BANKAKTIEN: Derivatbomben bei Deutscher Bank und Credit Suisse. Wann macht es “Bumm”?


Alles nur noch Nullen ohne Bezug zur Realität

derivativbombeDas weltweite Derivatevolumen wird aktuell mit 630 BILLIONEN US-DOLLAR angenommen. Bei meinen Recherchen in Netz bin ich öfter auf diese „aktuelle“ Zahl gestoßen, im zweiten Halbjahr 2013 wäre demnach mit 710 BILLIONEN USD nominal ein Allzeithoch erreicht worden. 630 BILLIONEN USD wäre Stand 2. Halbjahr 2014, seitdem geht man mit der Veröffentlichung dieser Zahlen etwas sparsamer um.

Derivatevolumen Credit Suisse

Was nun das Credit Suisse Derivatevolumen angeht nennt insideparadeplatz.ch in einem Beitrag ein Volumen von 51 BILLIONEN USD (bei einem Währungskurs von nahezu eins zu eins im US-Dollar-Schweizer-Franken-Kurs kann man Differenzen, die aus Umrechnungen resultieren, unbeachtet lassen). Das Derivatevolumen der Deutschen Bank wird im Beitrag mit 54,6 BILLIONEN EUR angegeben.

Derivatevolumen Deutsche Bank

Beim Blick auf den Geschäftsbericht der Deutschen Bank per Ende 2014 ist dieses Volumen etwas zurückgegangen und beträgt zu diesem Stichtag 52,0 BILLIONEN EUR. Der besseren Vergleichbarkeit halber rechne ich hier aber mit den Zahlen aus dem Jahr 2013. Das gesamte Derivatevolumen der Deutschen Bank aus 2013 von 54,6 BILLIONEN EUR entspricht bei einem angenommenen Wechselkurs von 1,11 EURUSD einem Betrag von 60,7 BILLIONEN USD.

Schwerpunkt “Zinsderivate”

Die Zahlen im Deutsche Bank Geschäftsbericht werden noch interessanter weil daraus hervorgeht, dass (in USD umgerechnet) 49,9 BILLIONEN USD in ZINSDERIVATEN notieren. Der Anteil der Zinsderivate am Gesamtvolumen läge demnach bei 82,3%.

Zentralbankpolitik und Zinsderivate

Nehmen wir an die Zahlen der Deutschen Bank wären hinsichtlich der globalen Kapitalmarktstruktur repräsentativ für das gesamte Global-Player-GROSSBANKEN-Casino, dann wäre das Gesamtmarktrisiko eindeutig „zinslastig“, also von den Veränderungen im globalen Zinsgefüge abhängig. Unter diesem Blickpunkt muß man die Politik der wichtigsten Global-Player-ZENTRALBANKEN sehen, denn deren Zinspolitik hat Einfluß auf die Positionen in den Derivatekontrakten.

Wirtschaftliche Realiät und Zinsderivate

Um die Wichtigkeit der Zentralbankpolitik herauszustellen ist ein Vergleich mit dem nationalen Bruttosozialprodukt angebracht. Demnach lag das Bruttosozialprodukt der BRD im Jahr 2013 bei 3,6 BILLIONEN USD und das der Schweiz bei 0,7 BILLIONEN USD.

Der BRD-Bundeshaushalt belief sich im Jahr 2013 auf 307,8 MILLIARDEN EURO, das wären 341,7 MILLIARDEN USD. Den Schweizer Bundeshaushalt 2013 setze ich umgerechnet und der besseren Vergleichbarkeit halber bei 65 MILLIARDEN USD an.

Ein Vergleich des Grauens

Wenn man diese Daten für 2013 in einer Übersicht veranschaulicht, kann einem Angst und Bange werden:

