LUDWIGSBURG. Auch homosexuelle Pastoren könnten gute Vorbilder für Jugendliche sein, wenn sie ihr Leben verantwortlich führen. Das sagte die ehemalige nordelbische Bischöfin Maria Jepsen auf einer Tagung des Instituts für Antidiskriminierungs- und Diversityfragen der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg.

Die 67jährige Theologin forderte die evangelische Kirche auf, sich deutlicher für die gesellschaftliche Anerkennung von homosexuellen Beziehungen zu engagieren. Ihrer Ansicht nach sollte die Kirche vor allem solchen Homosexuellen helfen, die in einer Partnerschaft leben wollen und für die Treue, Verläßlichkeit und Liebe wichtig sind. In vielen Gemeinden gebe es schwule Pastoren, ohne daß dies jemanden störe. Ihnen biete die Hamburger Kirche Segnungsgottesdienste an.

„Völlig unprofessionelle Vorbereitung“

Der Vorsitzende des Lesben- und Schwulenverbands Deutschland, Manfred Bruns, nutzte die Tagung der Evangelischen Hochschule zur Kritik an den Kirchen. Viele Vertreter der Amtskirche würden nur vordergründig Verständnis äußern, aber wenig Unterstützung bieten. „Besonders schlimm“ seien Katholiken und Evangelikale, die mit dem göttlichen Gericht drohten. Bruns ist nach eigenen Angaben seit über 50 Jahren verheiratet. Heute sei er zusätzlich auch noch mit einem Mann liiert. Das sei für seine Frau, seine Kinder und Enkel kein Problem.

Oberkirchenrat Wolfgang Traub und Dekan Volker Teich aus der württembergischen Landeskirche sagten ihre Teilnahme kurzfristig ab. Die Vorbereitung sei völlig unprofessionell gewesen, erklärte Teich auf Anfrage von idea. Beide hätten im Rahmen einer Podiumsdiskussion kirchliche Positionen erläutern sollen. Diese wurden im Einladungsprospekt als „defensiv“ charakterisiert, während die Forderungen von Homosexuellen unterstützt wurden. Das Programm sah zudem vor, daß in den Arbeitsgruppen über Voraussetzungen für die Gleichstellung von homosexuellen Beziehungen mit der Ehe beraten wird. (idea/cs)

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