Der Weg zum globalen Lumpenproletariat

On December 30, 2017, in Junge Freiheit, by admin

Fünf Jahre nach dem Mauerfall erschienen, verschwand Rolf Peter Sieferles Großessay „Epochenwechsel“ erwartungsgemäß im Wust jener journalistischen Schnellschüsse, die unter kräftiger auftrumpfenden Titeln ihre Glaskugelprognosen zur neuen Weltlage, zum nahenden „Kampf der Kulturen“ oder zum „Ende der Geschichte“ offerierten.

Immerhin gestand ihm eine Hamburger Gutmenschenpostille „beeindruckende Sachkompetenz und stilistische Prägnanz“ zu, beklagte aber, daß der sich vom „Projekt der Moderne“ verabschiedende Autor, wie so viele „alte Kämpfer“ der universalistischen Aufklärung, ins nationalistische Lager der Partikularisten übergelaufen sei, um der „Ausgrenzung der Fremden“ das Wort zu reden (Die Zeit, 44/1994).

Nun liegt das Werk in einer vom Autor 1998 überarbeiteten Fassung als erschwingliche Neuauflage vor. Wie jede klassische Anatomie der Moderne, so behält auch diese an Karl Marx und Carl Schmitt geschulte Gegenwartsdiagnose über die Entstehungszeit hinaus ihren analytischen Wert. Da die von der Globalisierung geformten „Grundzüge des gegenwärtigen Zeitalters“ (Fichte) mittlerweile den Alltag „abgehängter“ Provinzen diktieren, wirkt dieses Pionierwerk, das zu den ersten und besten Erzeugnissen des Genres „Globalisierungskritik“ zählt, so frisch, als sei es gestern geschrieben.

Globalisierung benötigt kein Volk, keine Nation, keine Bildung

„Epochenwechsel“: Jetzt bestellen im JF-Buchdienst

Wie seitdem üblich, beschreibt Sieferle das 1994 noch junge Phänomen Globalisierung als Entnationalisierung der Wirtschaft. Die seit dem 17. Jahrhundert in Europa und Nordamerika entstandenen „Volkswirtschaften“ bildeten seit den 1970ern ökonomische Strukturen aus, die eine sukzessive Verlagerung von großen Teilen der industriellen Produktion in die profitableren Niedriglohnzonen des globalen Südens erlauben. „Internationale Arbeitsteilung“ heißt das im neoliberalen Jargon des politisch-medialen Komplexes, der dieses nomadische Abweiden menschlicher und natürlicher Ressourcen als „Schicksal“ verkauft.

In China stehen daher jetzt die Fabriken von Apple und Google, von Bangladesch bis Äthiopien nähen Frauen für einen Euro am Tag Kleider und Hosen für Hugo Boss & Co. Diese von Miniaturisierung und Digitalisierung begünstigte und beschleunigte Entkopplung der Produktion von ihrer nationalen Basis löst traditionelle Gesellschaften im Salzsäurebad der „Verbrennungswirtschaft“ (Robert Kurz) auf.

Für Sieferle gehorcht diese Transformation der tradierten, halbwegs dem Gemeinwohl verpflichteten Wirtschaft der inhärenten Logik der universalisierten Selbstzweckökonomie. Sie benötigt den überkommenen „Plunder“ von Volk, Nation, Kultur, Bildung nicht mehr. Sie organisiert sich allein durch „Sachzwänge“ und integriert die einstigen „bürgerlichen Subjekte“ ausschließlich als Funktionsträger in ihre subjektlose Weltmaschine.

Verwandlung der Menschheit in Lumpenproletariat

Der neue, lohndrückenden industriellen Reservearmeen stets „weltoffen“ gegenüberstehende soziale Synthesemodus pfeift auf verbindliche Tugenden und entbehrt gern ein übergeordnetes Ganzes wie Gott oder Vernunft. Mensch ist Mensch, Funktion ist Funktion, laute die Multikulti-Botschaft des Kapitals. Wie schon von Ralf Dahrendorf befürchtet, räumt das „funktionelle System“  auch mit „Demokratie, Rechtsstaat, Wohlfahrtsstaat, Zivilgesellschaft“ gründlich auf. In Zukunft geht es kostensparend  „postdemokratisch“ zu.

