MOUNTAIN VIEW. Die Organisation „Unicode Consortium“ hat die neuen Piktogramme und Ideogramme, auch Emojis oder Smileys genannt, für 2020 vorgestellt. Besonderen Wert legt die Firma dabei auf geschlechtsneutrale Erweiterungen in der Emoji-Palette. Unter den 117 neuen Darstellungen finden sich nun auch Männer im Brautkleid, Frauen im Anzug sowie geschlechtsneutrale Personen im Anzug, wie Emojipedia auf ihrer Internetseite berichtet. Die Seite ist das führende Online-Nachschlagewerk für die Abbildungen.

„Diese Beigabe ist Teil der fortlaufenden Bemühungen, eine einheitlichere Auswahl an geschlechtsspezifischen Optionen zu beschaffen“, heißt es auf der Seite. Es sei eine Ergänzung zu den „138 neuen geschlechtsneutralen Emojis“, die bereits 2019 hinzugefügt worden seien. Neben „Santa Claus“ und „Mrs. Santa“ soll auch ein „Mx Claus“ erschaffen werden. Die Flagge der Transsexuellen und das Symbol der Transsexuellen ist als Erweiterung für die Regenbogenfahne gedacht, die seit 2016 verfügbar ist.

Kein Revolver, dafür gleichgeschlechtliche „Familien“

Schon im vergangenen Jahr wurden neben den Bildzeichen von Vater-Mutter-Kind-Familien weitere Variationen von Familienkonstellationen eingeführt. Der Revolver ist nicht mehr im Angebot, lediglich eine Wasserpistole.

Voraussichtlich sollen die Emojis ab der zweiten Hälfte des Jahres für die Betriebssysteme Android, iOs und in den sozialen Netzwerken verfügbar sein. (hr)

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BERLIN. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den früheren Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, als einen Mann gewürdigt, der die EU zusammengehalten habe. „Sie mußten in einem Szenario handeln, für das es kein europäisches Drehbuch gab“, lobte Steinmeier Draghi, der am Freitag aus den Händen des Staatsoberhauptes das Bundesverdienstkreuz erhielt.

Steinmeier weiter: „Damit haben Sie in stürmischen Zeiten den Euro und die Europäische Union zusammengehalten. Damit haben sie sich um Europa verdient gemacht. Und damit haben Sie, das sage ich ganz bewußt, auch meinem Land einen großen Dienst erwiesen.“

Steinmeier beklagt mangelnden Respekt vor Draghi

Das Bundesverdienstkreuz ist die „höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht“. Draghi war von 2011 bis vergangenen November EZB-Chef. Seine Amtszeit war geprägt von massiven Ankäufen von Staatsanleihen und der Einführung von Negativzinsen. Bei seiner Entscheidung im vergangenen Jahr, die Anleihekäufe nach einer Pause wieder aufzunehmen, setzte sich Draghi auch über den Rat des EZB-Expertengremiums hinweg.

Zu seiner Verabschiedung im vergangenen Jahr würdigte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Draghi als einen EZB-Präsidenten, der „den Euro durch unruhige See navigiert“ habe und sich deswegen „um den Euroraum und die Stabilität seiner Währung verdient gemacht“ habe.

Auch Steinmeier betonte: „Niemand mag sich vorstellen, wo Europa heute stünde, wenn nicht nur das Vereinigte Königreich die Europäische Union verlassen hätte, sondern gleichzeitig die Eurozone zerbrochen wäre.“ Die EZB erfülle ihren Auftrag „ganz in der Tradition der Bundesbank“. Im Umgang mit der EZB und Draghi mahnte Steinmeier eine „sachliche Debatte“ an. „Zu oft fielen Respekt und Anstand gegenüber Ihnen, lieber Herr Draghi, Klischees zum Opfer.

Theurer: Draghi hat den Orden nicht verdient

Kritik an der Auszeichnung kam unter anderem vom Sprecher der CDU-Mittelstandsvereinigung, Carsten Linnemann. Er beklagte gegenüber dem Fernsehsender ntv, die EZB habe unter Führung Draghis die Zinsen deutscher Sparer künstlich niedrig gehalten.

