Bauer-Verlag soll Taschen-Heft “Der Landser” wegen Nazi-Propaganda einstellen

 

Bauer-Verlag soll Taschen-Heft "Der Landser" wegen Nazi-Propaganda einstellen
Sie würden den Holocaust verharmlosen und den Nationalsozialismus verherrlichen: Das Simon Wiesenthal Center fordert ein Verbot der Weltkriegs-Hefte “Der Landser”. Im Bild: Adolf Hitler beim Einmarsch der deutschen Wehrmacht 1938 in Österreich.Foto: dpa (Archiv)

Essen.  Das Taschen-Heft “Der Landser” erzählt Kriegsgeschichten aus der Sicht von Wehrmachtssoldaten. Zwischen 20.000 und 40.000 Exemplare hoch soll die Auflage pro Heft sein. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum fordert jetzt, dass die Hefte wegen rechten Gedankenguts verboten werden.

In fast jeder Bahnhofsbuchhandlung steckt „Landser“ in den Auslagen. Das Taschen-Heft, das in den 50er-Jahren erstmals erschien, damals weit mehr eine halbe Million Leser hatte und seither vom „Alltag“ der deutschen Soldaten im 2. Weltkrieg, vom „Schicksal“ seiner Luftwaffe oder der Schiffe der Reichsmarine erzählt, verkauft sich fast 70 Jahre nach Kriegsende immer noch recht gut.

Zwischen 20.000 und 40.000 Exemplare hoch soll die Auflage pro Heft sein, und der Bauer-Verlag lässt Doppel- oder Sonderausgaben gerne zusätzlich erscheinen.


Vergiss die Zeit der Dornen nicht Günter K. Koschorrek Dieses Buch gehört ohne Zweifel zum Besten was Sie zu diesem Thema lesen können. Der Autor läßt Sie den eigenen Wandel vom jungen Rekruten, bis zum abgehärteten, hochdekorierten Landser ohne Illusionen, hautnah miterleben. Koschorrek schildert die Kämpfe an der Ostfront so realistisch, daß der Leser das Gefühl hat, unmittelbar dabei zu sein. Die beschriebenen Kampf-Szenen, aber auch Szenen der Menschlichkeit, unter Kameraden, wie auch unter Feinden lassen eine Gänsehaut entstehen. Sie zeigen, wie der Krieg wirklich war und gipfeln in einem einzigen Punkt: »Nie wieder Krieg!«  Gebunden, 476 Seiten, zahlreiche Abbildungen
Wie lange noch? Das Simon Wiesenthal-Center hat den Historiker und Dortmunder Journalisten Stefan Klemp mit einem Gutachten betraut. Der Prüfauftrag: Verherrlicht der „Landser“ auch die SS? Das Ergebnis der Expertise ist so, dass das  Wiesenthal-Center jetzt das Bundesinnenministerium auffordert, den „Landser“ zu verbieten. Das Ministerium will die Aufforderung  „ernsthaft prüfen“. Die New York Times hat darüber ausführlich berichtet.

Nazi-Propaganda wird juristisch überprüft

Der Innenminister kann hier keine politische Entscheidung fällen. Es ist eine juristische. Die Behörde muss zum Beispiel prüfen, ob der Paragraph 86 des Strafgesetzbuches zieht.

Dort heißt es im Absatz 4: „Wer Propagandamittel, die nach ihrem Inhalt dazu bestimmt sind, Bestrebungen einer ehemaligen nationalsozialistischen Organisation fortzusetzen, im Inland verbreitet oder zur Verbreitung im Inland oder Ausland herstellt, vorrätig hält, einführt oder ausführt oder in Datenspeichern öffentlich zugänglich macht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft“.

Bauer-Verlag sieht in Landser keinen verfassungsfeindlichen Stoff

Tatsächlich sind die Titelgeschichten nicht selten der SS oder ihren Unterorganisationen gewidmet wie den „Pionieren der 4. SS Polizei Division.“ Untertitel: „Drauf, dran, durch“, wie ein Nutzer des Internetportals User www. netz -gegen -nazis.de“ aus einer eigenen Erfahrung berichtet.

