Weil ich und sehr viele andere, einfach Nichts gemacht haben…“

Eine Vision, die schnell zur Realität werden wird..
Eine Erzählung über den letzten deutschen Michel

Michel war ein sehr vernunftbegabter Junge und so ziemlich oft, als auch seine Neugier bei ihm durchbrach, war sein Großvater auch der Leidtragende, der unendlich viele Fragen beantworten musste. Er war auch der Mensch, zu dem Michel ständig aufschaute und auch abgöttisch verehre und liebte. Schon seit Kindesalter waren die Zwei unzertrennlich und wiederum die notwendige tägliche Lebensdosis, die auch ein Ältere gebrochener Mann benötigte, nachdem das Schicksal vor mehreren Jahren sein Herz durchtrennte, die bekam er durch die kraftvolle Liebe und tiefe Zuneigung, die ihm ununterbrochen sein Enkel entgegenbrachte.

Als Michel noch keine 3 Jahre alt war, wurde Großvaters Jugendliebe und spätere Lebensbegleiterin auf bestialische Weise ermordet. Wohnungseinbrüche bei Altdeutschen Einwohner standen auf dem Tagesordnungsplan des Arabisch ab stämmigen, ganz oben dick markiert. Sowohl Opa wie auch Sohn waren davon überzeugt, dass sie genauso die geliebte Frau, wie auch Mutter auf den Gewissen hatten. Aber sie waren machtlos. Die Tötungsdelikte an Volk in Kleinsteten hat man überhaupt nicht verfolgt. Dagegen gesetzliche Übertretungen, die sich gegen Islamglauben richteten, die haben die Imperialisten aufs Schärfste verurteilt. Die Vorsehung der Altdeutschen war von Leid und Schmerz geprägt. Bei Michel machte sie auch keine Ausnahme und so war der Junge gezwungen ein Leben auszuleben, das wenige freudestrahlende Augenblicke kannte, dafür ausschließlich nur Zeiten, die von beschämender und menschenverachtender Natur geprägt waren. Das Allgemeinvolk kannte weder Glück, noch Freude.

Wogegen tagtäglich die Menschen auch wehrlos ausgesetzt waren, war Verspottung, Erniedrigung und körperlicher Gewalt. Seinem Vater, der als Zugfahrer immer spät abends nach Hause zurückkehrte, bekam Michel, genauso wie seine Mutter, nur selten zu sehen. Die Krankenschwester jobbte von morgens bis abends und damit die Familie auch durchkommt, arbeitete sie an Wochenenden in Großstadt als Servierdame. Das Restaurant, wo sie auch das Zubrot verdiente, besuchten lediglich nur gut betuchte Menschen. In Zweiten Millennium Jahr gab es noch viele Kneipen und Bars, wo auch gewöhnliche Menschen gesellige Stunden beisammen verbrachten und keine 40 Jahre später, änderte sich urplötzlich alles. Für den Durchschnittsbürger gab es lediglich Cafés, wo man überwiegend Wasserpfeifen inhalieren konnte und die wiederum dienten überwiegend als Treffpunkt der Islambefürworter. Frauen war es nicht gestattet Cafés zu betreten und die Straßen der Kleinstädte dürften sie lediglich nur verschleiert betreten.

Alleinig in einem Bordell, der sich am Rande der Kleinstadt befand, dürften die Frauen ihre Gesichter frei offenbaren. Dort wiederum bedeckt zu erscheinen, das galt als Verstoß gegen die herrschenden Gesetze. Es war auch der einzige Ort, wo man nur Frauen vorfand, die noch aus Alteuropa abstammten. Man hat sie viele Male aufs Übelste behandelt aber eine andere Wahl, als schweigsam alles hinzunehmen, hatten sie nicht. In Scharia – Gesetzen hat man sämtliche Rechte der Alteuropafrauen aberkannt. Wo noch die Alteuropäische Ordnungshüter etwas zu sagen hatten, waren die Großstädte, die auch vollständig von Besserverdiener bewohnt waren. Allerdings in Angelegenheiten der Auslesen Sten unter der Reichen sich einzumischen, oder gar das Wort zu ergreifen, ohne dass man auch gefragt wurde, das kostete Konsequenzen. Dort gab es auch mehrere Stadteilen, die man auch bewusst unterteilte. Die kleineren Bediensteten, die man früher als Beamten kannte, wie auch wenige Ordnungshüter, die hausten in kleineren Wohnungen, die sich auch etwas abseits der Stadt befanden. Am Rande wohnten die Arabisch stämmigen, die ebenfalls denselben Status und dementsprechend auch den niedrigen Rang besetzten und die dienten wiederum sowohl den Arabisch ab stämmigen, wie auch den anderen Vermögenden. Die Reichsten bewohnten das Zentrum der Großstädte, wo man auch keine Fabriken, oder Großfirmen finden könnte.

In Kleinstädten, wo auch die Armen wohnten, gab es keine privaten Schulen, wo auch die Abgänger eine bessere Berufszukunft ins Auge fassen könnten. Michel besuchte eine herkömmliche Schule, die aber bestenfalls nur als Glauben Haus seine Dienste verrichtete. Die deutsche Sprache stand überhaupt nicht mehr auf dem Unterrichtsplan und es wurde nur englisch, russisch, türkisch und arabisch unterrichtet. Genauso in Religionsunterricht galt ausschließlich der Koran als das heilige Buch und auf was anderes zu glauben, etwas anderes anzubeten, glich der Ketzerei und wurde hart bestraft. Diese Regel allerdings galt nicht für die Imperialisten, den die haben sich allesamt verpflichtet den Weg der Kabbala glauben zu verfolgen und den wiederum für einen gewöhnlichen Menschen, oder gar für einen neueuropäischen Elitenangehörigen zu folgen, das war vollkommen ausgeschlossen. Den Koran mussten die Schüler nicht nur auswendig lernen und wiedergeben, sondern auch andauernd mit sich tragen. Die Mathe, Erdkunde und Geschichte hat man jeweils eine Stunde unterrichtet, wohingegen der Islamunterricht mit 4 Stunden, den Rest des Schultags Plans ausfüllte. Genauso wenig besaßen gewöhnliche Menschen Wohnungen, Häuser oder Grundeigentümer. Alle Eigentümer wurden vor langer Zeit in dem Beschlag genommen und die gehörten alleinig wenigen Imperialisten, die auch die globale Welt besaßen. Das Geld wurde längst abgeschafft und womit man auch bezahlte, wie auch Guthaben aufladen konnte, war ein Chip, der sich unter der Haut am linken Arm der Menschen befand. Sämtliche Zahlungsvorgänge, wie auch Guthabeneingänge wurden per Scanner getätigt.

Die Gesundheitsvorsorge erfolgte alle 6 Monate, und wenn ein Mensch plötzlich Schmerzen erlitt, oder in ärztlicher Notlage geriet, dann dürfte der die Dienste der Notaufnahme, einmal pro Jahr beanspruchen. Frauen war gestattet nur ein Kind zu gebären und danach bekamen sie eine Impfung, die eine weitere Geburt unmöglich machte. Was die Nahrung anging, die war begrenzt und zudem war sie Haltbarkeitshalbe vollgesät mit schädlichen chemischen Substanzen, die auch die Lebenserwartung der Menschen, extrem verringert haben. In Fernsehen gab es keinen deutschsprachigen Sender mehr und zudem liefen auf den Allgemeinsender Programme, die auch keine Großsportereignisse, anspruchsvolle Sendungen oder spannende Spielfilme beinhalteten. Wohlgemerkt galten die Regeln ausschließlich nur für das Allgemeinvolk. Die gut betuchten besaßen eigene Programme und eigene Sender. Was man früher als Parteien oder als Politik kannte, das gehörte der Vergangenheit. Sie haben längs ihrer Dienste geleistet, in den sie das Volk der Elite übergeben haben und heute hat man weder Politiker noch Parteien benötigt. Die demokratische Staatsform besiegelte vor 20 Jahren ihr Ende und so etwas wie Wahlen gab es nicht mehr. Nur bedeutenden Politikern und Juristen gelang es damals zu etablierten Gesellschaftsmitgliedern aufzusteigen und die anderen, die Masse aus Parteiangehörigen, Juristen wie auch aus Bürgermeistern und Landräten, die zählten urplötzlich, wie auch die unzähligen Soldaten und Beamten zu Allgemeinheit, die man offiziell als Untervolk bezeichnet. Den gesamten ehemaligen europäischen Kontinent nannte man Greatland. Die Menschheit hat überhaupt keine Möglichkeiten gehabt sich auch zur Wehr zu setzen, denn der eingepflanzte Chip konnte schlagartig, ohne dass man etwas dagegen auch unternehmen könnte, Masse von Menschen töten. Wenn man mit dem Gedanken spielte, der Chip zu entfernen, dann hat man damit sein eigenes Todesurteil besiegelt. Es ging aber auch anderes.

Wenn ein von wenigen ernannter Stadtrichter davon überzeugt, oder ihm einfach nur danach war, dass man nach seiner Überlegung überwiegend schwere Fahrlässigkeit begann, dann erließ er ein Bescheid, den man als „ endcertificate“ nannte. Am Darauffolgen Tag erfolgte durch einen Mitarbeiter der Greatland Agency, die auch für die Chipsteuerung die Zuständigkeitsverantwortung trug, die Vollstreckung. Es wurde ein Impuls ausgesendet und schlagartig wurde einer Menschenseele die Atemluft geraubt. Dass Michel ein aufgeweckter Junge war, das hat man nicht leugnen können. Weder diejenigen, die ihn kannten noch die, die nur einen kurzen Dialog mit ein 13 jährigem Jungen führten. In Kleinstadt sah man öfters Michel an seinem alten Fahrrad herumzukurven und was Michel noch einigermaßen glücklich machte waren alte Funde, die man meistens, wenn sich auch die Bewohner von alten Sachen trennten, am Rande der Straße fand. Sobald Michels Auge etwas Ansprechendes auch blickten, war der Junge hell begeistert. An seinem Gepäckträger befand sich ständig eine reisfeste Schnur, die danach sofort zum Einsatz kam. Es waren Kleinigkeiten, die man auch entdecken könnte und die auch Michel so viel Freude bereitet haben, dass er hinterher meistens sofort zum Opa fuhr. Danach haben die beiden die Entdeckung genauer ins Visier genommen und hat man Überlegungen besprochen, was man auch alles damit machen kann. Mehrmals weinte sein Großvater in seinem Bett und dachte darüber nach, wie es auch mit Michel weitergeht. Er wusste, dass der Junge genauso wie sein Großvater und wie sein Vater enden wird. Kein erfülltes und freies Leben und genauso eins, das keine Werte mehr kennt. Die Ärmeren Altdeutschen befanden sich in islamische Knechtschaft und die wiederum, die verachtete, verhöhnte und mehrmals misshandelte eins Mal das stolze Volk, das sie vor Jahrzehnten großzügig willkommen hieß. Aber an meisten fürchtete sich der Großvater davon, welche Antworten er auch seinen Enkel liefern wird, wenn eines Tages Michel erneut Fragen stellt, die nicht nur sehr unangenehm ausfallen, aber auch verdammt viel Schmerzen beinhalten. Als ob der Großvater, das letzte Nacht nicht nur ahnte, aber auch eine innige Stimme hörte, war es so weit. Als sich die alten Türen öffneten, die auch, wenn man sie Weit aufspreizte, zu quietschen begannen, erschien blutüberströmt Michel vor seinen Augen. Es gab mal wieder Streit und der Altdeutsche Michel bekam Prügel. Man hat ihm gehänselt und verprügelt, und immer, wenn so etwas passierte, konnte niemand helfen.

