BERLIN. Die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) hat die für Montag geplante Vergabe ihres Menschenrechtspreises an die US-Organisation Women’s March ausgesetzt. Hintergrund sind Antisemitismusvorwürfe gegen deren Vorstandsmitglied Linda Sarsour, berichtet der Tagesspiegel.

Der Women’s March on Washington ist eine feministische Kampagne gegen US-Präsident Donald Trump, die die gleichnamige Kundgebung im Januar 2017 organisierte. Die Organisation wird weltweit von über 100 Gruppierungen unterstützt.

Organisatorin soll Israel-Boykott unterstützen

Die Moslemin Sarsour habe wiederholt antisemitische Israelkritik verbreitet. Sie soll außerdem überzeugte Anhängerin einer Israel-Boykott-Bewegung sein. Auch sei es zu antisemitischen Vorfällen auf dem Berliner Women’s March im Januar 2018 gekommen. Die verantwortlichen Organisatoren hätten sich davon nicht distanziert.

Der FES-Vorsitzende und ehemalige Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Kurt Beck, hatte die Preisverleihung kurzfristig abgesagt, nachdem Zweifel an der Einstellung der Preisträgerinnen aufgekommen waren. In einer Stellungnahme teilte die Stiftung mit, sie könne derzeit nicht mit Sicherheit beurteilen, ob die erhobenen Vorwürfe gegen einzelne Mitglieder der Organisation zuträfen.

Die FES wolle dies nun prüfen und auch den Preisträgerinnen die Möglichkeit einräumen, sich angemessen zu äußern. Die ganze Angelegenheit werde von unabhängiger Seite untersucht. (ag)

BERLIN. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat in seiner Rede zum 9. November zum Kampf gegen einen „neuen aggressiven Nationalismus“ aufgerufen. Wer alten nationalistischen Haß wieder anfache, habe „kein Recht auf Schwarz-Rot-Gold“, sagte er im Bundestag.

„Der Nationalismus vergoldet die eigene Vergangenheit, er suhlt sich im Triumph über andere.“ Deswegen brauche es einen „aufgeklärten, demokratischen Patriotismus“. Zudem geißelte Steinmeier eine „Sprache des Hasses“.

Mehr „republikanische Leidenschaft“

Gleichzeitig forderte der Bundespräsident mehr „republikanische Leidenschaft“. Das Gelingen der Demokratie müsse immer wieder neu erkämpft werden. Das Beschwören von „Weimarer Verhältnissen“ führe aber nicht weiter. „Berlin ist nicht Weimar und wird es nicht werden“, betonte das Staatsoberhaupt.

Zuvor hatte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) in der Gedenkstunde gewarnt, der „Firnis der Zivilisation“ sei dünn. Übergriffe auf Menschen jüdischen Glaubens zeigten, wie nötig der besondere Schutz von Juden auch in unserer heutigen Zeit sei. „Gefährden wir Frieden und Freiheit nicht, niemals wieder“, so Schäubles Appell.

Unterdessen hat der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, die Nichteinladung der AfD-Bundestagsfraktion zur zentralen Gedenkveranstaltung am 9. November in der Berliner Synagoge Rykestraße verteidigt. „Es wäre für die jüdische Gemeinschaft unerträglich gewesen, heute, 80 Jahre nach der Pogromnacht, Vertreter dieser Partei unter uns zu wissen“, sagte Schuster laut einem Bericht der Jüdischen Allgemeinen.

Schuster: AfD verhöhnt Holocaust-Opfer

Hinter Menschen, die Flüchtlinge, Muslime oder Juden angreifen, stünden die „geistigen Brandstifter“, mahnte Schuster. „Eine Partei, die im Bundestag am ganz äußeren rechten Rand sitzt, hat diese Hetze perfektioniert.“ Die AfD habe „vor nichts Respekt“.

Die Partei instrumentalisiere die mutigen Widerstandskämpfer der Weißen Rose für ihre Zwecke. „Sie verhöhnen die Opfer und Überlebenden der Schoa, indem sie die NS-Verbrechen relativieren. Sie betreiben Geschichtsklitterung und wollen unsere Gedenkkultur zerstören. Daher haben wir diese Fraktion als einzige des Deutschen Bundestags nicht eingeladen.“ (tb)

BERLIN. Flüchtlinge müssen künftig bei der Überprüfung ihrer Asylbescheide mitwirken. Bislang gab es eine ausdrückliche Pflicht dazu nur beim Antrag auf Asyl, nicht aber bei dessen Überprüfung in Widerrufs- und Rücknahmeverfahren.

