Sicherheit: Wie Millionen Fluggäste für dumm verkauft werden

Gerhard Wisnewski

 

Schön brav lassen wir uns bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen durchleuchten, packen Flüssigkeiten in einen Plastikbeutel und nehmen jede erdenkliche Schikane auf uns, um endlich ins Flugzeug zu kommen. Und zahlen tun wir den ganzen Irrsinn natürlich auch – über die Flugpreise. Begründung für den Sicherheitswahn: Vermeintliche Terroristen, die sich an Bord irgendwelcher Flüge in die Luft sprengen wollten. Dabei würden echte Terroristen ganz andere Wege gehen…

 

25. Dezember 2009: An Bord von Northwest-Airlines-Flug 253 von Amsterdam nach Detroit herrscht die nach einem langen Transatlantikflug typische Geschäftigkeit. Manche pellen sich aus ihren Decken, andere gehen vor dem Landeanflug auf Detroit noch mal auf die Toilette. So auch der Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab, ein junger schwarzer Passagier auf Sitz 19A.

Allerdings bleibt er ungewöhnlich lange weg. Erst nach etwa 20 Minuten kehrt er zurück, nimmt auf seinem Fenstersitz Platz und legt sich eine Decke auf den Schoß. Dass Mitreisende plötzlich ploppende Geräusche aus der Gegend von Abdulmutallabs Unterleib hören und einen fauligen Geruch wahrnehmen, erregt zunächst keinen Verdacht. Vielleicht hat der Mann einfach Verdauungsbeschwerden.

 

Diese Assoziation löst sich umgehend in der übel riechenden Luft auf, als plötzlich eine Stichflamme aus Abdulmutallabs Schoß zuckt. Kein Zweifel: schon wieder ein islamistischer Anschlag. Heldenhaft stürzen sich zwei, drei Passagiere auf den Mann, ersticken das Feuer mit Decken und setzen Abdulmutallab fest. Fertig ist eine Weihnachtsgeschichte der ganz eigenen Art, wie wir sie in den letzten Jahren häufiger serviert bekamen: wie ein islamistischer Fanatiker just zu Weihnachten eine ganze Flugzeugladung Passagiere umbringen will.

 

Die Logik der Propaganda

 

An diese Propaganda-Logik sind wir inzwischen so gewöhnt, dass eigentlich niemand mehr Fragen stellt, wie solche »Bomber« ihre Knallfrösche überhaupt ohne Hilfe von Geheimdiensten und Sicherheitsbehörden durch die Kontrollen schmuggeln konnten. Denn für den Normalfluggast erscheint ein Flughafen wie der reinste Tresor: Nicht einmal eine Maus käme hier ohne Genehmigung hinein, ohne stante pede verhaftet zu werden. Während die Passagiere durch Sicherheitsschleusen und Nacktscanner marschieren, ihre Schuhe und manchmal auch mehr ausziehen müssen, sind die Flughäfen jedoch keineswegs die hermetisch
Verheimlicht, vertuscht, vergessen 2013Gerhard WisnewskiWas 2012 nicht in der Zeitung stand!Dieses Buch beginnt dort, wo herkömmliche Jahresrückblicke enden: Es hakt nach, schaut hinter die Kulissen und deckt auf, was uns an Nachrichten innerhalb eines Jahres vorenthalten wurde. Erfolgsautor und Enthüllungsjournalist Gerhard Wisnewski zeigt, was hinter den Schlagzeilen aus Presse, Funk und Fernsehen steckt: Wer setzt die Nachrichten, für die wir uns interessieren sollen, in die Welt? Welche Interessen werden mit dem Lancieren bestimmter Themen verfolgt? Warum verschwinden manche Ereignisse so schnell aus der Berichterstattung?Gebunden, 368 Seiten
abgeriegelten Gelände, die man der Öffentlichkeit vorgaukelt. Selten wurde das so deutlich wie bei dem Diamantenraub in Brüssel am 18. Februar 2013. Die Täter stellten sich nicht etwa an irgendwelchen Kontrollen an, sondern bretterten mit ihren Autos einfach durch den Flughafenzaun – schon waren Passagiere, Fracht und Piloten in ihrer Gewalt. Gut, dass sie nur Diamanten wollten.

 

Ein Tresor mit Wänden aus Pappe

 

Klar wurde dabei: In Wirklichkeit gleicht ein Flughafen zwar einem Tresor mit einer meterdicken Tür, aber mit Wänden aus Pappe. Die Einfassungen der Airports sind erstens kilometerlang, bestehen zweitens manchmal nur aus primitiven Zäunen und können drittens kaum geschützt werden. Während die »Tür« des Tresors angeblich Kriminelle und Terroristen abhalten soll, beeindruckt sie in Wirklichkeit nur Fluggäste und Laien. Denn Profis wissen: Wenn man in einem Flughafen etwas rauben, ein Flugzeug entführen oder gar zum Absturz bringen will – nirgends gibt’s das so billig wie auf dem Flugfeld oder den Start- und Landebahnen. Denn schließlich, gibt der Sicherheitsexperte Anthony Roman von der Detektei und Sicherheitsfirma Roman & Associates zu bedenken, hätten die Diamantenräuber von Brüssel ja auch ohne weiteres das Flugzeug entführen können. Der Überfall enthielt bereits Elemente eines Hijackings, da die Täter den Piloten mit vorgehaltener Waffe zwangen, die Frachttür wieder aufzumachen. Und: »Wenn man in diesen Flughafen eindringen kann, kann man in jeden anderen auch eindringen«, so Roman.

