FRANKFURT/MAIN. Der Angstforscher Borwin Bandelow sieht in den Ereignissen von Chemnitz eine neue Dimension von Fremdenfeindlichkeit. „Die Rechten haben Jagd auf alles gemacht, was auch nur ausländisch aussah“, sagte der Göttinger Psychiatrie-Professor der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

In Chemnitz sei es nicht um Selbstverteidigung gegangen. „Es hat sich blanker Haß auf Fremde entladen.“ Bandelow verglich Fremdenangst dabei mit Furcht vor Spinnen. Diese Angst sei heute „überflüssig, weil es hier keine Spinne mehr gibt, die für uns eine tödliche Gefahr darstellen würde. Bei der Fremdenangst, der Xenophobie, ist das ähnlich.“

Fremdenangst steckt in jedem von uns

Fremdenangst sei als „subjektives Gefühl“ in einem „sehr einfach strukturierten Teil unseres Gehirns angesiedelt“. Dieses „einfache Xenophobie-Gehirn“ versuchten „Populisten“ anzusprechen.

Da dieses „primitive Hirnareal“ nicht auf rationale Argumente reagiere, nütze es „nur bedingt“, dem Fakten entgegenzusetzen. Allerdings gebe es auch Menschen, die die mit der Migration einhergehenden Probleme realistisch einschätzten. „Ihre Ratio behält gegenüber dem primitiven Angstsystem die Oberhand“, führte der Wissenschaftler aus.

Xenophobie, so seine Beobachtung, sei nicht nur „unangemessen“, sondern auch „genetisch veranlagt“. Somit stecke Fremdenangst „in jedem von uns“. Als Gegenmaßnahme empfiehlt Bandelow eine Konfrontationstherapie. „Man sollte Kontakt mit Migranten suchen, sich austauschen, sich das Fremde vertraut machen.“ Dann würden die Menschen in Sachsen auch „irgendwann nicht mehr befürchten, daß etwa Flüchtlinge mit Macheten durch die Straßen ziehen und Frauen vergewaltigen“. (tb)

CHEMNITZ/BERLIN. Regierungssprecher Steffen Seibert hat an seiner Darstellung der Ereignisse von Chemnitz festgehalten. „Es bleibt aber dabei, daß Filmaufnahmen zeigen, wie Menschen ausländischer Herkunft nachgesetzt wurde und wie sie bedroht wurden. Und es bleibt dabei, daß Polizisten und Journalisten bedroht und zum Teil angegriffen wurden.

Es bleibt dabei, daß es Äußerungen gab, die bedrohlich waren, nah am Aufruf zur Selbstjustiz – also, da gibt es aus meiner Sicht auch nichts kleinzureden“, sagte Seibert am Montag während der Regierungspressekonferenz. Er nehme aber natürlich ernst, was die Generalstaatsanwaltschaft Sachsen zu dem Begriff „Hetzjagd“ gesagt habe. Er werde aber „keine semantische Debatte“ über das Wort führen.

Auch CDU-Abgeordneter widerspricht der Kanzlerin

Zuvor hatte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Sachsen, Wolfgang Klein, betont, es habe keine Anzeichen für Hetzjagden gegeben. „Nach allem uns vorliegenden Material hat es in Chemnitz keine Hetzjagd gegeben“, sagte er dem Online Magazin „Publico“.

Klein widerspricht damit dem, was auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zuvor über die Vorgänge in Chemnitz geäußert hatte. „Wir haben Videoaufnahmen darüber, daß es Hetzjagden gab, daß es Zusammenrottungen gab, daß es Haß auf der Straße gab, und das hat mit unserem Rechtsstaat nichts zu tun.“

Seibert hatte bereits kurz nach den ersten Berichten die angeblichen Hetzjagden scharf verurteilt. „Solche Zusammenrottungen“ werde man nicht hinnehmen. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß widersprach ebenfalls der Darstellung von Merkel und Seibert. Im Gespräch mit der JUNGEN FREIHEIT betonte der Politiker aus dem Erzgebirgskreis: „Es ist aber auch nicht so, daß ein riesiger Lynchmob über Stunden hinweg in ganz Chemnitz Jagd auf Ausländer gemacht hätte. Das gab es nicht.“ (krk, ag)

BERLIN. Der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Ingo Kramer, hat vor „unsinnigen Abschiebungen von gut integrierten Arbeitskräften“ gewarnt. „Ich appelliere an die Leitungen der Ausländerbehörden, dafür zu sorgen, daß in jedem Einzelfall geklärt wird, ob es sich um gut integrierte Beschäftigte handelt, die einen Aufenthaltstitel beantragen könnten“, sagte Kramer der Welt.