In Zukunft müssen Betroffene auch beim Überprüfungstermin die erforderlichen Papiere vorlegen oder erkennungsdienstliche Maßnahmen zulassen. Andernfalls kann das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) Geldbußen verhängen. Es können sogar Gefängnisstrafen drohen. Zudem können Widerrufs- und Rücknahmeverfahren nach Aktenlage entschieden werden, sollte ein Asylbewerber seine Unterstützung unterlassen. Asylentscheidungen könnten in solchen Fällen dann eher negativ ausfallen.

Die Bescheide werden in der Regel spätestens nach drei Jahren überprüft oder wenn neue Erkenntnisse über den Betroffenen vorliegen. Dies kann etwa auch bei Zweifeln seiner Identität der Fall sein.

Grüne und Linkspartei dagegen

„Es ist niemandem zu erklären, daß eine Überprüfung des Schutzbedarfs schon deswegen ins Leere läuft, weil die betreffenden Personen zu einem festgesetzten Termin beim Bamf derzeit gar nicht erscheinen müssen“, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Durch die Mitwirkungspflicht könne das Amt genau überprüfen, ob seine ursprüngliche Entscheidung richtig gewesen sei. Dies trage zu mehr Qualität der Asylverfahren bei, begründete Seehofer die Entscheidung.

Neben Union und SPD stimmten auch AfD und FDP dem Gesetzentwurf zu. Grüne und Linkspartei lehnten ihn ab. Die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Ulla Jelpke, bezeichnete die Regelüberprüfungen als reine Schikane, die die Betroffenen verunsichere und die Arbeitsbelastung der Asylbehörden massiv erhöhe. (ls)

GREIFSWALD. Der stellvertretende Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Leif-Erik Holm, hat dem Asta der Greifswalder Ernst-Moritz-Arndt-Universität eine Veruntreuung von Studentenbeiträgen vorgeworfen. Hintergrund ist ein Beschluß des Studentenausschusses, die Initiative „Seebrücke – Schafft sichere Häfen“ des Vereins Mensch Mensch Mensch e.V.“ finanziell zu unterstützen.

„Sollte dieser Beschluß vom Studentenparlament angenommen werden, würde sich die Universität zum Handlanger skrupelloser Menschenschlepper machen, die für hunderte Tote im Mittelmeer verantwortlich sind“, warnte Holm.

Steigender Migrationsdruck

Die kriminellen Menschenschmuggler hätten die „privaten und von niemandem dazu legitimierten ‘Seenotretter’ zu einem Teil ihres verwerflichen menschenfeindlichen Geschäftsmodells gemacht“, kritisierte der AfD-Landeschef von Mecklenburg-Vorpommern. Erst die konsequente Haltung Italiens habe die Zahl der Toten im Mittelmeer reduziert.

Mit Initiativen wie „Seebrücke“ würde „die Zahl der Ertrinkenden ganz sicher wieder steigen und auch der Migrationsdruck nach Deutschland zunehmen“, ist sich Holm sicher. Deswegen forderte er auch die Universitätsleitung auf, sich von dem Beschluß zu distanzieren. (tb)

BERLIN. Der Historiker Herfried Münkler hat die Europäische Union als gelungene Antwort auf die beiden Weltkriege bezeichnet. Die EU würdigte er im Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung als „genialen Mechanismus, um Konflikte zu entpolitisieren und zu entschärfen“.