Der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Michael Theurer kritisierte ebenfalls Draghis Niedrigzinspolitik und betonte, Draghi habe den Orden schlicht nicht verdient. Die stellvertretende AfD-Vorsitzende Beatrix von Storch hatte die Verleihung an Draghi als „Schande“ und „Schlag ins Gesicht für alle Sparer“ bezeichnet. Draghi solle sich „öffentlich bei den deutschen Sparern entschuldigen und nicht die Frechheit besitzen, sich ein Bundesverdienstkreuz anheften zu lassen“, sagte sie im Vorfeld der Auszeichnung. (tb)

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MÜNCHEN. Der frühere Kapitän der Flüchtlingsorganisation Mission Lifeline, Claus-Peter Reisch, hat die von Griechenland geplanten „schwimmenden Schutzsysteme“ gegen illegale Einwanderer scharf kritisiert. „Das ist völlig irre“, sagte Reisch Focus Online.

Ihn erinnerten die griechischen Grenzschutzbemühungen an den Zweiten Weltkrieg. „Es gibt dann also Art Öl- oder Panzersperre gegen Menschen, also eine Menschen-Sperre.“ Das habe man „in der Normandie auch mal gemacht, im Zweiten Weltkrieg“. Er frage sich, wie viele Flüchtlinge dadurch ums Leben kommen werden.

Ausstieg bei Mission Lifeline

Der einzige Ausweg ist für den Bayern eine gleichmäßige Verteilung der Migranten von den griechischen Inseln auf die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union. „Natürlich sollte diesbezüglich auch ein Solidaritätsprinzip herrschen und nicht manche Länder meinen, sie können sich in Brüssel einen dicken Scheck holen und fertig.“

Daß private Seenotrettung ein Pull-Faktor für noch mehr illegale Einwanderung sei, wies Reisch zurück. „Das ist eine rein populistische Behauptung, die auch von vielen namhaften Universitäten widerlegt wurde.“ Seenotrettung dürfe daher „nicht weiter kriminalisiert“ werden.

In der Vergangenheit hatte sich Reisch auch wiederholt parteipolitisch geäußert. Unter anderem forderte er ein Verbot der AfD. Auch sprach er sich für die Wiederwahl von Bodo Ramelow zum thüringischen Ministerpräsidenten aus. Im Januar teilte er mit, daß er nicht mehr für Mission Lifeline in See steche. Als Begründung gab er auch die radikale Sprache bei der Organisation, etwa gegen Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), an. „Ich distanziere mich von allen unglaublichen Entgleisungen, die dort bei Lifeline zu lesen sind, lehne jede Art von Agitation ab und halte es für maximal schädlich in der Debatte“, sagte er damals mit Blick auf einen Tweet von Mission Lifeline, in dem sie Sebastian Kurz als „Baby-Hitler“ bezeichnet hatte.

„Barrieren oder Netze“

Am Mittwoch hatte Griechenland weitreichende Maßnahmen angekündigt, um sich vor einem weiteren Migrantenansturm zu schützen. Unter anderem gibt es eine Ausschreibung für den Bau von Abwehrmechanismen, die im Notfall gegen illegale Migranten eingesetzt werden sollen, die von der Türkei mit Booten aus Griechenland ansteuern.

Konkret geht es um den Einsatz von „Barrieren oder Netze“ mit einer Länge von jeweils drei Kilometer. Laut den griechischen Behörden sollen diese einen halben Meter aus dem Wasser ragen und mit blinkenden Lichtern versehen sein. (tb)

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KIEL. Die Grünen in Schleswig-Holstein haben ein Verbot der Vollverschleierung an Hochschulen vorerst verhindert. Nach rund einjähriger Beratung sprach sich die Grünen-Landtagsfraktion gegen ein entsprechendes Vorhaben ihrer Koalitionspartner CDU und FDP aus, sagte ihr hochschulpolitischer Lasse Petersdotter der Welt.

Die Grünen-Landesvorsitzende Ann-Kathrin Tranziska begründete die Entscheidung ihrer Partei mit dem Hinweis auf die Religionsfreiheit. „Eine weltoffene und rechtsstaatliche Gesellschaft zeichnet aus, daß religiöse Gefühle getragen oder auf sie verzichtet werden kann.“ Frauen werde nicht geholfen, wenn man sie von Bildung ausschließe.

