so ein vom Westen eingesetzter Pseudo-Oppositioneller.

Die jetzige Berichterstattung über die Ereignisse in Kiew, ganz egal ob es um westliche Medien oder um russische geht, liefert ein Bild, als ob die Protestierenden sich für Interessen der falschen Opposition so stark einsetzen wollen, dass sie dafür sogar ihr Leben aufzuopfern bereit sind. Dem ist nicht so. Es lohnt sich mit dem Lebenslauf einiger der heutigen „Oppositionellen“ auseinanderzusetzen, um sich ein klares Bild zu schaffen, ob sie die Interessen des Volkes vertreten oder dies nur vollmündig vorgeben.

In meinen beiden letzten Artikeln über die Haltung der meisten Demonstranten in Kiew zur ukrainischen „Opposition“ erwähnte ich Vitali Klitschko und den anderen “Oppositionsführer” Arsenij Jazenjuk. Beide haben mit der Opposition im echten Sinne des Wortes gar nichts zu tun.

Ein weiterer angeblicher Oppositioneller ist eine noch groteskere Figur: Petro Poroschenko. Einer der Superreichen, der ständig an YES-Treffen teilnimmt und auch zum Weltwirtschaftsforum in Davos eingeladen wird. Gehört zur TOP-TWENTY der reichsten Milliardäre des Landes. Er wird auch von westlichen Medien als prowestlicher Oppositioneller bejubelt.

Interessant ist der Umstand, dass am 23. März 2012 Petro Poroschenko von dem Staatspräsidenten Janukowytsch zum Minister für Wirtschaftsentwicklung und Handel ernannt wurde und hielt den Posten über sechs Monate inne. Hallo! Der Typ war vor eineinhalb Jahren ein Mitglied des korrupten Kabinetts vom gehassten Premierminister Asarow! Aber unter Juschtschenko (angeblichem Erzfeind von Janukowytsch) bekleidete er zunächst den Posten des Sekretärs des Rates für Nationalsicherheit und Verteidigung und dann hatte er das Amt des Außenministers inne!! Der soll jetzt plötzlich ein Oppositioneller sein?

Wieso so ein rascher Sinneswandel? Mal in einem „prowestlichen“ mal in einem „russischfreundlichen“ Kabinett? Ist es überhaupt möglich, politische Überzeugungen wie Unterwäsche zu wechseln? Zunächst mit einer korrupten Bande zusammenzuarbeiten und dann diese ungeschoren auf der Bühne zu kritisieren?

Aber wenn man im selben Boot sitzt, dann ist alles mehr oder weniger klar. Und noch was: Kann ein Superreicher die Interessen der Klein- und Mittlerer Unternehmen vertreten und die Interessen des kleinen Mannes? Man muss doch einen Vogel haben, um daran zu glauben. Der Typ ist genauso unglaubwürdig wie Klitschko und Jazenjuk. Das versteht fast jeder unter den Protestierenden auf dem Maidan.

Poroschenko war übrigens der erste „Oppositionelle“, der öffentlich beschimpft wurde. Am 1. Dezember 2013 versuchte er die Aufständischen zu beruhigen und erhielt auch Beschimpfungen und Mittelfinger als Antwort gezeigt.

Ein weiterer „Superstar“ der „Opposition“ ist der Parteichef von Swoboda (Deutsch: Freiheit) Tjagnybok. Er wird von den Superreichen wie Igor Kolomoiskyj und Dmytro Firtasch finanziert. Ist nicht mehr als ein Schreihals. Wurde auch oft ausgebuht.

Die Berichte von westlichen Medien über die Popularität von Klitschko und der anderen sogenannten „Oppositionellen“ Jazenjuk, Poroschenko und Tjagnybok sind gelogen und entsprechen nicht der Wirklichkeit, obwohl sie auch über gekaufte Fans oder hirngewaschene Zombies verfügen. Der Teil der Demonstranten, welche EU-Beitritt des Landes wollen und weiterhin sich mit Tänzen und Lieder zu bespaßen wünschen, sind Anbeter dieser Pseudoopposition.

Die ASR-Leser sollen selbst entscheiden, ob die Typen echte Oppositionelle sind und ob ihnen die Wünsche des Volkes am Herzen liegen. Ich zweifle daran. Aus guten Gründen. Genauso wie die überwiegende Mehrheit der Protestierenden auf dem Maidan.

Aber es gibt in der Protestbewegung eine ECHTE OPPOSITION, die sich seit zwei Monaten herauskristallisiert hat. Diese Opposition will Regierungssturz und SYSTEMÄNDERUNG, und zwar durch die Etablierung einer bürgerfreundlichen Politik, Ende der Willkür in der Justiz, Ende der Korruption in den Gerichten und bei Behörden, Ende der unfairen Umverteilung des Volksvermögens, aber nicht die Ablösung einer Gruppe der Schauspieler auf der Bühne durch bekannte Gesichter die auch Marionetten sind.

Die Anführer der echten Opposition sind nicht medial bekannt, weil es um Kleinunternehmer, pensionierte Militärs und einfache Bürger geht. Diese echte Opposition steht auch auf dem Maidan, verfolgt aber keine außenpolitische Agenda. Leider wird diese jedoch allseitig von Medien, Politikern, Journalisten diversen „Experten“ als Chaoten, Provokateure, randalierende Banden, die auf alles losbrechen, ja sogar als Nazis und Antisemiten (Antisemitismuskeule ist immer effizient, wenn die anderen Argumente nicht ausreichen oder schlichtweg lächerlich sind) in Misskredit gebracht und verteufelt. Es werden Horrorgeschichten über geschändete Gräber der Kriegsveteranen oder Aufrufe zur Judenverfolgung verbreitet.

