BORNHAGEN. Eine linke Künstlergruppe hat ein Holocaust-Mahnmal direkt vor dem Grundstück von AfD-Politiker Björn Höcke im thüringischen Bornhagen errichtet. Das Kollektiv „Zentrum für Politische Schönheit“ (ZPS) stellte 24 massive Betonstelen auf. Damit will die Gruppe auf eine Rede Höckes reagieren, der das Berliner Denkmal für ermordete Juden im Januar als „Denkmal der Schande“ bezeichnet hatte.

Mitglieder des ZPS wohnten nach eigenen Angaben seit fast einem Jahr Zaun an Zaun mit dem thüringischen AfD-Fraktionschef. „Wir wissen alles“, sagt Philipp Ruch Spiegel Online, zum Beispiel wann er Holz hacke, welche Verlage ihm Broschüren schickten, wie er mit seinen Anzügen umgehe. Das Material für die Stelen sei heimlich angekarrt worden.

Höcke soll vor Denkmal knien

„Gegen Nazis wenden wir nur Nazi-Methoden an“, rechtfertigt Ruch die spionageähnliche Beobachtung. Es gehe ihm darum, „daß Höcke im Januar viel geschichtspolitisches Porzellan zerbrochen hat“. Beton sei der bessere Baustoff. „Wenn er vor dem Denkmal auf die Knie fällt und für die deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg um Vergebung bittet, wollen wir der Ernsthaftigkeit seiner Läuterung glauben.“

Dann werde der „zivilgesellschaftliche Verfassungsschutz“ vorerst wieder aufgelöst und es würden keine pikanten Details aus seinem Leben veröffentlicht. In einer Mitteilung bezeichnete das ZPS die Aktion als „die aufwendigste Langzeitbeobachtung des Rechtsradikalismus in Deutschland“.

Das ZPS war in der Vergangenheit immer wieder mit Aktionen aufgefallen. Ende 2014 hatten Mitglieder mehrere Kreuze zur Erinnerung an Opfer er Berliner Mauer gestohlen. Später wurde bekannt, daß die Gruppe mit Steuergeldern unterstützt wurde. Zudem erhielten die Künstler Hilfe vom ebenfalls staatlich geförderten Maxim-Gorki-Theater. (ls)

DEN HAAG. Der frühere Militärchef der bosnischen Serben, Ratko Mladic, ist vom UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Gericht unter Vorsitz des Niederländers Alphons Orie sprach Mladic in zehn von elf Anklagepunkten schuldig.

Im Zentrum des Prozesses stand Mladics Verantwortung für das Massaker von Srebrenica, bei dem 1995 mehr als 8.000 bosniakisch-muslimische Männer von bosnisch-serbischen Truppen umgebracht wurden. Auch die Belagerung Sarajevos, bei der zwischen Mai 1992 und Februar 1996 rund 10.000 Menschen vorwiegend durch serbischen Granatenbeschuß und Scharfschützen ums Leben kamen, wurde ihm zur Last gelegt.

Mladic beteuerte seine Unschuld

Bei der Urteilsverkündigung war Mladic des Gerichtssaals verwiesen worden, da er mit Zwischenrufen die Verlesung des Urteils störte. 2011 war der heute 74jährige in Serbien verhaftet und an das Tribunal in Den Haag ausgeliefert worden. Der Prozeß begann im Jahr darauf, er dauerte mehr als 500 Verhandlungstage.

Mladic hatte vor der Urteilsverkündung seine Unschuld beteuert. Im vergangenen Jahr wurde Mladics Mitangeklagter, der ehemalige bosnische Serbenführer Radovan Karadžić, zu 40 Jahren Haft verurteilt. Er hat inzwischen Berufung gegen das Urteil eingelegt. (tb)

MÜNCHEN. Die Werte Freiheit und Erfolg haben für die Deutschen an Bedeutung verloren. Stattdessen sind „Natur“, „Familie“ und „Sicherheit“ für die Bundesbürger laut einer Online-Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Kantar TNS wichtiger geworden.

„Natur“, „Gesundheit“ und „Familie“ sind die Top-3-Werte, die das Institut in seinem seit 2008 erhobenen Werteindex ermittelt hat. Die Reihenfolge der Werte bezieht sich auf das kommende Jahr und soll laut den Verantwortlichen der Studie verdeutlichen, daß sich Werte immer auf die Zukunft beziehen, berichtet die Welt.