Großvater wischte vorsichtig das Blut ab, was aus Michels Nasse in Strömen runterfloss und hinterher machte er für seinen Enkel eine alte Pfirsichdose auf. Das war Michels Lieblingsspeise, die er nur hin und wieder genießen dürfte. Und jedes Mal, wenn es auch so weit war, strahlte sein Gesicht und die Sorgen, die zuvor ihm das Leben verdammt schwer machten, waren für kurze Zeit vergessen. Als dann Michel die Dose vollkommen verputze, setzte sich zum Großvater hin und fragte nach. „Opa, war Dein Leben auch früher so scheiße, oder war es etwas besser, oder einfacher?“ Sein Großvater schaute seinen Enkel an, nahm ihn in seine Arme und begann Geschichten zu erzählen, die er eigens längst beinahe vergessen hatte. Er sprach über das frühere Leben und sprach auch über Menschen, wie auch über das frühere Deutschland und das Europa. Er redete so viel, wie noch niemals zuvor und sein Enkel hörte sehr aufmerksam zu. Michel unterbrach seinen Großvater kein einziges Mal. Das war das erste Mal, das Michel nicht in seine Worte gefallen war und sofort danach Fragen stellte. Als dann wieder nach längerer Zeit es still wurde, grübelte der Enkel etwas nach. „ Opa ihr habt ein freies Leben geführt. Du sagtest, ihr wusstet, dass Politiker sehr böse, gewissenslose Menschen sind und auch das, das sie Euch belogen und missbrauchen. Die Polizei und die Soldaten waren doch ihr, das hast Du auch gesagt. Was ich aber nicht verstehe Opa, ihr hab doch auch keine Chips in Euren Körper getragen, warum leben wir dann heute in eine total verkommene Welt. Wieso habt ihr das zugelassen?“ Großvater sah Michel an und danach häuften sich die Tränen an seinem Gesicht. Kurze Zeit später fing er an, ganz fürchterlich zu heulen. Was sollte er nur darauf antworten, darüber grübelte er die ganze letzte Nacht nach. Sollte er vielleicht jetzt beichten, das Fußballspielern zu zujubeln, sich Vollzulaufen, idiotischen Sendungen oder scheinheiligen Schauspieler anzuschauen, Weibern nachzulaufen oder an einen Gott zu glauben, der lediglich eine geschichtliche Erfindung war, wesentlich mehr Sinn machten, als sich Zukunftsgedanken zu widmen, die nicht nur ihren Leben, aber das ihre Kinder und der Ihrigen betraf? Das konnte er nicht. Denn wenn er es auch täte, könnte er sich eines Tages dessen sicher sein, dass Michel irgendwann mal, wenn er auch größer und erwachsener sein wird, ihm gegenüberstehen wird, tief in seinen Augen schaut und nichts anderes, als nur purer Hass empfindet. Nicht gegenüber einem Fremden, sondern der Zorn und Hass seines Enkels wird sich alleinig gegen Großvater richten und das bricht sein altes Herz endgültig. Der Alter Mann verspürte plötzlich Scham und Reue und sein gesamter Körper fing an zu zittern. Danach sprach er leise und seine Augen blickten nicht in Michels Gesicht, sondern sie senkten tief nach unten und schauten den alten Holzboden an. „Es war nicht einfach Michel. Wir waren dumm und sehr viele waren gierig und damit käuflich. Sie ahnten nicht in Entferntesten, dass sie mit ihren charakterlosen Verhalten dazu beitragen, dass die Menschheit heute nichts anderes, als Freiwild der Eliten endet. Sogar die Nachkömmlinge diejenigen, die damals zu Elitenangehörigen zählten, sind heute unsere Nachbarn“ Wir waren Maschinen ohne Hirn, die durch Manipulation vollkommen vergessen haben, was von Bedeutung sein soll und was dagegen absolut unwichtig ist. Wir haben gelacht und wenn auf den Bildschirm Menschen erschienen sind, die unserer Meinung nach dumm waren, haben wir uns über diese Menschen lustig gemacht. Das machen wir heute noch so und wir haben immer noch nicht verstanden, dass wir selber dumm sind. Wir waren begierig darauf, das wir unterhaltet werden, unseren Spaß haben, unsere sexuellen Befriedigungen zur unser vollsten Zufriedenheit nachgehen dürfen, stets unsere Ego auf Hochstufe halten und nur auf unseren eigenem Wohl achten. Wir haben nicht nur fremde Leute, wie auch unsere Bekannte, aber auch unsere Nächsten angelogen und wir haben uns selber was vorgemacht. Ja, es äußerten sich genügende Stimmen, die uns gewarnt haben. Es gab auch viele, die damit eigenes Interesse verfolgt haben und unzählige andere sagten sogar die Zukunft voraus. Sie haben damals auch versucht uns klarzumachen, dass wir alle gut leben und uns satt essen, können wenn wir Politiker, die Wirtschaftsmacher und alle andere, die damals für das System standen entmachten und uns neu finden. Wir bezeichneten damals diese Menschen als Spinner oder Verschwörungstheoretiker. Sogar unsere Vorbilder, die Musiker, die Schauspieler, die Sporthelden, die Comedy Stars, die Fernseherköche, die Unterhaltungsmacher haben uns stets eine Heile Welt präsentiert und wir haben ihnen vertraut und es geglaubt.

Ich kann die Zeit nicht zurückdrehen Michel, aber ich schäme mich sehr, das musst Du mir glauben. Wir sahen es nicht kommen, oder besser gesagt wir wollten es nicht kommen sehen und dabei dachten wir auch nicht darüber nach. Aber, ja. Wir hätten was tun können, oder sogar müssen Michel. Du hast Recht. Weil aber andere auch nichts getan haben, habe ich auch nichts gemacht“ Michel überlegte lange, bevor er erneut das Wort ergriff. „Aber Opa, die anderen haben doch was gemacht.“ Großvater richtete seine Augen erneut auf und schaute Michel verdutzt an. „Was meinst Du damit Michel?“ Diesmal war es Michel, der die Welt, als auch sein Großvater nachfragte, nicht verstand. „ Aber die Mächtigen haben Euer Vertrauen missbraucht, viele Menschenleben vernichtet, Euch das Leben sehr schwer gemacht und Euch gegeneinander gehetzt. Ihr habt Eurer Kultur verloren, Eures Herz und Verstand hergegeben und wogegen ihr überhaupt nichts unternommen habt, ist das Leben Eure Kinder zu beschützen und der Ihrigen. Dass mir und alle anderen heute Leid und Schmerz zugefügt wird, ist alleinig Deine Schuld. Wenn ich also Prügel bekomme, Scheiß leben habe und niemals glücklich sein werde, dann muss ich nur Dich anschauen Opa und dann weiß ich ganz genau, wem ich zu hassen und zu verachten habe“ Danach wurde es still. Kurzer Zeit später stand Michel auf, schaute seinen Großvater an und verließ wortlos die Wohnung. Er küsste diesmal nicht mal seinen Großvater zum Abschied und das traf den alten Mann sehr. Aber er sah die Schuld nicht bei Michel. Nicht ein bisschen. Der alte Mann verspürte plötzlich Groll und tiefe Demütigung, allerdings richteten sich die Schandvorwürfe gegen niemand geringeren, als gegen sich selbst. Die Tränen häuften sich erneut und Großvater wusste, dass die Nacht lang wird. Am nächsten Tag, unweit von der Wohnung seines Großvaters entfernt, fand man Michel an einen Baum hängend. Sogar Angesicht seines Todes, wie auch in seiner Totenruhe hat man Michel verspottet. Scharenweise kamen Neueuropäer zur Fundstelle, wo Michel noch am Baum taumelte und viele von ihnen grinsten, lachten und dabei sprachen ganz laut von letztem deutschem Michel, den sie in den Tod getrieben haben. Als später sein Großvater und der Vater Michels Leiche säuberten, fand der Großvater in Michels Hosentasche ein Abschiedsbrief. Michels seine letzte gedankliche Worte lauteten; ich möchte Dich nicht hassen Großvater, aber lieben kann ich Dich nicht mehr. Du warst bis gestern derjenige, der mir Mut machte und immer, als ich auch traurig und verloren war, mich hochrappelte und alle Herzensliebe entgegen brachte. Ich möchte Dich nicht verachten, aber nachdem Du mir auch alles erzählt hast, kann ich Dich auch nicht mehr lieb gewinnen Großvater. Fühle Dich nicht schuldig Opa, denn das hättest Du schon vor sehr langer Zeit tun sollen. Aber wie Du schon gesagt hast. Du und viele andere, ihr habt einfach Nichts gemacht!