Damit erledigen sich, so Sieferles pessimistische Prognose, alle konservativ wie progressiv motivierten politischen Unternehmungen einer „Re-Normativierung“ der Welt. Zumindest dadurch sei der globalisierte „Amoklauf des Rentabilitätsprinzips“ (Robert Kurz) nicht zu stoppen, der in letzter Konsequenz zur Wegrationalisierung des Menschen, zur „Antiquiertheit der Arbeit“ (Günther Anders), und zur Verwandlung der Menschheit in Lumpenproletariat führen müsse. Was sich in den deindustrialisierten, von „Überflüssigen“ bewohnten Regionen des Nordens bereits ankündigt.

Globalisierung hinterläßt überall nur Verlierer

Hier setzt sich fort, was Chalmers Johnson für die Dritte Welt resümiert: „Keinem Land“ habe die Globalisierung dort mehr Wohlstand beschert, überall hinterlasse sie nur Verlierer. Das das Leben auf Profitmaximierung reduzierende „funktionelle System“ sieht Sieferle in schönem Gleichklang mit Linken wie Elmar Altvater und Birgit Mahnkopf („Grenzen der Globalisierung“, 1996) darum auf dem Weg in die menschenunwürdigste Gesellschaftsverfassung, die die absolute Mehrheit der Weltbevölkerung mit einiger Wahrscheinlichkeit in den  Zustand „faktischen Dahinvegetierens“ zurückstößt.

Die Berliner Republik hat sich für diese kulturlosen Zeiten schon rundum globalisierungstauglich präpariert. Denn kein anderes westliches Land habe sich so radikal vom kontinuierlichen Lebensstrom, der aus der Vergangenheit in die Zukunft fließt, abgetrennt wie Deutschland. Die Bundesrepublik sei ein „vollständig gegenwärtiges Land ohne reale, gelebte, aktive Vergangenheit“. Kein anderes Land füge sich deshalb perfekter ins „funktionelle System“.

Ein Ende der Geschichte werde aber auch die One- World-Ökonomie nicht erreichen. Vielmehr dürfte sie noch im Laufe unseres Jahrhunderts an ihren inneren Widersprüchen zerbrechen. Weder könne sie die ökologischen Grenzen des Wachstums durchbrechen, noch bekomme sie die afrikanisch-arabische Bevölkerungsexplosion in den Griff. Ihr Untergang, in den sie die hochentwickelten Kulturen Europas mitziehe, sei also unvermeidlich.

Kehre hin zur mehrpolaren Weltordnung

Tatsächlich ist es jedoch keineswegs ausgemacht, daß das funktionelle System „unaufhaltsam“ expandiert. Hier billigt der Hegelianer Sieferle der Globalisierung, die er merkwürdig ahistorisch zur anonym-autonomen Macht hypostasiert, allzu bereitwillig zu, die Logik der Geschichte zu vollstrecken. Wie Thomas Hoof in seinem Nachwort einwirft, hätte Sieferle schon geraume Zeit vor seinem Freitod im September 2016 Hoffnung aus der Entstehung von „Gegenkräften“ aus traditionellen Gesellschaften schöpfen dürfen.

Geopolitisch sei etwa die von „angelsächsischen Oligarchen“ angestrebte unipolare Weltordnung an der von China und dem Iran gedeckten russischen Intervention in Syrien soeben gestoppt worden. Hoof wertet dies als „echte Kehre“ weg vom One-World-Kapitalismus hin zur mehrpolaren Weltordnung. Zudem gebe es für den von globalistischen Ideologen als „humanitäre Hilfe“ drapierten Einmarsch Millionen kulturfremder Versorgungssuchender ins deutsche Sozialsystem keinen alternativlosen Automatismus.

Es gelte auch hier die Dialektik von Spiel und Widerspiel. Welche Stärke die anti-universalistischen Gegenkräfte Europas auf diesem Politikfeld entfalten, hängt aber nicht zuletzt von ihrer Bereitschaft ab, einen wirklich fundamentalen „Epochenwechsel“ einzuleiten.

JF 52/17

Ifo-Institut empfiehlt Steuererhöhungen

On December 30, 2017, in Endzeit, by admin

Das Ifo-Institut hält Steuererhöhungen für eine Möglichkeit, um eine Überhitzung der Konjunktur zu verhindern.

Proteste gegen steigende Preise im Iran

On December 30, 2017, in Endzeit, by admin

Im Iran ist es zu Protesten gegen die Regierung gekommen.

Die CSU fordert einen Rückbau der EU und einen härteren Kurs in der Asylpolitik.

