Am Freitag um 5:00 und um 5:20 Uhr Lokalzeit haben zwei Raketen den iranischen Tanker “SABITI” im Roten Meer vor der Küste Saudi-Arabiens getroffen. Der Tanker gehört der National Iranian Tanker Company (NITC) und befand sich ca. 90 Kilometer vom saudischen Hafen Dschidda entfernt. Kein Besatzungsmitglied wurde verletzt, aber es kam zu einem Brand und Öl lief ins Meer aus.

DRESDEN. Der wegen seiner Mitgliedschaft in einer studentischen Verbindung in die Kritik geratene sächsische Landesbischof Carsten Rentzing ist zurückgetreten. Er habe sein Amt mit dem Wunsch angetreten, die „verschiedenen Positionen innerhalb der Landeskirche wieder einander näher zu bringen“, schreibt Rentzing in seiner Rücktrittserklärung.

Er müsse nun aber mit großem Bedauern feststellen, „daß die aktuelle Diskussion um meine Person diesem Ziel schadet“. Die Debatte sei nicht nur für ihn, „sondern auch für die gesamte Kirche“ eine Belastung. „Um Schaden von meiner Kirche abzuwenden, habe ich mich entschieden, mein Amt zum nächstmöglichen Zeitpunkt zur Verfügung zu stellen“, heißt es weiter.

Mitgliedschaft in schlagender Verbindung

Er stehe „für konservative Positionen und Werte, die ich in einem langen Entwicklungsprozess für mich als richtig erkannt habe“. Dabei sei sein Glaube prägend gewesen. „Positionen, die ich vor 30 Jahren vertreten habe, teile ich heute nicht mehr“, stellte er klar.

Anfang der 90er Jahre wurde Rentzing Mitglied der schlagenden Verbindung „Alte Prager Landsmannschaft Hercynia“ und ist es bis heute geblieben. Von dem Leitspruch der Landsmannschaft „deutsche Kultur und deutsche Werte“ hat sich Rentzing inwzischen distanziert. „Das ist nichts, was ich jemals unterschreiben würde“, sagte er der Sächsischen Zeitung.

Er trage diesen Teil seiner Biografie ganz bewußt nicht offen vor sich her, „aber ich stehe dazu, dass es ein Abschnitt in meinem Leben war, den ich nicht verleugnen kann und will“, hatte er in einer früheren Erklärung geschrieben. Kein Leben verlaufe nur geradlinig, sagte der 51-Jährige. „Auch ein Landesbischof war einmal jung und hat sich für Dinge begeistert, die später an Bedeutung verlieren.“

Online-Petition gegen Rentzing

Eine Gruppe mit dem Namen „Bekennende Christinnen und Christen in Sachsen“, darunter mehrere Pfarrer, hatten am 27. September eine Online-Petition an Rentzing gerichtet. Darin forderten sie ihn auf, sich öffentlich und deutlich von „allen nationalen, antidemokratischen und menschenfeindlichen Ideologien“ zu distanzieren. Auch solle er darlegen, warum er weiterhin Mitglied in der Landsmannschaft sei. (tb/idea)

HAMBURG. Fans des FC St. Pauli haben die Entlassung des türkischen Profis Cenk Sahin gefordert. Sahin, der seit dem Sommer 2016 bei dem Verein unter Vertrag steht hatte auf Instagram den Einmarsch des türkischen Militärs im Nordosten Syriens bejubelt. „Wir sind an der Seite unseres heldenhaften Militärs und den Armeen. Unsere Gebete sind mit euch“, schrieb er.

