Bericht einer Neonazi-Aussteigerin

On June 29, 2011, in Thiazi Forum, by admin
Ich habe den Artikel gerade gefunden, der ist zwar schon von 2008 aber ich hab über die Suche nichts diesbezüglich gefunden.

Bericht einer Neonazi-Aussteigerin

"Als wäre der Führer mein Onkel"

Von Stefan Schultz


20 Jahre lang gehörte sie zur Elite der rechten Szene – dann floh sie und änderte ihre Identität. SPIEGEL ONLINE hat die Neonazi-Aussteigerin jetzt getroffen. Sie berichtet über ihr Leben in Verblendung und die Angst vor den rechten Rächern.

Hamburg – Die Frau sitzt auf einer entlegenen Bank im Park. Nur wenige Passanten gehen vorbei. Sie trägt die weiße Mütze, die sie bei Fototerminen immer trägt, dazu eine Sonnenbrille. Ihre Vermummung, sagt sie, sei Selbstschutz. Sie fühlt sich verfolgt. "Wenn meine ehemaligen Kameraden mich zu fassen kriegen, ist vielleicht mein Leben in Gefahr. Meine Kinder würden wahrscheinlich entführt."

SPIEGEL ONLINE

Neonazi-Aussteigerin Wolf: "Bekämen die mich zu fassen, wäre vielleicht mein Leben in Gefahr"

20 Jahre verkehrte Katja Wolf* in den höchsten Zirkeln der rechten Szene. Wer sie beschreibt, muss gewisse Regeln befolgen: keine Namen. Keine Fotos ohne Vermummung. Keine Beschreibung markanter Personenmerkmale. Das Treffen mit ihr arrangiert ein Mittelsmann.

An den Tag ihrer Flucht erinnert sie sich noch genau: Es war ein warmer Morgen, Anfang Mai 2005, der Himmel leuchtete blau und wolkenfrei über ihrem Bauernhof, den sie verlassen wollte. Sie hatte alles gut vorbereitet, die Pferde verkauft, die Koppel abbauen lassen. Vor einigen Tagen waren die Schweine geschlachtet worden. Jetzt war es still auf dem Gut.

"Mit jeder Minute wurde ich nervöser", erinnert sich Katja. "Seit Stunden war der Umzugswagen überfällig. Während meine Kinder und ich warteten, filzten Polizisten bei meinem Ex-Mann das Haus." Katja hatte den mehrfach vorbestraften ehemaligen Landesvorsitzenden der FAP persönlich angezeigt, jetzt rannte ihr die Zeit davon. "Ich fragte mich, wer wohl zuerst auf unserem Hof vorfährt", erzählt sie. "Der Umzugswagen? Oder ein Rachetrupp der Neonazis?"

Katja sagt, sie habe lange im Hof gestanden und nach Motorengeräuschen gehorcht. Doch da war nichts. Nur Stille.
"Von dir Jüdin lass’ ich mich nicht unterrichten"
Katja spricht auffallend sanft, ihre Bewegungen strahlen Ruhe aus. "Wenn man so will", sagt sie, "wurde ich schon als Neonazi geboren." Erzogen habe sie hauptsächlich ihr Großvater. "Als alter Wehrmachtssoldat schilderte er mir den Krieg in schillernden Farben. Stundenlang erklärte er mir, warum die Juden böse sind und woran man sie erkennt."

Doch Großvater redete nicht nur. "Manchmal musste ich mit einem schweren Rucksack durch die Berge marschieren", sagt Katja. "Er trieb mich, bis mir die Füße bluteten." Dabei erzählte er immer wieder vom Krieg. "Bald kam es mir so vor, als wäre der Führer mein Onkel."
Mit 13 trug sie Doc Martens und Bomberjacke. Ihr Hinterkopf war rasiert, ihr Pony stand nach oben. Sie verteilte Hakenkreuz-Aufkleber auf dem Pausenhof. Und sie war Mitglied der später verbotenen "Wiking-Jugend".

Mit 16 beschimpfte sie vor versammelter Klasse ihre Religionslehrerin: "Von dir Jüdin lass’ ich mich nicht unterrichten!" Seelenruhig habe sie das gesagt, erinnert sich Katja, den Moment regelrecht ausgekostet. "In mir brodelte eine nie enden wollende Wut", erzählt sie. "Ich hatte das Gefühl, ich müsste den Kampf meines Großvaters weiterführen."

Den kompletten Artikel findet man HIER

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