USA gegen den Iran: Angriff unter falscher Flagge?

Gerhard Wisnewski

 

Es ist offensichtlich, dass sowohl die USA als auch Israel nur zu gerne Krieg gegen den Iran führen würden – wegen fiktiver Massenvernichtungswaffen. Das war bereits im Fall Saddam Hussein so. Nur: Wie soll man diesen Krieg anfangen? Beobachter haben da so einen Verdacht: Mit einer gefälschten Attacke auf den veralteten US-Flugzeugträger USS Enterprise.

 

»Aller Anfang ist schwer« – das gilt auch für einen Krieg. Denn wie soll man ihn beginnen, ohne als Aggressor dazustehen? Bekanntlich wird nicht erst seit Adolf Hitler immer nur »zurückgeschossen«. Und schließlich gibt es auf der ganzen Welt nur Verteidigungsministerien. Wenn das allerdings wahr wäre, könnte es logischerweise gar keinen Krieg geben. Da es aber Kriege gibt, kann das nur heißen, dass einige dieser Verteidigungsministerien in Wahrheit

Kriegsministerien und manche der edlen Verteidiger in Wahrheit Aggressoren sind. Aus Gründen der Legitimation gegenüber der Welt, dem eigenen Lager, aber auch gegenüber der Geschichte darf man selbst jedoch niemals als Schurke dastehen.

 

Der beliebteste Kriegsgrund: Die Vernichtung von Schiffen

 

Daher gehört der inszenierte Kriegsgrund zum festen Repertoire der Militärs. Egal, ob der Untergang des US-Kriegsschiffes Maine 1898 in Havanna (spanisch-amerikanischer Krieg), der angeblich polnische Angriff auf den deutschen Sender Gleiwitz 1939 (Zweiter Weltkrieg), der angeblich überraschende Überfall der Japaner auf die US-Marinebasis Pearl Harbor 1941, der angebliche Angriff vietnamesischer Schnellboote auf ein amerikanisches Kriegsschiff im Golf von Tonkin 1964 (Vietnamkrieg) oder der 11.9.2001 (»Krieg gegen den Terror«) – alle diese Kriegsgründe waren mehr oder weniger inszeniert und aus der Luft gegriffen. Und was auch immer der Grund für einen Krieg gegen Syrien und den Iran sein wird – eines kann man schon jetzt sicher darüber sagen: Dass er gelogen sein wird.  Das ist Punkt 1.

 

Punkt 2: In die Inszenierung der Gründe für die großen US-Kriege gegen Spanien (Maine 1898), Deutschland (Lusitania 1915), Japan (Pearl Harbor 1941) und Vietnam (Tonking 1964) waren immer Schiffe und meistens die U.S. Navy involviert (Maine, Pearl Harbor, Tonkin). Ein weiterer Vorfall war der israelische Überfall auf das US-Kriegsschiff USS Liberty am 8. Juni 1967 während des Sechstagekriegs zwischen Israel, Ägypten, Jordanien und Syrien, wobei ungekennzeichnete israelische Flugzeuge die Liberty beschossen. »Das Bild, das sich daraus ergibt, ist das einer gewagten israelischen Verschwörung, um einen  ägyptischen Angriff auf ein amerikanisches Spionageschiff zu fälschen und Amerika auf diese Weise einen Grund zu liefern, offiziell in den Krieg gegen Ägypten einzutreten«, heißt es in der Pressemeldung zu der BBC-Dokumentation »Dead in the Water« aus dem Jahr 2002. »›Dead in the Water‹ deckt auf, dass Israel mit voller Absicht ein amerikanisches Schiff attackierte, um es so schnell wie möglich zu versenken«. Tatsächlich seien auch bereits amerikanische Bomber von einem US-Flugzeugträger im Mittelmeer gestartet – mit dem Ziel Kairo. Die Bomber »wurden jedoch gerade noch rechtzeitig zurückgerufen, nachdem klar war, dass Israel verantwortlich und die Liberty nicht mit Mann und Maus gesunken war.« Tatsächlich sieht es aus, als sei die Inszenierung dieses Kriegsgrundes daran gescheitert, dass das Schiff nicht schnell genug versenkt werden konnte. Plötzlich ließen die Israelis von ihrem Angriff ab, änderten ihr Verhalten um 180 Grad und boten dem beschädigten Schiff Hilfe an. 34 US-Soldaten kamen ums Leben, 171 wurden verletzt.

