BERLIN. Syriens Regierung hat die Überführung von 422 der sogenannten Weißhelme aus dem Süden des Landes über Israel nach Jordanien verurteilt. Die Assad-Regierung warf Israel laut der Nachrichtenagentur dpa vor, dies sei „eine kriminelle Operation“.

Israel hatte die Syrer einreisen lassen und nach Jordanien transportiert. Der Einsatz sei von der Uno organisiert worden und auf Bitten Deutschlands, Großbritanniens, Kanadas und der USA erfolgt. Die beiden europäischen Nationen und Kanada hätten verbindliche Zusagen gemacht, die Personen aufzunehmen.

Etwa 50 kommen nach Deutschland

Laut Innenminister Horst Seehofer (CSU) wolle Deutschland acht Weißhelme samt ihrer Familien aufnehmen. „Ihnen Schutz zu gewähren ist für mich eine humanitäre Verpflichtung und Ausdruck meiner Politik, für Humanität und Ordnung in der Migrationspolitik zu sorgen“, sagte er der Bild-Zeitung.

Zuvor hatte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) zugesagt, etwa 50 Personen nach Deutschland zu holen. „Die Weißhelme haben seit Beginn des Syrien-Konflikts mehr als 100.000 Menschen gerettet. Mehr als 250 von ihnen haben ihren Mut und ihre Mitmenschlichkeit mit dem Leben, viele mehr mit ihrer Gesundheit bezahlt. Ihr Einsatz verdient Bewunderung und jeden Respekt, und wir haben ihn aus Überzeugung unterstützt“, sagte Maas.

Er betonte: „Es ist ein Gebot der Menschlichkeit, daß viele dieser mutigen Ersthelfer nun Schutz und Zuflucht finden, einige davon auch in Deutschland.“

Finanzierung ungewiß

Die Weißhelme wurden 2016 für den Friedensnobelpreis nominiert und mit dem alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Über 3.000 Personen zählen zu der Gruppe die parallel zum staatlichen syrischen Zivilschutz arbeitet. Die Gruppe wurde im März 2013 in der Türkei von James Le Mesurier gegründet, einem ehemaligen britischen Nachrichtenoffizier.

Der Anführer der Weißhelme, Raed Saleh, wurde trotz eines Visums mehrfach an der Einreise in die USA gehindert. Ein Sprecher des Außenministeriums legte terroristische Verbindungen als Grund für die Abweisung nahe.

„Jedes Individuum in jeder Gruppe, das im Verdacht steht, Verbindungen oder Beziehungen zu extremistischen Gruppen zu haben, wird untersucht. Wir handeln nach Datenlage entsprechend“, sagte Mark Toner. Gleichzeitig bezifferte er die finanzielle Unterstützung für die Gruppe. „Wir stellen durch USAID etwa 23 Millionen US-Dollar an Hilfe für die Weißhelme zur Verfügung.“

Mitglieder unter Terrorverdacht

Internetvideos und Fotos legen Verbindungen zu terroristischen Gruppen nahe. Diese zeigen wie Mitglieder der Weißhelme, Fahnen von ISIS und Al-Nusra schwenken. Auch an Hinrichtungen syrischer Zivilisten und Soldaten sollen sie beteiligt gewesen sein.

Des Terrorismus verdächtigt wurde auch Muawiya Hassan Agha, der Leiter der Weißhelme in Idlib. Er soll an der Hinrichtung zweier Kriegsgefangener in Aleppo beteiligt gewesen sein. Kurz nach seiner Suspendierung durch Saleh hatte er wieder eine führende Position in der Organisation inne. (mp)

BERLIN. Die Migrationsforscherin Naika Foroutan hat vor dem Erstarken eines neuen Faschismus in Europa gewarnt. Die gesellschaftliche Entwicklung laufe derzeit auf „eine präfaschistische Phase“ hinaus. Die zunehmende Verrohung der Debatten um Flüchtlinge und deren Aufnahme hätten sie sehr erschüttert, sagte sie dem Tagesspiegel.