 

EINE GEBÄRMUTTER RETTET DIE WELT

Lena Seiferlin gehört zu jenen Menschen, die keine Kinder bekommen sollten. Nein, das ist kein beleidigender Spruch von mir. Sie sagt es ja selber. Auf „Bento“, dem SPIEGEL-Online-Ableger für geistig behinderte Jungleser, schreibt sie am 4.11.:

„Wir sollten alle aufhören, Kinder zu bekommen. Denn das ist egoistisch!“

Die Kardinalfrage, die bei dieser Aussage zu stellen ist, wen meint Lena genau mit „Wir“? Sollten Deutsche das Kinderkriegen einstellen oder Europäer oder Moslems oder Neger oder Asiaten oder ganz allgemein die Menschen? Das ist keine Haarspalterei von mir, denn an einer anderen Stelle ihres Artikels bemerkt sie, daß ihr Appell wohl ungehört bleiben wird und irgendwelche Egoisten sowieso weiterhin die Wurfmaschine bedienen werden:

„Die Erdbevölkerung wird bis Mitte des Jahrhunderts zufolge genauso stark wachsen, wie sie das seit Ende der Achtzigerjahre schon macht, nämlich um 2,4 Milliarden“

Ich habe da einen Verdacht, welcher Ethnie explizit Lena ins Gewissen reden und zum Kinderfasten anstiften möchte. Aber der Reihe nach. Zunächst einmal beteuert sie, daß sie keine Kinderhasserin sei und Kinder im Allgemeinen gut und Babys niedlich fände. Sie hätte sogar oft darüber nachgedacht, sich selber welche anzuschaffen. Das scheitere auch nicht daran, weil sie noch etwas erbeben möchte oder an Geldproblemen oder so. Nein, es scheitert einfach am Größenwahn einer völlig unbedeutenden, dem logischen Denken abholden, eigentlich fürs Seriengebären und sonst gar nix geeigneten Trulla, die für scheißwenig Kohle irgendwas mit Medien macht und glaubt, Epochales von sich zu geben, indem sie aus dem Arsch eines grünen Freaks mit ergrautem Zottelbart und eingewachsenen Fingernägeln gezogene Schwachsinniaden wiederkäut. Noch eine Probe gefälligst:

„Kinder zu kriegen ist für mich egoistisch. Nicht, weil herrschsüchtige, narzisstische Staatsführer in der weiten Welt auf unsere Kinder warten – oder, vielleicht gleich in der Nachbarschaft, Nazis. Nein, Kinderkriegen ist meiner Meinung nach aus einem ganz anderen Grund egoistisch. Ich denke dabei an die Gesamtbevölkerung auf der Erde.“

Ohhh, das Wohl und Wehe der „Gesamtbevölkerung auf der Erde“ steht nach Lenas Entbindung auf dem Spiel! Vielleicht sogar das der Galaxis. Und „herrschsüchtige, narzisstische Staatsführer“ und „gleich in der Nachbarschaft, Nazis“ warten mit gebleckten Zähnen auch schon auf Lenas vermutlich mit bereits zwei Jahren durchgegenderte und dem grün-linken Hirntod gestorbene Zombiebrut. Wie irre muß frau eigentlich sein, daß sie für den natürlichsten Lauf des weiblichen Lebens als Gegenargument die Sorge um die Weltbevölkerung bringt? Ich meine, natürlich weiß ich, daß Lena sich in ein paar Jahren in einer besoffenen Nacht ein Balg von irgendeinem Blödian andrehen lassen wird, der sie selbstredend ruckzuck wieder verläßt, weil ein Zusammenleben mit lenaartigen Frauen für Männer so verheißungsvoll erscheint wie das Pennen auf einem Nagelbrett. Aber muß sie mit dem angelernten Scheiß aus dem Sozialkundeunterricht/Gesamtschule/Klasse 6 gleich so auf die Kacke hauen?

„In jeder Sekunde kommen durchschnittlich 2,62 (Kinder/A.P.) dazu. Gleichzeitig werden die Menschen immer älter. Krankheiten werden geheilt, Tode hinausgezögert“

Sagt´s und verrät uns immer noch nicht, wo diese 2,62 Kinder sekündlich vorwiegend das Licht der Welt erblicken – und insbesondere bei welchen Ethnien und Religionszugehörigkeiten. Bei Bio-Deutschen in Sachsen oder bei christlich Getauften in Stuttgart? So doof kann Lena nicht sein, daß sie nicht wüßte, daß die „weiße Rasse“ wegen Unwilligkeit zum Baby-Machen dramatisch schrumpft und auf absehbare Zeit ethnologisch einen winzigen Exotenstatus genießen wird. Dies muß man vor Augen halten, wenn sie weiter im Text angesichts einer explodierenden Weltbevölkerung vor immer knapper werdenden Ressourcen, Trinkwasser-Notstand, verpesteter Luft und natürlich dem berühmt berüchtigten Klimawandel warnt. Schön und gut, und ob all das wirklich zutrifft oder zutreffen wird, lassen wir mal so stehen. Nur wieso erzählt sie das uns? Überall auf der Welt geht der weiße Bevölkerungsanteil zurück, exakt so wie Lena es sich wünscht. Diesbezüglich müßte sie nichts weiter zu tun, als die Hände in den Schoß zu legen und abzuwarten, bis sie 80 ist. Stattdessen sagt sie:

„Meiner Meinung nach verschlimmern Menschen, die Kinder bekommen, diesen Zustand. Jeder einzelne. Eltern lassen ihren Kinderwunsch größer werden als ihr Mitgefühl für die Welt und ihre Bewohner – und auch größer als ihre Sorgen um die Zukunft. Und genau das ist für mich Egoismus.“

Lena, hast du diese Perlen der Weisheit auch ins Arabische, Afghanische, Pakistanische und in afrikanische Sprachen übersetzen lassen? Wie oben ausgeführt, kannst du uns ja nicht meinen. Deine Ansprechpartner befinden sich außerhalb der „weißen Welt“ bzw. innerhalb dieser bei den sogenannten Zugewanderten. Nönö, Lena, das ist nicht rassistisch, du bist die Rassistin! Bloß fällt dir das nicht einmal auf. Ich erkläre es dir: Egal, was du als weltverantwortungsvolles Blondköpfchen da schwafelst und ob du täglich zwanzig Anti-Baby-Pillen schluckst oder dir die Gebärmutter entfernen läßt, einen Schwarzen oder einen Moslem wirst du nicht dazu bringen, die Kinderfabrikation im Akkord einzustellen. Dieser Menschenschlag in Kombination mit einer gewissen Religion wird im Durchschnitt weiter ficken und gebären bis der Arzt kommt und als gäb´s kein Morgen. Die lachen dich nur aus, schon gar wenn ihre täglich mehr werdenden zu stopfenden Mäuler zum nicht geringen Teil vom Entwicklungshilfe-Gedöns oder hier bei uns direkt von der Sozialkasse versorgt werden. Dies ignorierend laberst du treudoof von eingesparten Emissionen, Treibhausgasen und von 58,6 Tonnen Kohlendioxid im Jahr, wenn „wir“ auf Kinder verzichten. Verstehst du, du bist bei „uns“ einfach an der falschen Adresse.

„Wenn wir weniger Kinder bekommen, wird die Bevölkerung vielleicht überaltern, ja. Aber die nächste Generation kann dann womöglich etwas beruhigter schwanger werden.“

Auch falsch! Zunächst einmal ist die weiße Bevölkerung bereits überaltert. Geh mal in eine deutsche Grundschule und zähl nach, wieviele Weißbrotgesichtchen sich noch da drin aufhalten. Wirst dich wundern. Danach gehst du in ein deutsches Altersheim. Das Problem ist jedoch nicht die Quantität, sondern die Qualität des Menschenmaterials. Jaja, ich weiß, Lena, alle Menschen sind gleich und so. Dennoch müßtest du so viel Vorstellungskraft besitzen, um zu erahnen, welche Art von Menschen die technischen Zutaten zu diesem Wunderding namens Notebook beigesteuert haben, auf dem du deinen Artikel geschmiert hast. Kleiner Tipp, es waren weder Kongolesen noch Afghanen. Und so ist es mit fast allen Segnungen, welche die Wunden der Menschheit nach und nach heilen und sie vorwärtsbringen. Ob das in der Medizin, in der Technologie oder in jenem zivilisatorischen Bereich ist, der dir ermöglicht, daß du als junge Frau selbstbestimmt, insbesondere sexuell, und frei leben und solche nicht zu Ende gedachten Sprechblasen absondern kannst: Alles fast nur den Weißen zu verdanken! Als Faustformel gilt, je dunkler der Hautton in einer Population, desto mehr wird für den Einzelnen das Leben und die Welt zur Hölle. Mag sein, daß in Zukunft immer mehr der asiatische Mann die Rolle des Innovativen übernehmen wird. Doch wie ich den kenne, scheißt der erst recht auf andere „Rassen“ und will für sein geistig Rares gleich Bares und unter sich bleiben.

Ich würde an deiner Stelle also aufpassen, Lena, wenn du im Zusammenhang mit der Verminderung von Menschenproduktion von „wir“ sprichst. Selbstverständlich ist mir klar, daß in deinem Statement ein gehöriges Maß an irrationalem Selbst- und Weißenhaß steckt. In Wahrheit verlangst du gar nicht, daß die primitiven Nichtskönner und Dauerträchtigen das Lebensfeld räumen sollen, nein, wir, die wir Kühlschrank, Chip, Mikroskop, Elektrizität, haha, auch die Anti-Babypille und dergleichen erfunden haben und so aus dem Hintergrund die ganze Welt am Laufen und Funktionieren halten, sollen uns abschaffen und verschwinden. Hast es wohl in der Schule von einem verrückten Lehrer, der im Jahr vier Monate krankfeiert, so beigebracht bekommen. Aber wenn du schlau bist, betest du lieber für den Fortbestand der Hellhäutigen.

Im Großen und Ganzen gebe ich dir allerdings recht, Lena, es sind der Menschen zu viele auf diesem Planeten. Und die auf eine erträgliche Anzahl zu bringen, gibt es leider nur drei Alternativen. Ob sie dir wohl gefallen werden?

1. Der Westen marschiert in den Orient, in Afrika und in bestimmte Teile Asiens ein und sterilisiert dort 90 Prozent der Männer und Frauen.

2. Der Westen kolonisiert diese Erdteile zum zweiten Mal und startet dort ein strenges Zuchtprogramm unter den Schlauesten der dort Lebenden.

3. (die beste Variante:) Wir bauen riesenhafte Mauern um westliche Länder, so daß keiner von „ihnen“ mehr reinkommt, liefern weder Medizin noch Technologie an sie und warten ab, bis sie sich durch Krieg, Hunger oder Krankheit selber dezimiert haben.

