Das letzte Wort

On October 6, 2013, in Italien, Schweinereien, by admin

Das letzte Wort

Über Erich Priebke ist bereits viel geschrieben und gesagt worden. Mit seinen nun 100 (!) Jahren Lebensalter steht er sinnbildlich für das Deutschland des vergangenen Jahrhunderts. Angefangen 1913 in seiner Blütezeit, auf dem Höhepunkt wirtschaftlicher, wissenschaftlicher und politischer Macht, hineingerissen worden in den Großen, den Ersten Weltkrieg, gedemütigt worden, dann wie Phoenix aus der Asche wieder emporgestiegen, zu neuer Kraft und neuem Selbstbewußtsein, die Gegnerschaft seiner alten und neuen Widersacher auf den Plan rufend, um dann in einem sechsjährigen Weltringen auf ganzer Linie zertrümmert zu werden, geographisch, wirtschaftlich, menschlich – und seelisch. Um dann nach 1945 in die Immigration zu gehen, jenseits der Gefilde der herrschenden auserwählten Machteliten, in ein neues Leben, bescheiden, eine eigene Familie, eine deutsche Familie aufbauend, um dann jäh, sich schon im späten Lebensalter befindend, wiederum von den auserwählten Handlangern ins Zerrlicht der medialen Öffentlichkeit gezerrt zu werden, um dort als Verkörperung des Bösen bloßgestellt zu werden, jeder zivilisatorischer Rechte beraubt, ohne jeglichen Schutz von offizieller Stelle, erst recht nicht aus seiner deutschen Heimat. Nur einzelne Unterstützer, wie seine italienischen Anwälte, hatten die menschliche Größe, sich an die Seite dieses alten, aufrechten und mannhaften deutschen Mann zu stellen, um trotz aller Widrigkeiten ihm die gebotene Hilfe zu geben.

In einer juristischen Groteske ohne gleichen wurde er schlußendlich, im dritten Anlauf, bereits 85 Jahre alt, Ende 1998 in Italien zu lebenslänglicher Haft verurteilt. Für eine Tat, die mehr als 50 Jahre zurücklag, bei der seine ranggleichen Offizierskollegen nach dem Krieg bereits freigesprochen worden waren, sein unmittelbarer Vorgesetzter, der aus rein persönlicher Motivation heraus – er hatte ein uneheliches Kind gezeugt und sah sich im Zugzwang gegenüber der SS-Hierarchie – eine übereifrige und überkorrekte Umsetzung der von Adolf Hitler persönlich angeordneten Repressalie auf den mörderischen Terroranschlag in der Via Rasella gezeitigt hatte, dabei seine engsten Mitarbeiter wie Erich Priebke in das Unheil mitreißend, dieser Herbert Kappler mit zweifelhaften juristischen Winkelzügen entgegen aller bisherigen militärischen Rechtssprechung für schuldig gesprochen worden war, obgleich Offiziere aus höheren militärischen Rängen, die ihm den Befehl zur Repressalie erteilt hatten, selbst nicht belangt wurden – denn die Kleinen hängt man und die Großen läßt man laufen. Eine Tat, die in einer Zeit geschah, in der weltweit millionenfach auf Anordnung der jeweiligen Staaten- und Militärführer getötet und gemordet wurde, ohne daß später jemals diese zur Rechenschaft gezogen wurden, erst recht nicht auf der Seite der Sieger – es also offensichtlich 1.000fachen Grund gegeben hätte, ganz andere, militärisch-politisch weitaus bedeutsamere Personen anzuklagen, wurde also in den 90er Jahren eine weltumspannende mediale Polit- und Justizposse aufgezogen, in dessen Zentrum ein einfacher deutscher Mann aus Argentinien stand, Erich Priebke.