Für die Ultras des Vereins ein Entlassungsgrund. Sahin habe sich bereits in der Vergangenheit „pronationalistisch, regimetreu und verächtlich über das Sterben der kurdischen Bevölkerung“ geäußert, heißt es in einem auf einer Fanseite veröfentlichten offenen Brief. „Für uns Ultras steht deshalb fest, daß Cenk Şahin nicht mehr im Trikot des FC Sankt Pauli aufläuft“, steht dort weiter. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan führe in Syrien einen Angriffskrieg „mit dem Ziel der vertreibung der kurdischen Bevölkerung und der Auslöschung selbstverwalteter, basisdemokratischer ideen in der Region“. Wie man sich „mit diesem ekelhaften Wahnsinn solidarisieren“ könne, „ist uns schleierhaft“.

Antifaschistisches Duschgel

Am Freitag vormittag distanzierte sich der Verein auf seiner Homepage von seinem Spieler. Dessen Post sei „mit den Werten des Vereins nicht vereinbar“. Man werde die Thematik intern aufarbeiten.

Der FC St. Pauli ist für seine politisch linke Ausrichtung bekannt und hat aus seiner Sympathie für die linksradikale Szene nie ein Geheimnis gemacht. Unter anderem brachte der Verein im vergangenen Jahr ein „Duschgel mit antifaschistischer Haltung“ mit der „wilden Frische der Straße“ auf den Markt. Der Geschäftsführer des Zweitligisten, Andreas Rettig, hatte erst im Juni vorgeschlagen, Lizenzen im Propfifußball auch nach den Kriterien Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung zu vergeben. Dies zeige sich unter anderem darin, „Teilhabe am Vereinsleben für alle gesellschaftlichen Gruppen zu öffnen oder Flüchtlinge besser zu integrieren“, sagte er der taz. (tb)

BERLIN. Der Kandidat für das Amt des SPD-Vorsitzenden, Michael Roth, hat die AfD als „politischen Arm des Rechtsterrorismus“ bezeichnet. Die Partei müsse ihr Verhältnis klären „zu denjenigen, die durch Haß und Hetze solchen furchtbaren Taten den Boden bereiten“, sagte der Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt mit Blick auf den Terroranschlag in Halle der Welt. Seine Forderung: „Der Verfassungsschutz muß den Laden verstärkt beobachten.“

Er finde „diese ganzen Ausreden, warum man die AfD meint wählen zu dürfen“ schwer erträglich. „Das ist keine Protestpartei, das ist eine zumindest rechtsradikale Partei.“ Die Wähler müßten „doch endlich kapieren, daß sie mit ihrer Stimme Demokratieverächter, Rassisten, Fremdenfeinde, Antisemiten, Hassprediger, Antiziganisten und Homophobe unterstützen“.

Roth hält Antisemitismus für rechtes Phänomen

Judenhaß ist für den Bundestagsabgeordneten „Teil der faschistischen Ideologue“, der sich zunehmend in der Mitte breit mache. „In der radikalen Linken gibt es weniger Antisemitismus, aber eine mich zutiefst beschämende antiisraelische Grundhaltung“, betonte Roth. „Und manche Menschen muslimischen Glaubens wurden im Hass auf Jüdinnen und Juden und die einzige Demokratie im Nahen Osten, nämlich Israel, erzogen.“

Als Reaktion auf die Terrortat von Halle brauche es eine verläßliche Förderung für Initiativen für Demokratie und gegen rechts. Gleiches hatte auch die Amadeu-Antoniuo-Stiftung gefordert. (tb)

KIEW. Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky hat US-Präsident Donald Trump gegen Erpressungsvorwürfe bei einem gemeinsamen Telefonat verteidigt. „Es gab keine Erpressung“, sagte Zelensky mit Blick auf die Unterredung im Juli wegen der die Demokraten im Repräsentantenhaus Impeachment-Ermittlungen gegen Trump eingeleitet haben.

