„Alles hört auf meine … – äh – Freiheit!“

In Japan wird man kribbelig. Finanz

Der Spatz im Gebaelk

Der Spatz im Gebälk

minister Taro Aso warnt im Kabinett von Ministerpräsident Shinzo Abe vor einer finanziellen Apokalypse nämlich davor, dass die Staatsschulden Japans bald ins Uferlose expandieren. Ende 2013 hatten die Staatsschulden der drittgrößten Wirtschaftsmacht der Welt den Pegel von einer Billiarde (1.000.000.000.000.000) Yen überschritten. Fahre man fort wie bisher, würden sie im Jahr 2060 auf 8,2 Billiarden Yen anschwellen, das entspricht nach jetzigem Wechselkurs rund 57 Billionen (bln.) Euro. Deutschlands Schulden liegen zur Zeit bei etwa 2,15 bln. Allerdings wurden 96% der japanischen Staatsschulden von Japanern im Land angespart. Doch die Japaner werden wie die Deutschen immer älter und benötigen ihr in Regierungsschulden angelegtes Geld selbst, genauer gesagt, sie benötigen es in Form ihres täglichen Brotes. Regierungen können Geld drucken lassen, können/wollen sie aber auch Brot backen?

In den 1980er-Jahren erzeugten die 127 Millionen Japaner 18% der weltweiten Wertschöpfung. Im Jahr 2013 waren es nur noch 8%. Der Abstieg begann 1985 nach dem Plaza-Abkommen, bei dem die USA eine Abwertung des Dollars gegenüber DM und japanischem Yen durchsetzte. Nun floß spekulatives Kapital aus den USA nach Japan, um an der relativen Aufwertung zu verdienen und erzeugte eine so genannte Bubble-Economy: Das Geld floss in die Aktien- und Immobilienpreise und ließ diese ansteigen. Investitionen in die produzierende Wirtschaft rentierten sich angesichts der Gewinne an der Börse kaum noch und unterblieben weitgehend. So wurde eine Spekulationsblase aufgeblasen, die in den 1990er Jahren platzte. Die Immobilien- und Aktienpreise implodierten wieder, Anleger zogen ihre Gelder ab, die Banken saßen auf faulen Krediten und wurden von der Regierung „aufgefangen“. Seitdem setzte die Regierung unzählige Programme ein, um über ihre Nullzinspolitik angeblich Investitionsanreize zu schaffen und die Wirtschaft wieder anzukurbeln. Doch angekurbelt haben die angehäuften Staatsschulden nichts, nur die Aktien- und Immobilienpreise konnten sie wieder einwenig anheben. Die Industrieproduktion Japans stagniert seitdem.

Kommt Ihnen das nicht bekannt vor? Was halten Sie von Leuten, die die gleichen Illusionen immer wieder, nun schon 30 Jahre lang, ergebnislos bedienen? Aber vielleicht halten die Verantwortlichen Ergebnisse wie in Japan garnicht für einen Fehler, sondern für eine „erwünschte“ Entwicklung? Das Ergebnis könnte das Ziel sein: Eine hohe Staatsverschuldung bei reduzierter Produktion von Realwerten. Wenn das so wäre, warum warnt dann Taro Aso mit Geschrei? Nun, es könnte inzwischen die Zeit gekommen sein, an der man den Nutzen dieser Wirtschaftsentwicklung einfahren will und das breite Publikum für den angerichteten Schaden aufkommen lässt. Ersparnisse weg, Häuschen verpfändet, Schulden bleiben und fürs Überleben gilt: „Alles hört auf mein Kommando! Wer nicht folgt, soll sehen, wo er bleibt.“

Schilder mit der Aufschrift „Out of Work, homeless, Anything helps, Thank You“, die Leute in ihren besten Jahren um den Hals tragen, kann man in den USA lesen. Ist das die „demokratische Freiheit“ des westlichen Finanzsystems, die weltweit verbreitet werden soll? Am 27.3.2014 beschloss das „neue“ Parlament in der Ukraine im zweiten Wahlgang die Kürzung aller Sozialleistungen und Renten. Schließlich hatten seine Auftraggeber nach Aussage der US-Vizeaußenministerin „Fuck the EU“ Nuland 5 Mrd. $ in das neue „freiheitliche“ Unternehmen Ukraine investiert. Die müssen sich erst einmal auszahlen. Sie sehen es nicht so – was sagten Sie – nicht so „pessimistisch“?