In Großbritannien, das unter einer Kältewelle leidet, ist eine mysteriöse Ladung von flüssigem Erdgas aus Russland angekommen.

Die USA haben sich in den vergangenen Jahren zur weltgrößten Steueroase entwickelt.

Palästinenser verschwindet!

On December 29, 2017, in Islam, Juden, by admin
Palästinenser verschwindet!Eric Margolis

Die USA haben jahrzehntelang die Fiktion aufrecht erhalten, ein unparteiischer Vermittler zwischen Israel und den Palästinensern zu sein. In dieser Woche hat Präsident Donald Trump diese müde, alte Ente endgültig in den Müll geworfen, indem er zugestimmt hat, die Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika von ihrem derzeitigen Hauptsitz in Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen.

Es liegt eine enorme Symbolik in diesem Schritt, der auf allgemeine Verurteilung stieß. Das bedeutet, dass die USA jede Chance auf eine Zweistaatenlösung aufgeben, die der ursprüngliche UN-Plan für Palästina war. Von nun an werden die Palästinenser in einem jüdischen Einheitsstaat als machtlose, unruhige Unterklasse leben. Washington verstößt gegen das Völkerrecht, die Osloer Abkommen von 1993 und zahlreiche UN-Resolutionen.

Die Entscheidung von Kreuzritter Trump deutet nachdrücklich darauf hin, dass es keinen palästinensischen Staat, keine palästinensische Hauptstadt in Ost-Jerusalem und keine politische Hoffnung für die 5,5 Millionen palästinensischen Flüchtlinge der Region geben wird, die unter prekären Bedingungen in Israel, im besetzten Westjordanland, im Gazastreifen, in Syrien und im Libanon leben.

Amerikas Präsident ist ein berüchtigter Moslem-Hasser, der versucht hat, Menschen aus der islamischen Welt von den Vereinigten Staaten von Amerika fernzuhalten. Trump weiß sehr wenig über den Mittleren Osten – den ich in meinem letzten gleichnamigen Buch “American Raj” nenne, weil er der britischen imperialen Herrschaft über Indien ähnelt.

Trump ist umgeben von begeisterten Anhängern Groß-Israels in Washington und New York, zu denen auch seine engsten Familienangehörigen gehören, und so genannten “Beratern” der extremen äußersten Rechten. Erstaunlicherweise wurde seine viel gepriesene Rede im Mai letzten Jahres in Saudi-Arabien an verschiedene arabische Potentaten und Vasallen von einem ultra-zionistischen Rechtsaußen aus Santa Monica, Kalifornien, geschrieben.

Zusätzlich zur schwarzen Komödie hat Trump seinem jungen jüdischen Schwiegersohn Jared Kushner befohlen, einen Nahost-Friedensvertrag zu schmieden. Kushner, ein New Yorker Immobilienmanager, ist ein netter junger Mann, aber er weiß genauso viel über den Mittleren Osten wie ich über Papua-Neuguinea.

Die von Kushner eingeleiteten Friedensverhandlungen sind eine grausame Farce. Er und Trump erwarten eine Art Abkommen zwischen Amerikas Nahost-Vasallen – Saudi-Arabien, den Golf Emiraten, Jordanien, der brutalen ägyptischen Diktatur und dem mittelalterlichen König von Marokko.

Diese machtlosen Satrapen können alle die “Friedensabkommen” machen, die sie mögen. Aber die wahren Parteien, die sich engagieren müssen, sind Israel, das jetzt von einer sehr weit rechtsgerichteten Regierung regiert wird, und die Palästinenser, die von der korrupten Palästinensischen Autonomiebehörde (PLO) und von der nationalistischen Hamas missrepräsentiert werden, sowie Splittergruppen. Die PLO ist so ziemlich eine Marionette der USA und Israels, geführt von dem wackeligen alten Mahmoud Abbas. Im Mittleren Osten bleibt nur die Türkei eine wirklich unabhängige muslimische Nation, die nicht unter Washingtons Fuchtel steht.

Dennoch prangern Abbas, andere Palästinenser und arabische Führer Trump und sein Verhalten wie ein Elefant in einem Porzellanladen an. Wen kümmert’s? Die Aktionen von Trump zeigen, wie gespalten und impotent die arabische Welt wirklich ist.

