Frank Kretzschmar: „Ich hatt’ einen Kameraden, Einen bessern findst du nit.“

Frank Kretzschmar: „Ich hatt’ einen Kameraden, Einen bessern findst du nit.“

SPIEGEL 22/30.5.11 S.38/39 Zeitgeschichte
Jan Friedmann, Klaus Wiegrefe: WAHNSINN UND WAHRHEIT

Zitat: „´Er (Hitler) hat es nicht nur vorher gewusst, sondern Heß wahrscheinlich sogar nach England geschickt´…Muss ein Teil der Geschichte des zweiten Weltkriegs also neu geschrieben werden? Handelt es sich bei dem Manöver (Heß´ Schottlandflug) etwa doch um offizielle Diplomatie?“

Dabei beziehen sich die Autoren allein auf einen 28-seitigen handschriftlichen Bericht, „den der Historiker Mathias Uhl vom Deutschen Historischen Institut Moskau im Staatsarchiv der Russischen Föderation entdeckt hat.“ Was dem einen sin UHL ist dem andern sin Nachtigall: nämlich MARTIN ALLEN, der nach Auswertung von mehr als 15 000 Dokumenten in „CHURCHILLS FRIEDENSFALLE“ zu dem Ergebnis kommt: „Der Trick war ebenso perfide wie genial. Hitler und der deutschen Diplomatie wurde vorgetäuscht, es gäbe in England eine Friedenspartei, die nur drauf warte, Churchill als Premierminister zu stürzen, um dann mit Deutschland Frieden zu schließen… Die letzte verzweifelte Möglichkeit den Weltkrieg 1941 zu verhindern, sahen Hitler und Heß in direkten Verhandlungen mit der britischen ´Friedensfraktion´. Aus Deutschland wollte der zweite Mann im Staate zeigen, dass es nach den zahlreichen Friedensfühlern der Jahre 1940/ 1941 ernst war den Krieg mit England zu beenden.“ Sin Nachtigall auch PATRICK J. BUCHANAN, die in „CHURCHILL, HITLER UND DER UNNÖTIGE KRIEG“ trällert: „Hitler wollte nie Krieg mit England und war bereit, einen hohen Preis dafür zu bezahlen, um ihn zu vermeiden.“

Als England Deutschland am 3. September 1939 trotz allem das Kriegsbeil ausgrub, warf Rudolf Heß Leben, Stand und Ehre in die Schanz, flog am 10. Mai 1941 mit seiner Me-110 gen England und sprang unweit von Glasgow per Fallschirm in die Geheimdienstfalle der SO 1, der Special Operation 1.
„Wie sich schließlich herausstellte“, resümiert Allen, „waren die Spitzenleute der NS-Führung schlicht und einfach als Politiker nicht durchtrieben genug gewesen.“ Nicht durchtrieben genug? In der Tat, das war der Friedensflieger nicht.

„Dass Hitler“, so HANS MEISER in „GESCHEITERTE FRIEDENSINITIATIVEN 1939 – 1945“ „wenig später gezwungen war, auch ohne Frieden mit England einem sowjetischen Überfall zuvorzukommen, ändert nichts an Churchills Verrat am Frieden und an Europa, das er bewusst dem Bolschewismus ausliefern wollte. Er symbolisiert seitdem wie kein anderer das ´Perfide Albino´“. Klar, dass die Stadt Aachen dem Albino 1955 den Karls-Preis verlieh. Der wird mit „höchstem ethischem Gehalt“ für Verdienste um Freiheit, Menschlichkeit und Frieden verliehen. Und den hatte sich Winston mit Sprüchen wie „Dieser Krieg ist ein englischer Krieg und sein Ziel ist die Vernichtung Deutschlands.“ (1939) Und: „ Wir hätten, wenn wir gewollt hätten, ohne einen Schuss zu tun, verhindern können, dass der Krieg ausbrach, aber wir wollten nicht.” (1945) wahrlich verdient. Als glühender Rassist auch für Äußerungen wie diese: „ Die Eigenschaften von Mischlingen sind selten bewundernswert und die Mischung von Arabern und Negern hat einen entarteten und grausamen Menschenschlag hervorgebracht.“

Rudolf Heß aber wurde bis zu seinem letzten Atemzug, den er im Würgegriff seiner Peiniger verhauchte, einem Martyrium ausgeliefert, dessen apokalyptische Grausamkeit in zivilisierter Welt ohne Beispiel ist.