Für diese Personen gebe es „doch schon heute mehrere gesetzlich geregelte Möglichkeiten, zunächst eine Duldung oder eine befristete Aufenthaltsgenehmigung und nach fünf Jahren beruflicher Integration, einen dauerhaften Aufenthaltstitel zu bekommen“. Auch solle geprüft werden, ob die Asylbewerber nicht straffällig geworden seien.

Bundesagentur meldet Mangel an Lehrlingen

Auch die Bundesagentur für Arbeit erkennt einen wachsenden Bedarf an Arbeitskräften. Sie erwartet 2018 erstmals seit Jahren weniger Bewerber auf Lehrstellen als es Ausbildungsplätze gibt. Bis August seien über 548.000 Lehrstellen gemeldet worden, dagegen stünden aber nur 520.000 Personen, die eine Ausbildung beginnen wollen.

Im Vorjahresmonat waren 23.000 Ausbildungsstellen weniger gemeldet worden. Gleichzeitig gab es 11.000 Bewerber mehr. 2017 waren fast 49.000 Lehrstellen unbesetzt geblieben. 25.000 Bewerber hatten keinen Ausbildungsplatz gefunden. (mp)

HANNOVER/ BREMEN. Die Junge Alternative (JA) ist ab sofort Beobachtungsobjekt für die Landesverfassungsschutzämter in Niedersachsen und Bremen. Er habe vergangene Woche die Entscheidung getroffen, die Jugendorganisation der AfD beobachten zu lassen, sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Montag. Er halte die Organisation für verfassungsfeindlich.

Die Präsidentin des niedersächsischen Verfassungsschutzes, Maren Brandenburger, sagte, in der JA  würden „Grundwerte unserer Verfassung“ negiert. Es gebe ein klares Bekenntnis zu vordemokratischen politischen Strukturen. Mit der Entscheidung zur Beobachtung sei der Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel möglich, betonte Pistorius. Brandenburger und Pistorius verwiesen zudem auf den Fall Lars Steinke. Dieser hatte den Hitler-Attentäter Stauffenberg in einem Facebook-Post als „Verräter“ und „Feigling“ bezeichnet.

JA will Landesverbände ausschließen

Bremens Innensenator Ulrich Mäurer führte vor allem personelle Überschneidungen zwischen Identitärer Bewegung (IB) und JA als Grund für die Überwachung an. Im Oktober 2017 sei erstmals die Frage nach der Beobachtung aufgekommen. Seitdem hätten sich die personellen Verbindungen zwischen JA und IB weiter ausgeweitet. Zudem hätten JA-Mitglieder „fremdenfeindliche und rassistische Beiträge“ auf Facebook geteilt.

Nach den Worten Mäurers hat es am Montag zudem eine polizeiliche Durchsuchung beim stellvertretenden JA-Vorsitzenden, Marvin Mergard, in Bremen gegeben. Man prüfe den Anfangsverdacht der Volksverhetzung. Auch auf die Frage einer möglichen Beobachtung der AfD ging Mäurer ein. Ebenso wie zwischen IB und JA gebe es auch „hohe personelle Überschneidungen zwischen der JA und dem Landesverband der AfD“. Dies werfe „zahlreiche Fragen“ auf. Der Landesverfassungsschutz habe deswegen nun die Aufgabe, zu prüfen, ob auch die AfD als Beobachtungsobjekt in Frage komme.