Die wachsende Zahl konservativer Regierungen in Europa beunruhige sie. Neben Ungarn, Polen und der Slowakei sei die Entwicklung in Italien besonders dramatisch. „Jetzt wird Italien rechts dominiert, es werden Roma gezählt und Flüchtlinge als Invasoren entmenschlicht, die man im Mittelmeer sterben lassen sollte.“ Außerdem werde zwischen Berlin, Wien und Rom wieder von einer „Achse“ gesprochen.

„Deutschsein ist wieder mit Herkunft verbunden“

Foroutan gab an, eine Wandlung hinsichtlich des Verhältnisses zwischen Deutschen und Zuwanderern festgestellt zu haben. „Deutschsein ist wieder sehr viel stärker mit Herkunft verbunden, mit nationalem Bekenntnis, mit Weißsein – vor Özil war Boateng dran – und ohne Bekenntnis zu Religionspluralität.“ Dadurch werde Deutschland brutaler.

Angesichts der aktuellen innenpolitischen Lage sprach sich die Sozialwissenschaftlerin dafür aus, die Grünen zu wählen. Nur sie könnten auch die ausländischstämmige Bevölkerung in die Gesellschaft integrieren. „Die Grünen sind die einzigen, die in der fundamentalen Frage, wie das neue Deutschland aussehen muß, nicht auf Distanz gegangen sind. Robert Habeck ist ein Suchender, der mit viel Herzenswärme eine Politik für die Bevölkerung macht. Und hier hätte er Potential, die migrantische deutsche Bevölkerung gezielter zu adressieren und in diese Wärme einzubinden.“

Vergangene Woche hatte die ehemalige US-Außenministerin Madeleine Albright ihre Sorge über einen neuen Faschismus in Europa ausgedrückt. Auch sie bezog sich dabei ausdrücklich auf Ungarn und Polen. (ag)

HAVANNA. Das kubanische Parlament hat den Begriff des Kommunismus nicht mehr in den jüngsten Verfassungsentwurf aufgenommen. Das sei aber keine Abkehr vom Sozialismus, sagte Staatschef Miguel Díaz-Canel laut dem Deutschlandfunk.

„In Kuba wird es keinen Kapitalismus geben. Und auch keine Zugeständnisse an diejenigen, die schon auf tausend verschiedene Arten und Weisen versucht haben, uns von unseren historischen Werten der Revolution zu distanzieren.“

Ehe für Alle

Hinzugefügt wurden Absätze zu privatem Besitz und gleichgeschlechtlichen Ehen. Die neuen Paragrafen sollen individuelles Eigentum und ausländische Investitionen als wichtigen Wirtschaftsfaktor anerkennen. Privatpersonen dürfen sich laut der Neufassung selbstständig machen und Firmen gründen.

Die Ehe wurde im neuen Entwurf als „freiwillige Verbindung zwischen zwei Personen“ definiert. Das eröffnet die Möglichkeit einer Eheschließung zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern.

Volksentscheid bis November

Außerdem soll die Amtszeit des Staatsoberhauptes auf zehn Jahre begrenzt werden. Nicht geändert wird damit der Status der kommunistischen Partei. Diese bleibt als einzige erlaubt.

Kubaner sind nun aufgerufen, die Änderungen zu diskutieren. Bis zum 15. November sollen die Bürger über den Entwurf in einem Volksentscheid abstimmen. Es wäre die erste Verfassungsänderung seit 1976. (mp)

Es war keine Überraschung. Kurz nach Erscheinen des neuesten Krimis aus der Feder von „Jean-Luc Bannalec“ (das bretonische Pseudonym des deutschen Autors Jörg Bong) stand dieser auf Platz 1 der Bestsellerlisten für leichte Lektüre. Wie immer geht Kommissar Dupin mit seinem Team aus Concarneau auf Mörderjagd. Der Titel „Bretonische Geheimnisse“ bezieht sich allerdings auf die ganz großen „Bretonischen Geheimnisse“: Wer war König Artus? Was ist der Gral? Wo lag Camelot?