Daß Trump Militärhilfen an das Land zurückgehalten habe, um Selensky damit unter Druck zu setzen, gegen den früheren US-Vizepräsidenten Joe Biden und dessen Sohn Hunter zu ermitteln, wies Zelensky zurück. „Darüber haben wir gar nicht gesprochen.“

Zelensky hält Beziehungen für „leicht“ beschädigt

Es sei bei dem Anruf „weder um Waffen noch um Burisma“ gegangen. Burisma ist das größte nichtstaatliche Gasunternehmen des Landes. Hunter Biden sitzt bei dem Konzern im Verwaltungsrat. Sein Vater Joe hatte zu seiner Zeit als Vizepräsident die Regierung in Kiew dazu aufgefordert, den nationalen Chefermittler Viktor Shokin zu entlassen, der Untersuchungen gegen Burisma anstrengte.

Trump hatte das Telefonat als „unschuldig und angemessen“ bezeichnet und die Zurückhaltung der vom Kongreß gewährten Militärhilfen mit der Korruption in dem osteuropäischen Land begründet. Zelensky beteuert, er habe vom vorübergehenden Stopp der Militärhilfen erst nach dem Gespräch erfahren.

Trump hatte unter dem Druck der Demokraten und der Medien eine Abschrift des Telefonats öffentlich gemacht, die die Vorwürfe der Demokraten entkräftete. Zelensky sagte Reportern, er habe sich mit der Veröffentlichung des Telefongesprächs nicht wohl gefühlt. Die Beziehungen der USA und der Ukraine seien dadurch „leicht“ beschädigt worden. Kiew akzeptiere keine Befehle anderer Länder, stellte er klar.

Trump will nicht mit Pelosi kooperieren

Biden, der sich für die Demokraten um die Nominierung zur Präsidentschaftswahl 2020 bewirbt, hatte am Mittwoch erstmals die Forderung seiner Partei nach einer Amtsenthebung Trumps unterstützt. „Er schießt Löcher in die Verfassung und wir dürfen ihn damit nicht davonkommen lassen“, sagte er bei einer Wahlkampfveranstaltung in New Hampshire.

Zuletzt hatte auch der australische Premierminister Scott Morrison Trump gegen Korruptionsvorwürfe in Schutz genommen. Hierbei ging es um ein Telefonat Trumps mit Morrison, in dem er diesen um Unterstützung bei Ermittlungen von Justizminister William Barr in der sogennanten Rußland-Affäre gebeten hatte.

Trump hat sich inzwischen schriftlich geweigert bei der von Sprecherin Nancy Pelosi in die Wege geleiteten Untersuchung des Repräsentantenhauses zu kooperieren. „In der Geschichte unserer Nation hat das Repräsentantenhaus noch nie versucht, eine Impeachment-Untersuchung gegen den Präsidenten einzuleiten, ohne daß eine Mehrheit des Hauses die politische Verantwortung übernimmt und einen solchen Schritt durch eine Abstimmung autorisiert“, heißt es in dem Brief aus dem Weißen Haus an Pelosi. (tb)

In dieser Woche wurden wie in jedem Jahr die Nobelpreisträger bekanntgegeben. Die Gewinner in den Kategorien Physik, Chemie und Medizin sind wie schon in mehreren Jahren zuvor ausschließlich männlich. Insgesamt sind die Preisträger in den Naturwissenschaften seit 1901 zu über 95% männlich.

Für die beiden Wissenschaftshistoriker Nils Hansson und Thorsten Halling ein Skandal. Sie sehen in der ungleichen Geschlechterverteilung ein Zeichen für einen gesamtgesellschaftlichen Sexismus.

Auch merken sie an, daß Stifter Alfred Nobel verlangt hatte, den Preis an die Besten ihres Faches zu verleihen – unabhängig von der Nationalität. Wie könne es da sein, daß die meisten Sieger aus den USA stammen, gefolgt von Europa und Asien? Wohl nur ein Quotenmodell könnte hier Abhilfe schaffen. Oder können beide Autoren bedeutende Leistungen afrikanischer Wissenschaftler aufführen?

Marie Curie gewann zweimal den Nobelpreis

In einem früheren Beitrag hatte Hansson ernsthaft bemängelt, daß Forscher, die nicht auf Englisch publizierten, benachteiligt seien! Nun muß sich aber die internationale Forschergemeinde auf eine einheitliche Kommunikationssprache verständigen und diese ist nun mal seit der Vertreibung jüdischer Wissenschaftler aus Deutschland und dem Sieg der USA im Zweiten Weltkrieg Englisch.