Der JA-Bundesvorsitzende Damian Lohr hält die Überwachung für rechtswidrig. „Weder einzelne Landesverbände der JA noch die Junge Alternative als Ganzes sind verfassungsfeindliche Organisationen, die sich gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland einsetzen“, sagte Lohr. Auf einem außerordentlichen Bundeskongreß solle dennoch „die Abgliederung der JA-Landesverbände Bremen und Niedersachsen aus der Jungen Alternative“ Thema sein, „was einer Auflösung dieser Landesverbände gleichkäme“.

Lohr verbindet Verbleib in der JA mit Trennung

Mit der Entscheidung über die Abgliederung verbinde Lohr seine politische Zukunft bei der JA. „Folgt die Organisation meinem Antrag auf Abgliederung dieser Landesverbände nicht, stehe ich als Vorsitzender der JA nicht mehr zur Verfügung.“

(tb)

FRANKFURT/ODER. Der Oberbürgermeister von Frankfurt an der Oder, René Wilke (Linke), will Flüchtlinge abschieben, die einen örtlichen Nachtclub überfallen haben sollen. „Jetzt lasse ich die Ausweisung von ca. 20 polizeibekannten Syrern prüfen. Ich warte nicht bis zum ersten Toten“, sagte Wilke dem RBB.

Eine Gruppe von Syrern hatte in der Nacht auf den 26. August den Frosch-Club in Frankfurt mit Eisenstangen und Messern überfallen. Die Migranten sollen dabei „Allah – wir stechen euch alle ab“ gerufen haben.

„Wir sind Araber, wir töten euch alle“

Angefangen hatte alles mit einem Streit zwischen zwei Syrern und einem Gast, sagte Clubbetreiber Dirk Schöbe laut Berliner Morgenpost. Die beiden Syrer hätten in der Folge Feiernde bedrängt und provoziert. Sie hätten dann den Club verlassen und Bekannte verständigt, die schnell vor Ort gewesen seien.

Zuerst bedrohten diese nur Personen auf dem Parkplatz, berichtet Schöbe. „Sie kamen dann plötzlich angestürmt, gingen auf die Gäste los. Wir konnten erst gar nicht begreifen, was wir da sahen, was passierte.“ Die Männer sollen Scheiben zerschlagen, Steine geworfen und „Wir sind Araber, wir töten euch alle“ gerufen haben.

„Es waren Kriegsszenen. Wir haben 90er gefeiert und plötzlich befanden wir uns im Kriegsgebiet, nicht mehr in unserer Heimatstadt. Es war gespenstisch, die ‘Allahu akbar’-Rufe, die Aggressivität, die dumpfen Schläge, die Schreie von Menschen.“

„Glück daß es nicht schlimmer ausging“

Augenzeugen berichteten, wie Besucher versuchten, sich unter parkenden Autos in Sicherheit zu bringen. Einige seien auch in den Club geflüchtet und hätten die Türen verbarrikadiert. Mehrere Personen wurden laut Polizei während des Überfalls leicht verletzt. „Ein unglaubliches Glück, daß es nicht schlimmer ausgegangen ist“, meinte der Betreiber.

Bei Eintreffen der Beamten waren die Angreifer bereits verschwunden. Zwei der Verdächtigen wurden aber am nächsten Tag festgenommen. Die Polizei faßte sie, als sie den Clubgast, mit dem der Streit begonnen hatte, auf dem Marktplatz verprügelten.

„Ich sehe ein generelles Problem“

Der Frankfurter Oberbürgermeister will nun das Ausweisungsrecht zur Gefahrenabwehr anwenden, um die wiederholt straffälligen Syrer abzuschieben. „Wir werden dieses Recht jetzt in Anspruch nehmen und werden die Ausweisung von Intensivstraftätern, also denjenigen die eine Gefahr für unsere Gesellschaft darstellen, einleiten“, sagte er dem RBB.