Dementsprechend finden die Ermittlungen im Wald von Paimpont oder Wald von Brocéliande statt, gute sechzig Kilometer westlich von Rennes, wo zahlreiche Schauplätze des Artus-Sagenkreises angesiedelt sind: Das Tal ohne Wiederkehr, die Kirche des Grals, das Grab Merlins und der See der Fee Viviane. Dessen Zuordnung zu dem Schloß von Comper ist allerdings relativ jungen Datums und nicht zuletzt dem Erfolg des Centre de l‘ Imaginaire Arthurien zu verdanken, das dort seinen Sitz hat.

Kern der Sage dürfte keltisch sein

Fenster aus der „Gralskirche“ in Tréhorenteuc

In diesen Wochen feiert man dort das dreißigjährige Bestehen der Einrichtung mit Ausstellungen und Konferenzen, einem Fest samt Turnier. Daneben läuft das übliche Programm, das vor allem aus Führungen durch das Schloß und zu den einschlägigen Plätzen besteht, an denen Erzähler den Besuchern die Geschichten von Iwein mit dem Löwen, Gawain und Lancelot, Tristan und Isolde zu Gehör bringen, von der bösen Fee Morgane, von Merlins Schicksal und dem Ende, das König Artus im Kampf gegen Mordred findet, gefolgt von der Überfahrt nach Avalon, wo er auf seine Rückkehr wartet, um das Land von allen Feinden zu befreien.

Wenn die Artus-Sagen gemeinhin als britische Überlieferung gelten, dann wird leicht übersehen, daß er der „König beider Britannien“ war, also auch Herr der Bretagne. Möglicherweise haben jene Stämme, die seit dem 5. Jahrhundert vor dem Druck der germanischen Invasoren aus ihrer alten Heimat Cornwall oder Wales auf die Halbinsel Armorica auswichen, die Erzählungen mitgebracht. Sicher ist das aber nicht, während man mit einiger Gewißheit sagen kann, daß der Kern der Artus-Texte, die im Hochmittelalter eine so außergewöhnliche Bedeutung gewannen, keltisch sein dürfte und seinen Ursprung in jenem „dunklen Zeitalter“ hat, das auf den Zusammenbruch der römischen Herrschaft folgte.

Die Neuzeit konnte mit dem Stoff erst einmal wenig anfangen. Aber im 18. Jahrhundert gewann er seine Anziehungskraft zurück. Die „Keltischen Renaissance“ erfaßte zuerst Schottland, Irland und England, dann auch die Isle of Man, Cornwall und die Bretagne und führte zu einer Rückbesinnung auf das eigene Erbe. Selbstverständlich spiegelte sich in der Darstellung der Männer der Tafelrunde, aber mehr noch in dem Bild, das von Artus gezeichnet wurde, immer etwas von den Erwartungen der Zeit: es ging um das Ideal des „christlichen Gentleman“ oder des weisen Herrschers, um den Bürgen imperialer Einheit oder nationaler Emanzipation.

Verwurzelung der bretonischen Identität

Programm einer linksnationalistischen Kleinpartei mit einem Emblem, aus Triskel und Excalibur bestehend, Mitte der 1980er Jahre

Auch wenn das heroische Vorbild nach dem Zweiten Weltkrieg vorübergehend in Mißkredit geraten war, ließ die nächste Welle des Interesses nicht lange auf sich warten und stand im Zeichen von Fantasy und New Age. Der Erfolg der feministischen Umdeutung in Marion Zimmer Bradleys Roman Die Nebel von Avalon (1982) wie des düsteren Filmmeisterwerks Excalibur (1981) von John Boorman sprachen für sich.

Man kann auch die 1979 von einem kleinen Kreis bretonischer Intellektueller gegründete Zeitschrift artus in diesen Zusammenhang stellen. Die einzelnen Ausgaben wurden aufwendig und ästhetisch anspruchsvoll gestaltet. Ein Blick in den Inhalt genügte, um zu erkennen, daß es hier nicht darum ging, direkt politisch zu wirken. Aber mit dem Bezug auf die Überlieferung einerseits, bildende Kunst und Literatur der Gegenwart andererseits verfolgte man ein Programm des „enracinement“ – der „Verwurzelung“, der Wiederherstellung einer bretonischen und keltischen Identität, das bei Erfolg selbstverständlich politische Wirkung haben mußte.

