Laut einem Artikel der israelischen Zeitung Maariv’s vom vergangenen Donnerstag, will die israelische Armee (IDF) sich von weissen Phosphor verabschieden, wegen “der weltweiten Kritik“. Ein ranghoher Offizier erklärte: “Wie wir während der Operation “Gegossenes Blei” gelernt haben, fotografiert es sich nicht gut, deshalb reduzieren wir den Bestand und werden nichts mehr über dem was wir bereits haben kaufen.” Ja ihr habt richtig gelesen, laut IDF sind die Fotos die den Einsatz von Phosphorbomben zeigen nicht gute Propaganda wenn man sie über bewohnte Gebiete wie Gaza auf die Zivilbevölkerung runterregnen lässt.




Aber Moment mal, Phosphorbomben sind verbotene Chemiewaffen. Ich dachte nur böse Diktaturen wie in Syrien setzen diese gegen die eigene Bevölkerung ein und werden deshalb mit einem Krieg durch den Westen bedroht. Die “moralischte Armee der Welt” gibt jetzt zu, es auch getan zu haben? Mann bin ich enttäuscht. Dabei ist der Einsatz laut Zusatzprotokollen von 1977 zu den Genfer Abkommen von 1949 VERBOTEN!

Ach, ich hab vergessen, Israel und die USA haben das betreffende Protokoll nicht unterzeichnet. Das ist dann was anderes, denn die haben dadurch einen Freibrief. Deshalb haben beide die Bomben eingesetzt. Die USA im Irak und Israel warf sie im Libanon während des Krieges 2006 ab und im Januar 2009 im Gazastreifen. Syrien hat unterschrieben und darf das nicht. Versteht das endlich. Ihr seid ja schwer von Begriff!

Es läuft gleich wie mit dem Atomsperrvertrag (NPT). Israel hat diesen nicht unterzeichnet und hat deshalb ein Atomwaffenprogramm und ein Arsenal von midestens 200 Atombomben. Sie erlauben auch keine UN-Inspektoren der IAEA die Atomanlagen zu prüfen. Der Iran hat den NPT unterschrieben, hat keine Atomwaffenprogramm, keine Atombombe und erlaubt Inspektionen. Der Iran wird dafür mit schärfsten Sanktionen bestraft und Israel selbstverständlich nicht.

Völlig logisch, oder?

Laut Wikipedia: Weißer Phosphor ist die reaktivste Modifikation des Phosphors. Er entzündet sich selbst allein durch den Kontakt mit dem in der Luft enthaltenen Sauerstoff (pyrophor) brennt dann mit einer 1.300 Grad Celsius heißen Flamme unter starker Entwicklung von weißem Rauch (Phosphorpentoxid), der in größeren Mengen gesundheitsschädlich ist.


Neben der Brandwirkung und den schwer heilenden Verletzungen, die ein Hautkontakt schon bei geringen Mengen verursacht, sind weißer Phosphor und seine Dämpfe hochgiftig. Für einen Erwachsenen sind bei direkter Aufnahme schon 50 mg tödlich. Der Tod tritt erst nach 5 bis 10 Tagen ein, die Giftwirkung beruht auf einer Störung der Eiweiß- und Kohlenhydratsynthese.

Ja die israelische Armee hat weissen Phosphor über das bewohnte Gebiet von Gaza eingesetzt, daran erinnern sie sich plötzlich. Es waren nur 200 Bomben die völlig unabsichtlich und nur rein zufällig abgeworfen wurden. Hey, die IDF hat sogar eine Untersuchung danach eingeleitet. Obwohl sie sehr gründlich alles untersuchten, haben sie nichts verbotenes und verwerfliches dabei gefunden.

Wenn die IDF sich selber untersucht, ist noch nie jemand bestraft worden, so moralisch sind sie wenn sie schiessen. Sieht man ja an dem Piratenakt auf die Gaza-Flotille. Hey, das war ein reiner Akt der Selbstverteidigung, bei dem 9 wehrlose Aktivisten  ermorded, ich meine getötet wurden. Schiffe die in internationalen Gewässern fahren und Hilfsgüter an die notleidende Bevölkerung von Gaza liefern wollen, sind aber so was von einer Bedrohung für Israel.