Die CDU äußerte ihr Unverständnis über die Haltung der Grünen. Die Vollverschleierung sei „mit unserer Vorstellung des Zusammenlebens nicht in Einklang zu bringen“ und passe nicht zur Freiheit der Wissenschaft, betonte der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Tobias von der Heide.

Universität und Konvertitin einigen sich

In der kommenden Woche soll das Thema erneut Gegenstand der koalitionsinternen Beratungen werden. Bildungsministerin Karin Prien (CDU) beharrte darauf, daß eine gesetzliche Regelung in der Frage „zwingend erforderlich“ sei.

Hintergrund der Debatte war ein Fall an der Universität Kiel. Dort war Anfang vergangenen Jahres eine Studentin nach ihrer Konversion zum Islam vollverschleiert in Lehrveranstaltungen erschienen. Die Hochschulleitung verhängte ein Verschleierungsverbot und bat den Landtag um rechtliche Absicherung ihrer Entscheidung.

Inzwischen einigten sich die Universität und die Konvertitin darauf, daß sie vor einer Klausur ihren Schleier vor einer Frau lüften müsse, damit ihre Identität festgestellt werden könne. Im Gegenzug kann sie ihr Studium fortsetzen. (ag)

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BERLIN. Das Abgeordnetenhaus von Berlin hat mit der Mehrheit aus Grünen, SPD und Linkspartei beschlossen, dem ehemaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg den Ehrenbürgertitel abzuerkennen. Die drei Fraktionen hatten den Antrag gestellt und am Donnerstag in einer Plenarsitzung entsprechend entschieden. „Die Zeit, in der wir leben, erfordert wieder ein Aufstehen für Demokratie“, sagte Regina Kittler von der Linkspartei laut der Nachrichtenagentur dpa. „Das schließt die konsequente Verurteilung von Tätern ein. Und Hindenburg war Täter.“

Hindenburg habe dazu beigetragen, die Demokratie in Deutschland zu zerstören und der Diktatur den Weg zu ebnen, da er Adolf Hitler am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler berufen hatte, urteilte Kittler. Die Linkspartei war bereits im März 2015 mit demselben Vorhaben gegen die Stimmen von SPD und CDU gescheitert.

CDU: „ahistorische Sichtweise“

Robbin Juhnke von der CDU nannte das eine „ahistorische Sichtweise“. Zweimal sei Hindenburg durch freie Wahlen zum Reichspräsidenten gewählt worden, auch mit den Stimmen der SPD. Er sei zwar eine historisch umstrittene Figur, ihm die Ehrenbürgerschaft abzuerkennen, sei jedoch falsch.

Auch die FDP stemmte sich gegen die Entscheidung. Über Twitter schrieb sie, daß Hindenburg die Weimarer Republik stabilisiert habe und „auch das parlamentarische und demokratisch gewählte System“. Später löschte die Berliner Fraktion den Post und sprach sich dafür aus, Hindenburgs historische Rolle „differenziert zu betrachten“. Dem sei der Tweet nicht gerecht geworden. (hr)

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SCHWERIN. Die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern wird ab Februar stets die Nationalität von Tatverdächtigen in ihren Pressemitteilungen angeben. Dies schließe auch die deutsche Staatsbürgerschaft mit ein, teilte das Innenministerium in Schwerin am Donnerstag mit.

Die Nennung der Nationalität werde wertungsfrei und neutral erfolgen. Er habe sich zu diesem Schritt entschlossen, sagte Innenminister Lorenz Caffier (CDU), da es in dieser Frage zwischen den einzelnen Bundesländern keine einheitliche Regelung gebe. „Gerade bei Straftaten, an denen Migranten beteiligt sind, wird oft der haltlose Vorwurf erhoben, Behörden verheimlichten bewußt die Herkunft der Tatverdächtigen. Mit dieser Regelung wollen wir Mutmaßungen und Gerüchten, die nicht selten rechtspopulistisch geprägt sind, entgegenwirken“, erläuterte der CDU-Politiker. So solle das Sicherheitsgefühl der Menschen gestärkt und gegen „Fake News“ und Haß vorgegangen werden.

