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TEIL I

Die Wende kam mit Stalingrad. Die deutsche 6. Armee und ihre verbündeten Truppen waren im Winter 1942 seit November mit 330.000 Soldaten der Wehrmacht von der Roten Armee eingekesselt. Hitler entschied, daß sie trotz großer Entbehrungen ausharren und auf Nachschub mit Nahrung, Kriegsgerät, insbesondere jedoch mit weiteren Soldaten warten sollten. Nachhinein entpuppte sich die Weisung als eine der klügsten der Militärgeschichte. Die vier von Frankreich und Balkan abgezogenen deutschen Truppen erreichten Anfang Januar 1943 den “Kessel”, sprengten diesen mit Unterstützung der Luftwaffe und konnten trotz erbitterter Gegenwehr der sowjetischen 2. Gardearmee und des VII. Panzerkorps die Stadt endlich einnehmen. Von da an war es nur ein Spaziergang zu den kaukasischen Ölfeldern, die den Fortgang der deutschen Eroberungen mit Treibstoff versorgten.

Die Einnahme Stalingrads war sowohl für die Sowjetunion als auch international ein Schock, bestätigte sie doch die Legende von der unbesiegbaren deutschen Armee auf das Grausamste. Rußland erlitt einen moralischen Bruch in jeder Hinsicht, was sich im Laufe des Jahres zur endgültigen Auflösung der Befehlsstruktur der Roten Armee und etwas später zu deren Kapitulation führte und die russische Bevölkerung zu der Einsicht gelangen ließ, daß eine “Übernahme” durch die Deutschen ein besseres Schicksal darstellte als einem propagierten hohlen Nationalstolz hinterherzulaufen und elendig zu verrecken. Irgendwann verschwand Stalin von der Bildfläche; über seinen Verbleib wurde kein Ton verlautbart. So war die Sowjetunion künftig der totalen Ausbeutung durch das Deutsche Reich anheimgegeben.

Schon ein halbes Jahr danach hatte Wernher von Braun die Lenkung seiner V2-Raketen derart perfektioniert, daß englische Städte und wichtige Militärbasen auf der Insel nunmehr zielgenau bombardiert werden konnten. Die Britten waren jetzt dieser “Wunderwaffe” hilflos ausgeliefert. Euphorisiert durch den Erfolg verdoppelte man sodann die Produktion in den über das ganze Land verteilten Fertigungsstätten. Auch andere “Unruhenester” wurden nun schier chirurgisch eliminiert.

Den Anfang vom Ende besiegelte schließlich das Fiasko von “Operation Overlord” (D-Day). Die Alliierte Invasion in der Normandie am 6. Juni 1944 zur Errichtung der zweiten Front gegen das Deutsche Reich geriet zu der blutigsten Katastrophe des Zweiten Weltkrieges für den Feind. Da die Deutschen mittels ihrer Spionageringe in England und USA das Vorhaben der Landung der 326.000 Mann, 104.000 Tonnen Material und 54.000 Fahrzeuge an der Atlantikküste schon seit seinen Anfängen en détail in Erfahrung gebracht hatten, vermochten sie den Ansturm mit der gleichen Gigantomanie an Mannstärke und Feuerkraft, insbesondere durch Luftschläge nicht nur abzuwehren, sondern die Alliierten final zu demoralisieren und sich in einem schleichenden Prozeß untereinander entsolidarisieren zu lassen.

Der Krieg schleppte sich noch ein knappes Jahr dahin, bis die nicht-deutsche Welt, erschöpft und mit immer abnehmender Zuversicht, zu dem Schluß kam, daß man dem Dritten Reich vielleicht nicht gerade ein Friedensangebot, so doch etwas Ähnliches wie ein Stillhalteabkommen unter Anerkennung der Unantastbarkeit der von ihm besetzten Länder und Gebiete auszubreiten. Hitler und sein Stab stimmten diesem Angebot unter der Bedingung zu, daß künftig auch Großbritannien zu ihren “Beuteländern” zu gehören habe, allerdings mit einem Sonderstatus monarchischer Führung.

Es gab dafür zwei Gründe. Zum einen war das deutsche Volk durch den Krieg ebenfalls ausgelaugt und kriegsmüde geworden. Eine ganze Generation junger deutscher Männer hatte für den Kriegseinsatz Ausbildung, Studium und berufliche Karriere abbrechen müssen, so daß es selbst in der anstehenden Friedenszeit einer enormen Anstrengung bedürfen würde, um in dieser Beziehung wieder das Vorkriegsniveau zu erreichen.