Als Churchill von Heß´ Landung hörte, hielt er es, ging es doch nur um den Weltfrieden, um das Leben Abermillionen zu erwartender Kriegsopfer, nicht für erforderlich, die Vorführung des Schwachsinn-Streifens „Whilst the merry film clacked on“ zu unterbrechen: „Na gut, Heß oder nicht Heß“, nuschelte er, „ich werde mir jetzt die Marx Brothers ansehen.“ Dann aber tat er alles, um Rudolf Heß bis zu seiner Auslieferung an das Nürnberger Schand-Tribunal seiner Mission zu berauben, zu isolieren, vorzuführen, zu demütigen, was ihn jedoch nicht daran hinderte, in seinen Kriegserinnerungen zu heucheln: „Wenn ich über die Heß-Geschichte nachdenke, so bin ich froh, dass ich weder für sein damalige noch für seine jetzige Behandlung verantwortlich bin.“

In Nürnberg wurde der Rudolf Heß ausgerechnet wegen „Verschwörung gegen den Weltfrieden“ angeklagt und zu lebenslanger Haft verurteilt. „Stünde ich wieder am Anfang würde ich wieder handeln wie ich handelte. Auch wenn ich wüsste, dass am Ende ein Scheiterhaufen für meinen Flammentod brennt“, so sein Schlusswort auf Strang oder Haft. Letztere begann 18. Juli 1947 und endete nach mehr als 40 Jahren am 18. August 1987 mit dem Tod des 93-jährigen. Nach der Entlassung der ebenfalls Lebenslänglichen RAEDER 1955 und FUNK 1957 sowie der Absitzenden SPEER und SCHIRACH 1967, war Rudolf Heß der letzte und einzige Häftling. Verständlich, dass sich die vier Direktoren des Berlin-Spandauer Militärgefängnisses Sorgen um die geistige Gesundheit ihres Häftlings machten und ihm großzügig einen WASSERKOCHER genehmigten, auf dass er Tee oder Kaffee brühen konnte.

Sich selbst aber genehmigten sie 1986 DM 907.000.- an Personal- und DM 503.000.- an sonstigen Kosten. Für 1 (in Worten: einen) Gefangenen. Zulasten des deutschen Steuerzahlers. Der aber kriegte was fürs Geld. TONY LE TESSIER, letzter britischer Gefängnis-Gouverneur in „SPANDAUER JAHRE“: „Jeden Monat wurde das Gefängnis von einem Offizier der wachhabenden Nation inspiziert…Der Direktor, der den Vorsitz führte, empfing den Inspektor am Haupttor…“ Dann „…betrat der Inspektor den Verwaltungsblock und begrüßt die anderen Direktoren, die ihn eskortierten… Er (Einzelhäftling Heß)stand neben dem Fußende seines Bettes, reckte den Kopf vor… Die westlichen Kommandanten verärgerten die Sowjets manchmal, wenn sie den Häftling mit ´Herr Heß´ ansprachen und ihm beim Abschied die Hand schüttelten.“ So viel Kindergarten macht hungrig: „Die Inspektion bot einen Anlass für ein Festmahl im Kasino, zu dem auch andere Gäste eingeladen wurden.“

Ob Rudolf Heß anlässlich seines 90.bei Appetit war, ist nicht überliefert. Wohl aber, dass sein Sohn WOLF RÜDIGER das Gefängnisdirektorium bat, zur Feier des Tages seine Frau sowie die beiden älteren Kinder mitbringen und mit dem Jubilar zwei Stunden ohne Aufsicht sein zu dürfen. „Doch“, so der ehrenwerte Gouverneur, „wir waren nicht bereit, ein unbeaufsichtigtes Familientreffen zu gestatten oder sonst irgendwelche Zugeständnisse zu machen…“ Sohn Wolf Rüdiger zog es deshalb vor, allein zu erscheinen. „Als er ankam, bat er um Erlaubnis, seinem Vater die Hand zu geben; sie wurde ihm verweigert.“ Und: „ Man hatte sich drauf geeinigt, dass die Blumen, die die Leute Heß zum Geburtstag zukommen lassen wollten, an das örtliche Krankenhaus weitergegeben werden sollten, da der Häftling sie nicht empfangen durfte.“ Kein Handschlag, keine Blumen zum 90. Geburtstag. Und das nach 43 Jahren hinter Gittern. Alttestamentarisch Rache des Bösen.

Nachdem Rudolf Heß, er konnte mit seinen von Arthrose verkrüppelten Händen nicht mehr die Schuhe zubinden, sich nach offizieller Darstellung in der selbst für Gesunde schwer zu knüpfenden Schlinge eines Verlängerungskabel erhängte, musste eine Abschiedsparty her, von der der „OBSERVER“ am 17. Januar 1988 berichtete: „Am letzten Freitag setzten sich vier Männer und ihr Kumpane in einer Westberliner Luxusvilla zu einem Festbankett mit Spitzenweinen, exzellentem Brandy und einer Dienerschaft, die einem Staatsbankett alle Ehre gemacht hätte, nieder. Seit mehr als 40 Jahren traf man sich einmal monatlich zu solchen Mittagsmahlzeiten … Die vier Männer … feierten ihren letzten Tag als Direktoren des Spandauer Gefängnisses für Kriegsverbrecher“. Damit nichts an die Leidenszeit der Gepeinigten erinnert, wurde die Festungshaftanstalt noch 1987 abgerissen, pulverisiert und in der Nordsee verklappt.