Nichtsdestotrotz möchte ich dir das Schlußwort überlassen, Lena. Es ist einfach so schön plemplem, und wie ich schon im Anfangssatz sagte, ich begrüße und respektiere deinen persönlichen Wunsch:

„Ich hoffe, dass ich selbst es durchziehen kann, keine Kinder zu bekommen. Denn: Nicht egoistisch zu werden, fällt mir gar nicht mal so leicht. Während um mich herum alle Freunde und auch mein Bruder Kinder bekommen, versuche ich, trotz langjähriger Beziehung, zuerst an die Welt – und dann an mich zu denken.“

Eine Frage des Stils

On November 8, 2017, in Junge Freiheit, by admin

Die AfD trägt auch als Oppositionspartei große politische Verantwortung. Im Bundestag, in 14 Landtagen, in den Kommunen. Gemessen wird die Verantwortung der Partei am Verhalten ihrer Mandatsträger. Mit Doppelmandaten im Europäischen Parlament und im baden-württembergischen Landtag wird man dieser Verantwortung nicht gerecht.

AfD-Parteichef Jörg Meuthen sollte seine Entscheidung revidieren, als Nachrücker im Europäischen Parlament zugleich sein Landtagsmandat in Stuttgart „für den unabdingbaren Zeitraum eines geordneten Übergangs“ behalten zu wollen. Im Frühjahr 2016 haben die Wähler im Südwesten die AfD mit einem beeindruckenden Ergebnis ausgestattet.

Gut 15 Prozent waren es; die damals gerade drei Jahre alte Partei mit ihrem Spitzenkandidaten Meuthen überflügelte gar die Traditionspartei SPD. Diese Wähler wollten eine AfD, die klare Kante zeigt gegen die seinerzeit grün-rote Landesregierung. Nach 58jähriger Regierungszeit taumelte die CDU 2011 in der Opposition und rettete sich nach der jüngsten Wahl als Juniorpartner in die grün-schwarze Regierung – Meuthens Chance.

Nicht akzeptable Begründung

Er verspielt diese Chance, wenn er jetzt das Weite in Brüssel und Straßburg sucht, aber gleichzeitig in Stuttgart noch ein bißchen mitreden will. So wie sie Meuthens Ex-Parteifreund Marcus Pretzell längst vertan hat, der Doppelmandatsträger in Europa mit Zweitwohnsitz im Düsseldorfer Landtag. Ganz zu schweigen von Pretzells Ehefrau Frauke Petry, Meuthens einstige Co-Parteichefin, mit Doppelmandat im Bundestag und im sächsischen Landtag.

Will Meuthen wirklich seine Wähler enttäuschen, seine persönliche Reputation aufs Spiel setzen und schließlich als Parteichef die AfD in ein schiefes Licht rücken? Jene AfD, die im Frühjahr 2013 als hoffnungsvolle Neugründung angetreten war, die Verkrustungen des Parteiensystems aufzubrechen.

Sicher, Doppelmandate hat es in der Vergangenheit immer wieder gegeben. Stets aber nur für eine kurze Übergangszeit. Es waren wenige Einzelfälle. Doch Meuthen will sich zeitlich nicht festlegen, wann er sein Landtagsmandat niederlegt. Er spricht von einer „notwendigen Übergangszeit“. Eine schwammige, nicht akzeptable Begründung. Keine Frage, Doppelmandate sind rechtlich zulässig.

Meuthen darf zugleich in beiden Parlamenten arbeiten. Was rechtlich zulässig ist, ist politisch aber oft daneben. Dafür sollten Politiker ein Gespür entwickeln. Aus Verantwortung gegenüber dem Wähler. Und aus Verantwortung gegenüber dem Parlamentarismus. Damit wird Meuthens Entscheidung zur Stilfrage.

Die unterwanderte Polizei

On November 8, 2017, in Junge Freiheit, by admin

Seit Jahren hört man die Rufe nach mehr Migranten im Polizeidienst. Noch Anfang des Jahres war von einer Kampagne der Hamburger Polizei zu lesen, bei der durch Broschüren in Türkischer Sprache Polizeianwärter angeworben werden sollten. Nun könnte man erwarten, daß Menschen die in Deutschland geboren sind, oder zumindest schon so lange hier leben, daß sie die staatsbürgerlichen Voraussetzungen für den Polizeidienst erfüllen, fließend deutsch sprechen.

Falls dem nicht so ist, dürfte das zumindest ein Indiz dafür sein, daß es mit dem Bemühen um gesellschaftliche Teilhabe und der Identifikation mit Deutschland und seinen Grundwerten nicht allzu weit her ist. Solche Überlegungen scheinen vielen Polizeioberen, Politikern und anderen Forderern und Förderern der Erhöhung des Migrationshintergrundanteils im bewaffneten Dienst auf der Straße aber nicht in den Sinn zu kommen.

Völlig überrascht gibt man sich von den „plötzlich“ auftretenden Problemen durch moslemisches Machogehabe, deutschenfeindliches Mobbing und kriminelle Clanstrukturen an Polizeischulen. Auch Polizisten, die sich auf Facebook in Islamistenpose und mit in Hidschab gehüllten Kleinkindern präsentieren, sind für die staatlich-medialen Multikulti-Fans offenbar kein Warnsignal, oder gar ein Grund von ihrem Narrativ abzuweichen.

Verschobene Wahrnehmung

Selbst nachdem die Zustände so katastrophal wurden, daß man sie kaum mehr verschweigen konnte, gibt es noch einige Getreue, die nicht von ihrem wahren und im Grunde einzigen Feindbild abweichen wollen. Das ARD-Magazin „Panorama“ veröffentlichte gerade einen Kommentar, in dem von der Unterwanderung der Polizei durch „besorgte Bürger“ die Rede ist.

Diese, so glaubt man im NDR-Recherche-Team, seien eine größere Gefahr als die Araberclans. Selbst als in den Redaktionen noch gesoffen wurde, hätte ein solcher Beitrag wohl nie das Licht der Öffentlichkeit erblickt. Heute dagegen scheinen manche Redakteure von der eigenen moralischen Überlegenheit so besoffen zu sein, daß sie ihre Publikation der eigenen verschobenen Wahrnehmung für besonders starken Journalismus halten.

Kaveh Kooroshy, der den Kommentar verfaßte, kann gar nicht oft genug betonen, wie „absurd“ er es findet, daß man den Vorwürfen gegen die Polizeischüler mit Einwanderungshintergrund überhaupt nachgeht. Viele der „besorgten Bürger“, von denen er spricht, dürften allerdings wohl erst im Polizeidienst, durch den Kontakt mit der Realität, zu besorgten Bürgern geworden sein. Aber mit der Realität hat man in der Panorama-Redaktion zum Glück nichts zu tun.

BORÅS. Weil Kinder in einer Bibliothek in der südschwedischen Stadt Borås einem Pippi-Langstrumpf-Hörspiel lauschten, ist die Polizei angerückt. Eine Kindergartengruppe besuchte die örtliche Bibliothek und hörte sich dort eine Geschichte von Astrid Lindgrens Pippi Langstrumpf an. Weil darin das Wort „Negerkönig“ genannt wurde, alarmierte ein Besucher die Polizei.

Der Vorfall hatte sich bereits im September ereignet, wurde jedoch erst jetzt durch die schwedische Boulevardzeitung Expressen bekannt. Im Polizeibericht heißt es demnach, die Kinder seien unterschiedlicher ethnischer Herkunft gewesen und der Ausdruck eine Beleidigung.

Die Leiterin der Kindertagesstätte habe nicht gewußt, daß die Bibliothek Hörspiele besitze, die nicht für Kinder geeignet seien. Es wäre „traurig“, daß es zu diesem Vorfall gekommen sei. Der zuständige Richter lehnte eine Strafverfolgung ab. Die Bibliothek kündigte jedoch an, die älteren Ausgaben der Hörspiele auszusortieren.

Auch in Deutschland waren die Pippi-Langstrumpf-Bücher mehrfach als rassistisch bezeichnet worden. 2009 strich der Verlag Friedrich Oetinger die Wörter „Neger“ und „Zigeuner“ aus dem Werk. Pippis Vater wird in neueren Exemplaren „Südseekönig“ genannt. (ls)

BERLIN. Die Ausgaben des Staates für den sogenannten „Kampf gegen Rechts“ haben sich seit dem Jahr 2013 mehr als verdoppelt. Die Mittel seien von 46,425 Millionen Euro auf 116,5 Millionen Euro gestiegen, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des AfD-Abgeordneten Stephan Brandner.

Zwischen 2016 und 2017 habe sich der größte Anstieg verzeichnen lassen. Entscheidend dafür ist unter anderem die Einführung des Bundesprogramms „Demokratie Leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“. Zu den Mittelempfängern gehört auch die Amadeu-Antonio-Stiftung.

„Die Mittel, die im Kampf gegen Rechts an mehr als fragwürdige Vereine und Stiftungen herausgegeben werden, werden an anderer Stelle dringend benötigt. Insbesondere das Bundesministerium, in dem der Bereich der Familie angesiedelt ist, sollte sich auf seine Kernkompetenzen konzentrieren“, forderte Brandner.

Er bezeichnete die Herausgabe der Gelder als „ideologiegetriebene Subvention von Linksextremisten“. Unter der ehemaligen Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) seien die Mittelzuweisungen geradezu „explosionsartig“ gestiegen. Gleichzeitig hätte Schwesig einschlägige Projekte gestoppt, die sich gegen eine Verbreitung des Linksextremismus wandten. (ha)

BERLIN. Hat die Berliner Polizei ein Rassismusproblem? Das zumindest behauptet das NDR-Politmagazin „Panorama“ in einem Kommentar. Anlaß sind die Klagen eines Ausbilders an der Berliner Polizeiakademie über das Verhalten von Polizeischülern mit Migrationshintergrund.

Laut „Panorama“ verunglimpfe der Ausbilder Polizeischüler aus Einwandererfamilien „in rassistischer Weise“. Nicht arabische Clans unterwanderten die Polizei, sondern „besorgte Bürger“. Denen sei die „Vielfalt der Stadt“, die sich auch in der Polizei widerspiegle, ein Dorn im Auge. Das sei der eigentliche Skandal, weshalb Beamte, wie der sich beklagende Ausbilder, ermittelt und sanktioniert werden müßten.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) weist den Vorwurf zurück. „Der Kommentar ist eine Frechheit und Quatsch. Wenn sich Polizei, Gewerkschaften und Politik Sorgen über objektiv festgestellte Mißstände an einer Polizeischule machen, hat das nichts mit Rassismus zu tun“, sagte DPolG-Chef Rainer Wendt der JUNGEN FREIHEIT.