 

Nickerchen im 747-Cockpit

 

Eben. Denn Brüssel ist »keineswegs ein Einzelfall«, berichtete das Nachrichtenportal 20min.ch. Um in einen Flughafen einzudringen, bedarf es nicht einmal zu allem entschlossener Täter. »Auch anderswo auf der Welt« gelangten sogar ganz normale Menschen immer wieder auf das Flughafengelände, ohne dass irgendein Hahn nach ihnen krähte. Da wäre zum Beispiel jene 48-jährige Frau, die im Juli 2011 nachts um 1.35 Uhr den Sicherheitszaun des Taiwan Taoyuan International Airport überwand. Damit nicht genug, schnappte sie sich ein herumstehendes Fahrzeug und gondelte über 1,8 Kilometer bis zum Flugfeld. Anschließend kaperte sie auch noch ein Gangway-Fahrzeug, steuerte es zu einer Boeing 747, kletterte hinein und legte sich – wahrscheinlich etwas müde geworden – in der Cockpit-Ruhezone schlafen, wo sie am nächsten Morgen um 7.20 Uhr entdeckt wurde. Hätte die Frau eine Boeing 747 fliegen können, hätten wir vielleicht einen neuen 11.9. erleben können – diesmal einen echten (siehe relax.com, 9.7.11).

 

Verfolgungsjagd auf dem Runway

 

Wie leicht Anschläge in Wirklichkeit fallen würden, belegt auch ein Fall am Philadelphia International Airport. Im März 2012 bretterte ein Drogenabhängiger namens Kenneth Mazik mit seinem Jeep Cherokee durch das Tor 25 des Sicherheitszauns und kurvte die Landebahn hinunter. »Zeugen behaupteten, Mazik habe außerhalb des Tores geparkt, offenbar um auf die Landung eines Jets zu warten. Als ein Flugzeug zur Landung ansetzte, beschleunigte er angeblich, durchbrach das Tor und fuhr auf das Flughafengelände«, hieß es auf abcnews am 2. März 2012. Erst nach einer mehr oder weniger lustigen Verfolgungsjagd auf den beiden Ost-West-Runways gelang es der Polizei, Mazik zu stoppen.

 

Auch der New Yorker Flughafen JFK galt bisher als besonders sicher. Gerade erst hatte die Sicherheitsindustrie 100 Millionen Dollar für einen neuen Sicherheitszaun kassiert, der jeden Eindringling melden sollte. Bis Daniel Casillo kam. Das war nicht etwa ein genialer James-Bond-Typ
Verschlußsache TerrorGerhard WisnewskiWer die Welt mit Angst regiert»Ich erinnere mich an niemanden, der an der Stelle gewesen wäre, wo die Bombe war, auch an keine Tasche«, so der Zeuge Bruce Lait über einen der U-Bahn-Anschläge in London am 7. Juli 2005. »Das Metall war nach oben gebogen, als hätte sich die Bombe unter dem Zug befunden.« Unter dem Zug? Handelte es sich nicht um Selbstmordattentate?Und wenn nicht, wer steckt dann wirklich hinter dem Terror? Wem nützen diese und noch kommende Anschläge?Ausgehend von den Attentaten in London und Madrid, setzt sich Gerhard Wisnewski auf die Spur der wirklichen Terrorverschwörung. Er bringt auch die Attentate des 11.9. der Aufklärung ein gutes Stück näher und entwirft ein beklemmend realistisches Szenario, in dem die Terroristen nur Schachfiguren in einem größeren Plan sind. Droht in Wahrheit die Gefahr von einer ganz anderen Seite?»In einer Welt des allgegenwärtigen Betrugs ist es ein revolutionärer Akt, die Wahrheit zu sagen!«George OrwellTaschenbuch, 354 Seiten, 2007, zahlreiche Abbildungen
oder ein durchtriebener Super-Einbrecher, sondern nur ein in Seenot geratener Jetski-Pilot. Draußen in der Bucht hatte sich Casillo ein Rennen mit seinen Freunden geliefert, als sein Wassersportgerät plötzlich versagte und seine Kumpels außer Sicht gerieten. Casillo schwamm nicht nur die drei Meilen bis zur Küste des Airports, sondern kletterte dort auch noch über den Zaun – und zwar in seiner grellgelben Schwimmweste. Anschließend trottete er tropfnass über zwei Startbahnen hinweg geradewegs zum nächsten Terminal, wo er von einem Delta-Airlines-Angestellten aufgegriffen wurde (New York Post, 12.8.12).

 

Mit anderen Worten sind die Sicherheitskontrollen hauptsächlich Theater und nützen vor allem der so genannten »Sicherheitsindustrie«. Eingeschüchtert werden dadurch vielleicht Urlauber, Geschäftsleute und nette Omas, die ihre Enkel besuchen wollen. Aber nicht professionelle Räuber und Terroristen. Schließlich muss man, um beispielsweise ein Flugzeug zum Absturz zu bringen, ja auch überhaupt nicht auf den Flughafen. Stattdessen stellt man sich mit einer Stinger-Rakete oder einer Panzerfaust und einem Jeep in einen Wald und wartet, bis einer der schweren Vögel vorbeikommt. Und während die Passagiere nach dem Start aufatmen, weil all der Sicherheitsterror vorbei ist, macht sich die Stinger bereits mit ihrem Infrarotsuchkopf auf den Weg. Schließlich beträgt ihre Einsatzreichweite vier Kilometer, unter günstigen Bedingungen vielleicht sogar zehn. Zum Selbstmord besteht für die Täter dabei gar kein Anlass, denn während die Rakete noch ihr Ziel sucht, können sie bereits davon brausen….

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