Washington und Brüssel fordern die „Opposition“ mit Nachdruck auf, sich von diesen „Chaoten“ und randalierenden „Radikalen“ zu distanzieren und mit ihnen nicht zu tun zu haben. Der russische Außenminister Lawrow verwies Brüssel auf die angeblich grassierende Antisemitismus-Stimmung in der Ukraine und fordert die EU zur Stellungnahme auf. Aus Sicht der Amerikaner, der Brüsseldiktatoren und Kreml-Herrscher soll die „Opposition“, welche mit dem Volk gar nicht zu tun hat, dies aber weiterhin vertreten und nur zum friedlichen Dialog und Verhandlungen greifen, um „Kompromisse“ auszuhandeln. Um welche Kompromisse geht es? Natürlich um Verteilung der Sitze in der Regierung, um was denn sonst!

Aber man hat jetzt ein Problem. Die Protestierenden buhen die „Oppositionellen“ aus und beschimpfen sie als Feiglinge, politische Huren und Heuchler. Die einfache Bürger haben realisiert, bei der „Opposition“ und der „Regierung“ geht es um die beiden Seiten derselben Münze, um eine Diktatur, die nach Vorbild der USA oder EU alle vier- bzw. acht Jahre einen „Machtwechsel“ inszeniert, wobei danach alles wie gewohnt läuft. Ohne Änderungen, da die beiden Seiten zur selben Bande gehören. Man versucht jetzt den gleichen Bullshit auch in der Ukraine durchzuziehen. Man hat nur die Wahl, wer einen verarscht. Um dieses Theater der Bevölkerung aufzuzwingen, finanziert man großzügige die „Opposition“ von Klitschko, Jazenjuk, Tjagnybok und Poroschenko.

Deswegen entstand eine andere Opposition, eine echte, deren Anführer zum wirklichen Machtwechsel oder gar Aufstand aufrufen und nicht auf die billigen Propagandatricks reinfallen. Sie sind dem Publikum angesichts des Medienboykotts und allgegenwärtigen Verteufelung praktisch unbekannt. Im Ausland zumindest. Außerdem werden sie von gekauften Fans der „Opposition“, von Sicherheitskräften und Geheimdienstlern mundtot gemacht, ja sogar entführt, gefoltert und manchmal umgebracht.

Wie Dmytro Bulatow, einer der Anführer der Protestbewegung Avtomaidan. Die Aktivisten blockierten zunächst mit ihren Autos die Straße, welche zum Anwesen von Janukowytsch führt, dann gingen sie auf die Barrikaden, weil die friedlichen Proteste eine reine Zeitverschwendung waren und nichts brachten. Bulatow warf der unechten Opposition Unfähigkeit die Protestbewegung anzuführen vor und forderte einen echten Anführer, was er in aller Öffentlichkeit auf der Bühne auf dem Maidan erklärte. Er war bis zum 22. Januar auf den Barrikaden im Regierungsviertel, wurde aber dann entführt. Erst am gestrigen Donnerstagabend tauchten Informationen auf, dass er am Leben sei, obwohl er von den Entführern misshandelt und gefoltert worden ist. Einige, wenig bekannte, gelten hingegen bis dato als vermisst.

Das selbe bezieht sich auf die Aktivisten der Bürgerbewegung „Gemeinsame Sache“. Diese Leute besetzten in der jüngsten Zeit Gebäude einer Anzahl von Ministerien in Kiew, und zwar Agrarministerium, Energieministerium und Justizministerium, nicht die falsche Opposition. Mussten dann diese auf Druck der „Oppositionellen“ die Gebäude verlassen, weil „Opposition“ nur die EU-Annährung unter ihrer Führung will. Alles andere ist in ihren Augen als Nebensache und darf nicht angesprochen werden.

Die einheimischen und ausländischen Verbrecher alias „Politiker“ und andere Lakaien der Oligarchie machten sich bereits mehrmals Sorgen, dass ihre „Opposition“ die Kontrolle über die Protestbewegung verloren hätte. Dreimal dürfen Sie raten aus welchem Grund?

Die echten Oppositionellen haben außerdem so gut wie keine mediale Unterstützung, weil sie keine zahlungsstarken „Freunde“ haben, um die Medien zu kaufen. Auch an der Agenda der echten Oppositionellen stimmt aus Sicht der Oligarchie was nicht, deswegen wird sie von allen verteufelt und man versucht möglichst viele gegen sie aufzuhetzen. Allerdings mit einem bescheidenen Erfolg.

Die Normalbürger haben eine wichtige Lehre aus der Farbrevolution gezogen, denn Ende 2004 Anfang 2005 wurde die Unzufriedenheit der Bürger geschickt umgeleitet, um den „Oppositionellen“ Juschtschenko an die Macht zu bringen. Diesmal lief die Protestbewegung aus dem Ruder, weil niemand sein Blut für die politische Karriere der falschen Opposition vergießen will. Es geht der Mehrheit nicht um die Interessen der unechten Opposition, sondern um Gerechtigkeit und Freiheit, sowie um normale Lebensumstände. Außenpolitik hat damit gar nichts zu tun.

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