„Rassimuskeule sitzt locker“

„Man konnte ja förmlich darauf warten, daß solche Vorwürfe nun kommen. Ich hätte aber eher erwartet, daß diese im Neuen Deutschland erhoben werden und nicht im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Aber auch dort sitzt die Rassismuskeule mittlerweile offenbar sehr locker.“

Gleichzeitig trat Wendt der Behauptung entgegen, arabische Clans unterwanderten in Berlin die Polizei. „Ich halte solche Sorgen für völlig überzogen. Wenn solche Clans Mitglieder in die Polizei einschleusen würden, dann würden sie doch darauf achten, daß diese sich besonders gut benehmen und nicht auffallen“, gab der Gewerkschaftschef zu bedenken.

Im übrigen gehe es um die Ausbildung im mittleren Dienst. Wer diese erfolgreich beende, fahre im Anschluß Streife und werde nicht Ermittler im Bereich der Organisierten Kriminalität. „Wenn Clans an Informationen kommen wollen, dann versuchen sie, sich diese mit Geld, Technik und Anwälten zu beschaffen und nicht mit eingeschleusten Mitgliedern. Das ist viel zu aufwendig.“

Sicher gebe es einige Polizeianwärter aus Einwandererfamilien, die sich schlecht oder inakzeptabel benähmen, sagte Wendt. Ein solches Verhalten hätte dann aber auch Konsequenzen und zöge im drastischsten Fall den Rauswurf der betreffenden Polizeischüler nach sich. (krk)

Im Stich gelassen

On November 8, 2017, in Junge Freiheit, by admin

Die großen Entwicklungen lassen sich am eindringlichsten am konkreten Beispiel aufzeigen. So auch in der Arte-Reportage „Weil Du Jude bist“, die in der vergangenen Woche ausgestrahlt wurde. Es geht um den Fall eines 14jährigen Schülers aus Berlin, der im April dieses Jahres Schlagzeilen machte. Nachdem er sich im Unterricht beiläufig als Jude zu erkennen gegeben hatte, wurde er von Mitschülern gemobbt und körperlich drangsaliert.

Er trug Blutergüsse davon, die Luft wurde ihm abgedrückt, er erlebte eine Scheinerschießung mit einer täuschend echt aussehenden Pistolenattrappe. Die Gemeinschaftsschule im eigentlich beschaulichen Berlin-Friedenau, die er besuchte, hat einen Migrantenanteil von 75 Prozent. Seine Drangsalierer kamen durchweg aus muslimischen Familien.

Der 14jährige wird in der Reportage Oscar genannt, Oscar Michalski, er tritt aber nicht persönlich auf. Vor der Kamera äußern sich seine Eltern und die zwei älteren Geschwister. Die Michalskis haben deutsch-britisch-jüdische Wurzeln, es ist eine sympathische Familie, die sich umeinander kümmert und sorgt. Immer wieder hatten die Eltern sich an die Schule gewandt und um Abhilfe gebeten. Die Antworten enthielten nur Beschwichtigungen und Ausflüchte oder blieben ganz aus.

Der Schulleiter kann nichts erklären

Der Auftritt des Schulleiters vor der Kamera gerät zur Peinlichkeit. Er kann nicht erklären, warum er auf die verzweifelten Mails der Mutter nicht reagiert, warum er dem Jungen nicht geholfen hat, warum er die Täter nicht vor versammelter Mannschaft zusammengestaucht oder von der Schule verwiesen hat. Die Reportage faßt nicht nach, doch der Zuschauer kann die Gründe erschließen, wenn er Verbindungslinien zu einer anderen Szene und zu der laufenden Berichterstattung über das Berliner Schulwesen zieht.

Nichts wäre jedenfalls ungerechter, als dem Direktor und seinen Kollegen Hartherzigkeit oder gar heimlichen Antisemitismus zu unterstellen. Die Mutter berichtet gegen Ende der Reportage, daß eine Lehrerin ihr mit Tränen in den Augen erklärt hätte, daß die Schule ihren Sohn nicht schützen könne und er auf eine andere Einrichtung wechseln müsse. Die Lehrerschaft hat genau gewußt, welches Martyrium der Junge erleidet und hatte Mitleid. Als Motiv ihrer Passivität kommt daher nur Angst in Frage.

Die ist verständlich, denn im letzten Schuljahr wurden an Berliner Schulen 636 Übergriffe auf Lehrer verzeichnet. Nur besonders spektakuläre Fälle dringen an die Öffentlichkeit, viele werden vertuscht. Es ist vorgekommen, daß Schüler, die sich falsch behandelt fühlten, männliche Familienmitglieder und Freunde herbeitelefonierten, die in den Klassenraum eindrangen und den Lehrer verprügelten. Die Täter stammten aus dem arabisch-muslimischen Kulturkreis.

Orwellsche Sprachverkehrung

In dieser Gefahr standen auch die Lehrkräfte, die die Augen vor Oscars Leiden verschlossen. Im Zweifelsfall ist eine Dienstaufsichtsbeschwerde und sogar eine schlechte Presse immer noch leichter hinzunehmen als ein gebrochener Kiefer oder ein zertrümmertes Nasenbein.

Inzwischen geht Oscar in eine Privatschule. Die Friedenauer Schule nennt sich in orwellscher Sprachverkehrung „Schule gegen Rassismus. Schule mit Courage“. Hehre Losungen, die in der Stunde der Bewährung das genaue Gegenteil bedeuten.

Vor mehr als 25 Jahren schrieben Daniel Cohn-Bendit und Thomas Schmid: „Die multikulturelle Gesellschaft ist hart, schnell, grausam und wenig solidarisch, sie ist von beträchtlichen sozialen Ungleichgewichten geprägt und kennt Wanderungsgewinner ebenso wie Modernisierungsverlierer; sie hat die Tendenz, in eine Vielfalt von Gruppen und Gemeinschaften auseinanderzustreben und ihren Zusammenhalt sowie die Verbindlichkeit ihrer Werte einzubüßen. In der multikulturellen Gesellschaft geht es daher um die Gratwanderung zwischen verbindenden und trennenden Kräften – und eben deswegen ist es so wichtig, daß sie sich Spielregeln gibt.“

SPD-Kommunalpolitiker ist ein Schwadroneur

Die Spielregeln der multikulturellen beziehungsweise multitribalen, nach Herkünften sortierten Gesellschaft werden gerade implementiert. Aber nicht durch eine vernunftbegabte Oberinstanz, die Cohn-Bendit und Schmid voraussetzen und die dem „zwanglosen Zwang des besseren Arguments“ (Jürgen Habermas) Geltung verschafft, sondern durch die normative Kraft der physischen Überlegenheit.

Der Historiker Rolf Peter Sieferle schrieb: „In der Demokratie hat jeder Bürger eine Stimme, wie schwach und inkompetent er auch sein mag, und vor dem Gesetz sind alle gleich. In der Tribalgesellschaft ist dies anders. Hier kommt es darauf an, starke, handlungsfähige, kampfbereite Verbündete zu gewinnen, und da zählt ein junger Krieger mehr als eine alte Frau.“ Und mehr als ein mittelalter Lehrer!

Doch die Macher der Reportage wollen gar nicht wissen, wieviel Allgemeines im konkreten Fall steckt. Sie bohren flach und verzichten darauf, den SPD-Kommunalpolitiker Orkan Özdemir zu dekonstruieren, den Oscars Mutter um Hilfe gebeten hatte. Özdemir stellt sich in seinem Internetauftritt als „Leiter der Politikberatung in einer Kompetenzagentur mit dem Schwerpunkt der interkulturellen Öffnung in den Feldern Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik“ vor.

„Wie ehrlich ist Deutschland mit sich selbst?“

Außerdem ist er in der Bezirksverordnetenversammlung stellvertretender Vorsitzender in den Ausschüssen „Schule und Frauen, Queer, Inklusion“ sowie Sprecher der SPD-Fraktion für die Politikfelder Integration, Flucht, Queer und Sport. Vor der Kamera stellt er sich als Schwadroneur heraus, der den postmigrantischen Politikjargon perfekt beherrscht. Oscars Mutter, die sich im Stich gelassen fühlt, setzt er seine „andere Wahrnehmung“ entgegen. Es sei doch „ganz viel passiert“ an der Schule, es habe „Workshops“ gegeben, und die Antidiskriminierungsbeauftragte habe nach dem Rechten gesehen.

Niemand spricht das Offenkundige aus: Die vermehrte Judenfeindschaft ist ein Migrationsimport. Während der Sprecher im dräuenden Ton aus dem Off die Frage stellt:, „Wie ehrlich ist Deutschland mit sich selbst?“, fährt die Kamera langsam über das Stelenfeld des Holocaust-Denkmals, was wohl bedeuten soll, daß die Deutschen noch immer nicht den inneren Hitler besiegt hätten.

In der Person des Vaters, Wenzel Michalski, offenbart sich die ganze Schizophrenie der Situation. Michalski leitet die deutsche Sektion von Human Rights Watch, einer amerikanischen Nichtregierungsorganisation (NGO), die sich weltweit um Menschenrechtsverletzungen und Diskriminierungen kümmert. Im Internet-Auftritt der Organisation und vor der Kamera warnt Michalski vor den „fremdenfeindlichen Populisten“ der AfD im Bundestag, die den Familiennachzug von Flüchtlingen ablehnten.

Es gebe „keinen Widerspruch zwischen dem Respekt für universelle Menschenrechte und einer sicheren und von Wohlstand geprägten Zukunft“. Man möchte ihn fragen, wieviel importierter Libanon in Berlins Schulen es noch sein darf? Die Söhne baden aus, was die Väter anrichten. Michalski nennt die AfD-Abgeordneten „offen judenfeindlich“. Der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke sei „mit rechtsextremistischer Sprache über das Holocaust-Mahnmal in Berlin“ aufgefallen. Gemeint ist offenbar die Formulierung „Denkmal der Schande“.

Die Deutschen sind moralisch erpreßbar

Michalski und die anderen Ankläger übersehen, daß es sich um einen genitivus explicativus handelt, einen erläuternden Genitiv, der sich auf ein anderes Objekt bezieht und es näher beschreibt. Das Objekt der Schande ist ganz klar der Holocaust und nicht das Denkmal. Höcke hat lediglich kritisiert, daß diese Schande zum zentralen Element des nationalen Selbstverständnisses erhoben wird.

