BERLIN. Die Kriminalität in Deutschland ist im vergangenen Jahr erstmals seit 2004 wieder angestiegen. Laut der am Mittwoch veröffentlichten Polizeilichen Kriminalstatistik wurden 2011 von der Polizei 5,99 Millionen Straftaten registriert (2010: 5,93 Millionen). Die Aufklärungsquote lag bei 54,7 Prozent (2010: 56 Prozent) 

Gleichzeitig ging die Zahl der Tatverdächtigen um 1,9 Prozent auf 2.112.843 Personen zurück, sagte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) bei der Vorstellung der Statistik in Berlin.  Über ein Viertel hiervon waren sogenannte Mehrfachtatverdächtige, die 2011 mehr als zweimal von der Polizei erfaßt wurden. Die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen stieg um 2,7 Prozent auf 484.529 Personen. Insgesamt waren 22,9 Prozent aller Verdächtigen Ausländer. 

Mit Blick auf den Rückgang bei den Angriffen auf Polizisten um 1,8 Prozent auf 22.839 Fälle betonte der Innenminister, dies sei kein Grund zur Entwarnung.  „Die Angriffe auf Bundespolizisten sind sogar um 12,1 Prozent gestiegen“, sagte Friedrich, der zugleich auf die im vergangenen Jahr in Kraft getretene Strafverschärfung bei Angriffen auf Vollstreckungsbeamte verwies. 

Starker Anstieg der Wohnungseinbrüche

Als besorgniserregend bezeichnete Friedrich den Anstieg von Wohnungseinbrüchen um 9,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hierfür gebe es allerdings keine „leichten Erklärungen“. So lasse sich der Anstieg nicht mit dem Wegfall der Grenzkontrollen zu Polen und Tschechien erklären. Teilweise seien die Zahlen vor der Grenzöffnung sogar höher gewesen. 

Dennoch zeigten Friedrich und der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU), Verständnis für die Besorgnis in der Bevölkerung angesichts der wachsenden Kriminalität in den Grenzregionen zu den östlichen Nachbarstaaten. 

Diese Taten würden häufig von Ausländern verübt.  So waren laut Caffier 2011 in Brandenburg landesweit 13 Prozent der Tatverdächtigen Nichtdeutsche, in den Grenzregionen lag der Anteil indes bei 26 Prozent. Diese Tatverdächtigen kämen allerdings nicht alleine aus den Nachbarländern. Teilweise handele es sich um Banden, die durch ganz Europa zögen, sagte Friedrich. 

Weniger Volksverhetzungen

Nach Ansicht von Caffier überwiegt dennoch durch den Wegfall der Grenzkontrollen der Zuwachs an Freiheit. „Die damit gewonnene Freizügigkeit, von der wir alle profitieren, hat vor allem dazu beigetragen, daß sich die Menschen immer mehr annähern“, sagte der Minister. 

Einen Rückgang verzeichnet die Kriminalstatistik bei Verstößen gegen den Volksverhetzungs-Paragraphen 130 des Strafgesetzbuches. Die Zahl der Straftaten sank hier von 2.886 Fällen im Jahr 2010 um 21,3 Prozent auf 2.272 Delikte im vergangenen Jahr. Die Aufklärungsquote lag bei 64,7 Prozent. (ms)

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