Aber ist die Nobel-Jury tatsächlich sexistisch? Unwahrscheinlich. Schon sehr früh wurde der Preis auch an Frauen verlieren. Marie Curie gewann die Auszeichnung 1903 und 1911 zuerst für Physik, dann für Chemie.

Umgekehrt gibt es aber tatsächlich weibliche Forscherinnen, die den Nobelpreis unzweifelhaft verdient hätten. Zu nennen wären zum Beispiel Lise Meitner für die erste Kernspaltung, Rosalind Franklin für ihre Arbeit über die Doppelhelixstruktur der DNS und Jocelyn Bell Burnell für die Entdeckung der Pulsare.

Frauen sind stärker in den Kategorien Literatur und Frieden vertreten

Aber ist Sexismus die einzig mögliche Erklärung? Franklin verstarb bereits 1958 und konnte den Preis posthum nicht erhalten. Umgekehrt wird oft nicht thematisiert, daß die beiden Nobelpreisträger James Watson und Francis Crick bei ihr plagiiert hatten.

Doch ebenso lassen sich auch viele männliche Wissenschaftler benennen, die den Nobelpreis ohne Zweifel verdient hätten. Und Hansson selbst hätte es wissen müssen. 2017 benannte er zahlreiche Mediziner, denen die höchsten Weihen verwehrt blieben – seine Auflistung ist aber komplett männlich. Die Spitzenforschung ist überwiegend männlich. Eine Jury kann niemanden nominieren, der den akademischen Weg nicht eingeschlagen hat.

Zudem sind Frauen in den „weicheren“ Kategorien Literatur und Frieden stärker vertreten als in den „harten“ Naturwissenschaften. Diskriminierung hat es umso schwieriger, je objektiver ein Vergabeverfahren ist. Doch nach welchen Kriterien ließe sich entscheiden, welcher der beiden diesjährigen Literaturnobelpreisträger Olga Tokarczuk und Peter Handke über das größere schriftstellerische Talent verfügt?

Mathematische Leistungen hängen von der Kraft des Geistes ab

Ganz so einfach ist es aber nicht. Natürlich ist das Talent in der Physik ausschlaggebend, aber eben nicht nur. Was, wenn einer genialen Physikerin verwehrt wird, an Experimenten mit kostspieliger Ausrüstung mitzuarbeiten? Ohne die entsprechenden Messdaten kann sie keine Erfolge vorweisen.

Doch in der Mathematik spielen derlei Erwägungen keine Rolle. Auch ohne millionenschwere Fördergelder lassen sich bahnbrechende Entdeckungen einzig mit der Kraft des Geistes erzielen. Und tatsächlich unterscheiden sich die Geschlechterverhältnisse in beiden Disziplinen nicht grundlegend.

Aber könnte es nicht sein, daß eine bedeutende Entdeckung allein deswegen als nebensächlich abgetan wird, weil sie zuerst einer Frau glückte? Gibt es einen objektiven Maßstab für die Schwierigkeit einer mathematischen Fragestellung?

Wissenschaftliches Talent ist nicht gleich verteilt

Im Jahr 1900 formulierte der berühmte deutsche Mathematiker David Hilbert die 24 größten Probleme der Mathematik. Ihm zu Ehren wurden im Jahr 2000 mehrere weitere ungelöste Rätsel vorgestellt, die sogenannten Millenium-Probleme.

In beiden Fällen ließ sich vorab nicht sagen, ob der entscheidende Beweis von einem Mann oder einer Frau erbracht würde, ganz abgesehen davon, daß mehrere dieser Beweise immer noch ausstehen. Bislang wurden fast alle Probleme von einem Mann gelöst, die einzige Ausnahme ist Julia Robinson. Es gibt daher Grund zur Annahme, daß wissenschaftliches Talent eben nicht gleich zwischen den Geschlechtern verteilt ist.