Entgegen den üblichen Handlungsweisen vieler seiner zeitgenössischen Landsleute knickte er aber vor den Anschuldigungen, Verleumdungen und Schmähungen seiner Widersacher nicht ein, sondern verteidigte sich mannhaft, überzeugt von seiner Schuldlosigkeit, mit dem Mut zur Wahrheit, zur ganzen Wahrheit, ohne dabei die eigene Verantwortung zu leugnen, die er auf sich hatte nehmen müssen, wie Millionen anderer Soldaten auch zu dieser Zeit. Er zeigte vor Gericht und später auch in Fernseh- und Zeitungsinterviews, erst recht in seiner über 1.000-seitigen Autobiographie „Vae victis“, sein Mitgefühl für die Angehörigen der Opfer der ihm zur Last gelegten Tat, bedauerte zutiefst das Geschehene, erlag jedoch nicht der Versuchung, wie viele andere Schwache und Wankelmütige vor und nach ihm, seine Ehre und Würde im Austausch für eine vermeintliche „Erlösung“, dem geforderten Kotau vor den heuchlerischen Anschuldigungen, abzugeben. Dies tat er, trotz aller Lasten und Anfeindungen, in einer edlen, aufrechten, besonnenen und charakterfesten Art, die seines gleichen sucht, was seine Widersacher wiederum noch mehr reizte, diesem Symbol deutscher Tugend in übelster Weise nachzustellen.

Entgegen allen üblichen juristischen und ethischen Normen Italiens wurde also der alte und bereits kranke Erich Priebke zu lebenslanger Haft verurteilt. Erst dank des uneigennützigen Einsatzes seines großen Helfers, des italienischen Anwaltes Dr. Paolo Giachini, konnte Ende 1997 erreicht werden, daß Priebke seine Gefängnishaft zumindest in eine menschenwürdigere Hausarrestinhaftierung umgewandelt bekam. Die auserwählten Kreise Italiens und anderen Ortes schmeckte dies ganz und gar nicht, und so war es auch keine Überraschung, daß sie jede neue Gelegenheit nutzten, um sich öffentlich an ihrem deutschen Opfer zu rächen, so als er beispielsweise in einem Restaurant in großer Freundesrunde seinem 90. Geburtstag feiern konnte und dies gnadenlos medial ausgeschlachtet wurde. Bezeichnend für diese außerordentliche menschliche Tragödie war auch die Tatsache, daß sich weder die politischen Würdenträger Deutschlands und Italiens, noch der von seinem Hausarrest nur Hunderte Meter entfernt sich befindliche deutsche Papst die geringsten Anstalten unternahmen, um dem der alttestamentarischen Rache ausgesetzten alten deutschen Mann zur Hilfe zu kommen. All die von diesen wohlfeil und gebetsmühlenartig öffentlich zur Schau vorgetragenen Losungen über Menschlichkeit, Barmherzigkeit, Nachsicht und Toleranz waren in diesem Fall tabu, denn es ging ja hier um die personifizierte Schändlichkeit, das Übelste des Üblen, den Satan in Person.

Auch sein 100. Geburtstag, am 29. Juli 2013, änderte nichts daran. Fast schien es, als müßten die auserwählten Kreise nochmals mit aller Macht ihre Niedertracht und Schändlichkeit der Welt offenbaren, wie sie einen 100-jährigen Greisen als die Verkörperung des Bösen darstellten, der nicht im Ansatz die ihm allein schon wegen seines hohen Alters zustehende Milde und Gnade verdient hätte. Der Wahnwitz dieses ganzen teuflischen Zirkus wird dem bewußt, der sich mit der Lebensgeschichte von Erich Priebke auseinandergesetzt hat, aber erst recht dem, dem das Glück vergönnt war, diesen edlen und liebenswürdigen Mann persönlich kennenzulernen. Wer ihn in seiner von seinem Anwalt zur Verfügung gestellten Wohnung traf und sich mit ihm unterhielt, der spürte, welche eine besondere Aura, welche menschliche Güte, Wärme und Friedfertigkeit von ihm ausging. Wie er, der nach dem Krieg zum katholischen Glauben übergetreten war, auch seinen Feinden, die ihm nun wirklich aufs Übelste mitgespielt hatten, nicht feindselig gesinnt war, sondern trotz alledem die Hoffnung hatte, daß er noch zu Lebzeiten seinen höchsten Wunsch in Erfüllung gehen sehen würde – die ihm zustehende volle Freiheit gewährt zu bekommen. Seine Haltung, sein Kraft, sein Willen, sein Mut, seine Güte, seine Liebe zu den Mitmenschen speiste sich auch aus dieser inneren Quelle, zu Lebzeiten noch den Makel des Gefangenen ablegen zu können.