Auch Sachsen nennt Herkunft

Auch die Polizei Sachsen wird künftig die Nationalität von Tatverdächtigen angeben. Eine entsprechende Anordnung erließ Landespolizeipräsident Horst Kretzschmar. „Wir haben uns intensiv mit dem Für und Wider auseinandergesetzt und uns letztendlich für Transparenz und Offenheit entschieden. Es geht der Polizei nicht darum, Vorurteile zu schüren, sondern Mutmaßungen und ‘Fake News’ aktiv durch Transparenz und Offenheit entgegenzutreten“, begründete er die Entscheidung laut Bild-Zeitung.

Die AfD verbuchte die Maßnahme als Erfolg. „Auf Druck der AfD soll unsere alte Forderung nun endlich umgesetzt werden. Das ist ein wichtiger Schritt, um ‘Fake News’ und einseitige Medien-Berichte einzudämmen“, teilte der medienpolitischer Sprecher der sächsischen AfD-Landtagsfraktion, Thorsten Gahler, mit. Er beklagte jedoch, daß Tatverdächtige mit Migrationshintergrund nicht gesondert erfaßt würden, da mittlerweile viele Einwanderer einen deutschen Paß besäßen.

Der Fraktionsvorsitzende der AfD in Mecklenburg-Vorpommern, Nikolaus Kramer, zeigte sich ebenfalls erfreut von der Neuerung. Caffiers Entscheidung beweise, wie wirksam die Innenpolitik der AfD sei. (krk)

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HAMBURG. Der wegen seiner Außerung zu einem „Klima-Holocaust“ in die Kritik geratene Linken-Kandidat für die Bürgerschaftswahl in Hamburg, Tom Radtke, hat der Hamburger „Fridays for Future“-Gruppe mit Enthüllungen gedroht. „Bleibt bei der Wahrheit. Wenn ihr über mich lügt, sehe ich nicht warum, ich eure dreckigen Geheimnisse noch für mich behalten sollte“, schrieb er auf Twitter.

@fff_hamburg @nele_brebeck, bleibt bei der Wahrheit. Wenn ihr über mich lügt, sehe ich nicht warum ich eure dreckigen Geheimnisse (z. B. den Pädophilen bei FFF Hamburg) noch für mich behalte. Wenn keine Richtigstellung kommt, dann werde ich morgen alles erzählen. Auch zu Luisa.

— Tom Radtke (@tomradtkede) January 30, 2020

Der 18jährige machte in dem Zusammenhang Andeutungen über einen Pädophilen in den Reihen der Klimaschützer. Sollte es keine Richtigstellung zu Aussagen über den ihn geben, wolle er „alles erzählen. Auch zu Luisa“. Luisa Neubauer gilt als das deutsche Aushängeschild der „Fridays for Future“-Bewegung.

Radtke hatte am Holocaust-Gendenktag auf Facebook geschrieben: „Die Nazis gehören auch zu den größten Klimasünder*innen, da ihr Vernichtungskrieg und ihre Panzer riesige Mengen an CO2 produziert haben. Viele Politiker sagen, daß sich das nicht wiederholen darf. Aber was tun sie gegen den Klima-Holocaust, der in diesem Moment Millionen Menschen und Tiere tötet?“ Auf seinem Facebook-Profil präsentiert sich Radtke auch mit dem Logo der „Fridays for Future“-Bewegung. Diese ging jedoch umgehend auf Distanz zu dem Linken-Kandidat.

Radtke: „Grünen-Sympathisanten“ wollen mich rausdrängen

Die Hamburger Linkspartei, für die der Schüler auf Listenplatz 20 kandidierte, forderte ihn auf, seine Kandidatur zurückzuziehen. Zudem sollte über einen Parteiausschluß beraten werden. Radtke behauptete kurz darauf, das Verfahren sei eingestellt. Dem widersprach die Partei umgehend.