Die europäischen Regierungen hätten dem Krieg als politisches Mittel zur Durchsetzung ihres Willens abgeschworen. „Wirtschaftskontakte und der Austausch über Grenzen hinweg haben dazu geführt, daß sich die Menschen in einer Win-Win-Situation fühlen. Das hat über Jahrzehnte gut funktioniert.“

„Das ist das Gefährliche an Nationalisten“

Gleichzeitig warnte Münkler vor einem Wiedererstarken des Nationalismus. „Das ist das eigentlich Gefährliche an nationalen populistischen Bewegungen: International gehen sie Arm in Arm, solange sie ein gemeinsames Feindbild haben, Brüssel zum Beispiel, dagegen läßt sich trefflich polemisieren. Aber wenn sie dann untereinander etwas regeln müssen, wissen sie nicht so recht wie. Das ist wenig beruhigend.“

Europa dürfe sich nicht länger auf die Vereinigten Staaten als Garant für die Sicherheit verlassen. „Wir sehen den Niedergang eines ‘global cop’, eines Weltpolizisten. Die Amerikaner schauen jetzt vor allem auf den eigenen Nutzen, das ist das, was hinter ‘America First‘ steht.“ Der studierte Politikwissenschaftler geht von fünf großen Mächten aus: USA, Rußland, China, die EU und Indien.

In Bezug auf Rußland warnte Münkler, man dürfe das Land nicht „als den großen Gefährder hochstilisieren“. Die Russen könnten zwar unangenehm sein, „aber sie sind ziemlich rationale Akteure“. (ls)

BERLIN. Die Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth hat gefordert, das Asylrecht auszuweiten. „Wir müssen die Kriterien für das Recht auf Asyl ausbauen. Beispielsweise ist der Klimawandel mittlerweile eine Fluchtursache“, sagte die ehemalige Grünen-Vorsitzende der Hannoverschen Allgemeine.

Weiter betonte Roth, die EU müsse als eine Hauptverursacherin der Klimakrise einer Initiative zur Aufnahme bedrohter Menschen vorangehen. Dadurch werde Deutschland nicht überfordert.

Chefin der Grünen Jugend schlägt Klimapass vor

Zustimmung erhält Roth von der Chefin der Grünen Jugend, Ricarda Lang. Diese schlug wiederholt einen Klimapaß vor. So sollten Staaten, die in besonderem Maße zum Klimawandel beitrügen, ihre Staatsbürgerschaft Klimaflüchtlingen anbieten. Der Großen Koalition warf Lang vor, angebliche Sorgen von Bürgern ernst genommen zu haben und so nach rechts gerückt zu sein.

Am Donnerstag hatte die Bundestagsfraktion der Grünen einen Antrag gestellt, wonach die Bundesregierung eine Vorreiterrolle bei der Umsetzung des UN-Migrationspakts einnehmen soll. Dazu müsse Deutschland einen seiner Wirtschaftskraft und Rolle in der EU entsprechenden Teil seiner technischen, finanziellen und personellen Ressourcen einplanen. (ag)

Saubermann Merz

On November 9, 2018, in Junge Freiheit, by admin

Am Dienstag haben Ermittler der Kölner Staatsanwaltschaft die Zentrale von BlackRock Deutschland in München durchsucht, um Beweise für sogenannte Cum-Ex-Geschäfte des billionenschweren US-amerikanischen Vermögensverwalters zu finden. BlackRock hält derzeit rund sechs Prozent an an allen Dax-Unternehmen.

Friedrich Merz, Aufsichtsratsvorsitzender der deutschen Dependence und potentieller Nachfolger von Angela Merkel als Vorsitzender der Christdemokraten, ist von den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft jedoch nicht betroffen.

Durch die Cum-Ex-Geschäfte sollen dem deutschen Fiskus rund zwölf Milliarden Euro Steuergeld entgangen sein. Für ganz Europa wird der Schaden auf 55 Milliarden Euro geschätzt. Doch was sind diese Cum-Ex-Geschäfte überhaupt?

Dem Fiskus sollen Milliarden an Steuergeldern entgangen sein

Dabei dreht es sich um Dividendenzahlungen der Unternehmen, an denen BlackRock beteiligt ist. Dividenden werden im Allgemeinen erst einen Tag nach ihrer Bekanntgabe an die Aktionäre ausgezahlt. Dies ist der sogenannte „Ex-Tag“. Anspruch auf die Dividende haben nur solche Aktionäre, die die Aktie am letzten Tag vor dem „Ex-Tag“ in ihrem Depot führen. Dieser letzte Tag vor dem „Ex-Tag“ wird auch „Cum-Tag“ genannt.