Wie es heute, am Sonntag, den 6. Oktober 2013 erscheint, wird wohl dieser sein Wunsch nicht mehr in Erfüllung gehen. Im September hatte sich sein Gesundheitszustand erheblich verschlechtert, er mußte sogar, obgleich er dies hatte vermeiden wollen, für einige Tage ins Krankenhaus verlegt werden. Nun ist er wieder in „seiner“ Wohnung, umsorgt von seinen engsten Verwandten, seiner italienischen Lebensgefährtin und seinem Anwalt und Schutzengel, Dr. Paolo Giachini. Nach allem, was aus Rom zu erfahren ist, scheint nun doch sein Lebensmut aus seinem Körper entweichen zu wollen. 100 Jahre sind eine lange Zeit, die auch dem größten Mann eines Tages doch zu viel Kraft abverlangen. Diese Stahlkraft eines treuen, großen und edlen deutschen Mannes zu Ende gehen zu sehen, das kann einen Menschen mit Herz und Verstand nicht unberührt lassen. Sich an die Seite von Erich Priebke zu stellen, ist das Gebot der Stunde, für jeden anständigen Deutschen, Italiener, Juden oder sonstigen Menschen, der sich mit der Geschichte dieses 100-jährigen befaßt hat.

Erst recht dann, wenn ihm auch noch in allerletzter Sekunde aus den Reihen der unanständigen und niederträchtigen Journaille der Eselstritt zugefügt werden soll, wie mit dem unsäglichen Artikel eines Malte Herwig aus Hamburg im Magazin der Süddeutschen Zeitung geschehen. „Der letzte Fall“ ist dieses Schandwerk tituliert, das in dem Sinne zu Recht seinen Titel trägt, denn es ist wahrlich der letzte Fall an mieser Hinterhältigkeit und Menschenverachtung, der über das Leben von Erich Priebke zu Papier gebracht worden ist. Daß dieses nicht das letzte öffentliche Wort über ihn sein sollte, daß dieses nicht die letzte geschriebene Verlautbarung zu Lebzeiten diesen alten, deutschen Mann aus Rom sein sollte, das war Sinn und Antrieb für diese Zeilen. Es war dem Autor dieser Zeilen vergönnt, Erich Priebke persönlich kennengelernt zu haben, am Ende seines langen Lebens in mehreren Gesprächen mit ihm in seiner Wohnung in Rom. Und es war ihm eine Ehre und eine Freude, diesem außergewöhnlichen Menschen ein guter Kamerad geworden zu sein. Erich Priebke – ein Mann aus Schrot und Korn, ein Deutscher mit Würde und Anstand, Charakter und Ehre, ein Vorbild für uns alle, ein Mann, wie es diese nur wenige auf Erden gibt. Erich Priebke – ein deutscher Mann. Und wer weiß – vielleicht wird Erich Priebke diesem Hamburger Schmierfinken von der Süddeutschen Zeitung eine noch weitaus bessere Antwort geben, als es diese Zeilen vermögen, in dem er sich bald wieder von seiner schweren Erkrankung erholen wird und seinen Widersachern deren hämische Freude ob seines weltlichen Endes vergraulen wird. Möge Erich Priebke uns noch lange erhalten bleiben.

Ein deutscher Freund

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