Eine weitere Klarstellung: Anders als von Tom R. dargestellt, läuft das Parteiverfahren gegen ihn weiterhin. Es ist erst vom Tisch, wenn es abgeschlossen ist. Dafür sieht unsere Satzung genaue Regeln vor, die wir unbedingt einhalten werden.

— DIE LINKE. Hamburg (@DieLinke_HH) January 30, 2020

Gegenüber der Welt verteidigte Radtke seinen „Klima-Holocaust“-Eintrag. Er beteuerte, ein Antifaschist zu sein. Jedoch hätte er seine Absicht besser erklären müssen. Die Distanzierung der „Fridays for Future“-Bewegung gehe auf „Grünen-Sympathisanten“ zurück, die an den „zentralen Stellen“ der Schülerbewegung säßen. Sie wollten in als Mitglied der Linkspartei rausdrängen. (ag)

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Frauen wissen nicht was eine Frau ist

On January 31, 2020, in Schall und Rauch, by admin

Am 20. Januar fand ein Frauenmarsch in Washington statt, wo die Teilnehmerinnen Plakate trugen und lautstark für Abtreibung, LGBTQ-Rechte und verschiedenen feministische Themen demonstrierten. Um herauszufinden, was diese Frauen denken, hat Joseph Backholm vom Colson Center for Christian Culture den Teilnehmerinnen verschiedene Fragen gestellt, unter anderem, “wie würden Sie definieren, was eine Frau ist?” Das verblüffende dabei war, die Frauen konnten keine Antwort darauf geben.

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MAINZ. Der Historiker und AfD-Politiker Stefan Scheil hat die Vorwürfe zurückgewiesen, er relativiere die Kriegsschuld Deutschlands am Zweiten Weltkrieg. Zuvor hatte der rheinland-pfälzische Kultusminister Konrad Wolf (SPD) mit dieser Begründung die Abberufung Scheils aus dem Kuratorium der Landeszentrale für Politische Bildung (LPB) angekündigt. Hintergrund ist ein Gutachten des Landtags, wonach Äußerungen des Historikers eine Abberufung nahelegen, sagte Wolf dem SWR.

Scheil sagte der JUNGEN FREIHEIT, Wolf habe ihm die Abberufung bislang nicht mitgeteilt. Er habe davon erst aus der Presse erfahren.

Hintergrund der Angelegenheit ist laut Scheil eine „Schmutzkampagne“ der Lokalzeitung Rheinpfalz gegen ihn. Den Auftakt dazu habe im vergangenen Jahr eine Beschwerde des polnischen Generalkonsuls Jakub Wawrzyniak beim Leiter der LPB, Bernhard Kukatzki, über Scheils Aussagen zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs gebildet.

„Überfall auf Polen“ in Frage gestellt

Der Historiker, der auch Autor der JF ist, hatte in den sozialen Medien Auszüge aus seinen Arbeiten geteilt, in denen er Polen eine Mitschuld am Ausbruch des Krieges 1939 gab. „Ich habe das immer quellennah getan und inhaltlich nichts zurückzunehmen“, betonte Scheil. „Offenbar hat die Polenlobby seit Monaten gegen mich intrigiert, ebenfalls ohne sich irgendwie an mich zu wenden.“

Daß seine wissenschaftlichen Positionen nun zur Abberufung aus dem Kuratorium führen sollen, könne er nicht nachvollziehen. „Für Rheinland-Pfalz stellt anscheinend das Grundgesetz in Frage, wer sich die Sprachregelung vom ‘Überfall auf Polen‘ nicht zu eigen macht. Noch grotesker kann man die demokratische Ordnung kaum mißverstehen.“

Scheil wolle nun abwarten, ob ihm die Abberufung persönlich mitgeteilt werde, die er als Verstoß gegen das Willkürverbot betrachte. Die AfD-Fraktion teilte mit, sie werde das Gutachten des Landtags prüfen und weise die Vorwürfe gegen Scheil zurück. (ag)

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In Tübingen zeigt sich aktuell, wie bereits eine kleine Gruppe ihre Agenda öffentlichkeitswirksam vorantreiben kann. Die linke Initiative „Ernst-Bloch-Uni“ umfaßt nach eigener Angabe gegenüber dem Onlinemagazin der Süddeutschen Zeitung für junge Erwachsene rund 20 Personen. Ihr Anliegen ist die Umbenennung der dortigen Eberhard-Karls Universität. Deren Namensgeber seien ein Antisemit und ein verschwenderischer Monarch gewesen.