Zu feiern gab´s in der Tat was. Schließlich bestand die Gefahr, dass die Sowjets unter Gorbatschow kein Veto mehr gegen Heß´ Entlassung einlegten, und dieser über seinen Friedensflug authentisch berichtet. Denn, so SPIEGEL 22/11: „Kein Historiker durfte ihn über seine Motive befragen, sein Anwalt seinen Fall nicht mit ihm erörtern.“ Die Geheimhaltungsfrist seiner bereinigten Akten wurde bis 2017 verlängert.

„1911“, resümiert Präsidentschaftskandidat Buchanan, „ging die Sonne über dem Britischen Empire niemals unter. 1955 hatte England alles außer seiner Ehre verloren.“ Und auch die wäre im Eimer, käme die Heßsche Wahrheit ans Licht. Schon wenige Monate nach Kriegsende beklagte Churchill den „Eisernen Vorhang“, der sich über Europa senkte und forderte die Wiederbewaffnung der von ihm als „Hunnen“ geschmähten, bis zur Besessenheit bekämpften Deutschen. „Großbritannien kämpfte sechs Jahre gegen die nationalsozialistischen Vorherrschaft, um einer noch größeren Tyrannei den Weg zu bahnen.“ Welches apokalyptische Grauen wäre der Welt erspart geblieben, hätte Churchill den Friedensfalken am 10. Mai 1941 empfangen und über das Ende des Krieges verhandelt, statt sich an den infantilen Späßen von Groucho, Chico und Harpo Marx zu ergötzen.

Seinem Letzten Willen folgend, wurde Rudolf Heß auf dem evangelischen Friedhof des oberfränkischen Wunsiedel begraben. Jedem Mitfühlenden war es unbenommen, sich über Heß´ tragisches Schicksal schlau zu machen und an seinem Grab zu verweilen. Dass das überwiegend Jene taten, denen die Steuergeld-alimentierten Deutschland-Verrecke-Schläger als Krönung ihrer Argumente mit einem kernigen „Nazis-Raus!“ begegnen, ist nicht deren Schuld.

Nazis-Raus? Heß Raus! Ausgerechnet am 20 Juli. Aus dem Grab, in den Ofen und dann ins Meer. Auf Betreiben Landrat SEISSERS und der Wunsiedler Kirchgemeinde mit den Antifa-Helden Dekan BUCHTA, Pfarrer SCHÖDEL sowie PfarrerInnen BÖHRINGER und FUCHS an der Gutmenschen-Speerspitze der Intoleranz. Auf der Hand liegend, dass für SCHEISSER & Co die Maxime christlicher Vergebung: „Mit dem Tod endet alle Feindschaft“, unter der Manfred ROMMEL, Bürgermeister Stuttgarts, die Beerdigung von BAADER, ENSSLIN und RASPE verfügte, Schall und Rauch sind.

Und so können sich die Frauen und Männer Gottes im Lob ihrer roten Brüder von der Berliner Tageszeitung taz sonnen: „Die Lösung ist elegant. Um dem ekelhaften Treiben am Grab des Massenmörders Rudolf Heß ein Ende zu setzen, haben die Angehörigen zugestimmt, die Knochen des Kriegsverbrechers zu verbrennen. Damit ein für alle Mal Schluss ist mit Aufmärschen und Gedenkfeiern von Neo-Nazis … soll die Asche im Meer verteilt werden.“ Die schlichten Dankesworte FRANZ JOSEPH WAGNERS von Springers BILD aber sollten gleich neben dem Gekreuzigten einen Ehrenplatz erhalten: „Ich bin glücklich, dass dieses Schwein nicht mehr auf einem Friedhof liegt –Ruhe in Frieden, das ist vorbei.“ Für Ihre Seelen, Wahnsiedler Kirchenvorstand, auch. Diese werden für die Ruchlosigkeit Ihrer Tat in der Hölle schmoren. Bis dahin aber sollten Sie bitte zum seit 1840 flächengrößten jüdischen Friedhof Europas nach Berlin Weißensee pilgern, um zu schnallen, wie viele der 150 000 Gräber die Nazis schändeten oder schliffen: NICHT EINS!

Wanderer, nahet sich dein Schritt dem Gestade eines Meeres, so halte inne und gedenke unseres tapferen, unglücklichen Rudolf Heß. Dann aber stürz Dich zu erfrischendem Bade in die Fluten. Das ist in seinem Sinne.

Dr. Frank Kretzschmar

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