»La generazione perduta«, grüner und weißer Rauch, zweitausend Menschen. Sie demonstrieren durch die Hauptstadt eines Landes, das finanziell am Abgrund steht. »Eine menschliche Tragödie« nennen sie es. Sie, das ist die generazione perduta – die verlorene Generation Italiens. Immer wieder taucht sie auf, die achteckige Schildkröte mit den vier nach innen gerichteten Pfeilen. Sie ist das Symbol dieser jungen Leute, sie stand damals, in den Anfangstagen für den sicheren Rückzugsort, gemeint war Wohnraum. Heute steht sie für Italiens größte Jugendbewegung: die faschistische Casapound. Ihr gelang es von einem aus Not besetzten Haus aus in ganz Italien Fuß zu fassen, die Lücke zwischen Kommunismus und Kapitalismus zu füllen. Sie schafften das, was in Deutschland nicht gelang: In die Herzen der Menschen zu kommen, gebraucht zu werden.

Doch Deutschland ist kein Brachland, ganz im Gegenteil möchte man sogar meinen. Nationalistische Kräfte gab es immer, das Bekenntnis zu Heimat, Volk und Freiheit blieb nicht wie erhofft in den Bombentrichtern liegen – aber es erholte sich auch nie wieder. Denn genau das war das Problem: Es blieb in der Zeit, an deren Ende diese Bombentrichter lagen. Es wurde manifestiert, konserviert, nicht weitergedacht. Dieses Bekenntnis wurde im eigenen Herzen zur ganzheitlichen Weltanschauung erhoben und doch jeder Dynamik beraubt. Und so wünschen sich junge nationalistische Deutsche heute lieber hundert Jahre eher geboren zu sein, blasen in schwarz-weiß zum Sturm auf die Republik ohne den Kampf je wirklich aufgenommen zu haben.

Aber genau darin liegen die Fehler – unser Fehler -, denn auch wir sind Teil dieser europäischen generazione perduta. Nur haben Jahrzehnte der Demonstrationen, der verteilten Flugblätter, geklebten Aufkleber und Urnengänge den deutschen Nationalismus nicht zu etwas greifbaren gemacht. Im Gegenteil: Die eigenen Kräfte haben ihn eher überflüssig werden lassen. Und wieso? Weil man den zweiten Schritt machen wollte, bevor man überhaupt losgegangen war. Man dachte immer nur an Aktionen, an kurzweilige Erfolge und nur selten an die Struktur, die dahinter stehen sollte – an die eigene Identität.

Aber wie soll eine verlorene Generation nach sechzig Jahren der Bedeutungslosigkeit sich eine eigene Identität definieren? Die politische Idee reicht vom Ein-Mann-ein-Staat-Prinzip bis zur Basisdemokratie. Ist es vielleicht genau das, was die Machthaber wollten? Das sich die Letzten, die noch das Bekenntnis ablegen, in Wirren verlieren, in Grabenkämpfen? Das die einen schreien »Nur wir!« und die anderen zur Einheit aller aufrufen? Wo soll sich dort der Einzelne, der Mutige, der Rebell positionieren?

Funktioniert die Gemeinschaft nicht erst gerade dadurch, dass Einzelne sich in ihr hervortun? Heute verwechseln wir gerne allzu oft den herrschenden Liberalismus mit der normalen persönlichen Freiheit und Selbstentfaltung. Dieses Übermaß an Freiheit widert uns an, denn es lässt vieles vergessen, wenn man die Kreise nur um sich selbst zieht. Im Gegenzug fordern viele die totale Unterordnung des Einzelnen zur Gemeinschaft. Andere haben sich im Großen und Ganzen mit diesem Freiheitsbegriff arrangiert, projizieren das, was in ihrem Freundeskreis klappt, auf ein Volk mit fast siebzig Millionen; jeder soll überall mitbestimmen. Aber so funktioniert keine Gemeinschaft. Unser Volk konnte nur so groß an Zahl und Ansehen werden, weil es stets den Einzelnen achtete, ihn nach vorne trieb und der Einzelne wusste, es wird irgendwann dieser eine Moment kommen, da er sich selbst unter sein Volk stellen wird. Und frei kann nur der sein, der in einem freien und unabhängigen Kollektiv beheimatet und behütet ist. Der Kreis schließt sich.

Wir versuchen uns die Welt aus der Distanz zu erklären, reden von ihr in widerwärtiger Ablehnung, haben den Hass akzeptiert. Aber wollen wir wirklich so leben, unsere Nation neu errichten, unsere Kinder erziehen? Uns umgeben Millionen Fremde und wir müssen jedem Einzelnen dankbar sein, der sich nicht bereitwillig integrieren lässt. Sie zeigen uns, dass Völker und Nationen eben doch keine Konstrukte sind und sie zeigen uns, dass ein multikulturelles Zusammenleben verschiedener Menschen – oder nennen wir es beim Namen: verschiedener Rassen – nicht funktionieren kann. Wir projizieren unsere Hoffnungslosigkeit zu oft auf die Fremden, fürchten uns vor dem Islam anstatt vor denjenigen, die überhaupt erst die Welt ermöglichten, in der die Völker wieder wandern und am Ende verschwinden. Es war die liebe zur Heimat, die Menschen überall auf der Welt sesshaft werden lies. Zwischen vertrauter Umgebung unter Menschen, die dieselbe Sprache sprechen, dieselben Werte vertreten, uns in Aussehen und Charakter ähneln. Dafür lohnt es sich zu kämpfen, nicht aber die anderen zu hassen.