Sicherheitsbedürfnis steigt

Dagegen fiel „Freiheit“ vom zweiten Platz 2016 auf den viertwichtigsten Wert. 2009 und 2012 führte „Freiheit“ die Statistik sogar an. Auch „Erfolg“ scheint den Deutschen immer weniger wichtig zu sein. Der Wert verlor drei Plätze im Vergleich zu 2016 und steht jetzt auf dem sechsten Platz.

An Bedeutung gewonnen hat auch die Kategorie „Sicherheit“, die mittlerweile auf dem fünften Platz rangiert ( plus 2). Das Schlußlicht unter den wichtigsten zehn Werten bildet „Gerechtigkeit“; 2014 noch auf Platz 7 und vor zwei Jahren auf Platz 9. Das Erhebungsmodell basiert nicht auf Befragungen, sondern auf der Auswertung von Millionen von Internet-Beiträgen, darunter Posts in sozialen Netzwerken. (tb)

EZB will Einlagensicherung abschaffen

On November 22, 2017, in Schall und Rauch, by admin

Die Europäische Zentralbank hat in einem Papier die Meinung geäussert, die Einlagensicherung ist nicht mehr notwendig, also die Garantie für die Kunden, bei einer Bankenpleite ist das Guthaben noch da. Was die wenigsten wissen, wer sein Geld bei einer Bank einzahlt gibt der Bank einen Kredit, einen der bisher bis 100’000 Euro gesichert war. Diese Sicherung soll es nicht mehr geben, weil auf Deutsche gesagt zu viele Banken im Euro-Raum wegen fauler Kredite kurz vor der pleite stehen und die Garantie nicht mehr gewährleistet werden kann. Also schafft man sie einfach ab und die Kunden könnten alles verlieren. Das nennt man einen “bail-in”. Davor habe ich schon vor Jahren gewarnt und gesagt, am sichersten ist wenn man sein Geld in Cash bei sich aufbewahrt, denn sobald man es einer Bank gibt kann es im schlimmsten Fall verschwinden.

Vor sieben Jahren braute sich ein publizistisches Gewitter über den Tiroler Alpen zusammen. Einige Historiker formierten sich im Bund mit linken Politikern und Journalisten zur Front gegen den Tiroler Aufstand von 1809. Der Tiroler Grünen-Politiker Gerhard Fritz verglich den Anführer der Freiheitskämpfer, Andreas Hofer, gar mit den islamischen Taliban-Terroristen. Profil deutete den bärtigen Rebellen zum „Loser“ um, der einen „glücklosen Aufstand von ein paar starrköpfigen Bauern“ anführte und kritisierte einen „kaum für möglich gehaltenen Andi-Hofer-Hype“.

Der Mythos Andreas Hofer sollte endgültig entzaubert, der antiaufklärerische und „rückwärtsgewandte“ Aspekt in den Vordergrund gerückt werden. Hofers Regentschaft in der Innsbrucker Hofburg sei schließlich streng religiös und autoritär gewesen, wie die Journalisten Konrad Kramer und Georg Mayrhofer in ihrem Werk „… und keiner sang die ‘Reblaus’“ kritisierten. „Hofer praktizierte religiöse Übungen und erwartete das auch von allen anderen. Es regnete Verordnungen für Gottesdienste und Andachten, die die schützende Hand Gottes über Tirol halten sollten.“ Der Oberkommandant der Schützen sei auf „jeden Heuchler und religiösen Narren“ hereingefallen.

Bar jeder Einbettung in den historischen Kontext

Und auch das engere Umfeld Hofers sei zutiefst reaktionär gewesen. Allen voran reiben sich die Kritiker an dem Kapuzinerpater Joachim Haspinger, der als „fanatischer Geistlicher“ gegen die von der bayerischen Besatzung eingeführte Pockenimpfung mit der Begründung predigte, den Tiroler Seelen sollte damit das „bayerische Denken“ eingeimpft werden. Die Philosophie beschäftigte sich nun mit dem Mythos, die Wirtschaftswissenschaft mit der Marke Andreas Hofer, die unter diesen Vorzeichen hinterfragt werden müsse.