Die New York Times schreibt, die Erlebnisberichte von der Front des Weltkriegs seien so angelegt, dass die Mitglieder von Hitlers Elite-Divisonen wie normale Soldaten dastehen würden. Das seien sie eben nicht gewesen. Gutachter Klemp kommt zum Ergebnis, der „Landser“ reduziere Geschichten über SS-Einheiten aus dem Krieg auf „deutsche Helden, dabei ignoriert er die Verbrechen, in die ihre Einheiten verwickelt waren, als seien sie nicht wichtig“.

Der Bauer-Verlag weist weit von sich, dass er verfassungsfeindlichen Stoff verkauft. Alle Publikationen des Hauses stünden im „Einklang mit den deutschen Gesetzen, das gilt auch für den Landser“, zitieren Mediendienste den Großverlag, der darauf hinweist, dass die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften noch nie eine Nummer gesperrt habe. Man nehme die Vorwürfe jedoch ernst.

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1 Response » to “Bauer-Verlag soll Taschen-Heft “Der Landser” wegen Nazi-Propaganda einstellen”

  1. Markus Stern says:

    Das wunderte mich zunächst etwas.
    Vor vielen, vielen Jahrzehnten hatte ich auch ´mal einige Exemplare dieser Hefte gelesen. Das ist etwas für Militärbewunderer. – Politisch aber waren sie aus meiner Sicht kontraproduktiv, d.h. ganz im Sinne des Systems als Propaganda für die früheren einfachen Soldaten und ihre Nachkommen geschrieben.

    So fand ich vielleicht nicht in jedem der von mir gelesenen Hefte, aber doch in vielen immer wieder das selbe Muster:
    Der einfache Soldat, der von keinen “Verbrechen” der bösen “Nazi”-Regierung wußte, war in Ordnung und oft ein Held. – Die “braunen Politbonzen” aber (und damit war in der Propaganda natürlich die Weltanschauung insgesamt stellvertretend gemeint!!!) waren das Böse, waren korrupt, herrschsüchtig, uneinsichtig, arrogant, dumm, eingebildet, niederträchtig, feige, hinterhältig usw. usf., also durch und durch schlecht.
    So wurde dem damaligen Leser vermittelt: Ihr Soldaten oder Eure Väter oder Großväter waren in Ordnung und unschuldig, der Nationalsozialismus aber war schlecht und “verbrecherisch”. Damit sollten sich auch die ehemaligen Soldaten und ihre Nachkommen in dieser “demokratischen” Bundesrepublik wohl fühlen (und Dr. Gerhard Frey verkaufte den Lesern seiner Nationalzeitung usw., zu denen damals bestimmt auch eine Menge Leser der Landser-Heftchen gehörten, gleich noch eine Menge “Mitgliedschaften” in den vielen seiner Vereine …).

    Offenbar ist diese ehemalige “Klientel” inzwischen “ausgestorben” bzw. vollständig umerzogen, so daß es der Propaganda durch diese Heftchen nicht mehr bedarf.
    Jetzt haben die Itzigs offenbar Angst, daß der eine oder andere durch Bewunderung z.B. der Soldaten der Waffen-SS aufgrund von Lektüre dieser Heftchen auf die Idee kommen könnte, auch in der Weltanschauung, die diesen Elite-Soldaten zugrunde lag, etwas positives sehen zu können und sich mit dieser beschäftigen könnten und so ein nicht mehr positives Bild von der jüdischen beherrschten Besatzerrepublik bekommen könnten.

    Aber nach der Hysterie, die zur Textverfälschung von Kinderbüchern führte (auch der Text der “Bibel” der Christen ist ja schon extrem verfälscht worden, um das negative Bild, das die Itzigs darin abgeben, abzumildern), braucht einen gar nichts mehr zu wundern.
    Es wird immer irrer in diesem Irrenhaus.

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