„Ich sehe ein generelles Problem, weil man sich vor Augen halten muß: Es handelt sich hier um eine Problemgruppe von zehn bis 15 Jugendlichen, die auch an anderer Stelle schon auffällig geworden ist.“ (mp)

HAMBURG. Die „Tagesthemen“ haben sich für eine fehlerhafte Berichterstattung über die Demonstrationen am Sonnabend in Chemnitz entschuldigt. „Bei der Berichterstattung über die Kundgebungen in Chemnitz in den ‘Tagesthemen’ gestern (Sonnabend der 1. September. Anm. d. Red.) haben wir irrtümlich Bilder von der Demonstration vom vergangenen Montag verwendet, ohne dies kenntlich zu machen. Wir bitten, dies zu entschuldigen“, sagte „Tagesthemen“-Moderatorin Caren Miosga in der Sendung am späten Sonntag abend.

In einem Beitrag über den Trauermarsch von AfD und Pegida war am Samstag ein kurzer Ausschnitt eines Demonstrationszuges gezeigt worden, aus dem heraus Teilnehmer skandierten: „Wir sind die Fans! Adolf Hitler Hooligans!“. Die „Tagesthemen“ erweckten so den Eindruck, es habe sich dabei um Demonstranten von AfD und Pegida an diesem Tag in Chemnitz gehandelt.

Ausschnitt aus Mediathek entfernt

Tatsächlich stammte der Ausschnitt jedoch von der Demonstration am Montag zuvor, für die weder AfD noch Pegida verantwortlich waren. Vielmehr handelte es sich bei den Demonstranten um gewaltbereite Fußbalanhänger. Mehrere Medien, darunter die Welt, hatten bereits vor dem vergangenen Wochenende über den Vorfall berichtet. Mittlerweile wurde die Szene in der ARD-Mediathek aus der „Tagesthemen“-Sendung entfernt.

Unterdessen hat Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) weitere Regierungsmittglieder aufgerufen, ebenfalls nach Chemnitz zu fahren und das Gespräch mit den dortigen Bürgern zu suchen. „Es wäre gut, wenn auch andere Mitglieder der Bundesregierung dort Gesicht und Stimme zeigen würden“, sagte Giffey im ARD-„Morgenmagazin“.

„Es gibt Momente, da passieren Dinge in Deutschland, da muß die Regierung einfach da sein.“ Giffey war am Freitag als erste Bundesministerin nach Chemnitz gefahren und hatte an der Stelle, an der der 35 Jahre alte Daniel H. erstochen worden war, Blumen niedergelegt.

Gabriel bezeichnet Demonstranten als „Terroristen“

Auch der frühere SPD-Chef und Außenminister Sigmar Gabriel sagte der Bild-Zeitung, wäre er Bundeskanzler, wäre er zeitnah nach Chemnitz gereist. Es brauche jetzt einen „Anstand der Zuständigen“. Seiner Ansicht nach hätte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) längst zeigen sollen, daß es sich bei den Ereignissen in Chemnitz nicht nur um ein sächsisches Problem handle. „Ich glaube, daß es gut wäre, wenn möglichst viele Repräsentanten – nicht nur in Chemnitz, sondern überall – dorthin gehen, wo wir den Eindruck haben, daß Bürger nicht mit unserem Staat einverstanden sind.“

Er wünsche sich, daß das Innenministerium deutlich zeigt, „daß hier der gesamte Staat betroffen ist und wir mit aller Konsequenz – auch staatlicher Härte – gegen diese Terroristen vorgehen müssen“. (krk)

BERLIN. Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann (SPD) hat gefordert, die AfD vom Verfassungsschutz beobachten zu lassen. Die Alternative für Deutschland werde immer radikaler. „Deshalb muß der Verfassungsschutz das arbeitsteilige Zusammenwirken von AfD und Neonazis sehr genau beobachten“, sagte der Sozialdemokrat der Welt.

Vor dem Hintergrund der Demonstrationen in Chemnitz warnte Oppermann davor, den Konflikt um die Migrationsfrage auf der Straße auszutragen. Der AfD warf der SPD-Politiker vor, gewaltsame Übergriffe zu verharmlosen. „Wer so redet, greift direkt die Grundlagen unseres Rechtsstaates an und wiegelt zu Gewalt auf.“

Günther gegen Beobachtung

Einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz widersprach hingegen Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Er sehe die Gefahr, daß der AfD so eine „Märtyrerrolle“ zufalle, sagte er im Gespräch mit den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Weder steht das dieser Partei zu, noch wäre dies hilfreich in der Auseinandersetzung mit radikalen politischen Kräften.“ Stattdessen sei jeder Demokrat aufgerufen, „die politische Auseinandersetzung mit der AfD zu suchen“.