OK! „Let’s be optimistic!“. Kürzlich ging Kevin Rodgers, der Chef der weltweiten Devisengeschäft der (nicht mehr) Deutschen Bank (DB) von Bord. Der Brite verlässt das Schiff zu einem Zeitpunkt, zu dem der DB Manipulationen an wichtigen Richtwerten des Devisenmarkts vorgeworfen werden. Der Abgang nach nur knapp zwei Jahren auf diesem Posten hat damit nichts zu tun, versichert die Bank der Öffentlichkeit. Rodgers, der vor seiner Karriere als Investmentbanker bei der Band Happy Refugee („Power Pop, Psychedelic Rock, Indie Rock“) als Drummer gearbeitet hatte, will wieder Musik machen. Das stimmt doch optimistisch? – jedenfalls wenn man sich die Bankentwicklung unter dieser Führung ansieht.

Laut Geschäftsbericht hält die Bank Derivat-Kontrakte im Wert von 54 bln. Euro (3 bln. weniger als die voraussichtliche japanische Staatsverschuldung um 2060) und hält damit – so weit sich das bei dieser Art von Wertpapieren beurteilen lässt – den Weltrekord noch vor IP Morgan mit Kontrakten im Wert von $ 69 bln (rund 50 €). Die Commerzbank besaß 2012 (letzte erreichbare Zahl) Kontrakte über € 7 bln. Zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Volkswirtschaft Deutschlands beträgt 2,7 bln. €, das der gesamten Eurozone 9,6 bln. €. Die Einlagen bei der Deutschen Bank werden mit rund 550 Mrd. € ausgewiesen, decken also kaum potentielle Forderungen aus den Derivate Kontrakten. Normalerweise “hedgen” Banken ihre Derivate durch entsprechende Gegengeschäften auf einer “risk-neutral basis”. Bei der Deutschen Bank stellte man nach verschiedenen Finanzrechenkünsten fest, dass vor der „riskoneutralen“ Basis nur ein Restrisiko von 21 Mrd. € ungedeckt bleibt, also die sprichwörtlichen „peanuts“. Die vorsichtigere Commerzbank kommt bei ihren Berechnungen des Restrisikos auf fast Null. Doch sollte man sich erinnern, dass in den letzten Jahren so manche Gegenpartei nicht mehr für ihre eingegangene Zahlungsverpflichtungen aus solchen Kontrakten aufkommen konnte. Was rechnerisch als risikofrei gilt, muss es nicht sein. Das ist bei den in Frage kommenden Summen auch nicht verwunderlich.