Doch die Entzauberer und Aufklärer beurteilen die Person Andreas Hofer, dessen 250. Geburtstag sich am 22. November jährt, wieder einmal bar jeder Einbettung in den historischen Kontext. Mit drei Jahren verlor er seine Mutter. 1774 wurde er zum Vollwaisen, woraufhin seine als unfreundlich geltende Stiefmutter Anna die Erziehung übernahm. Dank der Mariatheresianischen Schulreform erlernte er früh das Lesen und Schreiben, was zu jener Zeit alles andere als selbstverständlich war. Nach seiner Schulzeit hielt er sich mehrfach in Welschtirol auf, um die italienische Sprache zu erlernen. Mit zweiundzwanzig Jahren übernahm Hofer den überschuldeten Sandhof von seinem Schwager und heiratete im selben Jahr die zwei Jahre ältere Anna Ladurner, die ihm sechs Mädchen und einen Knaben schenken sollte.

Gottvertrauen, das alle Grübelei ausschloß

Der Zeitzeuge und Gymnasiallehrer Beda Weber beschrieb das Ehepaar folgendermaßen: „Sie verschwendeten nichts, verstanden aber auch nicht zusammenzuhalten. Daher war der Verbrauch selten den Einkünften angemessen. Er selbst war zwar nie unmäßig, bedurfte aber nach dem Maße eines tirolischen Landwirtes ziemlich viel, und ließ es sich auch zukommen in Speise und Trank.“ Während seiner Wanderjahre als Weinhändler wurde der Kaufmann vor allem als gläubiger und vaterlandsliebender Tiroler bekannt. „Seine Frömmigkeit wurzelte in einem gläubigen Gemüte, das alle Grübelei ausschloß, und das Gefühl des allgegenwärtigen Gottes begleitete ihn überall“, notierte Weber.

Sandhof: Das Geburtshaus Andreas Hofers Foto: wikimedia.org/I, Kuebi/CC 3.0

Der Tiroler Topograph Johann Jakob Staffler stammte wie Hofer aus St. Leonhard im selben Tale und kannte den Freiheitskämpfer persönlich. „Hofer hatte einen robusten, ziemlich hohen Körperbau mit breiter Brust und starken Waden, eine angenehme, freundliche Gesichtsbildung mit einer kleinen, etwas stumpfen Nase. Er besaß unter den starken Männern des Thales eine ausgezeichnete Körperstärke. Seine Stimme war weich und wohlklingend; sein Gang aufrecht, langsam und würdevoll; sein ganzes Wesen anziehen und Zutrauend erweckend.“

Bereits in den Kriegsjahren 1796/97 fiel Hofer mit patriotischem Eifer auf. Weil Napoleon Bonaparte im ersten Jahr auf einen Einmarsch in Tirol verzichtete, kam es jedoch erst 1797 zur ersten Begegnung zwischen französischen Soldaten und dem Tiroler Landsturm. Die Schlacht von Jenesien blieb zwar unentschieden, sie ließ die französischen Truppen jedoch irritiert zurück: Eine scheinbar desorganisierte Horde Wilder bot der damals modernsten und am besten ausgebildeten Armee der Welt Paroli. Den ersten Sieg errang die Bauernguerilla im selben Jahr in der Schlacht am Valser Joch am Eingang des Pustertals. Hofer führte erstmals 129 Schützen als Kommandant an.

„Gott mit uns“

„Die Parole der Tiroler Kämpfer war ‘Gott mit uns’ und stellte ebenfalls deren Motiv dar. Diese Leute kämpften aus Überzeugung, waren überaus motiviert und kämpften mit der Gnade Gottes gegen die ungläubigen französischen Truppen“, beschreiben Kramer und Mayrhofer die Ereignisse. „Die Wilden feierten ihren Sieg auch wie man es von Wilden erwartete. Gefangene wurden nicht gemacht, verwundete Franzosen Bein für Bein entzweigeschlagen, bis sie ausgeisterten.“

Mit dem Preßburger Frieden kam Tirol 1805 unter bayerische Herrschaft. Die neuen Herren begannen sofort mit einer Reihe von Reformen. Die einschneidendste Neuerung war die Zwangsaushebung von Rekruten. Obwohl den Tirolern mit dem Tiroler Landlibell von 1511 rechtlich verbrieft war, daß sie ausschließlich im Falle der Landesverteidigung Kriegsdienst zu leisten hatten, sollten sie nun für fremde Herren kämpfen. Dies führte am 9. April 1809 zum Aufstand.