  • Deutsche Bank Derivatevolumen:   60,7 BILLIONEN USD (54,6 BILLIONEN EURO)
  • Deutsche Bank Eigenkapital:           0,06 BILLIONEN USD (54,7 MILLIARDEN EURO)
  • Deutsche Bank Bilanzsumme:         1,8  BILLIONEN USD (1.611 MILLIARDEN EURO)
  • Bruttoinlandsprodukt BRD:             3,6 BILLIONEN USD (3.635 MILLIARDEN USD)
  • Bundeshaushalt BRD                         0,3 BILLIONEN USD (307,8 MILLIARDEN EURO)
  • Credit Suisse Derivatevolumen:       51,0 BILLIONEN USD
  • CS Gruppe Eigenkapital (S.382):       0,05 BILLIONEN USD (47 MILLIARDEN CHF)
  • CS Gruppe Bilanzsumme (S.382):     0,9 BILLIONEN USD (872 MILLIARDEN CHF)
  • Bruttoinlandsprodukt Schweiz:         0,7 BILLIONEN USD (650 MILLIARDEN USD)
  • Bundeshaushalt Schweiz:                   0,07 BILLIONEN USD (65 MILLIARDEN CHF)

Ein Szenario

Die Übersicht wird brisant bis vernichtend wenn man in einem Szenario annimmt, das bei schnellen Marktveränderungen ein Verlust von zehn Prozent des Derivatevolumens anfällt. Das macht bei der Deutschen Bank 6,0 BILLIONEN USD Verlust, dem im Prinzip nichts Werthaltiges gegenübersteht. In anderen Zahlen ausgedrückt. 6.000 MILLIARDEN USD DERIVATEVERLUST bei der Deutschen Bank stehen einem jährlichen deutschen Bundeshaushalt aus dem Hause von Finanzminister Wolfgang Schäuble von 341 MILLIARDEN USD gegenüber. Setzen wir der Einfachheit halber 341 MILLIARDEN als den Betrag an, der vom deutschen Steuerzahler über zwölf Monate dem Bund zugeführt wird und für zwölf Monate ausreichen muß.

Außer Rand und Band

Angesichts dieser Zahlen und der Verhältnismäßigkeit kann man rechnen wie man will und großzügiger runden. Weil es keine große Rolle spielt wenn der angenommene zehnprozentige Verlustfall eintritt. Denn wenn das Derivatevolumen nur einen 10prozentigen Verlust erzeugt ist „Schicht im Schacht“. Und das allein nur bei der Deutschen Bank.

Risiko “Zinsentwicklung”

Das Risiko einen solchen Verlusts wäre „zinslastig“ aber ich kann mir auch vorstellen, daß er durch die Hintertüre kommt, falls Anleihen erdölfördernder Gesellschaften ausfallen und nicht mehr zurückbezahlt werden. Vieles ist möglich.

Risiko “Einzelkreditinstitut oder Einzel-Global-Player”

Angesichts dieser Zahlen, die nur VON EINEM KREDITINSTITUT stammen, das nicht einmal 10% des gesamten globalen Derivatevolumens innehat, braucht man sich um die Einlagensicherung deutscher Art keine Gedanken machen. Diese ist schlichtweg sinnlos und dient nur der Ruhigstellung der Kontoinhaber und Anleger.

Konsequenzen im Verlustfall

Sollte der „Verlustfall“ eintreten wird man zuerst das Bankensystem abschotten und „dicht machen“ und im nächsten Schritt auf die Kundeneinlagen (ähnlich wie Zypern 2013) Zugriff nehmen. Ansgesichts der „geringen Bilanzsummen“ der beiden Bankinstitute wäre das nur Zeitverzögerung. Außerdem wäre die gesamte deutsche Bankenlandschaft betroffen.

Abstraktes Derivaterisiko

Das Derivaterisiko ist abstrakt, denn nur 10% des Gesamtvolumens sind börsengehandelt und ein schnelles Schließen der Position sollte über die Börse möglich sein. 90% sind OTC, also over-the-counter, individuell vereinbart und müssen wohl zuerst mit internen oder externen Berechnungsmethoden bewertet werden. Das ist ein zusätzliches Problem, da es zu Differenzen in der Bewertungsmethode und im realen Handel aufgrund von Zeitverzögerungen (non-real-time) kommen kann.

…und die Aktienkurse?

Die Aktienkurse dieser beiden Institute gehen nicht nur seit Tagen oder Wochen zurück. Sie sind schon seit dem Jahr 2009 ganz unten angekommen, können aber noch tiefer gehen. Etwas Rest vom einst strahlenden Aktienkurs ist noch da. Fragt sich nur „wie lange?“. Das Derivateabenteuer geht bald zu Ende.

DER BONDAFFE    16.02.2016

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