Cum-Ex-Geschäfte sind eine Kombination aus dem Verkauf einer Aktie am „Cum-Tag“ und dem Rückkauf der Aktie am „Ex-Tag“. Denn am „Ex-Tag“ besteht – erstens – kein Dividendenanspruch mehr und es erfolgt – zweitens – ein rechnerischer Abschlag vom Börsenkurs in Höhe der Dividende. Mit dem Dividendenanspruch ist untrennbar der Steueranrechnungsanspruch für inländische Steuerpflichtige verbunden. Und aufgrund des rechnerischen Abschlags kann die Aktie billiger zurückgekauft werden.

Mit Cum-Ex-Geschäften kann somit – erstens – die Steuerlast gedrückt und – zweitens – ein Gewinn durch Aktienhandel erwirtschaftet werden.

Die Bundesregierung hat die Praxis erst im Jahr 2012 verboten, obwohl die Regulierungsbehörden bereits 2010 auf die Rechtswidrigkeit hingewiesen hatten. Die Untersuchung bei BlackRock konzentriert sich nun auf mögliche Steuerhinterziehungen zwischen den Jahren 2007 und 2011. Friedrich Merz wurde erst fünf Jahre danach in den Aufsichtsrat berufen.

Die Frage nach dem Timing

Nun stellt sich natürlich die Frage nach dem Timing. Und manch einer mag sogar dunkle Machenschaften der nordrhein-westfälischen CDU dahinter vermuten. Gab Ministerpräsident Armin Laschet Tipps an die Staatsanwaltschaft, um Zeit für eine eigene CDU-Vorstandskandidatur zu gewinnen?

Das ist weit hergeholt. Auf den ersten Blick scheinen die Ermittlungen Merz potentiell schaden zu können. Auf den zweiten Blick könnten sie ihm sogar nützen. Merz ist eloquent genug, um sich in den kommenden Tagen als großer Aufklärer in der Sache zu präsentieren. Und ganz offensichtlich kann er an den Geschäften nicht beteiligt gewesen sein.

Kurze Zeit nach der Razzia gab Merz bekannt, er habe den Vorstand von BlackRock Deutschland angewiesen, mit den Behörden zusammenzuarbeiten und alle notwendigen Unterlagen zur Verfügung zu stellen. Ganz nach seinem Motto, ein Konservativer müsse sich zu allererst anständig benehmen. „Es wird hier alles aufgeklärt und wir werden daran aktiv mitarbeiten“, versprach Merz.

Zu befürchten hat er nach jetzigem Stand wenig. Die „Heuschrecke“ BlackRock zumindest wird kein Stolperstein auf seinem Weg zum CDU-Parteivorsitz sein.

SPD will Heizöl und Benzin verteuern

On November 9, 2018, in Junge Freiheit, by admin

BERLIN. Heizöl und Benzin sollen nach dem Willen der SPD bald deutlich teurer werden. Erreichen will das Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) mit einer Sondersteuer. Ziel der Maßnahme sei die Einhaltung der Klimaschutzziele. Dafür plant sie ein gemeinsames Vorgehen mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD).

Es komme jetzt „zum Schwur“, sagte Schulze bei einem Vortrag an der Berliner Humboldt-Universität, wie die Bild-Zeitung berichtete. „Meinen wir es ernst mit Klimaschutz oder wurschteln wir uns weiter durch?“ fragte sie rhetorisch. Es sei Zeit für ein „neues Kapitel“ in der Klimaschutzpolitik. Bereits jetzt machen Steuern fast 60 Prozent des Benzinpreises aus.

Klimaschutzgesetz soll kommen

Als Ausgleich planen die Sozialdemokraten aber, Strom zu verbilligen ohne dafür einen konkreten Umsetzungsvorschlag zu nennen. Wichtig ist Schulze aber zu betonen, daß durch die Verteuerung von Sprit und Heizöl keine Nettomehrbelastung für die Bürger entstehen dürfe.

Auch kündigte die Sozialdemokratin die baldige Vorstellung des im Koalitionsvertrags verankerten Klimaschutzgesetzes an. Damit verbunden seien verbindliche Vorgaben zur CO2-Einsparung für Unternehmen. (tb)

BERLIN. Die CDU-Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel hat eine Abstimmung im Parlament über den UN-Migrationspakt gefordert. Das Abkommen beinhalte politische Zusagen. „Deshalb muß zuallererst eine Debatte und eine Abstimmung im Bundestag stattfinden“, schrieb Pantel in einem Gastbeitrag für die JUNGE FREIHEIT

Zudem kritisierte die CDU-Politikerin, der Pakt idealisiere Migration als „Quelle des Wohlstands, der Innovation und der nachhaltigen Entwicklung“ und behaupte, sie mache „alle unsere Länder zu Herkunfts-, Transit- und Zielländern“. Die Wahrheit sei aber, daß manche Staaten reine Herkunftsländer seien, Deutschland aber Zielland.