Denn die Holocaust-Fixierung beschädigt am Ende alle Beteiligten und offenbart aktuell im importierten Antisemitismus ihre fatale Dialektik. Die Neurotisierung und Infantilisierung der Gesellschaft, die mit ihr einhergeht, hat nämlich auch jene irrationale Einwanderungspolitik ermöglicht, die Judenfeinden die Tore nach Deutschland geöffnet hat.

Diese wissen um die Neurosen und die moralische Erpreßbarkeit der Deutschen. Einem Lehrer, der einen arabischen Schüler zurechtweist, weil er einen jüdischen Mitschüler drangsaliert, könnte es leicht passieren, daß er der mangelnden Kultursensibilität beschuldigt und als Ausländerfeind und „Nazi“ bezeichnet wird.

Die Konstellation, die sich in der Reportage offenbart, ist so verrückt wie tragisch. Die größte Tragik besteht darin, daß das Maß der Verrücktheit keinem der Beteiligten auch nur ansatzweise bewußt ist.

JF 45/17

KARLSRUHE. Das Bundesverfassungsgericht hat ein drittes Geschlecht für den Eintrag im Geburtenregister gefordert. Intersexuellen Menschen, die sich weder männlich noch weiblich fühlen, solle damit ermöglicht werden, ihre geschlechtliche Identität „positiv“ eintragen zu lassen, entschieden die Richter des Ersten Senats in einem am Mittwoch veröffentlichten Urteil. Zur Begründung verwies das Gericht auf das im Grundgesetz geschützte Persönlichkeitsrecht.

„Das allgemeine Persönlichkeitsrecht schützt auch die geschlechtliche Identität derjenigen, die sich dauerhaft weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen lassen“, heißt es in dem Beschluß. Darüber hinaus verstoße das geltende Personenstandsrecht auch gegen das Diskriminierungsverbot, soweit die Eintragung eines anderen Geschlechts als „männlich“ oder „weiblich“ ausgeschlossen werde. „Der Gesetzgeber hat bis zum 31. Dezember 2018 eine Neuregelung zu schaffen“, forderten die Richter.

Leipzigerin wollte weibliche Geschlechtsangabe löschen

Geklagt hatte die Initiative „Dritte Option“, die vor dem Bundesgerichtshof mit ihrer Forderung zuvor gescheitert war. Hintergrund ist der Antrag einer Leipzigerin beim zuständigen Standesamt, ihre bisherige Geschlechtsangabe „weiblich“ im Geburtseintrag zu streichen und durch „inter/divers“ oder „divers“ zu ersetzen.

Das Standesamt lehnte den Antrag ab. Nach deutschem Personenstandsrecht im Geburtenregister sei ein Kind entweder dem weiblichen oder dem männlichen Geschlecht zuzuordnen, oder – falls dies nicht möglich sei – kein Geschlecht einzutragen, argumentierten die Behörden. (ha)

Die Glocke von Asgard – Teil 1 (8.11.2017)

Michael Winkler, der Mann mit Visionen

Dies ist ein Experiment, eine Fortsetzungsgeschichte in vier Teilen. Die Teile werden im wöchentlichen Abstand erscheinen. Die Handlung ist fiktiv, auch wenn der Hauptcharakter durchaus Ähnlichkeiten mit mir aufweist.

Der Traum von Wotan

Ich weiß nicht mehr, wie der Traum begonnen hatte. Ich träume in Farbe und bin dabei immer Teil des Geschehens, oft genug der bestimmende Teil. Meine Erinnerung setzte ein, als ich an der Wetterwarte stand. Dort gibt es einen kleinen Pavillon, der Moltkeruh heißt, nach dem preußischen Generalfeldmarschall des Krieges von 1866. Gleich daneben erhebt sich eine alte Eiche, unter der zwei Bänke stehen. Ich bin seit Ewigkeiten nicht mehr dort gewesen, obwohl es nur ein kurzer Spaziergang von meinem Haus entfernt ist

Augenblicke später lag ich im Geäst dieser Eiche. Hier oben war ich seit mehr als 40 Jahren nicht mehr gewesen. Und ich war nicht allein.

„Du kennst diesen Ort?“ Der junge Mann trug Freizeitkleidung, er hatte ein Allerweltsgesicht, war glatt rasiert, mit blonden Haaren. Bemerkenswert waren seine stahlblauen Augen. Ich schaue anderen Menschen immer nur kurz in die Augen, um nicht herausfordernd oder aggressiv zu wirken, doch diesen Augen konnte ich mich nicht entziehen.

„Ja, ich kenne diesen Ort“, gab ich zu. „Ich weiß sogar, daß der Ast, auf dem ich sitze, nicht mehr vorhanden ist.“ Die alte Eiche spaltete sich in etwa zweieinhalb Metern Höhe in mehrere Nebenstämme auf. Von der Lehne der Bank aus hatte ich damals diesen einen, fast waagrechten Nebenstamm umfaßt und mich daran hochgezogen, um hier ein paar Minuten den Weinberg hinab zum Main zu schauen. Links unten lag Würzburg, etwas höher die Festung Marienberg. Gegenüber erhoben sich die Sendemasten der Frankenwarte, weiter rechts lag der neue Flußhafen. Ein bißchen weiter ging es ins Dürrbachtal hinein. Warum hatte ich diesen wunderschönen Ort solange nicht mehr besucht?

„Das ist der einzige Baum, auf den du je geklettert bist, nicht wahr?“ Mein Gegenüber lächelte wissend, dabei nicht überheblich, eher freundlich. „Deine einstigen Spielkameraden wissen vielleicht noch, daß du hier heroben gewesen bist, aber nicht, daß du es niemals bei einem anderen Baum versucht hast. Du siehst, ich weiß sehr viel über dich.“

„Du mußt das wissen, du bist schließlich Bestandteil meines Traumes.“ Sollte man nicht aufwachen, wenn man im Traum bemerkt, daß man träumt? Ich hatte das irgendwo gelesen, konnte mich allerdings nicht daran erinnern, daß ich das jemals ausprobiert hatte. Die meisten meiner Träume waren zu schön, um sie einfach abzubrechen.

„Du träumst nicht“, behauptete mein Gegenüber. „Dein Körper liegt noch immer im Bett, allerdings entseelt. Was du gerade erlebst, ist eine Vision. Ich habe lange nach dir gesucht, bis ich dich endlich gefunden habe.“

„Nach mir gesucht?“, staunte ich. „Weswegen denn?“

„Warum sucht man jemanden? Weil man etwas von ihm will!“, erwiderte der Mann. „Du bist der friedvolle Krieger, deshalb brauche ich dich dringend.“

„Ich bin kein Krieger“, wehrte ich ab. „Weder ein friedvoller, noch sonst einer. Ich verabscheue Gewalt, halte mich ihr fern, wo immer es geht.“

„Ein Krieger muß nicht unbedingt Gewalt anwenden“, erklärte er mir. „Ich weiß, daß du kämpfst, gegen eine gewaltige Übermacht, mit deinen Schriften. Du hast bereits von mir gehört, ich war einst in Sumer Marduk, in Karthago verehrten sie mich als Baal Hammon, bei den Germanen trug ich den Namen Wotan, und heute, wo die alten Götter wenig gelten, bin ich der Erzengel Michael.“

„Michael? Der Schutzpatron der Deutschen – und der Juden?“, fragte ich zurück.

„Nur der Deutschen, die Juden haben einen anderen Michael“, bekam ich zur Antwort. „Wir alten Götter brauchen die Verehrung der Menschen, so wie ihr eure Nahrung.“

„Dann bist du noch unglaubwürdiger“, hielt ich ihm vor. „Michael ist mein Namenspatron, gewiß, aber warum braucht ein alter Gott meine Hilfe? Ich bin ein gewöhnlicher Mensch, ein schwacher noch dazu.“

„Wie gefällt dir das hier?“ Ich lag von einem Augenblick zum anderen in einer riesigen Hand. Der Mann war nun mindestens zwanzig Meter groß, deutlich älter als zuvor. Er trug eine Augenklappe, seine Haare waren nun grau und lang, ebenso sein sturmzerzauster Bart. Er hatte einen langen, dunkelgrauen Mantel an, wirkte so, als sei er gerade durch einen Sturm geschritten.

„Ich weiß nicht… Vorher hat es mir besser gefallen“, gab ich zu.

Schon lag ich wieder auf der Eiche, und mein Gegenüber war auf menschliche Größe geschrumpft. „Ich brauche dich für einen Auftrag, der jenseits dessen liegt, was Helden erledigen könnten. Ich will dich nach Asgard schicken.“

„Nach Asgard? Über Bifröst schreiten, an Heimdall vorbei?“ Ein wenig germanische Mythologie kannte ich schließlich.