Aufkleber der Zeitschrift artus, Mitte der 1980er Jahre

Auch die Idee für das eingangs erwähnte Centre de l‘ Imaginaire Arthurien ist im Umfeld von artus entstanden. Man hat sich dort aber längst von diesem Ursprung entfernt, ist heute ungleich populärer als zu Beginn, professioneller und weniger weltanschaulich fixiert. Wenn man die jungen Leute, die in Comper den Publikumsbereich betreuen, auf die Anfänge des Zentrums anspricht, schütteln sie nur irritiert den Kopf.

Sie haben auch keine Ahnung, daß Bong / Bannalec das Schloß als Hauptschauplatz seines Krimis genutzt hat, und Kommissar Dupin ist in der Bretagne sowieso ein Unbekannter. Dann erinnert sich einer meiner Gesprächspartner aber doch und erzählt kopfschüttelnd von einem deutschen Spielfilm, den man in Frankreich gezeigt habe, und in dem ein Deutscher einen bretonischen Polizisten spielte. „Etwas bizarr“, sagt er, aber lächelt dabei.

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Bisher erschienen:

Bretonische Skizzen I
Bretonische Skizzen II – Ernest Renan
Bretonische Skizzen III
Bretonische Skizzen IV – Comics und Identität
Bretonische Skizzen V
Bretonische Skizzen VI
Bretonische Skizzen VII – Seiz Breur

BERLIN. Die Zahl der gefährlichen Körperverletzungen hat an deutschen Schulen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Allein in Berlin stieg sie zwischen 2012 und 2016 um 69 Prozent, berichtete die Welt unter Berufung auf polizeiliche Lagebilder der einzelnen Bundesländer.

Nordrhein-Westfalen verzeichnete mit zehn Prozent den geringsten Anstieg schwerer körperlicher Gewalt. In Bayern nahm die Anzahl der Angriffe um 19 Prozent zu; in Hessen um 21 Prozent. In Rheinland-Pfalz um 24, in Sachsen-Anhalt um 39, in Brandenburg um 40 und in Baden-Württemberg um 41 Prozent. Mit 60 Prozent erfaßte Mecklenburg-Vorpommern den stärksten Anstieg körperlicher Gewalt unter allen Flächenländern.

Allgemeiner Anstieg von Straftaten in Schulen

Bis 2012 seien in allen Bundesländern schwere Körperverletzungen wie auch Schulstraftaten allgemein noch rückläufig gewesen. Die Schulkriminalität insgesamt sei seither nur in Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt weiter gesunken. Alle anderen Bundesländer registrierten einen Anstieg von wenigstens einem Prozent (Berlin). Im Saarland verdoppelte sich die Zahl gemeldeter Schulstraftaten (114 Prozent). Dazu zählen auch Bedrohungen, Drogenhandel oder Handydiebstahl.

In Thüringen und Hessen sei keine Tendenz erkennbar. Die Zahlen aus Hamburg und Bremen konnten wegen mangelnder Qualität nicht einbezogen werden. Zehn von 16 Bundesländern verzeichneten einen allgemeinen Anstieg. Dies liege auch an einer zunehmend sozial, ökonomisch, religiös, kulturell und ethnisch heterogenen Schülerschaft. (mp)

New Kids on the ROC

On July 23, 2018, in Junge Freiheit, by admin

„Time is on my side“ – als die Rolling Stones am Karfreitag 2016 ihr bewegendes Konzert auf Kuba gaben, mußten sie diesen Titel nicht extra spielen. Auch so wirkte der Auftritt als glaubwürdige popkulturelle Botschaft, die das baldige Ende des kommunistischen Castro-Regimes einläutete. Ganz anders als bei diesem Konzertdokument („Havanna Moon“) verhält es sich beim jetzt erstmals in Deutschland präsentierten Dokumentarfilm „Metal Politics Taiwan“, der Freddy Lim begleitet, Kopf der „New Power Party“, man könnte auch sagen: der Alternative für Taiwan.

