PRETORIA. Das südafrikanische Parlament hat die Enteignung weißer Farmer beschlossen. Mit 241 zu 83 Stimmen votierten die Parlamentarier für einen entsprechenden Antrag der marxistischen Partei „Kämpfer für wirtschaftliche Freiheit“. Ihr Vorsitzender, der frühere ANC-Politiker Julius Malema, sagte in der Nationalversammlung in Pretoria laut einem Bericht der südafrikanischen Times: „Die Zeit für Versöhnung ist vorbei. Jetzt ist die Zeit für Gerechtigkeit gekommen.“ Die große Mehrheit des ANC stimmte dem Antrag zu, der keine Entschädigung für die Wegnahme von Land vorsieht.

Den Verzicht auf finanzielle Kompensation begründete Malema mit dem Respekt für schwarze Anti-Apartheidskämpfer. Man dürfe die Weißen jetzt nicht auch noch dafür bezahlen, einen Genozid an den Schwarzen verübt zu haben. Ihm gehe es aber nicht um Rache, sondern „um unsere Würde“. Nach dem Parlamentsbeschluß soll sich nun eine Kommission mit den Details einer für die Enteignung notwendigen Verfassungsänderung beschäftigen.

„Ursünde“ Südafrikas

Vor einer Woche hatte bereits der neue Staatspräsident Cyril Ramaphosa die ungerechte Landverteilung die „Ursünde“ Südafrikas genannt. Er wolle „den Menschen das Land zurückgeben, denen es genommen wurde“, um die Spaltungen der Vergangenheit zu heilen. Er ergänzte: „Wir dürfen diesen Prozeß beschleunigter Landumverteilung nicht als Bedrohung, sondern als Chance sehen. Als eine Chance, uns von der Bitterkeit und dem Schmerz der Vergangenheit zu befreien.“

Seit Ende der Apartheid wurden weiße Farmer immer wieder zur Zielscheibe von Überfällen durch Schwarze. Nach Angaben der Zivilrechtsorganisation Afriforum wurden allein 2017 bei 351 Farmüberfällen 71 Menschen getötet. Zum Ende der Apartheid 1994 waren 85 Prozent des Landes in Besitz weißer Farmer. Heute sind es noch 73 Prozent. (tb)

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