Wenn ein größerer Counterpart ausfällt, steht bei der gegenseitigen Verflechtung aller Derivate-Jäger ein Problem vor der Tür. Ab einer gewissen Größe des ursprünglichen Ausfalls schaukelt sich in der Finanzwelt ein Zahlungs-Tsunami auf und reißt alles, was nicht niet- und nagelfest ist mit sich hinaus aufs grenzenlose Meer des Nichts. Genau aus diesem Grund waren und sind gewisse Banken „zu groß“, um sie marktgerecht untergehenzulassen. Sie würden zu vieles mitreißen. Für die Großbanken hat das Derivategeschäft also eine doppelte Funktion. Es kann selbst bei geringen Margen wegen der fiktiv eingesetzten riesigen Summen ein recht lukratives Geschäft sein und zum anderen ist es wegen der voraussichtlichen Folgen eine Garantie dafür, dass der Steuerzahler letztendlich für das Risiko aufkommt. Denn „niemand kann doch wollen“, dass das Finanzsystem zusammenbricht und die angelegten Ersparnisse in den Strudel eines „Black Hole“ reißt. Dass es sich dabei um ein Schwarzes Loch ins Nichts handelt wird deutlich, wenn man sich die gewaltigen Wertpapiersummen ansieht, die in keinem Verhältnis mehr zu irgendwelchen hergestellten Realwerten stehen. Diese Entwicklung machte das Fiat Money System möglich, das es den privaten Geschäftsbanken erlaubt, quasi aus dem Nichts mit ganz geringen Reservehaltungspflichten Kredit zu schöpfen. Weltweit sind laut BIZ in Basel – von anderen Wertpapieren abgesehen – allein an nachweisbaren Derivatverträgen Werte von rund $ 700 bln. im Umlauf. Tendenz steigend. Das BIP der Welt belief sich 2013 auf geschätzte $ 74 bln. Tendenz: Das BIP enthält dank statistischer Tricks selbst einen immer größeren Anteil an heißer Luft. Allderings reicht die Diskrepanz zwischen umlaufenden Geld- und verfügbaren Warenwerten noch immer nicht aus, um die Finanzmärkte und ihre EZB-Oberen zufrieden zu stellen.

Die Bundesstatistiker veröffentlichten kürzlich Zahlen über die Entwicklung der Importpreise für die größte Volkswirtschaft der Eurozone. Danach wären Importpreise für Deutschland im Monat März 2014 um 3,3% gegenüber dem Vorjahresmonat zurückgegangen. Im Januar lagen sie erst um 2,3% niedriger, im Februar schon um 2,7%. Der Hauptgrund dafür lag nach Angaben der Statistiker bei den Einfuhrpreisen für Energie, die um 8,5% gesunken seien, die Preise für Steinkohle und Erdgas sogar um über 10%. Auch die Preise für Nicht-Eisen-Metallerze (-17,9%) und Eisenerz (-11,0%) sind gesunken. Wunderbar, könnte man denken, niedrige Energie- und Rohstoffpreise könnten helfen, die Güterproduktion anzuschieben.

Allerdings sanken nach der gleichen Statistik auch die Exportpreise deutscher Exporteure – aber nur um schlichte 1% im Vergleich zum Vorjahresmonat. Dem Bürger könnte diese Entwicklung (wenn er sie durchgereicht bekäme) nur recht sein, auch dem produzierenden Unternehmer, weil die Energie und Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt deutlich stärker gesunken sind als die Produktpreise. Allerdings sehen dies unsere Finanzexperten bei der EZB und in Brüssel ganz anders. Sie erkennen auf Deflation und wollen – wie in Japan seit 30 Jahren – die Konjunktur durch lockeres Geld und weitere Krediterleichterungen (Schuldgeldschöpfung aus dem Nichts) „ankurbeln“.

Bekommen Sie auch im Internet laufend Angebote sich durch Kredit ihrer Geldsorgen zu entledigen? Haben Sie sich auch einmal gefragt, warum die produzierende Wirtschaft solche Angebote nicht aufgreift oder garnicht erst bekommt – jedenfalls nach Angaben der Statistiker nicht in Anspruch nimmt? Sollte diese Frage an den Ohren der Finanzexperten ungehört vorüberziehen oder soll das Konjunkturankurbelungsgeschwafel nur Greti und Bleti für dumm verkaufen? Andererseits sind die Finanzexperten inzwischen auch offener geworden. Sie geben unumwunden zu, dass sie mehr Inflation, also mehr Diebstahl an den Spargroschen der Bürger wollen. Beide Probleme hängen eng miteinander zusammen. Inflation, das heißt die Güterpreise steigen nicht, weil dafür die zahlungsfähige Nachfrage ausbleibt und die zahlungsfähige Nachfrage fehlt, weil die real Nachfragenden nicht mehr Geld haben und/oder nicht mehr kreditwürdig sind. Die Milchmädchenrechnung, mit der die Finanzexperten ihre Inflationswünsche garnieren, lautet: Inflation nötigt die Bürger, ihr angespartes Geld auszugeben, bevor es durch die Inflation entwertet wird. Das steigere die Nachfrage und belebe die Konjunktur. (Den gleichen Effekt sollen seit Silvio Gesell geringe (faktisch negative) Guthabenzinsen haben.) Doch die Milchmädchenrechnung geht nicht auf. Der Grund: a) die Verschuldung ist bereits zu hoch, b) die Zukunftsaussichten sind so schlecht, dass man die Notgroschen trotz fehlender Verzinsung und von Oben angestrebter Entwertung zusammenhält. Das könnte den „Experten“ wegen zu hoher eigner Einkommen entgangen sein? Oder haben sie und die Finanzwirtschaft ganz andere Ziele? Die Ersparnisse der Bürger müssen wie im Falle der Regierungen durch Schulden ersetzt werden, damit sie der finanzwirtschaftlichen Willkür stärker ausgeliefert sind – vielleicht geht es darum: “Ich bin so frei: alles hört auf unser Kommando”!