„Das Problem sind die politischen Zusagen. Zwar ist der Pakt rechtlich nicht verbindlich. Doch beginnt jede der 23 Zielbeschreibungen mit ‘Wir verpflichten uns’. Zum Zweck heißt es: ‘… verpflichten wir uns, eine sichere, geordnete und reguläre Migration zum Wohle aller zu erleichtern und zu gewährleisten’. Das ist eine politische Selbstbindung, sie in verbindliches Recht umzusetzen, ohne daß sich unsere Politik mit diesem Thema befaßt hat“, warnte Patel. Daher müsse sich der Bundestag mit dem Abkommen befassen.

Streit um Petitionen gegen Migrationspakt

Unterdessen hat der Vorsitzende des Petitionsausschusses des Bundestags, Marian Wendt (CDU), Vorwürfen widersprochen, der Ausschuß versuche, Petitionen gegen den Migrationspakt zu blockieren. Das Gremium werde in der übernächsten Woche entscheiden, ob eine der bereits mehr als 20 Petitionen auf der Internetseite veröffentlich wird, wie dies sonst bei angenommenen Petitionen auch der Fall ist. Er selbst befürworte dies, sagte Wendt am Freitag. „Es geht hier nicht darum, öffentliche Debatten abzuwürgen.“

Wie berichtet hatte die Bundestagsverwaltung dem Ausschuß empfohlen, die Petition eines Mitarbeiters des AfD-Abgeordneten Martin Hebner nicht zu veröffentlichen. Begründet wurde dies mit den Richtlinien für öffentliche Petitionen. Dort heißt es unter Punkt 4c: „Von einer Veröffentlichung kann abgesehen werden, insbesondere wenn sie geeignet erscheint, den sozialen Frieden, die internationalen Beziehungen oder den interkulturellen Dialog zu belasten.“ Genau das wird den Petitionen vorgeworfen. Betroffen davon ist auch eine Petition der früheren DDR-Bürgerrechtlerin und Publizistin Vera Lengsfeld. (krk)

 

Am 9. November 1938 erlag Ernst vom Rath den Verletzungen, die ihm zwei Tage vorher Herschel Grynszpan zugefügt hatte. Vom Rath war Sekretär an der Deutschen Botschaft in Paris, für Grynszpan ein Repräsentant des Deutschen Reiches, das vor wenigen Wochen die im Reichsgebiet lebenden polnischen Juden des Landes verwiesen und über die Grenze getrieben hatte, wo sie im Niemandsland zwischen Polen und dem Deutschen Reich erbärmlich vegetieren mußten. Die Eltern des Attentäters gehörten zu diesen Opfern. Herschel wollte das ihnen zugefügte Leid rächen.

Die Antwort der Hitler-Diktatur ließ nicht lange auf sich warten. Der Mord wurde dem „Weltjudentum“ angelastet. Noch in der Nacht vom 9. auf den 10. November wurde ein Pogrom ausgelöst, wie ihn Deutschland lange nicht erlebt hatte. Hunderte fanden den Tod, als Mordopfer, durch Selbstmord oder infolge der Leiden, die den Verhafteten in den Lagern Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen zugefügt worden waren, in die die Machthaber etwa 30.000 meist wohlhabende Juden eingeliefert hatten. Synagogen und Kaufhäuser wurden zerstört, Wohnungen geplündert und demoliert. Dieses Verbrechen bleibt ein wesentlicher Bestandteil der deutschen Geschichte, und zwar auf Dauer.

Anlaß zur Rückbesinnung

Doch wie oft soll in der Presse daran erinnert werden? Darüber gehen die Meinungen sicher auseinander, und dies wird sich um den Jahrestag 2018 herum zeigen. Dieser Anlaß zur Rückbesinnung sollte zumindest so lange wahrgenommen werden, wie einflußreiche Stimmen die Ereignisse von damals entstellen und einer falschen Beurteilung Vorschub leisten, zumal wenn es die Sicht der Verbrecher von damals ist.