Steht diese doch für die Unabhängigkeit Taiwans und damit für ein gewandeltes Selbstverständnis der jüngeren Generation. Nicht zufällig war Taiwan, wenn auch nur kurz, 1895 die erste Republik Asiens. Gleichwohl gilt für die Republic of China (ROC), so der heutige offizielle Name, schon seit Jahrzehnten: „Die Zeit arbeitet gegen Taiwan.“ Dieses Fazit eines deutschen Reiseführers von 1995 hat nichts an Aktualität verloren, droht die „Volksrepublik China“ beinahe täglich mit bellizistischer Rhetorik, sobald die „abtrünnige Provinz“ Taiwans seine Unabhängigkeit behauptet.

Gefeierter Metalsänger

Freddy Lim und Regisseur Marco Wilms vor dem Filmplakat zu „Metal Politics Taiwan“ Foto: DiAcomm

Andererseits wächst in Taiwan der Widerstand gegen die hergebrachte Ein-China-Doktrin. Ausdruck dessen war 2014 die Besetzung des Parlaments durch die Sonnenblumen-Bewegung, als die Regierung der Kuomintang (KMT) über ein Wirtschaftsabkommen die Insel an China ausliefern wollte – so die Befürchtung der Studenten, die daraufhin das Parlament besetzten, und damit den Beginn eines Wandels markierten. Ergebnis dessen war die Gründung der New Power Party (NPP) durch Freddy Lim, Metalsänger der in ganz Asien gefeierten Death-Metal-Band „Chtonic“, der bereits vor seinem Wechsel in die Politik sich für die Durchsetzung der Menschenrechte engagierte.

Dabei wurde der charismatische Gründungsvorsitzende der NPP nicht zufällig zum Sujet des Regisseurs Marco Wilms. Ist es doch Kennzeichen des aus Ostberlin stammenden preisgekrönten Dokumentarfilmers, in seinen Filmen die „Kunst als Schlüssel zur Gesellschaft“ (Stadtmagazin Tip) zu begreifen, wie zuletzt in seiner packenden Dokumentation „Art War“, die eigentlich eine Oscar-Nominierung verdient hätte. Dabei präsentiert auch „Metal Politics Taiwan“ ein Drama, allerdings nicht auf den ersten Blick – gerade so, als befände sich der Beobachter „im Auge des Taifuns“.

Zeitreise in furioser Tarantino-Manier

Das gilt auch für die lange beschwiegene Geschichte des noch immer verehrten Kuomintang-Führers Chiang Kai-shek, den Freddy Lim zu Recht als „Massenmörder“ bezeichnet, dessen Kollaboration mit den Nationalsozialisten in den dreißiger Jahren das Video des Chtonic-Songs „Supreme Pain for the Tyrant“ thematisiert, wo auf einer Zeitreise in furioser Tarantino-Manier mit den Tätern kurzer Prozeß gemacht wird. Dabei ist Freddy Lim überzeugt, so sein Auftritt zur Filmpremiere in Berlin, daß die Leute in Geschichtsfragen nicht indoktriniert, sondern durch die Darstellung in den Künsten berührt werden sollten. Vor der monströsen Gedenkhalle Chiang Kai-sheks schreckt Lim zurück, denn darin werde ihm übel. Werde dort doch ein weltweit berüchtigter Massenmörder verehrt. Der deutsche Beobachter erinnert sich hier plötzlich an Robert Harris´ Roman „Fatherland“.

Indes sind alle historischen Analogien trügerisch, wie auch das Wort manches heute handelnden Politikers. In bezug auf Taiwan zeigt dies vielleicht nichts deutlicher als die Forderung von Bundeskanzlerin Merkel auf dem jüngsten CDU-Wirtschaftstag, als sie eine einige EU forderte, um dadurch eine gemeinsame Position gegenüber Rußland oder China einzunehmen. Dabei ist diese längst Realität: Beschloß doch die EU vor einigen Jahren einen Passus, demzufolge für Taiwans Staatsoberhaupt, wie derzeit die Präsidentin Tsai Ing-wen (DPP), ein inoffizielles Einreiseverbot für sämtliche EU-Staaten besteht.