 

Die USS Liberty

 

Die Liberty läßt grüßen

 

Verschiedenen Quellen zufolge hatten israelische und US-Geheimdienste konspiriert, um die Liberty zu versenken. Die U.S. Navy ist die mächtigste Waffengattung der Vereinigten Staaten (und der Welt) und daher an erster Stelle an Kriegen interessiert und beteiligt. So entwickelte die U.S. Navy Anfang der sechziger Jahre auch das False-Flag-Szenario »Northwoods«, das später zur Blaupause für die Anschläge des 11.9.2001 wurde.

Punkt 3: Es entspricht der Logik auf diese Weise inszenierter Kriegsgründe, dass als Ziel meistens veraltete Anlagen oder veraltetes Kriegsgerät herhalten müssen. 1941 warfen die Amerikaner den Japanern alte und ausmusterungsreife Kriegsschiffe in der Marinebasis Pearl Harbor zum Fraß vor, am 11.9.2001 wurde ein sanierungsbedürftiger, asbestverseuchter und hoch versicherter Gebäudekomplex geopfert.

 

Ein Torpedo aus dem Nichts?

 

Bleibt nur die Frage, wie die USA (und möglicherweise Israel) wohl den nächsten großen Kriegsgrund inszenieren werden, und zwar für einen Krieg gegen den Iran. US-Kriegsschiffe kreuzen schließlich bereits jede Menge vor den Küsten des Iran, und zwar im Persischen Golf, im Golf von Oman und in der Straße von Hormus – eine Meerenge zwischen den beiden Golfen. Eine »verirrte« Rakete oder ein Torpedo aus dem Nichts dürfte genügen, um den USA den Vorwand zum Losschlagen zu liefern. Spiegel Online zufolge wächst in der US-Marine bereits »die Angst vor iranischen Angriffen« – was natürlich ein Witz ist. In Wirklichkeit wächst in der US-Marine der Wunsch nach iranischen Angriffen. »Wir sind nicht unverwundbar«, bereitet Vize-Admiral Mark Fox, »der eine Flotte im Persischen Golf kommandiert«, die Welt schon mal auf kommende amerikanische Verluste vor – die natürlich absehbare Konsequenzen haben werden, nämlich einen Krieg gegen den Iran. Der Iran habe »die Zahl seiner U-Boote und die Zahl seiner schnellen Angriffsboote erhöht. Einige der kleineren Schiffe wurden mit einem großen Sprengkopf ausgerüstet, der als Selbstmordbombe benutzt werden kann.« Nach dem Motto »Wir haben es ja gleich gesagt« wird damit der unwahrscheinliche Fall einer Attacke des hoffnungslos unterlegenen Iran auf die Supermacht USA psychologisch vorbereitet.

 

 

Wie der Angriff konkret ablaufen könnte, pfeifen die Spatzen bereits von den Dächern – in diesem Fall die Spatzen der Jerusalem Post (9.1.2012): »Der Iran wird genau wie Nazi-Deutschland in den 40er Jahren die Initiative ergreifen und dem US-Präsidenten ›helfen‹, dem amerikanischen Volk die Augen zu öffnen, indem er mit dem Angriff auf einen US-Flugzeugträger im Persischen Golf den ersten Schritt macht.« Allerdings ist der weit unterlegene Iran weder mit »Nazi-Deutschland« zu vergleichen, noch erschließt sich, warum der Iran dem US-Präsidenten helfen sollte, einen Krieg anzuzetteln. In Wirklichkeit ist das absolut widersinnig. »In diesem ›Pearl Harbor‹-ähnlichen Szenario, in dem der Iran einen ›Überraschungsangriff‹ auf die US-Marine unternommen hat, hätten die USA eine perfekte Rechtfertigung, um den Iran fertig zu machen und dem hässlichen Spiel ein Ende zu machen.« Der Verweis auf Pearl Harbor und die Anführungszeichen bei dem Wort »Überraschungsangriff« sprechen Bände. In Wirklichkeit stellt sich natürlich die Frage: Warum sollte der Iran den USA einen »perfekten Vorwand« liefern, um sich »fertig machen« zu lassen?