Zum anderen jedoch gewahrte man, daß man zum Ende hin Schwein gehabt hatte. Über die Spionagekanäle hatte man nämlich erfahren, daß das “Manhattan-Projekt” zur Herstellung einer sogenannten Atombombe in den USA gescheitert war, nachdem der Chef-Physiker J. Robert Oppenheimer in der mittleren Phase der Arbeit an einem Herzinfarkt starb. Dadurch würden sich sämtliche Tests um mindestens drei Jahre verzögern. Diese Zeitspanne konnte das Reich nutzen, um selbst eine Atombombe zu entwickeln, so daß eine Waffengleichheit mit den USA hergestellt wäre.

Der Friedensvertrag, auch wenn man ihn nicht so nannte, wurde zwischen Heinrich Himmler von der deutschen Seite und Harry S. Truman von der US-amerikanischen Seite auf der Nordseeinsel Helgoland unterzeichnet. Winston Churchill wurde bei der Gelegenheit zum Rücktritt gezwungen und mit einem lebenslangen Politik-Verbot belegt.

Ein Passus erregte dabei besondere Aufmerksamkeit. Es ging um die Lösung der “Judenfrage”, welche die Amerikaner als nicht verhandelbar erachteten und an der die Verhandlungen beinahe gescheitert wären. Demnach sollten sämtliche verbliebenen Juden im Kern- und Osteuropa, insbesondere jene, welche die KZs überlebt hatten, in ein kleines Gebiet unter britischem Mandat in Palästina umgesiedelt und wie im Ersten Zionistischen Weltkongreß in Basel im Jahr 1897 unter der Leitung von Theodor Herzl verlangt in einem eigenständigen Staat namens Israel untergebracht werden. Hitler tobte zunächst, als man ihn mit der Idee konfrontierte. Doch fand er daran von Stunde zu Stunde immer mehr Gefallen, weil er glaubte, daß die charakterlich eh wehrunfähigen Juden dort sehr bald von den sie umzingelnden Arabern massakriert werden würden. So würde es doch zu der anvisierten “Endlösung” kommen, ohne daß er auch nur einen Finger zu rühren brauchte.

Das Reich herrschte nunmehr über ganz Europa, große Teile Asiens, Afrikas und über den Orient. Sicherlich würden noch die Türkei und die Pazifik-Staaten folgen, doch hatte dies keine Eile. Gleichzeitig war das Reich auch bankrott und konnte es sich nur noch durch die hemmungslose Ausbeutung der besetzten Gebiete, die selbst am Hungertuch nagten, mehr recht als schlecht gutgehen lassen. Was wiederum die Bürde bedeutete, mit einem immens großen Militärapparat diese riesigen Erdteile dauerhaft zu kontrollieren, zu bewachen und bei Revolten oder ähnlichen Unabhängigkeitsbestrebungen brutal zu disziplinieren.

Sicherlich würden das Forcieren der Kollaboration und das Einsetzen von Marionettenregimen wie es am effektivsten in Frankreich geklappt hatte den Aufwand größtenteils reduzieren, aber es blieb dabei, daß “Weltherrschaft” nicht gratis zu bekommen war und trotz eines Ausgleichs mit Rohstoffen und Sklavenarbeit viele Kräfte des Eigenen, darunter die intelligentesten bedurfte. Diese bittere Lektion hatten schon die Römer und das British Empire lernen müssen.

Bei dem aktuellen innerwirtschaftlichen Dilemma nach der Stunde Null setzte sich immer mehr die Einsicht durch, daß eine Lösung von der “Altmännerriege” der NSDAP kaum zu erwarten war. Praktisch die gesamte Reichsökonomie konzentrierte sich auf die Herstellung von Kriegsgütern, hing also unmittelbar vom staatlichen Kapital ab. Konsumgüter, selbst landwirtschaftliche Basiserzeugnisse wurden den besetzten Gebieten abgepreßt, wodurch jedoch bei diesen von Tag zu Tag Motivation und Innovation verlustig gingen, zuweilen in solch ungeheuerlichem Ausmaß, daß der Vergleich mit dem Esel, den man im Bemühen, ihn zum Arbeiten zu zwingen, am Ende zu Tode peitschte, gar nicht so unpassend schien. Tatsache war, daß der europäische Mensch sich kulturell und ökonomisch bereits auf einem sehr hohen Level befand als daß er sich zum analphabetischen Sklaven eines neuen Römischen Reiches eignete.

Das weitaus größere Problem stellte jedoch die Reichsmark dar. Infolge des Krieges war sie zur weiteren Verwendung kaum noch geeignet, da keine volkswirtschaftliche Deckung mehr bestand und das Vertrauen in die Währung zerrüttet war. Die Reichsmark besaß keine Substanz und konnte schon während der Kriegszeit allein durch Tricks und Kniffe der Reichsbank als eine Art Zombiewährung fortbestehen, auf deren unbedingter Lebendigkeit allerdings sämtliche annektierten Gebiete unter verheerenden wirtschaftlichen Entbehrungen schwören mußten.