Der stellvertretende Vorsitzende der AfD-Fraktion im Bundestag, Leif-Erik Holm, wies die Rufe nach dem Verfassungsschutz zurück. „Wer als Reaktion auf den stetig wachsenden Unmut der Bürger nur mit Repression und Einschüchterung reagieren kann, hat in einer Regierung nichts zu suchen“, teilte Holm mit.

„Die Forderung, der Verfassungsschutz müsse die AfD beobachten, ist nichts weiter als eine Kampfansage an die eigenen Bürger.“ SPD und CDU riefen mit solchen Methoden nur noch mehr Unmut und Politikverdrossenheit hervor.

Seehofer sieht keine Grundlage für Maßnahme

Zuvor hatten bereits weitere hochrangige Politiker einen schärferen Kurs gegen die AfD gefordert. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) kündigte eine härteres politisches Vorgehen an. Linke-Fraktionsvorsitzender Dietmar Bartsch verlangte, diesen Worten müßten nun Taten folgen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sieht derzeit keine Grundlage für eine flächendeckende Beobachtung der Partei durch den Verfassungsschutz. Er versicherte gegenüber Zeitungen der Funke Mediengruppe, man beobachte genau, „ob es sich bei Aussagen von Parteimitgliedern oder Zusammenarbeit mit bestimmten Gruppen um Einzelmeinungen oder parteipolitische Linie handelt“. Doch für eine Beobachtung der AfD „als Ganzes“ fehle es an Voraussetzungen. (ag)

BERLIN. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich für die Widerspruchslösung bei Organspenden ausgesprochen. Dies hätte zur Folge, daß alle Bürger potentielle Organspender sind, es sei denn, sie widersprächen dem noch zu Lebzeiten ausdrücklich.

Man habe seit vielen Jahren alles versucht, die Zahl der Organspender zu erhöhen, begründete Spahn seinen Vorstoß in der Bild-Zeitung. „Aber leider ohne Erfolg.“ Deshalb brauche es nun „eine breite gesellschaftliche Debatte“, die im Bundestag stattfinden solle. „Da gehört das Thema hin“, sagte Spahn.

Eingriff in die Freiheit des Einzelnen

Er sei in dieser Frage lange hin und hergerissen gewesen, räumte der Minister ein. Es gebe auch gute Gründe gegen die Widerspruchslösung. „Immerhin greift der Staat hier in die Freiheit des Einzelnen ein.“ Es müsse zudem klar geregelt sein, „wo man seinen Widerspruch hinterlegen kann“. Auch über die Hirntod-Diagnostik solle besser aufgeklärt werden, versprach Spahn.

Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland 797 postmortale Organspenden. Dies stellt laut Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung einen „Tiefpunkt“ dar. 2.765 Organe wurden im vergangenen Jahr transplantiert. Deutsche Krankenhäuser erhalten diese auch aus dem europäischen Ausland. Etwa 10.000 Patienten warten derzeit hierzulande auf ein Spenderorgan.(tb)

LANDAU. Der Mörder der 15 Jahre alten Mia V. ist vom Landgericht Landau zu einer Haftstrafe von acht Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Die Richter sahen es als erwiesen an, daß der Asylbewerber Abul D. seine Ex-Freundin im vergangenen Dezember erstochen hat.

Der Afghane wurde nach Jugendstrafrecht verurteilt. Er hatte sein Alter mit 15 angegeben. Laut einem Gutachten, das im Auftrag der Staatsanwaltschaft angefertigt wurde, war er zum Tatzeitpunkt jedoch bereits 20 Jahre alt.

Mord sorgte für großes Aufsehen

Die Tat ereignete sich am 27. Dezember vergangenen Jahres in einem Drogeriemarkt im pfälzischen Kandel. Die Jugendliche war mit mehreren Messerstichen getötet worden. Als Motiv nahm die Staatsanwaltschaft Eifersucht und Rache an.