Die so oft beschworene „Wertegemeinschaft“ ist hier längst Realität – und macht einmal mehr deutlich, daß der Angriff Chinas zur Erweiterung seiner Hegemonie längst Realität ist. Um so mehr ist „Metal Politics Taiwan“ eine breitere deutsche Öffentlichkeit zu wünschen, zählt Freddy Lim doch bereits jetzt zu den „Entscheidern“. So sieht es der Repräsentant Taiwans in Deutschland, der Germanist Jhy-Wey Shieh, der in Taiwan als Talkshowmaster legendär ist, nicht zuletzt durch seine kalauernde etymologische Expertise: Anspielend auf den Bandnamen „Chtonic“ bezeichnete er sich als „Untergrund-Botschafter.“

SEOUL. Immer mehr Südkoreaner protestieren gegen die Aufnahme von islamischen Flüchtlingen. Mehr als eine halbe Million Bürger haben bereits eine Petition gegen Einwanderung unterzeichnet, berichtet die Korean Times.

Auf der Insel Jeju protestierten Ende Juni über 100 Einwohner gegen die Ankunft islamischer Asylforderer. Zuvor waren knapp 950 zumeist jemenitische Flüchtlinge auf der Insel angekommen. Dabei hätten sie ausgenutzt, daß man für diese Insel kein Visum benötige, um sich dort bis zu einen Monat aufhalten zu können. Die südkoreanische Regierung habe durch diese Regelung ursprünglich den Tourismus auf Jeju ankurbeln wollen.

Die Vorgänge auf der südlichen Insel nahmen auch rund 700 Demonstranten in der Hauptstadt Seoul zum Anlaß für Kundgebungen Anfang Juli. In Sprechchören und auf Plakaten forderten sie „Korea first“, „wir wollen Sicherheit“ und „verbietet die keine-Visa-Politik“.

Südkorea dürfe nicht Europa werden

Einer der Organisatoren sagte: „Wir verlangen, daß die Regierung Koreaner bevorzugt. Wir sind nicht gegen alle Flüchtlinge. Aber wir sollten keine Ausländer akzeptieren, die versuchen, ihre wirtschaftlichen Interessen zu verfolgen.“ Südkorea dürfe nicht so unter den Einwanderern leiden wie Länder in Europa.

Südkorea ist für seine strenge Asylpolitik bekannt. Im vergangenen Jahr seien von 9.942 Asylanträgen nur 121 genehmigt worden. (ag)

BERLIN. Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) hat anläßlich des Rückzugs von Mesut Özil aus der Nationalmannschaft vor wachsendem Rassismus gewarnt. „Es ist ein Alarmzeichen, wenn sich ein großer, deutscher Fußballer wie Mesut Özil in seinem Land wegen Rassismus nicht mehr gewollt und vom DFB nicht repräsentiert fühlt“, schrieb Barley auf Twitter.

Es ist ein Alarmzeichen, wenn sich ein großer, deutscher Fussballer wie @MesutOzil1088 in seinem Land wegen #Rassismus nicht mehr gewollt und vom #DFB nicht repräsentiert fühlt. #Özil

— Katarina Barley (@katarinabarley) 22. Juli 2018

Die Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement beim Regierenden Bürgermeister von Berlin, Sawasan Chebli (SPD), beklagte ebenfalls auf Twitter: „Daß Özil geht, ist ein Armutszeugnis für unser Land. Werden wir jemals dazugehören? Meine Zweifel werden täglich größer. Darf ich das als Staatssekretärin sagen? Ist jedenfalls das, was ich fühle. Und das tut weh.“

Dass #Özil geht, ist ein Armutszeugnis für unser Land. Werden wir jemals dazugehören? Meine Zweifel werden täglich größer. Darf ich das als Staatssekretärin sagen? Ist jedenfalls das, was ich fühle. Und das tut weh.