Ausserdem, was spielt das für einen Rolle wenn Dutzende Palästinenser einen fürchterlichen Tod beim Phosphoreinsatz erlitten haben, darunter Frauen, Kinder und Babys? Noch mehr hatten ganz schlimme Verbrennungen, wobei die Haut und das Fleisch bis auf die Knochen verkohlte. Ärzte wussten gar nicht wie sie die ihnen unbekannten Verletzungen behandeln sollten. Erschwert wurde die Behandlung weil Phosphorbomben auf das Al-Quds Hospital fielen und dabei die obersten zwei Stockwerke völlig zerstörten.

In der Tat, die Fotos von verbrannten Leichen kamen nicht gut an, haben Proteste bei den Gutmenschen ausgelöst und deshalb vier Jahre später will die IDF weissen Phosphor nicht mehr einsetzen. Hey, Public Relations und wie Israel in den Medien dargestellt wird ist das wichtigste im Kriegsgeschäft. Schliesslich muss man ewiges Opfer bleiben und nicht Täter sein, auch wenn es so ist.

Die Lektion aus der Berichterstattung über den Krieg gegen Gaza 2009 und dem Bericht der Goldstone-Kommission darüber floss bei der nächsten Bombardierung mit Namen “Operation Wolkensäule” am vergangenen November ein. Da wurden zuerst Rauchbomben abgeworfen, um die Sicht für die Fotografen zu versperren, damit man dahinter richtig brutal zuschlagen konnte. Was man nicht sieht, nicht in Bildern festhält und in den Medien zeigen kann, ist nicht passiert.

Wichtig ist nicht die Realität, sondern wie die Realität dargestellt wird, wissen wir doch schon lange.

Man hat ja auch gleich damals gemerkt, das Medieninteresse hatte deutlich nachgelassen und es wurde beim letzten Krieg gegen Gaza gar nicht gross darüber berichtet. Was, die Israelis haben Gaza erst vor 5 Monaten bombardiert? Das hab ich gar nicht mitgekriegt. Hunderte Opfer gab es trotzdem, aber wir wissen ja spätestens seit Boston, ein Toter im Westen ist mindestens so viel wert wie 200 tote Araber. Nein, das ist kein Rassismus, sondern wir sind die Guten und sie die Bösen.

Vielleicht ist das überhaupt ein toller neuer Beruf. Waffen und Bomben zu entwickeln dessen tödliche Wirkung auf Fotos und Videos gut ankommen. Man kann ja nicht alles verstecken wenn man Krieg führt und lästige Fotografen dabei sind. Wie kann man massenweise Menschen töten und es trotzdem gut aussehen lassen? Der Werbe-Slogan könnte an den Waffenmessen heissen: “Kaufe unsere Tarnkappen-Bomben, sie töten für Kameras unsichtbar”. Hab ich gerade einen neuen lukrativen Geschäftszweig erfunden?

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Zufällig passend dazu diese Meldung:

In Kiel wurde gestern das 5. U-Boot der „Dolphin“-Klasse an Israel übergeben. Das U-Boot, das den Namen „INS-Rahav“ bekam, gehört zu einer Dreierserie. Im vergangegen Jahr bekam Israel das 1. U-Boot der Serie. Das 3. wird im nächsten Jahr ausgeliefert. Alle 3 U-Boote kosten zusammen 1,5 Mrd. Euro, wovon ein Drittel Deutschland bezahlt. Das 7. ist bereits vom Bundestag genehmigt worden und wird auch vom deutschen Steuerzahler subventioniert. Alle neuen U-Boote können die mit Atomsprengköpfen bestückten Marschflugkörper abschiessen. Bei der Zeremonie anwesend waren der Vertreter des israelischen Verteidigungsministeriums Udi Shani, Marinekommandant General Ram Rotenberg und andere israelische Offizielle zusammen mit deutschen Militärs.

Wow, mit diesen Bötchen kann man so richtig Krieg spielen.

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