Die Israelis wissen, dass ihre arabischen Nachbarn soviel Wind machen können, wie sie wollen, aber dass sie machtlos sind und höchstens Aufruhr auf den Straßen machen und Autos verbrennen können. Wenn die anti-israelischen Unruhen zu heftig werden, hat Israel keine Bedenken, die Demonstranten niederzuschießen oder die Häuser ihrer Familien in die Luft zu jagen. Noch nie hat sich die arabische Welt so schwach und ängstlich gezeigt.

Darüber hinaus haben Israels neue Freunde in Saudi-Arabien die Palästinenser jahrzehntelang in den Rücken gestochen und wollen sie heimlich zerschlagen sehen. Die feudalen Saudis fürchten und misstrauen den modernen, gebildeten Palästinensern. Das Gleiche gilt für die brutale Militärdiktatur Ägyptens, die jetzt von saudischen, israelischen und amerikanischen Geldern lebt.

Niemand hat sich die Mühe gemacht, sich mit den Palästinensern zu beraten, die seit über einem halben Jahrhundert an den Rand gedrängt, ignoriert oder bombardiert werden. Ohne sie wird es keinen wirklichen Frieden geben.

Aber Präsident Trump kümmert sich nicht um diese lästigen Details. Er will nur ein unechtes Friedensabkommen, geschmückt mit seiner königlichen Unterschrift. Was wirklich für Trump zählt, ist der Gewinn amerikanisch-jüdischer Unterstützung bei der nächsten Wahl und die Befriedigung seiner lebenswichtigen evangelikalen christlichen Wählerbasis.

Amerikas christliche extreme Rechte, die die Hälfte der republikanischen Wähler ausmachet, glaubt ernsthaft an die biblische Prophezeiung, dass der Messias nicht kommen kann, ehe das alte Israel wiederhergestellt ist und die Juden der Welt in Groß-Israel versammelt sind, und dass dann der Messias zurückkehrt und die Ungläubigen in der endgültigen Zerstörung der Erde zugrunde gehen.

Diese Leute sind leidenschaftliche “christliche Zionisten”, die der Politik von Trump zustimmen. Die meisten ihrer Informationen über die Vorgänge in der Welt stammen aus christlichen evangelikalen Publikationen und Fernsehstationen oder, im Falle von Trump, von Fox TV, einem weiteren engagierten Unterstützer eines Groß-Israel.

Die christlichen Evangelisten sind der Kern von Trumps Unterstützung in ländlichen und vorstädtischen Gebieten Amerikas. Wie Kevin Phillips in seinem brillanten Buch “American Theocracy” schrieb, sind die Republikaner größtenteils zu einer rechtsgerichteten religiösen Partei geworden, die die weniger aufgeklärten Teile Amerikas repräsentiert. Diese Fundamentalisten müssen sehr erfreut sein, dass ihr guter Präsident Trump die Ankunft des Messias beschleunigt.

erschienen am 9. Dezember 2017 auf > www.ericmargolis.com

 

Zum Jahresabschluss hier noch etwas zum lachen. Die bekannten russischen Komödianten Vladimir Kuznetsov und Alexei Stolyarov, die für ihre Telefonstreiche mit westlichen Prominenten und Politikern bekannt sind, haben die US-Botschafterin zu den Vereinten Nationen (UN) Nikki Haley voll reingelegt und sie dazu gebracht, die russische Intervention bei den Wahlen auf einer Insel zu verurteilen, die gar nicht existiert. Ausserdem bedankte sie sich für Polens Unterstützung betreffend UN-Resolution über den Status von Jerusalem, was aber gar nicht erfolgte.

Siehe meinen vorherigen Artikel über die beiden:
“NATO-Generalsekräter fällt auf Witzbolde rein”.

Wer hätte das jemals gedacht? Russland ist zum Bollwerk der christlichen Werte auf dieser Erde geworden. Wie ich selber Vorort beobachtet habe, ist das Christentum sehr lebendig in Russland. Es geht nicht nur die ältere Generation in die Kirchen, sondern auch junge Menschen, und die Gotteshäuser sind in Russland gut besucht. Aus dem atheistischen Gesellschaftssystem des Kommunismus, indem das Christentum unterdrückt und Kirchen entweder zu Lagerhallen zweckentfremdet oder ganz abgerissen wurden, ist ein durch und durch christlicher Staat geworden, der die konservativen Werte hochhält und verteidigt.

So ein Fußball-Vereinspräsident hat schon eine Menge um die Ohren. Abstiegssorgen plagen die Eintracht Frankfurt, die in dieser Saison die Winterpause mal in der oberen Tabellenhälfte der ersten Bundesliga verbringt, derzeit gerade weniger. Da kann sich Präsident Peter Fischer ganz darauf konzentrieren, sich bei den Mächtigen im Lande und dem herrschenden Zeitgeist ordentlich einzuschleimen.