Wotan lächelte. Ich hatte beschlossen, ihn so zu nennen, in Ermangelung eines besseren Namens. „Nein, es ist eher so, wie du es in deinem Buch geschildert hast. Asgard gehört zu den Inseln der Seligen, im Jenseits. Du hast es Walhall genannt, ein verzeihlicher Fehler, denn das ist nur ein Teil Asgards.“

„Ah ja.“ Ich holte tief Luft, zumindest empfand ich es so. „Um nach Walhall – oder Asgard – zu gelangen, müßte ich vorher sterben? Sehe ich das richtig?“

„Ja“, gab Wotan unumwunden zu. „Ich weiß, daß dir wenig an diesem Leben liegt. Du hast genug getan, du hast oft genug gesagt, daß du bereit wärst zu gehen.“

„Ja, ich würde gerne dieses Erdenleben ablegen“, erwiderte ich. „Allerdings nicht mittels Selbstmord, sondern dann, wenn Gott mich abruft.“

„Wenn die Nornen deinen Lebensfaden abschneiden“, verbesserte Wotan. „Du wirst bald wieder vor Gericht stehen, und sie wollen dich ins Gefängnis stecken. Wie lange, glaubst du, wirst du im Gefängnis überleben? Es sind viele Ausländer dort, und die Schergen werden durchsickern lassen, daß du ein Fremdenfeind bist. Wer wird dich erwischen? Türken? Neger? Moslems? Deine Freunde haben dir bereits gesagt, daß du dort nicht mehr lebend herauskommen wirst. Du brauchst also keinesfalls Hand an dich zu legen. Du mußt dich nur darauf einlassen.“

„Wenn ich mich in dem Wissen darauf einlasse, daß ich es nicht überlebe, ist das eine Form des Selbstmords“, antwortete ich. „In das Schwarze Reich will ich gewiß nicht.“

„Ich bin Wotan, ich kenne die Mechanismen des Jenseits besser als du“, erklärt er mir. „Wenn du das in meinem Auftrag tust, opferst du dich für dein Volk. Das ist kein Selbstmord, sondern ein Opfergang. Das steht so in deinem Buch, also weißt du es selbst.“

„Es seht dort als Vermutung“, gab ich zu. „Nicht als Gewißheit.“

„Du hast keinerlei Angst verspürt, als ich meine Gestalt gewechselt habe“, hielt Wotan mir vor. „So mancher Held wäre in meiner Hand erzittert. Du verspürst sogar jetzt keine Angst, wo ich dich um deinen Tod bitte. Du bist der friedvolle Krieger, das wird mir immer klarer. Ich werde dir in der Stunde deines Todes beistehen, und ich werde dich nach Asgard geleiten, nach Walhall. Ich weiß, daß du lieber die Bibliothek von Alexandria aufsuchen würdest, ich werde dich dorthin bringen, wenn du meinen Auftrag erfüllt hast.“

Die Aussicht, meine irdischen Probleme abzuschütteln, mit der Möglichkeit, vorher noch das zu verteilen, was ich nicht mehr brauchte, klang durchaus verlockend. Als ich mein Buch über das Jenseits geschrieben hatte, hatte ich mir immer vorgestellt, auf die Inseln der Seligen zu kommen, dort, wo die Bibliothek von Alexandria nie abgebrannt ist. Wotan bot mir genau diese Chance. „Was soll ich im Jenseits für dich tun?“

„Die Glocke von Asgard läuten“, erwiderte Wotan. „Kein Held vermag das, und selbst wir alten Götter sind dazu nicht in der Lage. Die Seherin hat gesagt, daß nur jener Krieger es können wird, der in seinem Herzen den Frieden trägt. Die Seherin – Isaïs, die selbst die Götter berät.“

„Was bewirkt die Glocke, daß es so wichtig ist, sie zu läuten?“, hakte ich nach.

„Sie leitet das Ende der Welt ein“, erklärte Wotan. „Die Welt, so wie sie heute besteht, wird vergehen, eine neue, gereinigte Welt wird entstehen. Genau das, was du vorhergesagt hast.“

„Das heißt, Milliarden Menschen werden sterben.“ Ja, ich hatte darüber geschrieben. Der große Zusammenbruch würde ihr Leben kosten. Hingehen und eine Glocke läuten… Würde mich das zum größten Mörder der Menschheit machen? Nur, wenn ich es ablehnte, würde sie das retten? Die Welt würde auch ohne mich untergehen, ich würde das Leiden nur verlängern. Das Leiden ebenso wie das Glück, denn viele Menschen genossen das Leben. Ich alter, verbitterter Mann hatte genug gelebt, doch das für andere entscheiden…

„Sie werden ohnehin sterben“, sagte Wotan leichthin. „Du gibst ihnen die Möglichkeit, im Augenblick des Todes zu erkennen und umzukehren.“

„Gibt es eine neue Erde, wenn diese vergangen ist? Die Welt Baldurs und Ostaras?“ Auch das hatte ich geschrieben. „Nach Ragnarök, nach dem Ende der Menschen und der Götter soll sie kommen, diese neue Erde.“

„Isaïs hat nur diese Welt beschrieben“, antwortete Wotan. „Das Gute wird diese Welt reinigen, es wird Jahrhunderte dauern, dann wird diese Welt so sein, wie sie von Anbeginn hätte sein sollen. Damals, als Sumer unterging, als Karthago niedergerungen wurde, als Deutschland mit Weltkriegen überzogen wurde. Die drei irdischen Reiche wurden besiegt und zerstört, das wird sich nun ändern.“

Wotan zögerte einen Augenblick. „Michael, unsere Zeit läuft ab. Nicht dieses Gespräch, sondern die Deutschlands. Wenn jetzt Ragnarök anbricht, ist genug von Deutschland übrig, um die Welt zu erneuern, um eine bessere Welt zu schaffen. Der nächste friedvolle Krieger mag in fünfzig Jahren erstehen, doch dann wird es zu spät sein.

Du befürchtest die Reinigung der Welt? Ich befürchte, daß sie endgültig vom Schmutz überwuchert wird. Wenn diese Welt an die Dunkelheit fällt, erlöscht ein Licht im Universum. Das Böse versucht, dies mit aller Macht herbeizuführen. Deutschlands Ende ist der Welt Ruin. Das Böse weiß, daß es sich anstrengen muß, daß auch seine Zeit abläuft. Du kennst nur einen Teil der großen Wahrheit.

Die drei Reiche wurden auf der Erde geschlagen, im Jenseits haben sie triumphiert. Das Böse weiß, daß wir vom Jenseits aus die Erde umgestalten werden, wenn sie uns die kleinste Chance dazu geben. Deshalb wird die Erde immer dunkler, deshalb wird den lichten Seelen die Erde vergällt. Die Glocke von Asgard wird das Gute in der Welt stärken, wird die Gerechten zum Kampf aufrufen, ihnen Mut einflößen. Wir, die alten Götter, werden an der Seite der Menschheit stehen. Das haben wir in den früheren Kriegen nicht gekonnt.“

„Was passiert, wenn die Erde an die Dunkelheit fällt?“, fragte ich weiter. „Wäre dies das Ende aller Hoffnung? Würde das Gute sich nicht mehr auf die Erde begeben können? Eingeschlossen im Jenseits – für immer?“

„Es würde das passieren, was schon dreimal passiert ist“, antwortete Wotan. „Das Leben auf der Erde, auf der physischen Ebene, würde ausgelöscht. Den Planeten Tiamat kennt ihr nicht mehr, seine Überreste bilden den Asteroidengürtel. Der Mars wurde weitgehend zerstört, die Venus in eine Gluthölle verwandelt. Das Böse vermag es nicht, das Leben zu erhalten. Die Erde würde im eigenen Müll ersticken.

Die jenseitigen Ebenen von Mars und Venus existieren noch immer, sie lassen erahnen, welch schöne Planeten das einst gewesen sind. Die Bewohner haben jedoch das Sonnensystem verlassen, in den Tiefen des Raumes eine Möglichkeit gesucht, doch noch den Aufstieg zu schaffen. Sie haben es nicht vermocht, sich auf der Erde anzusiedeln, denn diese war damals noch nicht soweit, höheres Leben zu erhalten.

Das ist vor meiner Zeit geschehen, deshalb kann ich es dir nicht ausführlicher beantworten. Wir alten Götter sind weder allwissend noch allmächtig.“

„Was seid ihr?“ Jede seiner Antworten rief neue Fragen, neue Ungewißheiten hervor. „Seid ihr, oder wart ihr, so etwas wie wir Menschen? Seid ihr die nächste Stufe der Evolution? Ist es uns allen bestimmt, Götter wie ihr zu werden?“

„So viele Fragen…“ Er zögerte einen Augenblick. „Wir Götter waren in der Frühzeit der Menschheit so etwas wie Häuptlinge. Die Menschen bewahrten unser Andenken und erhoben uns zu ihren Schutzgeistern. Die Verehrung der Menschen hat uns erlaubt, ohne zu inkarnieren auf die Erde zu kommen. Ich war ganz schwach, habe es nur vermocht, Schamanen im Drogenrausch zu erscheinen und sie zu beraten. Mit der Zeit wurden Wesen wie ich stärker und mächtiger, wir waren nicht mehr bloße Geister, sondern Götter.

Ohne die Verehrung der Menschen sind wir nichts, doch andere Seelen sind aufgestiegen, ohne zu Göttern zu werden. Sie beschreiten den Weg der Wiedergeburten. Es gibt Seelen, die den Pfad der Wiedergeburten beschreiten und mehr Macht erlangt haben als ich. Wir Götter sind alt, und wir wissen, was wir in unserer langen Existenz alles erlebt und durchlebt haben. Aber wir sind nicht allwissend und schon gar nicht allmächtig.“

„Bist du wenigstens sicher, daß ich das zu tun vermag, was du von mir verlangst?“ Wotan oder Odin hatte ich mir deutlich mächtiger vorgestellt. Der Herr der Magie und der Runen… Ein bloßer Geist, der meinen Traum gekapert hatte.

„Ich kann dir nur garantieren, daß du nach Asgard gelangen wirst“, versprach Wotan. „Wenn du erst dort bist, wirst du den Weg finden und die Glocke läuten. Ganz Walhall wird dir helfen, die Einherier werden dir den Weg bahnen. Aber du mußt es wollen, du mußt dich aufopfern, als friedlicher Krieger ins Jenseits eingehen.“

„Du verlangst ziemlich viel, dafür, daß du nur ein Bestandteil meines Traums bist“, äußerte ich meine letzten Bedenken.

„Ich werde dir ein Zeichen geben, das dir bestätigt, daß dies kein gewöhnlicher Traum ist“, kündigte Wotan an. Er deutete auf mein linkes Handgelenk. Dort erschien ein verschlungenes Symbol. „Das nennen die Menschen Odinsknoten.“

Ich betrachtete das Symbol. Es sah wie tätowiert aus. Immerhin, es war kein Hakenkreuz oder Sonnenrad, ich hätte es nicht erkannt, wenn ich auf es gestoßen wäre.

„Ich weiß, daß du noch die ganze Nacht Fragen stellen könntest, aber wir Götter leben vom Glauben – und vom Vertrauen.“ Ehe ich reagieren konnte, war Wotan verschwunden. Der Traum war zu Ende.

* * *

Im Gefängnis

Ich erwachte. Meistens versuchte ich, mich an den letzten Traum zu erinnern, diesmal gelang es mir mühelos. Meine Träume waren bunt und vielfältig, doch von Wotan hatte ich noch nie geträumt. Abgesehen davon, befaßte ich mich viel zu selten mit germanischer Mythologie, um diese mit in die Traumwelten zu nehmen.

