Ein Aufatmen geht durch das Europa der Vaterländer

Von Ronald Gläser

Berlusconi Partei AbzeichenPartei der Freiheit, das Logo der Berlusconi-Partei Foto: rg

Die Parlamentswahl in Italien war in erster Linie eine Klatsche für die Europäische Union. Führende Vertreter in den wichtigsten Mitgliedsstaaten und prominente EU-Politbürokraten wie Parlamentspräsident Martin Schulz hatten sich in diesen Wahlkampf eingemischt und den Italienern gute Ratschläge erteilt, wen sie zu wählen haben. Es hat die Italiener nicht geschert.

Die Wahl war ebenso eine Klatsche für das linke Establishment Italiens. Seit vierzig Jahren hoffen die traditionell starken italienischen Kommunisten, ihr Land nach ihren Vorstellungen umbauen zu können. Doch immer wieder macht ihnen die Wähler einen Strich durch die Rechnung. Diesmal sah es wirklich gut aus für die Demokratische Partei, in der die Kommunistische Partei Italiens aufgegangen ist. Ihr Spitzenkandidat Pier Luigi Bersani kommt aus dieser Partei. Er hat Philosophie studiert, nie in seinem Leben längere Zeit einen ordentlichen Beruf ausgeübt, sondern sich zeitlebens der Politik gewidmet. Es sind Berufspolitiker wie Bersani, die die Italiener trotz allem Unmut über den Stillstand der letzten Berlusconi-Jahre und über Sparpolitik Mario Montis partout nicht wollen. Sie gaben Silvio Berlusconi und dem Komiker und Eurokritiker Beppe Grillo die Stimme.

Steuersenkungen sind ein legitimes Wahlversprechen

Die Wahl war eine Klatsche für die linken Medien in ganz Europa. Wie selbstverständlich werden diese Nachfolgeorganisation der KPI und ihr Kandidat Bersani bei uns als moderat und „Mitte-Links“  präsentiert. Grillo? Nur ein Verrückter, der gegen den Euro Stimmung macht. Berlusconi? Seine Wahlversprechen sind unbezahlbar. Dieses Argument kommt ausgerechnet von jenen Experten, die dem deutschen Publikum seit Jahren vermitteln, die diversen, billionenschweren Rettungspakete für fremde Banken und Staaten seien alternativlos. Wenn aber Silvio Berlusconi die (auch in Deutschland wünschenswerte) Abschaffung der Grundsteuer verspricht, dann ist das unseriöser Populismus.

Die Wähler des Cavaliere wissen, was sie wollen: weniger Steuer, weniger Bürokratie, weniger illegale Einwanderung. Das sind die Versprechen, mit denen seine Freiheitspartei in Italien immer wieder punktet und die er in seinen Amtsjahren wenigstens teilweise umgesetzt hat. Die Wähler von Beppe Grillo sind auf ihre Weise noch radikaler, wollen in Ruhe gelassen werden von jenen korrupten Politverbrechern, die Grillo am liebsten zu Tausenden in Fußballstadien internieren würde, um ihnen einen Schauprozeß zu machen. Fazit: Die bodenständigen Wähler in Italien wollen Freiheit statt Bevormundung, egal ob aus Rom oder Brüssel.

Folgen für Italien, Deutschland und die EU

Was bedeutet das nun für Italien? Ginge es nach Brüssel und Berlin würde in Italien das pseudodemokratische Prinzip zur Anwendung kommen, nach dem solange abgestimmt wird, bis das Ergebnis ins EU-Konzept paßt. Danach sieht es aber im Moment nicht aus. Berlusconi hat den Linken eine Zusammenarbeit angeboten. Ohne Monti und ohne Fini, den Verräter in seinen Reihen. Möglich ist, daß es für eine zweijährige Übergangsphase eine Art große Koalition geben wird, an der sich Berlusconi nach Lage der Dinge kaum selbst beteiligen wird. Sein Kalkül: Er hätte es dann in der Hand, diese Regierung zu stürzen, wann es ihm paßt, um selbst wieder Ministerpräsident zu werden.

Was bedeutet das für Deutschland und Europa? Es wird nicht gespart werden im großkoalitionären Italien. Berlusconi hat den Kurs vorgegeben, und die Italiener haben ja auch bereits Mario Draghi als EZB-Chef installiert, der ihn umsetzen soll: Es ist der Weg in den Schuldenstaat, der am Ende nur zu einer massiven Inflation oder einer Währungsreform führen kann. Dann ist der Euro Geschichte, und die Eurostaaten können zu ihren eigenen Währungen zurückkehren. Keine schlechte Aussicht also, die uns Italien da auftischt. Je schneller der Euro verschwindet, desto besser für uns alle in Europa.