Einen kurzen Blick in die Führungsnation zur Klärung: Von 1900 bis 1970 häuften die USA für jeden Dollar Output 1,50 $ Schulden an. Inzwischen liegt das Verhältnis bei 3,50 $ Schulden pro Dollar realwirtschaftlichen Outputs. Rechnet man die Differenz über die letzten 30 Jahre zusammen, kommt man auf rund 33 Billionen Dollar. Wo kamen diese „Werte“ her? Aus den Ersparnissen konnten sie nicht gekommen sein, denn die Sparquote ist über den gesamten Zeitraum gesunken. Auch die Löhne und Gewerbegewinne sind in den USA, inflationsbereinigt, seit den 1970ern kaum gestiegen. An einer höheren Produktivität kann es nicht gelegen haben, da die Wertentwicklung mit dem tatsächlichen Output verglichen wurde? Und wem wurden diese “Werte” erfolgreich untergejubelt und wer kommt für die Zinsen auf.

Manche glauben immer noch das Märchen, Banken würden Ersparnisse verleihen. Im modernen Finanzsystem vergeben Banken aus dem Nichts Kredite. Geldmenge und Schulden steigen zugleich, wenn Banken Kredite vergeben. Und Banken müssen kaum noch Reserven für die ausgegebenen Kredite halten. Deshalb ist die Grenze für neue Kredite (solange man kreditwürdige Kreditnehmer findet) schier grenzenlos. Mit den Krediten wachsen die Schulden. Nur, diese sind nicht grenzenlos. Irgendwie, irgendwann werden die Ansprüche auf die Zukunft geltend gemacht. Die Theorie des Finanzsystems, dass sich durch Krediterleichterungen realer Reichtum schaffen ließe, indem man die Schulden schneller wachsenlässt als das BIP, ist üble Bürgerfängerei. Damit steigert man die Schuldabhängigkeit und Unterwerfung unter den Willen der Kreditgeber.

Die gleiche Bauernfängerei erleben wir bei der Medienberichterstattung über die Ukraine oder bei dem von Brüssel anerkannten Primär-Überschuss im griechischen Staatshaushalt. Zur Ukraine sagte Gabriele Krone-Schmalz das Nötigste, zu Griechenland der griechische Ökonom Yanis Varoufakis. Er zeigt, dass und wie die Zahlen – wahrscheinlich mit Wissen der EU und Frau Merkels – frisiert wurden, um vor den EU-Wahlen die Diskussion von demnahezu unausweichlichen griechischen Schuldenschnitt abzulenken. Man griffwieder auf den gleichen Trick zurück, mit dem Griechenland, das den Kriterien nicht entsprach, damals in die EU geschleust worden war, und versteckte Zahlungsverpflichtungen in die „weißen Löcher“ der staatlichen Pensionsfonds. (Mehr dazu hier: Primär-Überschuss im griechischen Staatshaushalt).

Mein Ratschlag: Sie sollten die Rentabilität Ihres Vertrauens in die „anerkannten“ Medien überprüfen und es wie viele Ihrer sparsameren Mitbürger halten (vgl.die Rache der verschwundenen Leser).Schulden

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