Das ohrenbetäubende Schweigen

 

Krankenschwester mit Kinderwagen in Jena in den fünfziger Jahren Foto: picture alliance/Universtität Jena/dpa

Wer die Praxis vorgeburtlicher Tötung von Kindern anspricht, rührt an ein Tabu. Wer sich für Lebensschutz einsetzt, erlebt, daß er hier oft wie gegen eine unsichtbare Wand läuft. So sehr alles inzwischen öffentlich ausgetragen, in sozialen Netzwerken das Innerste nach außen gekehrt wird, so herrscht bis auf eine kleine Szene engagierter Lebensschützer kollektives Schweigen zur Tragödie der jährlich allein in Deutschland legal über hunderttausend von Ärzten vorgeburtlich getöteten Kinder.

Das Schweigen rührt auch daher, daß zu viele Menschen persönlich verstrickt sind in diesen hinter Klinikmauern lautlos organisierten Tod. Ohne Not gehen die Frauen nicht den Weg zu den Beratungen. Oft verbergen sich bittere Konfliktsituationen hinter diesen Schicksalen. Doch die Medien blenden dieses täglich Hunderte Kinderseelen verschlingende Drama aus und tragen zur kollektiven Verdrängung bei. Ohrenbetäubendes Schweigen. Ich bewundere Aktivisten, die trotzdem nicht müde werden, sich für das Lebensrecht der Schwächsten einzusetzen und Mütter vor dem Weg zur Abtreibung zu bewahren.

Geschönte Statistik

Die CDU-Politikerin Saskia Ludwig hat in Brandenburg jetzt einen Sturm der Empörung ausgelöst mit einer Anfrage an die dortige Landesregierung, welche Erkenntnisse diese über die Tötung von Kindern nach Frühgeburten in der DDR hatte. Sie berief sich dabei auf Bekenntnisse der Hebamme Christine Philipp.


Abtreibung - der Wert des menschlichen Lebens Frenzel, Hannah Studienarbeit aus dem Jahr 2006 im Fachbereich Philosophie - Sonstiges, einseitig bedruckt, Note: 1,5, Technische Universität Dresden (Institut für Philosophie), Veranstaltung: Moral an den Grenzen menschlichen Lebens. Schauplätze der Medizinethik, Sprache: Deutsch, Abstract: Obwohl erst ab dem 19. Jahrhundert die katholische Kirche und viele Rechtssysteme der Auffassung sind, dass Abtreibung von der Empfängnis an eine Form der Tötung sei , zeigt die Vergangenheit, dass dem nicht immer so war. So hat die jüdische Religion z.B. nie gelehrt, dass Abtreibung gleichbedeutend mit Mord sei. Auch Jesus sprach nie von Abtreibung. Und Liberale verwiesen lange Zeit auf Thomas v. Aquin, der die Ansicht vertrat, dass ein Fötus bzw. Embryo formlos und träge sei; erst wenn die Mutter es im Leib spürt, hat die Seele im Embryo Einzug gehalten. Der Schwangerschaftsabbruch vor dem Seeleneinzug galt damals als Geburtenkontrolle und nicht als Tötung. Die heutige Auffassung der Konservativen wird vor allem durch die Heiligkeit des menschlichen Lebens begründet. Auch wird der Schwangerschaftsabbruch mit dem Tötungsverbot des christlichen 5. Gebotes Du sollst nicht töten gleichgesetzt. Mit dem Hippokratischen Eid schwören Ärzte keine Abtreibungen durchzuführen. Die Richtlinien der Ärztegesellschaften sprechen sich unter anderem auch für das prinzipielle Tötungsverbot aus, welches eine deontologische Ethik begründet . Bis in die 60er Jahre stimmten die christlichen Lehren, das angloamerikanische Recht, die öffentliche Meinung und die medizinische Ethik darin überein, dass Abtreibung gleichbedeutend mit Tötung ist. Bis 1967 war die Abtreibung außer in Dänemark und Schweden verboten. Danach erlaubte Großbritannien den Abbruch bis zum sechsten Monat. Nach und nach wurde der Schwangerschaftsabbruch in den restlichen europäischen Ländern (mit der Ausnahme Irland) legalisiert. [...]
Diese hatte schon Anfang der neunziger Jahre aus persönlichem Erleben die Praxis öffentlich gemacht, daß Hebammen im SED-Staat angewiesen wurden, Kinder unter einem Geburtsgewicht von 1.000 Gramm zu töten. Frau Philipp wurde damals von DDR-Ärzten auf Unterlassung verklagt – und gewann diese Prozesse. Ihre Darstellung wurde von Zeugen bestätigt.

In der aktuellen Ausgabe der JUNGEN FREIHEIT schildert die mutige Lebensschützerin im Interview, wie sie schon zu DDR-Zeiten gegen den Kindermord Widerstand leistete. Es sei den SED-Verantwortlichen um eine niedrige Säuglingssterberate gegangen, weil man die getöteten Frühchen als Totgeburten deklarieren konnte. Tatsächlich wies die DDR eine international auffällig niedrige Säuglingssterberate auf. Später machte Frau Philipp die Beobachtung, daß nach den westdeutschen Statistiken offensichtlich auch an Kliniken in der Bundesrepublik regional unterschiedlich „nachgeholfen“ worden sein muß.

Huxleys Alptraum darf sich nicht erfüllen

Die Debatte um aktive Sterbehilfe stößt indes die Tore weit auf zu jener „schönen neuen Welt“, die Aldous Huxley schon vor 80 Jahren in seinem berühmten Roman vorausahnte. Eine Welt ohne leibliche Schwangerschaften, Eltern und Familie, industrielle Zucht „idealer“ Kinder und sozial verträgliches Frühableben durch staatlich kontrollierte Sterbekliniken. Dieser Alptraum darf sich nicht erfüllen.

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