Einem Volk, das jahrelang allein für den Krieg gewirtschaftet hatte und dessen ökonomische und materielle Infrastruktur zum überwiegenden Teil auf Angriff und Verteidigung ausgelegt war, blieb nichts anderes übrig, als die Stabilität seiner Währung auf Gedeih und Verderb vom Gutdünken des Staates abhängig zu machen. Nun in der beginnenden Friedensphase jedoch griffen andere Marktkräfte ins Währungsspiel, und wollte man nicht zu einem Armenhaus der Essensmarken und Suppenküchen verkommen, so war es unabdingbar, daß der Staat, in der nationalsozialistischen Variante sogar ein Superstaat, vom Dirigismus, von Protektion und von ähnlichen Manipulationen die Finger lassen mußte, um den Kreislauf darin zu einer gesunden Zirkulation zu bringen. Über ein paar Umwege fand das Regime auch bald den richtigen Mann für die Operation am offenen Herzen: Ludwig Erhard!

Erhard hatte von 1942 bis 1945 das von ihm gegründete Institut für Industrieforschung geleitet, das von der Reichsgruppe Industrie finanziert wurde. Ab Ende 1942 beschäftigte sich Erhard hier mit der ökonomischen Nachkriegsplanung. 1944 verfaßte er im Auftrag der Reichsgruppe Industrie seine Denkschrift “Kriegsfinanzierung und Schuldenkonsolidierung”, in der er Überlegungen zum Neuaufbau der Wirtschaft nach dem Krieg anstellte und unter anderem einen Währungsschnitt empfahl.

Nach hartem Ringen im inneren Kreis der Nationalsozialisten entschied man sich für den Währungsschnitt, und so wurde die Deutsche Mark (DM) unter der Koordination von Erhard am Montag, dem 21. Juni 1948 im ganzen Reich eingeführt. Gleichzeitig gab man die Entscheidungsgewalt über die Notenbanken der besetzten Länder, die nichts weiter als eine Dauermanipulation der jeweiligen Fremdwährungen zugunsten der Reichsmark gewesen war, auf und überließ die Souveränität ihrer Geldpolitik den einzelnen Nation.

Um die Gefahr einer Wettbewerbsverzerrung und der Bevorzugung einzelner Unternehmen und Branchen zu bannen, wurde damit ebenso die Zwangsarbeit der Kriegsgefangenen abgeschafft und Hunderttausende Fremdarbeiter in ihre Herkunftsländer zurückgesandt, so daß Arbeit und Lohn wieder in einem dem Wettbewerb angemessenen Verhältnis standen.

Schnell explodierte ein wirtschaftlicher Boom, dessen Ursache auch darin lag, daß trotz der schwierigen Ausgangslage im Jahre 1945 anders als etwa im Hinblick auf großstädtischen Wohnraum ungefähr 80 bis 85 Prozent der Produktionskapazitäten unzerstört geblieben waren. Die Gesamtkapazitäten nach dem Krieg übertrafen sogar jene des letzten Friedensjahres 1938.

Allerdings griff dieser Aufschwung die ersten Jahre überwiegend im Osten, weil dort sich die meisten technischen Betriebe befanden. Der Westen, traditionell für Kohle und Stahl zuständig, doch überwiegend bäuerlich besiedelt, insbesondere Bayern, hinkte dem sogenannte Wirtschaftswunder noch lange Zeit hinterher.

Dieses Wirtschaftswunder sorgte auch dafür, daß das Verhältnis sich zu den besetzten Gebieten immer mehr entspannte, da ihre Funktion als kolonisierte Schatztruhe allmählich der des Absatzmarktes für den deutschen Export wich. Schon bald dachte man an den Einsatz von Gastarbeitern nach. Für die Rekrutierung dieser Arbeiter wurde ein Land ausgesucht, das den Deutschen stets freundlich gesinnt war, aber zu diesem Zeitpunkt noch hoffnungslos rückschrittlich in ärmlichen Agrarstrukturen steckte: Japan. Das erste Flugzeug mit den ersten japanischen Arbeitern landete am 5. Juni 1956 am Flughafen Tempelhof Berlin.

Nächste Folge: Hitler stirbt 1961 / Die sogenannten 68er revoltieren für ein Zurück zu den nationalsozialistischen Wurzeln / Ende der 70er schaffen es DIE BRAUNEN, ein Zusammenschluß unterschiedlicher Umweltbewegungen, in die hohe Politik.