Tatsächlich zeigt sich, daß Männer im hohen IQ-Bereich weit stärker vertreten sind als Frauen. Ab einem Wert von 130 (der Schwelle zur Hochbegabung) liegt das Verhältnis bei 2:1 – und es steigt mit höherer Intelligenz umso weiter an.

Mehr männliche Genies und Idioten

Natürlich ließe sich annehmen, daß der IQ-Test generell Frauen diskriminiert, doch bescheinigt er Männern nicht generell eine höhere Intelligenz. Im Schnitt unterscheiden sich die Geschlechter nicht, doch sind Männer häufiger in den Extremen vertreten. Unter Männern gibt es also mehr Genies und mehr Idioten als bei Frauen.

Warum ist das so? Möglich wäre ein geschlechtschromosomal gebundener Erbgang der Intelligenz, der bei Männern stärker ausfällt als bei Frauen – im positiven wie im negativen Sinn.

Auch bei mehreren anderen Eigenschaften zeigt sich, daß Männer variabler sind als Frauen, also eher zu den Gewinnern und Verlierern zugleich zählen, während Frauen vergleichsweise stabil im Mittelfeld liegen.

Biologie und Ideologe sind selten im Einklang

Die Natur legt an das männliche Geschlecht den höheren Selektionsdruck an, denn Männer sind entbehrlich. Würden 50 Prozet aller Weibchen sterben, würde auch die Zahl der Nachkommen um 50 Prozent sinken. Fällt die Zahl der Männchen jedoch um 50 Prozent, hat jedes einzelne noch vorhandene Männchen den doppelten Fortpflanzungserfolg und die Population bleibt stabil.

Indem die Natur Männer verletzlicher macht, ihnen aber den größeren Fortpflanzungserfolg zugesteht, findet sie die Balance aus Qualität und Quantität, um die Evolution zu beschleunigen. Biologische Fakten und ideologisches Denken sind selten in Einklang zu bringen.

BERLIN. Eine Mehrheit der Deutschen ist der Meinung, der Staat solle Bürgern und Unternehmen klimaschädliches Verhalten verbieten. Laut dem aktuellen Deutschlandtrend der ARD bejahen 57 Prozent der Bundesbürger entsprechende Verbote, 41 Prozent sind dagegen.

Am stärksten ist die Zustimmung in der Erhebung des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap für Verbote unter Anhängern der Linkspartei und der Grünen (jeweils 77 Prozent). Unter den SPD-Wählern können sich 63 Prozent, unter den Unionswählern 51 Prozent und unter den FDP-Anhängern 50 Prozent für Verbote zum Schutz des Klimas erwärmen. Nur bei den AfD-Anhängern überwiegen die Verbots-Gegner (58 zu 40 Prozent).

Seehofer steigt in der Beliebtheitsrangliste

Die konkreten Klimaschutzmaßnahmen der Bundesregierung stoßen dagegen auf ein geteiltes Echo. Während die geplante Mehrwertsteuersenkung auf Bahntickets nahezu einhellige Zustimmung findet (92 Prozent), sind etwas mehr als zwei Drittel (69 Prozent) für höhere Steuern auf Flugreisen und eine Abwrackprämie für alte Ölheizungen.

Die Erhöhung der Pendlerpauschale unterstützen 54 Prozent. Ablehnend äußert sich eine Mehrheit der Befragten dagegen zu einer staatlichen Kaufprämie für Elektroautos (53 Prozent) und der Einführung einer CO2-Steuer auf Benzin, Diesel, Heizöl und Erdgas (57 Prozent).