Ich erinnerte mich an das Zeichen und schaute neugierig auf mein linkes Handgelenk. Und da war sie, meine vertraute Armbanduhr. Sie gefiel mir viel besser als ein Odinsknoten. Im Traum hatte ich jedoch keine Uhr getragen. Ich legte sie in der Nacht an, um zu wissen, wie lange ich noch schlafen durfte, sollte ich aufwachen. Am Tag trug ich sie nur, wenn ich das Haus verließ.

Schon erleichtert, nahm ich die Uhr ab. Und dann war es doch da, das Mal, das Wotan mir zur Erinnerung gegeben hatte. Das war eindeutig kein Hautausschlag, drei perfekte Halbkreise, die eine Art Dreistern bildeten, sowie ein perfekter Vollkreis, der dieses Zeichen umschloß, entstanden nicht durch Zufall.

Meine Gedanken rasten davon, allerdings in verschiedene Richtungen. Ich entschied mich für das Badezimmer, für Wasser und Seife. Das Mal überstand diesen Versuch.

Wotan wollte, daß ich bei meiner nächsten Verhandlung ins Gefängnis geworfen wurde. Dort sollte ich umgebracht werden und so nach Asgard gelangen, ins Jenseits. Es fühlte sich an wie ein Plan, allerdings einer, der zum einen nach Himmelfahrtskommando, zum anderen nach großen Schwierigkeiten klang.

Asgard… Walhall… Der Platz der Helden, die im Kampf gefallen waren. Das hieß, wenn mir im Knast der nette Moslem aus der Nachbarzelle sein „Isch disch Messer!“ vorführte, sollte ich zumindest pro forma zurückschlagen.

Immerhin, ich hatte noch drei Wochen Bedenkzeit bis zur Verhandlung. Zeit, um ein wenig das Haus aufzuräumen und meine Angelegenheiten zu regeln. Dazu gehörte, ein Testament zu schreiben und meiner Cousine mitzuteilen, wo hier im Haus ein paar Dinge lagen, die sie sich sichern sollte, bevor sie in die Erbmasse fielen.

Es gab noch ein paar Freunde aus der Jugendzeit… Vielleicht sollte ich sie ehemalige Freunde nennen, denn der Kontakt war im Lauf der Jahrzehnte nicht nur einge-, sondern völlig entschlafen. Denen konnte ich immerhin noch ein paar Bücher schicken, damit sie ein Andenken hatten. Auch wenn diese Andenken im Papierkorb landen würden.

Ich betrachtete das Mal auf meiner Hand. Die Glocke von Asgard läuten, Ragnarök auslösen… Wenn ich das eindringlich genug vor Gericht vortrug, würde ich nicht im Gefängnis landen, sondern in der geschlossenen Psychiatrie.

Vor mir selbst gestand ich ein, daß ich mit meinem Vorhaben tatsächlich recht gut in diese geschlossene Psychiatrie passen würde.

* * *

„Dem Gesetz muß in jedem Fall Geltung verschafft werden. Angesichts des Verhaltens und der Persönlichkeit des Angeklagten empfehle ich dem Gericht, ein Zeichen der Strenge zu setzen. Die Staatsanwaltschaft fordert für diese erneute Volksverhetzung zwei Jahre Gefängnis ohne Bewährung, was auf Grund des Verhaltens und der fortgesetzten Rückfälligkeit des Angeklagten angemessen erscheint.“

Der Staatsanwalt hatte sein Bestes gegeben. Der Vortrag des Verteidigers und die letzten Worte des Angeklagten waren nur eine Formalität, ebenso die Beratung des Gerichts. Prozesse wegen Verstoßes gegen §130 StGB waren für die Staatsanwaltschaft Heimspiele mit bestochenem Schiedsrichter, da gab es keinerlei Überraschungen.

Die Richterin und die beiden Schöffen kehrten zurück. „Im Namen des Volkes ergeht folgendes Urteil: 15 Monate Gefängnis ohne Bewährung.“

Meine Verteidigung war schlecht genug gewesen, ich war ohne Verteidiger erschienen und hatte immer nur das bekräftigt, was mir vorgeworfen wurde. Falls Wotan zuschaute, wie ich mich um Kopf und Kragen geredet habe, wäre er sicher erfreut gewesen. Am Ende hatte ich die Todesstrafe gefordert, denn wenn sich das Gericht schon über alle Grundrechte hinwegsetzte, sollte es auch den Artikel 102 des Grundgesetzes außer Acht lassen.

Nun ja, ein allerletztes Wort stand mir noch zu, nicht nach dem Protokoll, aber es war trotzdem rechtswirksam: „Ich nehme die Strafe an.“

Meine Anhänger schüttelten den Kopf, sie waren Besseres von mir gewohnt. Ich bedauerte sie, aber von Wotans Auftrag wollte ich nichts verraten.

Es dauerte sechs Wochen, bis das Urteil eintraf, und eine weitere Woche, ehe ich die Haft antreten sollte. Die Mühlen des Gesetzes arbeiteten doch ziemlich langsam.

* * *

Ich fuhr mit dem Taxi zur Justizvollzugsanstalt. Ich hatte nur leichtes Gepäck dabei, alles paßte in den Aktenkoffer, den mir meine Mutter zum Studienabschluß geschenkt hatte. Die Gewißheit, nur noch Tage auf dieser Welt weilen zu müssen, erfüllte mich mit einer gewissen Leichtigkeit.

Ich wurde begrüßt, gründlich durchsucht, ob ich gefährliche Gegenstände bei mir führte. Ein Schreibblock und ein Stift, das waren in meinen Händen Waffen, da ich den Stift jedoch auch als Stichwaffe hätte führen können, hatte ich zwei Bleistiftstummel dazugelegt. Selbst die wurden mir abgenommen.

Nach einer flüchtigen Untersuchung durch den Gefängnisarzt kam ich auf eine Einzelzelle. Isolation, hatte man mir erklärt. Ich solle mich an die Anstalt gewöhnen. Das war mir durchaus recht, ich hatte nicht vor, im Gefängnis für den Staat Zwangsarbeit zu leisten. Doch wie sollte ich dem nächsten Türken ins Messer laufen, wenn ich von allen Türken ferngehalten wurde?

Es dauerte eine Woche, bis ich meine Mitgefangenen zu sehen bekam. Sie warfen mir feindselige Blicke zu, offenbar war „versehentlich“ durchgesickert, daß ich antiislamische Hetzschriften verfaßt hatte. Unter den Augen der Gefängniswärter gab es jedoch keine Übergriffe, allerdings raunte mir ein stämmiger Häftling unauffällig zu: „Du werden bald beten zu Allah!“

Das gemeinsame Mahl wurde mir als „Hafterleichterung“ zugestanden, ebenso der gemeinsame Hofgang. Bei diesem Hofgang taxierte ich 80 Prozent der Häftlinge als Zuwanderer, die sich von mir fernhielten, bei den übrigen 20 Prozent war ich mir nicht sicher, ob sie Deutsche waren. Diese blieben ebenfalls unter sich.

Ich versuchte, mit den Deutschen ein paar Worte zu wechseln, doch die sagten nur: „Hau bloß ab, wegen dir handeln wir uns keinen Ärger ein!“

Demnach waren es Deutsche, Angehörige einer unterdrückten Minderheit, die mir keinerlei Schutz gewähren würde, wenn ich ihn brauchen sollte. Hoffentlich wurde der Auftrag im Jenseits leichter. Neben der Glocke aufwachen, aufstehen, bimmeln – und ab in die Bibliothek von Alexandria, wohin ich viel besser paßte als nach Walhall.

Es dauerte weitere vier Tage, bis ich während des Hofganges das Bedürfnis verspürte, den Main aufzufüllen. Die Wärter erlaubten mir den Gang zur Toilette. Die Kabine war nicht abschließbar, die Leute, die mir auflauerten, hatten immerhin den Anstand, mich mein Geschäft zu Ende bringen zu lassen.

„Du Scheißdeutscher!“, rief mir der erste zu.

„Allahu akbar!“, sagte der zweite und ließ den Worten eine gut gezielte Faust folgen.

Walhall erforderte, daß ich zurückschlug. Drei gegen einen war ein aussichtsloses Verhältnis, zudem waren die drei „Zuwanderer“ allesamt jünger und kräftiger als ich. Nach dem Schlag zu urteilen, beherrschten sie sogar Kampfsportarten.

„Türkisches Dreckspack!“, feuerte ich sie an. Ich schlug ebenfalls zu, trat um mich und traf mindestens einen in die Dreizehn, dort, wo es einem Mann so richtig weh tut. Weil dieser Glaubensbruder zu Boden ging, gaben sich die beiden anderen noch mehr Mühe. Ich steckte Schläge ein, unter denen ich zu Boden hätte gehen sollen.

Ich hatte Schmerzen, spuckte Zähne aus, hörte meine Rippen brechen. Dies war die erste Schlägerei meines Lebens, ich wußte nicht, was ich tun sollte, also schlug ich zu, wo immer es ging. Ich traf die Wand und spürte, wie meine Handknochen brachen. Damit war die Schlägerei entschieden, die Türken rammten meinen Kopf gegen die Wand.

Es wurde dunkel, nur für einen kurzen Augenblick. Ich schwebte über meinem Körper, auf den meine Mitgefangenen noch immer eintraten. Als die Wärter auftauchten, war nichts mehr zu retten.

Ich sollte hinübergehen, ins Jenseits, doch ich wollte noch sehen, wie der Gefängnisdirektor diesen Vorfall beurteilte.

„Er muß in seinem Rassenwahn die türkischen Häftlinge provoziert haben“, meldete der eine Wärter.

„Er hat beim Hofgang versucht, die Deutschen gegen die Türken aufzuhetzen“, behauptete der zweite.

„Ich nehme an, er hat als erster zugeschlagen, sonst wären die Türken nicht so verletzt gewesen“, sagte der dritte.

„Wir werden es wohl nie herauskriegen“, entschied der Direktor. „Die drei Opfer bekommen je eine Woche Isolationshaft. Das muß sein, damit sie nicht glauben, sie hätten einen Freibrief für weitere Schlägereien. Die verbringen sie im Krankentrakt, sorgen Sie dafür, daß die Küche ihnen Sonderwünsche erfüllt. Jetzt habe ich den verdammten Papierkram am Hals… Wenigstens ist die Presse nicht hinter dem Typen her.“

Ja, das war es dann. Nach diesen Bekundungen des tiefen Mitgefühls und Bedauerns über mein Ableben konnte ich getrost ins Jenseits überwechseln.

© Michael Winkler

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