Der Tiroler Landsturm 1809: Gemälde von Joseph Anton Koch Foto: Wikimedia.org/

Noch vor den erbitterten Kämpfen am Bergisel machte sich besonders ein Wirtshausredner in der Schlacht bei Sterzing einen Namen: Andreas Hofer. Er führte die Schützen anschließend zusammen mit seinen wichtigsten Mitstreitern Josef Speckbacher, Peter Mair und Haspinger am Bergisel dreimal zum Sieg gegen die bayerisch-französischen Truppen. Mit der Niederlage der vierten Bergiselschlacht am 1. November begannen denn auch die bedrückendsten Jahre des Oberkommandanten. Ab Dezember versteckte er sich mit seiner Familie wochenlang auf einer einsamen Almhütte, zwei Stunden oberhalb des Sandhofes.

Ein Mythos war geboren

Dem Drängen seiner Freunde, Tirol zu verlassen und nach Österreich zu fliehen, das im Frieden von Schönbrunn das „Heil’ge Land“ abgab, folgte er nicht. Das sollte ihm zum Verhängnis werden, als ihn der Passeierer Landwirt Franz Raffl für 1.500 Gulden an die Franzosen verriet. Spätestens diese Judastat komplettierte das Bild vom Helden Andreas Hofer, das im Laufe der Geschichte je nach Bedarf ins passende Licht gerückt wurde.

Während Heinrich Heine über die Freiheitskämpfer spottete, von der Politik wüßten sie nichts, als daß sie einen Kaiser haben, der einen weißen Rock und rote Hosen trage und sich nun totschlagen ließen, weil sie einen neuen Fürsten mit blauem Rock bekämen, wurden sie von deutschen Romantikern wie Theodor Körner, Joseph von Eichendorff und Joseph Görres besungen.

Heute steht Andreas Hofer vor allem als Symbol für den Kampf um die Einheit und Freiheit ganz Tirols. Der Überlieferung nach soll er nach sechs Schüssen des Erschießungskommandos gerufen haben: „Ach, schießt ihr schlecht!“ Es krachten sechs weitere Schüsse. Hofer ging zu Boden, atmete aber noch. Ein Korporal trat vor und streckte ihn mit einem Kopfschuß nieder. Hofer war tot, ein Mythos geboren.

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HAMBURG. Das Hamburger Amtsgericht hat am Dienstag die bisher höchste Strafe infolge der linksextremen G20-Krawalle verhängt. Das Gericht verurteilte einen 28 Jahre alten Hamburger wegen besonders schweren Landfriedensbruchs, versuchter gefährlicher Körperverletzung und tätlichen Angriffs auf Polizeibeamte in acht Fällen zu drei Jahren Haft.

Der Angeklagte aus dem Stadtteil St. Pauli hatte drei Stunden lang immer wieder Polizisten mit Steinen und Flaschen attackiert. Zudem war er bei den Plünderungen von zwei Supermärkten und einer Drogerie beteiligt. Vor Gericht legte er ein umfassendes Geständnis ab. Das „gut recherchierte Videomaterial“ der Polizei habe zudem die Vorwürfe der Anklage bestätigt, sagte die Richterin.

Nur aus Neugierde im Schanzenviertel

Der Mann gab sich reuig und beteuerte, daß er selbst nicht wisse, was ihn an diesem Abend geritten habe. Er sei nur aus Neugierde ins Schanzenviertel gegangen, nachdem er Fernsehbilder der Krawalle gesehen hatte. Dort habe ihn die Menge mitgerissen. „Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, würde ich an dem Abend einfach zu Hause bleiben und mir alles im Fernsehen anschauen“, sagte er laut dem NDR. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre und sechs Monate Haft gefordert.

Vor einer Woche war erstmals ein Plünderer während der G20-Ausschreitungen verurteilt worden. Das Hamburger Amtsgericht sprach einen zur Tatzeit 18jährigen, inzwischen 19 Jahre alten Mann unter Ausschluß der Öffentlichkeit des schweren Landfriedensbruchs schuldig. Weil das Gericht den Fall unter Jugendstrafrecht stellte, setzte es die zweijährige Haftstrafe zur Bewährung aus. (ls)

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