Der Fall hatte für großes Aufsehen gesorgt und die Debatte um die Altersfeststellung von angeblich minderjährigen Flüchtlingen neu entfacht. Seit dem Mord finden immer wieder Demonstrationen gegen Migrantengewalt in Kandel statt. (ag)

BERLIN. Sie hassen Polizisten und singen „Deutschland verrecke“. Trotzdem wirbt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für ein Konzert der linkradikale Punkband „Feine Sahne Fischfilet“ am heutigen Montag in Chemnitz. Unter dem Hashtag #Wirsindmehr teilte er auf Facebook die Ankündigung für die Gratis-Veranstaltung, bei der auch Bands wie „Die Toten Hosen“, „Kraftklub“ und „K.I.Z“ auftreten sollen.

Bei der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) stößt dies auf scharfe Kritik. „Rechtsextremismus mit Linksextremismus bekämpfen zu wollen, wird ebenso wenig klappen, wie Feuerlöschen mit Benzin“, sagte DPolG-Chef Rainer Wendt der JUNGEN FREIHEIT. Er habe großen Respekt vor dem Amt des Staatsoberhaupts, versicherte Wendt. „Um so weniger verstehe ich aber dieses klare Statement gegen die Polizei, die in diesen Tagen ihre Pflicht tut, um Rechtsstaatlichkeit und Demokratie vor ihren Feinden zu schützen.“

„Deutschland ist scheiße, Deutschland ist Dreck!“

Was Wendt so empört, sind die Texte, für die „Feine Sahne Fischfilet“ stehen. So singen sie beispielsweise über Polizisten:

„Wir stellen unseren eigenen Trupp zusammen / Und schicken den Mob dann auf euch rauf / Die Bullenhelme – sie sollen fliegen / Eure Knüppel kriegt ihr in die Fresse rein / Und danach schicken wir euch nach Bayern / Denn die Ostsee soll frei von Bullen sein.“

Im Lied „Gefällt mir“ heißte es:

„Punk heißt gegen’s Vaterland, das ist doch allen klar / Deutschland verrecke, das wäre wunderbar! / Heute wird geteilt, was das Zeug hält / Deutschland ist scheiße, Deutschland ist Dreck! / Gib mir ein ‘like’ gegen Deutschland / Günther ist scheiße, Günther ist Dreck!“

Es sind solche Zeilen, die dazu führten, daß der Verfassungsschutz ihres Heimatlandes Mecklenburg-Vorpommern die Band mehrere Jahre im Kapitel Linksextremismus führte.

Sänger Jan Gorkow macht zudem aus seiner radikalen Vergangenheit kein Geheimnis. „Ich war an einer Fußballrandale beteiligt und habe ein Polizeiauto abgefackelt“, bekannte er im Januar im Interview mit der Sächsischen Zeitung. Dafür wurde er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Auch Heiko Maas eckte schon an

Steinmeier ist nicht der erste Politiker, der sich wegen der Punk-Band Kritik gefallen lassen muß. Vor zwei Jahren sorgte ein Lob des damaligen Bundesjustizministers und heutigen Außenministers Heiko Maas (SPD) für „Feine Sahne Fischfilet“ für Empörung. Stephan Mayer (CSU), heute Staatssekretär im Bundesinnenministerium, sagte damals der JF: „Wer unsere Demokratie gegen Extremisten verteidigt, indem er gemeinsame Sache mit anderen Extremisten macht, erweist dieser letztlich einen Bärendienst.“ Der Band warf Mayer vor, „ein gestörtes Verhältnis zur Polizei und damit zu unserem Staat insgesamt“ zu haben.

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt stört das aber offenbar nicht. Als „Feine Sahne Fischfilet“ vergangene Woche ankündigten, in Chemnitz zu spielen, um ein Zeichen gegen den „rassistischen Mob“ zu setzen, twitterte die Grünen-Politikerin: „Yes! Ihr seid groß!“

Yes! Ihr seid groß! @feinesahne https://t.co/n5ALZQARTR

— Katrin Göring-Eckardt (@GoeringEckardt) 30. August 2018

(krk)

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