Die Kritik der Studenten entzündet sich an den Namenspatronen Graf Eberhard I. (1445-1496) und Herzog Karl Eugen (1728-1793). Eberhard, der die Hochschule 1477 gründete, sei „alles andere als ein Vorbild an Weltoffenheit“, heißt es auf der Homepage der Initiative, die sich zudem gegen angeblichen „Rechtsruck der Gesellschaft wendet. Ihm wird angelastet, er habe kurz nach Eröffnung der Universität die Juden aus der Stadt treiben lassen und einen Schuldenschnitt veranlaßt, von dem er auch selbst profitierte. Herzog Karl Eugen bringt die Handvoll linker Studenten auf die Barrikaden, da er zur Finanzierung seiner prunkvollen Hofhaltung Untertanen als Soldaten an ausländische Mächte verkaufte.

Im 21. Jahrhundert sind das zweifellos keine Ruhmestaten für Politiker. Doch der Blick ins 15. und 18. Jahrhundert zeigt, daß das Verhalten der beiden Herrscher keinesfalls aus dem Rahmen fiel. Antisemitismus war in jener Zeit in Europa weit verbreitet und die Behandlung der Landeskinder war damals noch weit von den Sitten der bürgerlichen Rechtsstaatlichkeit entfernt, die die Nachwuchsakademiker aus Tübingen heute genießen.

Namenswechsel der Beuth Hochschule Berlin könnte 2,5 Millionen Euro kosten

Ungeachtet dessen soll der Marxist Ernst Bloch nach dem Willen seiner Jünger neuer Namenspatron werden. Der Mann sei immerhin nicht historisch belastet. Aber ob jemand, der in den 1970er Jahren im Sozialismus und Kommunismus Instrumente sah, um Utopien in die Realität umzusetzen, die passende Wahl ist, sei dahingestellt.

Derzeit ist offen, ob die Hochschulleitung dem Ansinnen der Studenten nachkommt und ob es diesen gelingt, mehr Unterstützer zu gewinnen. Tübingen ist nur ein weiterer Schauplatz des seit Jahren andauernden Umbenennungskampfes um Straßen, Kasernen und Universitäten.

Vergangene Woche hatte die Beuth Hochschule für Technik Berlin beschlossen, sich einen neuen Namensgeber zu suchen. Der preußische Beamte Christian Peter Wilhelm Beuth (1781-1853) war wegen seiner antisemitischer Ansichten untragbar geworden. Ganz billig dürfte das Abstreifen des alten Namens nicht werden. Interne Schätzungen gehen davon aus, daß der Vorgang die Schule bis zu 2,5 Millionen Euro kosten könnte, berichtete die Morgenpost.

Wann geraten Luther und Wagner ins Visier?

Pikantes Detail am Rande: Die Bildungsanstalt trug erst seit 2009 den Namen des preußischen Staatsdieners. Offenbar störte man sich damals nicht an der Person. Oder eine Überprüfung hinsichtlich der Tauglichkeit für das frühe 21. Jahrhundert war ausgeblieben.

Die Vorgänge, wie sie sich auch 2018 im Fall der Greifswalder Ernst-Moritz-Arndt-Universität abspielten, verdeutlichen, daß es um Geschichtspolitik und Sinnstiftung geht. Völlig ahistorisch werden an die Namensgeber aus den vergangenen Jahrhunderten heutige Maßstäbe angelegt. Was nicht in das Muster des Zeitgeistes paßt, soll weichen. So wird im Fall der Bildungseinrichtungen das Andenken an wissenschaftliche Leistungsträger und Universitätsgründer aus dem öffentlichen Raum verbannt. Es bleibt abzuwarten, bis auch der Reformator Martin Luther (1483-1546) und der Komponist Richard Wagner (1813-1883) dem mutwillig herbeigeführten Vergessen zum Opfer fallen sollen.

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