Werbefilm der “Generation Identitaire” aus Frankreich

Betrachtet man die Historie, kann man uns Deutsche als verschlafen und politikmüde beschreiben. Blickt man heute in die deutschen Generationen, kann man genau das vielfach erkennen und doch auch oft das ganze Gegenteil. Dass der Kapitalismus nicht funktionieren kann, merken immer mehr, aber auch die gängigen alternativen, der historische Nationalsozialismus und der in tausend Gedanken zerfallene Kommunismus, versprechen keine Lösung der Probleme. Der rote Internationalismus macht sich zum Gehilfen der herrschenden Macht, wirkt attraktiv, gesellschaftsfähig, kanalisiert die Wut und lässt sie doch verpuffen. Der nationale Widerstand samt seiner Ideenbibliothek wirkt verstaubt und verkatert, blass und unlebendig. Immer wieder machen sich Menschen die Mühe das zu ändern und müssen sich am Ende doch wieder eingestehen: es ist chancenlos. Dasselbe sah man in Italien. Dort verlies man die alten und verfallenen Strukturen, nahm das verschütt gegangene Bekenntnis zu Heimat, Volk und Freiheit mit und baute sich etwas neues auf – und sieht heute den Erfolg.

Dazu fehlt uns hier der Mut. Wir füttern uns selbst mit Durchhalteparolen: »Einmal versuchen wir es noch« oder »Sonst passiert doch auch nichts« sagt man sich hängenden Kopfes. Dabei ist es doch eigentlich so einfach.

Der parlamentarische Kampf ist aussichtslos. Dort haben die Demokraten die Macht und dort werden sie sie auch nie hergeben. Der Kampf um die Straße mit freien Kameradschaften oder autonomen Gruppen ist es auch. Die Strukturen sind für den Staat am Ende doch zu einfach zu durchschauen und zu durchleuchten, obwohl sie beim aktuellen Aktionskonsens durchaus Gründe haben, nicht greifbar zu sein. Aber wie soll das funktionieren, einen existenziellen Kampf führen und doch unter sich bleiben?

Genau hier kommt ein neuer Gedanke ins Spiel: Weg vom Kleingruppengedanken hin zur Organisation. »Aber die wird doch sofort verboten!« sagt ihr jetzt. Richtig, wenn wir so handeln wie bisher, dann wird sie das. Wenn wir unseren politischen Habitus an der eigenen Radikalität messen und dementsprechend handeln, wird dieser Idee keine lange Zukunft beschieden sein. Richten wir aber unser handeln nicht nach dem Schein, sondern nach der Wirkung aus, könnte sich etwas ändern.

Konkret: Machen wir uns greifbar, offen und gebraucht. Machen wir uns zur Notwendigkeit und damit die Idee des deutschen Nationalismus, des deutschen Sozialismus – des Bewusstseins unserer eigenen Identität. Konzentrieren wir uns nicht auf das dagegen, sondern auf das dafür. Anstatt einer antikapitalistischen Demo helfen wir lieber denen, die schon heute materiell unter dem Kapitalismus leiden, was fiele von uns noch nicht tun. Wieso nicht statt verschlossener Kameradschaften offene Zusammenschlüsse bilden? Wieso fassen wir nicht den Mut uns selber konkrete und komplexe Gedanken zu machen, anstatt uns im wahrsten Sinne des Wortes wiederzubetätigen? Es ist möglich sich zwischen die Schwärmer, die Konservativen und die angeblich »echten Demokraten« zu stellen und zu sagen, dass Deutschland so nie geholfen werden kann. Der nationale Widerstand hat sich mit seinem Verharren unattraktiv und uneffektiv gemacht, der Kommunismus ist unrealistisch und gefährlich geblieben. Genau so der Kapitalismus, auch er ist noch da. Und nun lassen wir es die Menschen hören, aus ihrer Mitte soll es klingen: »Auch wir sind noch da!« Wir sind diejenigen, die ihre Identität vielleicht vergessen hatten, ja, das mag sein, aber wir haben sie nie verloren und nun hört uns zu!

Das gelang in Italien, dort nennen sie sich mit stolzgeschwollener Brust wieder Faschisten, ein Wort, bei dem selbst hierzulande Nationalisten zusammenzucken. Doch sie konnten ihre moderne Idee erklären, sie praktisch vermitteln. Sicher, ihr Staat ist weniger repressiv als der Deutsche, aber anstatt uns zu wünschen hundert Jahre eher geboren zu sein, sollten wir uns lieber freuen, in dieser Zeit zu stehen: vor uns liegt das scheinbar Unmögliche, packen wir es an!

Die verlorene Generation, die doch nie die Hoffnung verlieren wird – die identitäre Generation – die Generation Identität.

mauerbluemchen // http://identitaet.tumblr.com/

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