— Sawsan Chebli (@SawsanChebli) 22. Juli 2018

Özil hatte am Sonntag seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekanntgegeben und die Entscheidung mit der Kritik begründet, die er wegen seines Fotos mit dem türkischen Präsidenten Erdogan erhalten hatte. „Mit schwerem Herzen und nach langer Überlegung werde ich wegen der jüngsten Ereignisse nicht mehr für Deutschland auf internationaler Ebene spielen, so lange ich dieses Gefühl von Rassismus und Respektlosigkeit verspüre“, teilte Özil auf Twitter mit.

Özdemir kritisiert Özil

Unterstützung erhielt er für seine Entscheidung von türkischen Politikern. „Wir unterstützen die ehrenvolle Haltung unseres Bruders Mesut Özil von ganzem Herzen“, verkündete der türkische Sportminister, Mehmet Kasapoglu. Der türkische Justizminister Abdulhamit Gül gratulierte Özil dafür, daß er mit seinem Ausscheiden aus der deutschen Nationalmannschaft „gegen den faschistischen Virus“ sein schönstes Tor geschossen habe.

Almanya Milli Takımı’ndan ayrılarak faşizm virüsüne karşı en güzel golünü atan Mesut Özil’i tebrik ediyorum. Yolun, bahtın açık olsun @MesutOzil1088 pic.twitter.com/abZSlAvzc5

— Abdulhamit Gül (@abdulhamitgul) 22. Juli 2018

Kritisch hingegen äußerte sich der türkischstämmige Grünen-Politiker Cem Özdemir: „Mit dem Alleinherrscher Erdogan zu posieren, empfinde ich als respektlos denen gegenüber, die in der Türkei gegängelt werden oder willkürlich im Gefängnis sitzen. Respekt zolle ich nur Demokraten.“ Özil sei seiner Vorbildfunktion nicht gerecht geworden. „Es ist sehr bedauerlich, wie sich Özil jetzt äußert. Damit spielt er denen einen Steilpaß zu, die unsere Demokratie ablehnen hier wie dort.“

Gut, dass sich Özil endlich erklärt. Bei allem Verständnis für die famil. Wurzeln, müssen sich Nationalspieler Kritik gefallen lassen, wenn sie sich für Wahlkampfzwecke hergeben. Zugleich darf diese berechtigte Kritik nicht in pauschale Abwertung von Spielern mit MGH umschlagen.

— A.Widmann-Mauz (@AWidmannMauz) 22. Juli 2018

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz (CDU), sagte, es sei gut, daß sich Özil endlich erklärt habe. „Bei allem Verständnis für die familiären Wurzeln, müssen sich Nationalspieler Kritik gefallen lassen, wenn sie sich für Wahlkampfzwecke hergeben.“ Diese berechtigte Kritik dürfe aber nicht in eine pauschale Abwertung von Spielern mit Migrationshintergrund umschlagen. (krk)

KAUFBEUREN. Die Einwohner von Kaufbeuren haben in einem Bürgerentscheid den Bau einer Moschee auf städtischem Grund abgelehnt. Knapp 60 Prozent der abgegebenen Stimmen waren gegen das Bauprojekt, meldet die Nachrichtenagentur dpa. Die Wahlbeteiligung habe bei 45 Prozent gelegen.

Der Stadtrat hatte im November noch mit 24 zu 12 Stimmen für die Verpachtung des Grundstücks an den türkischen Kulturverein gestimmt. Damit hätte die bayerische Stadt ein Mitspracherecht bei der Gestaltung der Moschee gehabt. Nun könne der Verein noch nach einem Privatgrundstück als Bauplatz suchen.

CSU-Bürgermeister äußert sich enttäuscht

Gegenüber dem Bayerischen Rundfunk sagte Bürgermeister Stefan Bosse (CSU), er bedauere die Entscheidung. „Ich verstehe, wenn die Türken verletzt sind, aber die Erklärung liegt außerhalb unserer Stadt – insofern sollten wir wieder Wege zueinander finden.“

Kritik an dem Moscheebau habe es auch deshalb gegeben, da der türkische Kulturverein unter dem Dach des umstrittenen Verbandes Ditib steht. Die Organisation gilt als verlängerter Arm des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. (ag)

Die Renten-Reform der Bundesregierung kann nicht halten, was sie verspricht.

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