Und noch etwas: Früher war es so, daß die Einzelstaaten Kommissare nach Brüssel entsandt haben. Heute entsendet Brüssel Regierungen in die Einzelstaaten. Das darf so auf keinen Fall weitergehen. Brüssel soll nicht die Zentrale eines Imperiums sein, sondern nur der Verwaltungssitz freier Nationalstaaten in einem Bündnis. In Italien ist der imperiale Machtanspruch der EU bis auf weiteres gescheitert. Gut so.

(410)

1 Response » to “Klatsche für Brüssel: Ein Aufatmen geht durch das Europa der Vaterländer”

  1. admin says:

    Mille grazie, Italia, mille grazie, Italiani! Danke für dieses großartige Wahlergebnis! Falls Sie jetzt vermuten, ich hätte einen Scheck von Silvio Berlusconi in der Post gehabt – nein, das ist meine ehrliche Meinung. Wir Bürger Europas haben gegen die EU nur noch eine allerletzte Chance, indem wir das Chaos und den Zusammenbruch schneller herbeiführen als die Regierigen. Diese Herrschaften wirtschaften einen Kontinent in den Abgrund, verschleudern alles, was in Jahrhunderten, ja Jahrtausenden aufgebaut worden ist.

    Die Größe Griechenlands, der Glanz Roms, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation als der Kulturträger zwischen Antike und Renaissance, die Weltgeltung Spaniens, die Entdecker und Missionare Portugals, die Kultur und Lebensart Frankreichs – alles übergossen durch einen Brüsseler Einheitsbrei, getaucht in das Grau einer unerwünschten, zu vergessenden Vergangenheit. Nationen, die Europa in alle Welt getragen haben, wurden durch eine Einheitswährung zu Schuldknechten degradiert, und wenn wir hier in Deutschland von kultureller Bereicherung sprechen, meinen wir nicht Griechenland, Frankreich oder Italien, sondern die Fellachenstaaten, deren einzige Großtat in den letzten achthundert Jahren darin bestanden hat, Öl im eigenen Boden zu finden und dies von Europäern oder europäischstämmigen Amerikanern fördern zu lassen.

    Ich halte Berlusconi nicht für einen großartigen Staatsmann, ich gehe auch nicht davon aus, daß er Italien in irgendeiner Form rettet oder gar in eine bessere Zukunft führt. Ich kann mir jedoch vorstellen, daß er das Land ins Chaos stürzt und damit die EUdSSR in ihren Grundfesten erschüttert. Wenn ihm das gelingt, hätte er den Karlspreis verdient, ja sogar die Anerkennung als Retter Europas. Wenn das Chaos Italiens auf ganz Europa übergreift, wird das zur zweiten Renaissance, zur Rettung Europas. Nur ein Volltrottel kann in eine Rede schreiben, daß Europa zur europäischen Nation zusammenwachsen soll. Europa lebt davon, daß die Italiener italienisch sind, daß Spanier spanisch bleiben dürfen, Franzosen französisch und Deutsche deutsch. Die kulturelle Vielfalt auf engem Raum, das hat Europa zur Größe verholfen, das ist der wahre Kern, das wahre Erbe Europas.

    Ja, man kann sicher auf einer Gitarre den Preußischen Exerziermarsch spielen, nur klingt ein Flamenco darauf besser. Und ja, man kann Gyros mit Kräutern der Provence würzen, nur ist es dann kein Gyros mehr, sondern ein heimatloses Geschnetzeltes. Nur wenn alle Farben für sich sind, jede am richtigen Ort, wird es zum Kunstwerk. Ob Leonardo da Vinci, Albrecht Dürer oder Vincent van Gogh – sammeln wir alle Pigmente von einem ihrer Meisterwerke, werfen sie in einem Topf, rühren sie gut durch – und wir haben ein häßliches Grau, das konturlos die Leinwand färbt, aber keineswegs ziert.

    Danke, liebe Italiener, für Euren Berlusconi, danke für Euren Grillo. Wie gerne würden wir diese beiden gegen die graumäusige graue Merkelmaus eintauschen, gegen Rösler, Westerwelle, Steinbrück, Roth, Trittin, unsere einheitsgraue Politikermasse, von der nur eines eindeutig ist: ihr Wille, uns alles wegzunehmen, was immer wir erarbeitet haben.

Leave a Reply

Free WordPress Themes



WordPress Themes