LUXEMBURG. Der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker hat der deutschen Politik vorgeworfen, in der Euro-Krise nationale Ressentiments zu schüren. Die Art und Weise, wie Medien und Politiker in der Bundesrepublik über Griechenland hergefallen seien, habe er sich nicht vorstellen können, sagte der Chef der Eurogruppe gegenüber der Süddeutschen Zeitung. Mehr als 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges lägen solche Vorurteile nur „zentimetertief unter der Oberfläche“.

Die Diskussion um einen Euro-Austritt Griechenlands bezeichnete Juncker als nicht hilfreiches „Geschwätz“. Gerade im deutschsprachigen Raum gebe es viele Menschen, die „einfache Lösungen“ anstrebten. „Wer denkt, daß die Probleme der Eurozone dadurch behoben würden, daß man Griechenland ausschließt oder fallen läßt, hat die eigentlichen Ursachen der Krise nicht erkannt.“ Er kritisierte damit FDP-Chef Philipp Rösler, der gesagt hatte, ein Austritt Griechenlands aus dem Euro habe für ihn seine Schrecken mittlerweile verloren.

Spanien fordert mehr Solidarität von Deutschland

Der Eurogruppenchef bekräftigte dabei, er sei fest entschlossen, den Euro in seinem Bestand mit allen derzeitigen Mitgliedsstaaten zu halten. Dies sei mit der 100 Milliarden Euro teuren Rettung spanischer Banken bewiesen worden. In den kommenden Tagen sollen weitere Maßnahmen beraten werden. „Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren.“ Insgesamt sei die Währungsunion nun an einem „entscheidenden Punkt angekommen“, unterstrich Juncker.

Ähnliche Töne hatte am vergangenen Wochenende bereits der spanische Europaminister Inigo Méndez de Vigo angeschlagen. Deutschland solle nicht vergessen, wie ihm nach dem Zweiten Weltkrieg von den Alliierten geholfen worden sei. Viele Länder hätten zugunsten der Bundesrepublik auf Geld verzichtet, sagte er der Bild-Zeitung. (ho)

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