In der Beliebtheitsrangliste deutscher Politiker hat sich Innenminister Horst Seehofer (CSU) unterdessen deutlich gesteigert. Nach seiner Entscheidung, jeden vierten in Italien ankommenden Bootsmigranten in Deutschland aufzunehmen, legte er um neun Prozentpunkte im Vergleich zum Vormonat zu und ist nun der viertbeliebteste Politiker des Landes hinter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Außenminister Heiko Maas (SPD) und Finanzminister Olaf Scholz (SPD). (tb)

 

BERLIN. Die Amadeu-Antonio-Stiftung hat nach dem rechtsextremen Anschlag in Halle eine stärkere Unterstützung von der Bundesregierung gefordert. Die Tat habe gezeigt, wie dringend eine professionelle Auseinandersetzung mit Antisemitismus und Rechtsextremismus sei, sagte die Sprecherin der Stiftung, Viola Schmidt, dem Deutschlandfunk.

Wenn die Politik die Arbeit gegen Rechtsextremismus nicht konsequent unterstütze und zivilgesellschaftliches Engagement nachhaltig und überparteilich stärke, blieben alle ihre Bekundungen nach der schrecklichen Tat von Halle nur leere Worte, mahnte Schmidt.

Das Bundesfamilienministerium hat nach dem Anschlag erste Konsequenzen gezogen und stellt künftig mehr Geld im „Kampf gegen Rechts“ zur Verfügung. Ursprünglich war geplant, das Budget für das Programm „Demokratie leben“ zu kürzen. Für den Bundehaushalt 2020 waren mit 107,5 Millionen Euro acht Millionen Euro weniger als 2019 vorgesehen.

Stephan B. nennt antisemitisches Tatmotiv

Diese Kürzung ist aber nun vom Tisch. Darauf haben sich Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und Finanzminister Olaf Scholz (beide SPD) geeinigt. „Damit ist gesichert, daß auch im kommenden Jahr mehr als 115 Millionen Euro zur Umsetzung des bundesweit größten und europaweit einzigartigen Demokratieförderprogramms zur Verfügung stehen“, sagte Giffey am Freitag.

„Mit unserem Programm ‘Demokratie leben!’ unterstützen wir die Engagierten in Deutschland, die täglich vor Ort Antisemitismus und Rechtsextremismus die Stirn bieten und für Demokratie, Religionsfreiheit und eine vielfältige Gesellschaft eintreten.“

Unterdessen hat der Attentäter Stephan B. gegenüber der Bundesanwaltschaft ein rechtsextremes und antisemitisches Motiv für seien Tat angegeben. Der 27jährige habe sich gewaltsam Zutritt zu der Synagoge in Halle verschaffen wollen, um dort so viele Menschen jüdischen Glaubens zu tötet wie möglich, teilte die Bundesanwaltschaft am Freitag mit. (krk)

KOBLENZ. Das Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz hat die Klage eines ehemaligen moslemischen Bundeswehrsoldaten gegen seine Entlassung abgewiesen. Bei der Kündigung habe eine Vorverurteilung von Moslems keine Rolle gespielt, begründeten die Richter das Urteil, gegen das keine Berufung eingelegt werden kann.

Der 2015 zum Islam konvertierte Mann war dem Militärischen Abschirmdienst (MAD) aufgefallen. Seine mit dem Übertritt zum Islam verbundenen Verhaltensänderungen hätten auf einen Radikalisierungsprozeß hingedeutet. So habe er bei einer Befragung gesagt, es sei seine Sache, Frauen nicht die Hand zu geben. Im Mai 2018 wurde der Mann entlassen.

Frauen den Handschlag verweigert

Laut Urteilsbegründung habe der ehemalige Zeitsoldat gegen die Pflicht, für die freiheitlich demokratische Grundordnung einzutreten, verstoßen und die Pflicht zum achtungs- und vertrauenswürdigen Verhalten verletzt. Seine Begründung, den Handschlag aus hygienischen Gründen auch Männern zu verweigern, sei eine Schutzbehauptung. So bestünden Zweifel, ob er Soldatinnen respektiere und bereit sei, für sie einzutreten.