Den unbestreitbaren Tatsachen zuwider hat Reichspropagandaminister Joseph Goebbels behauptet, die Volksgemeinschaft habe den Pogrom inszeniert und mitgetragen. Dabei war er es, der die Fäden zog – im Einvernehmen mit seinem Führer. Schon damals haben es die Spatzen von den Dächern gezwitschert. Und heute vertritt niemand das Gegenteil. Diese Lektion muß also jetzt nicht mehr gelehrt werden! Wirklich?

Jahrzehnte ist es her, da wurden die Deutschen pauschal als „Hitlers willige Vollstrecker“ (Daniel Goldhagen) diskriminiert, ohne die reichlich vorhandenen Quellen der Erkenntnis auszuschöpfen. An dieser Praxis, den Stab pauschal über die Deutschen zu brechen, ohne die Fakten sprechen zu lassen, hat sich bis heute nichts geändert. Erst unlängst sah die JUNGE FREIHEIT Veranlassung, darauf hinzuweisen, wie wieder die Deutschen zu einer „Exekutionsgemeinschaft“ gemacht werden – ohne gründliche Berücksichtigung der Fakten.

Judenverfolgung wurde vom Volk als Sünde empfunden

Die Hauptverantwortlichen des NS-Dokumentationszentrums München deklarieren offen die Absicht, „München als Täterstadt“ zu präsentieren. Auf dem Weg zu diesem Ziel werden die wichtigsten Dokumente ausgeblendet, Texte wie die Erfahrungen der Münchnerin Esther Cohn: „Inzwischen sind wir nun besternt (19.9.) worden und es ist gar nicht schlimm, im Gegenteil, die Leute sind sehr, sehr nett zu uns.“ Wenige Wochen später wurde sie deportiert und schließlich ermordet.

Dresdens Oberbürgermeister glaubt zu wissen, Dresden sei „keine unschuldigen Stadt“ gewesen. (Gab es, gibt es „unschuldige Städte“?) Der in Dresden lebende Victor Klemperer urteilte 1941 auf Grundlage seiner eigenen täglichen Erfahrungen dementgegen: „Fraglos empfindet das Volk die Judenverfolgung als Sünde.“ Doch derlei bleibt weithin unberücksichtigt.

2009 erschien das Buch „Nie mehr zurück in dieses Land“. Einleitend heißt es: „Es kommt einer Sensation gleich, wenn siebzig Jahre nach den Novemberpogromen 1938 erschütternde Augenzeugenberichte ans Tageslicht gelangen.“ Es sind 21, alle damals verfaßt von Opfern, die aus Deutschland geflohen waren oder die man vertrieben hatte. Die Verbitterung dieser Menschen spricht aus dem Buchtitel. Und trotzdem bekunden sie ihre Bereitschaft, zwischen der politischen Führung und dem Volk einen scharfen Trennungsstrich zu ziehen.

Goebbels war enttäuscht

Konrad Heiden, der erste Biograph Hitlers, in den dreißiger Jahren nach Paris geflohen, hat damals ebenfalls Zeugenberichte gesammelt und ausgewertet. Titel: „Eine Nacht im November 1938“. Die Zusammenfassung lautet: „Die Massen sollten in den Taumel des antisemitischen Handelns hineingerissen werden, damit sie auf diese Weise antisemitisch fühlen lernten. Und das ist nicht gelungen. Eine Fülle von Zeugnissen spricht es aus. Die breiten Massen des deutschen Volkes haben sich an den Verbrechen des 9. und 10. November – von örtlichen Ausnahmen abgesehen – nicht beteiligt: sie haben wenigstens teilweise sie mißbilligt.“

Und dann zitiert er den Berliner Korrespondenten der Times, der ihm voll beipflichtet. Er hätte auch Goebbels zitieren können, der nach Tagen der Enttäuschung zu der intimen Einsicht gelangte: „Allgemein muß man nach wie vor feststellen, daß das deutsche Volk vom Antisemitismus nicht wirklich erfaßt ist.“ Diese Einsicht gilt es festzuhalten. Die ganze Wahrheit ist zumutbar.

JF 46/18

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