Die Berliner NPD-Führung um den Landesvorsitzenden Uwe Meenen und Spitzenkandidat Udo Voigt – zeitgleich Parteichef – gerät wegen eines in der Wahlkampfzeitung für die Abgeordnetenhauswahl in der Hauptstadt enthaltenen Kreuzworträtsels, das nach dem Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß sowie der Abkürzung für “Nationalsozialismus” fragt und als Lösungswort “Adolf” ergibt, parteiintern immer mehr unter Druck.

Nach dem hessischen NPD-Landesvorsitzenden Jörg Krebs, der das Rätsel als “die dämlichste PR-Aktion der NPD aller Zeiten” bezeichnete, meldeten sich nun auch der sächsische Fraktionschef Holger Apfel (Foto l.), der “Junge Nationaldemokraten”-Vorsitzende Michael Schäfer, der saarländische Landesparteichef Frank Franz sowie der ehemalige sächsische Landtagsabgeordnete Rene Despang mit harscher Kritik zu Wort. In einem Facebook-Eintrag schrieb JN-Chef Schäfer: “Die Leute fragen mich (zu Recht), ob wir ´ne Macke haben? So kann man seine Pluspunkte, die im Wahlkampf gewonnen wurden, auch verspielen. Wir an der Basis sind wieder die Dummen. Toll!”

Fraktionschef Apfel äußerte, es gehe gar nicht nur darum, “ob sich das Kreuzworträtsel konkret in Stimmenverlusten bei der Wahl in Berlin bemerkbar macht oder nicht, es geht um die grundsätzliche Glaubwürdigkeit der NPD. Wie passt ein solches Kreuzworträtsel zu dem nahezu gleichzeitig veröffentlichten Strategiepapier des stellv. Bundesvorsitzenden Karl Richter ´Raus aus dem Ghetto´ zusammen?” Die Partei setze sich damit “doch eine Narrenkappe auf”, so Apfel, der weiter äußerte, dass man sich bei diesem Kurs-Durcheinander nicht zu wundern brauche, “wenn uns keiner mehr ernst nimmt”. Er verwahrte sich außerdem gegen Versuche, die Diskussion abzuwürgen: Dass das Thema intensiv diskutiert werde zeige, dass sich “unsere Aktivisten ernsthafte Gedanken machen. Man sollte daher auch etwas souveräner mit Kritik umgehen können, statt jeder Kritik sofort mit der Keule des Anpassungsvorwurfs zu begegnen, wie das in unseren Kreisen ja leider keine Seltenheit ist”, so Apfel. Die von ihm geforderte “Seriöse Radikalität” müsse in der Gegenwart angesiedelt sein, was aber nicht bedeute, “fundamentale Grundsätze über Bord werfen”, wie dies “interessierte Kreise” immer wieder transportierten, sondern vielmehr, sich “nicht im rechten Ghetto einzunisten, nicht ständig die Schlachten von Gestern zu kämpfen, sondern die Themen aufzugreifen, die den Menschen heute auf den Nägeln brennen.”

Auch der saarländische Landesvorsitzende Frank Franz (Foto r.) übte harsche Kritik: Die Tatsache, dass “so etwas” in Massen gedruckt und verteilt werde zeige, dass die Verantwortlichen offenbar nicht den Anspruch hätten, “ernsthaft politisch tätig zu sein.” Franz weiter: “Wir sollten aber schon für uns selbst einen anderen Anspruch haben.”

Der ehemalige sächsische Landtagsabgeordnete Rene Despang, der von 2006 bis 2009 für die Nationaldemokraten im Parlament aktiv war, formulierte kurz und prägnant: “Das kann doch alles nicht wirklich wahr sein. Mich kotzt so etwas nur noch an.”

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