In der Schweiz hatte die Stadt Lausanne im August vergangenen Jahres einem moslemischen Ehepaar die Einbürgerung verweigert, da es sich weigerte, Personen des anderen Geschlechts die Hand zu geben. Die Eheleute seien nicht ausreichend integrierbar, begründete der Vizebürgermeister die damalige Entscheidung. (ag)

„Joker“Bitte lächeln!

On October 11, 2019, in Junge Freiheit, by admin

Todd Philipps’ Adaption des legendären Comic-Schurken Joker erhitzte schon vor dem Start die Gemüter. In Erinnerung an den Amoklauf im amerikanischen Aurora während einer Vorstellung von „The Dark Knight Rises“ befürchtete man Wiederholungstäter. Mehr noch:  Der Film würde junge, frustrierte Männer radikalisieren und zu Gewalt treiben, hieß es. Doch welche Botschaft vermittelt der Film nun?

Nichts zu lachen

Der von Joaquin Phoenix dargestellte Arthur Fleck hat wenig mit dem vor knapp 80 Jahren erschaffenen Bösewicht aus dem Batman-Universum gemein. Statt eines bösen Genies wird uns ein von seinem Umfeld gequälter, psychisch kranker Mann präsentiert. Tatsächlich erzählt „Joker“ keine neue Geschichte: Der geschundene Außenseiter wird so lange unter Druck gesetzt, bis sich seine Wut in einer Explosion von Gewalt entlädt. Musterbeispiel für diesen Plot ist Martin Scorseses Klassiker „Taxi Driver“. Und tatsächlich trägt „Joker“ seine Einflüsse (vor allem „King Of Comedy“, ebenfalls von Martin Scorsese) ganz offen.

Der ganze Stil des Films, von der Szenerie einer verfallenden Großstadt bis zu eindeutigen Hommagen an und der Mitwirkung Robert DeNiros, ist eindeutig im Geiste des New Yorker Regisseurs gestaltet. Die Einflüsse der Comicvorlage sind hingegen nur oberflächlich. Bekannte Namen tauchen auf, aber die dazugehörigen Charaktere sind stark umgestaltet. Millionäre in Kampfausrüstung sind daher nicht zu erwarten.

Ansichten eines Clowns

In der öffentlichen Diskussion entwickelte „Joker“ ein kurioses Eigenleben. Konservative Kritiker warfen dem Film vor, eine linke Agenda zu verfolgen. Was nicht von der Hand zu weisen ist: Eine Nebenhandlung ist eine vom „Joker“ inspirierte Protestbewegung, welche gewalttätig gegen die soziale Ungleichheit in Gotham City demonstriert. Die Reichen sind das Feindbild. Linke Kritiker wiederum werfen dem Film „toxische Maskulinität“ vor sowie genau die Denkweise zu legitimieren, die Trump ins Amt brachte. Wer behält Recht? Philipps lockt beide Lager in die Falle. Jeder kann nach Belieben eine eigene Agenda in die Handlung interpretieren.

Ist das „Establishment“ korrupt, so sind die Bürger gewaltbereit und selbstgerecht, die Gesellschaft marode. Joker gebärdet sich im Finale selbst als anklagender Revoluzzer, es ist aber dem Zuschauer überlassen, für wie wahrhaftig er die Worte eines offenkundig wahnsinnigen Mörders nehmen will.

Pointe und Tusch

„Joker“ ist vor allem dank Joaquin Phoenix ein überdurchschnittlicher Film, wenn auch kein „Meisterwerk“. Die sehr freie Bearbeitung der Vorlage kann Comic-Fans irritieren, und auch Arthur Fleck ist ein keinesfalls innovativer Charakter. Der Zuschauer schwankt bei ihm zwischen Mitleid und Abscheu.

Für ein politisches Statement ist der Film zu uneindeutig. So hat man am Ende einen der besseren Filme des Jahres. Unterhaltsam, aber grimmig. Doch, unpassend für den „Clown Prince Of Crime“: Recht humorlos.

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