Er werde den Mitglieder klarmachen, „daß es sich mit unserer Satzung nicht verträgt, AfD zu wählen. Es kann niemand bei uns Mitglied sein, der diese Partei wählt, in der es rassistische und menschenverachtende Tendenzen gibt“, warf Fischer sich jetzt gegen Ende eines Interviews mit der Rhein-Main-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen in Pose. Und inszeniert sich nebenbei auch noch als Widerstandskämpfer: In der NS-Zeit sei sein Klub ja auch „gegen Antisemiten“ gewesen.

Problem mit demokratischen Spielregeln

Hätte er mal lieber geschwiegen, der arme Tropf, statt sich derart als geistloser Opportunist zu entlarven, der seine politischen Weisheiten offenbar auf Antifa-Seiten zusammengoogelt oder einfach nur vorgefertigte grünbuntlinke Parolen nachplappert und das mit „Haltung“ verwechselt.

Daß seine schiefen Nazi-Vergleiche nicht nur infam sind, sondern auch die NS-Diktatur verharmlosen, geschenkt. Daß der Eintracht-Präsident allen Ernstes behauptet, AfD-Wähler könnten in seinem Klub nicht Mitglied sein, verrät dagegen, daß er selbst ein handfestes Problem mit demokratischen Spielregeln hat.

Mitgliederlisten säubern?

Will er jetzt die Mitgliederlisten säubern? Und wie will er überhaupt überprüfen, wer welche Partei bevorzugt? Sollen die Mitglieder jetzt eidesstattliche Versicherungen vorlegen, daß sie nicht „falsch“ gewählt haben, oder dem Aufnahmeantrag ein Foto ihres letzten Stimmzettels beilegen? Beides übrigens nicht nur absurd, sondern auch glatt rechtswidrig.

„Sie haben nicht begriffen, daß es in der Bundesrepublik Deutschland freie und geheime Wahlen gibt“, hält die Ex-CDU-Bundestagsabgeordnete und bekennende Eintracht-Anhängerin und AfD-Wählerin Erika Steinbach dem Vereinsboß in einem offenen Brief vor. Wenn die Stimmabgabe für eine bestimmte Partei tatsächlich nicht mit der Vereinssatzung vereinbar sein soll, muß die Eintracht entweder ihre Satzung dringend überprüfen oder das Oberstübchen ihres Präsidenten.

In den Aussagen steckt totalitäres Denken

„Sport muß politisch sein“, behauptet der im Interview auch noch. Darin steckt in der Tat totalitäres Denken: Die Vorstellung einer durchformierten und gleichgeschalteten Gesellschaft, mit einflußreichen Massenorganisationen als Transmissionsriemen der einzig zulässigen Ideologie.

Daß der Deutsche Fußballbund als einflußreichster deutscher Sportverband sich zunehmend genau so verhält, daß seine Funktionäre den organisierten Sport und seine Großereignisse mit allerlei Kampagnen und verordnetem Sprücheaufsagen immer penetranter zur „Brot und Spiele“-Werbeabteilung für die Multikulti-, Vielfalts- und Antirassismus-Ideologie umgestalten, sollte allerdings zu denken geben.

Sport darf gerade nicht politisch sein

Offenkundig sind die Fußballbosse überzeugt, daß das von ihnen erwartet wird und daß sie besser mittun, damit sie weiter mit dem Segen der Politik gute Geschäfte machen können und die Fernseh- und Sponsorengelder weiter reichlich fließen. Die Entgleisung von Eintracht-Präsident Fischer wäre dann gerade kein einsamer Ausrutscher eines überforderten Funktionärs, der sich aufs politische Parkett verirrt hat, sondern Symptom einer verqueren Mentalität, die in den Chefetagen des öffentlichkeitswirksamen Massensports schon länger die Vorherrschaft übernommen hat.

Nein, Sport muß und darf gerade nicht politisch sein. Die Politisierung ruiniert den Sport und raubt ihm die Kraft, Menschen und Völker zu verbinden. Wenn es eine „gesellschaftliche Fehlentwicklung“ gibt, gegen die ein Vereinspräsident dringend „seine Stimme erheben“ sollte: Da ist sie. Und jetzt geht’s raus und spielt’s Fußball.

Weboy