Opferlamm Enterprise

 

Als wahrscheinliches »Opferlamm« haben Beobachter den 51 Jahre alten US-Flugzeugträger USS Enterprise ausgemacht. Am 22. Januar 2012 kündigte US-»Verteidigungsminister« Leon Panetta die Entsendung der Enterprise in den Persischen Golf an. Ganz offiziell wird dies die letzte Fahrt der Enterprise sein, »bevor der Flugzeugträger im November außer Dienst gestellt wird« (Hürriyet Daily News, 22.1.2012). 2013 steht die äußerst kostspielige Verschrottung des nuklear getriebenen Riesenschiffs an. Gut möglich, dass die USA genau wie in Pearl Harbor eine billigere Lösung suchen und mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen wollen. »Der letzte Einsatz der Enterprise erfolgt in einem Augenblick erhöhter Spannungen mit dem Iran, der gedroht hatte, die Straße von Hormus zu schließen – den wichtigsten Öl-Transportweg der Welt.« (Hürriyet, ebenda)

 

Der veraltete US-Flugzeugträger USS Enterprise

 

Nach einer Übung im Atlantik soll die Enterprise im März in den Golf aufbrechen, um direkt in der Straße von Hormus vor der Nase der Iraner Schau zu laufen: Laut Panetta soll die Fahrt des Trägers durch die Meerenge »eine direkte Botschaft an Teheran« sein (Associated Press, 22.1.2012). Das Opferlamm wird also in den dunklen Hohlweg geschickt, während die Wölfe bereits warten, ob sich der Fuchs aus der Höhle traut. Denn schließlich befinden sich bereits zwei US-Flugzeugträgerverbände in der Region: Die USS Abraham Lincoln und die USS Carl Vinson (RIA Novosti Online, 26.1.2012). Somit hätten die USA nach dem Verlust der Enterprise genügend militärische Power, um  »Vergeltung« zu üben – wie immer nach dem Motto »erst schießen, dann fragen«. Und wenn der Fuchs nicht von selber kommt, muss man eben einen Wolf als Fuchs verkleiden.

 

Spektakuläre Bilder für die globalen Medien

 

Diesen Ablauf hält auch der Navy-Veteran Mario Andrade für möglich, ein Spezialist für Minen-Kriegführung, Leckbekämpfung und Bekämpfung von Unterwassersprengsätzen, der am ersten US-Golfkrieg (1990-1991) teilnahm.

»Angesichts der langen Geschichte von Angriffen unter falscher Flagge in der Vergangenheit der US-Marine, kann man dieses Szenario nicht ausschließen«, schrieb er in einem Artikel für Deadline Live Online (29.1.2012). Da ein Flugzeugträger sehr schwer zu versenken sei, könne ein Angriff auf die USS Enterprise gleichzeitig mit Torpedos, Minen und/oder U-Boot-Raketen erfolgen. Oder Saboteure aus der Besatzung könnten einen der acht Atomreaktoren an Bord beschädigen. »Leider ist die Wahrscheinlichkeit für ein solches Szenario sehr hoch«, meint Andrade. Ebenso gut könnten aber auch Geheimdienstler zusammen mit Spezialkräften einen Sabotageakt durchführen. Oder es könne ein Planspiel des früheren US-Verteidigungsministers Dick Cheney zum Einsatz kommen, in dem als Iraner verkleidete Special Forces einen Flugzeugträger mit Torpedobooten angreifen sollten – zusammen mit »Unterwassersprengungen durch die Navy Seals. Auch wenn die Enterprise nicht sinken würde, würden solche Operationen spektakuläre Bilder liefern, so Andrade.

 

Ob der Träger sinken würde, hänge neben der Stärke des Angriffs allerdings auch von seinem Standort ab.  Da das Wasser im Persischen Golf nicht sehr tief sei (20 bis 30 Meter), sei der ideale Ort für die Operation eigentlich der Golf von Oman. Wenn die Navy ihren Träger also ein für alle Mal los werden will, wäre dies der Schauplatz der Wahl. Wie auch immer – sicher scheint nur eins zu sein: Wenn tatsächlich ein US-Schiff vom Iran angegriffen werden sollte, handelt es sich mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit um eine Aktion unter falscher Flagge. Denn so verrückt, den Riesen USA in die Flanke zu pieksen, um ihm einen Kriegsgrund frei Haus zu liefern, ist der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad wohl kaum… (120)

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